Die St. Louis Blues sind wieder zurück

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Es liest sich wie die Statistik der üblichen Verdächtigen aus Detroit, Pittsburgh, Vancouver oder Chicago: 47 Siege in 76 Spielen, 103 Punkte, Platz eins im NHL-weiten Vergleich und als erstes Team für die Playoffs qualifiziert.

Jedoch zeigt sich keines der genannten Teams dafür verantwortlich, sondern vielmehr sind es die St. Louis Blues, die 2005/2006 noch die schwächste Truppe der Liga waren.

Der Erfolgsrun der Blues kommt überraschend, ist jedoch alles andere als Zufall. Der kontinuierliche und behutsame Aufbau einer neuen Mannschaft scheint sich in St. Louis endlich auszuzahlen.

Tiefpunkt 2006

Doch zurück zum Start, zur jener Saison, die wohl jeder Blues-Fan gern aus seinem Gedächtnis streichen würde. Mickrige 21 Spiele konnte St. Louis im Jahr eins nach dem Lockout für sich entscheiden, und verpasste damit erstmals seit 1979 und erst zum vierten Mal überhaupt die Playoffs. Grund Genug für einen totalen Umbau.

Der langjährige Manager David Plea musste fast all seine Kompetenzen an den ehemaligen N.Y.-Rangers Torwart John Davidson abtreten. Mit Doug Armstrong wurde ihm 2008 ein Sportdirektor zur Seite gestellt. Gemeinsam wagten die beiden Herren den radikalen Schnitt.

T. J. Oshie steht bei 50 Scorerpunkten

Kompletter Neuaufbau

Altstars wie Bill Guerin, Keith Tkachuk und Dennis Wideman wurden im Tausch gegen Draft-Picks abgegeben. Mit T.J. Oshie, David Perron und Alex Pietrangelo holte man sich hoffnungsvolle Talente.

Nach und nach entstand eine junge, erfolgshungrige Truppe, die sich 2008/2009 sogar für die Playoffs qualifizieren konnte. Die Freude über den Erfolg währte aber nur kurz. Die Vancouver Canucks schickten die Blues gleich in der ersten Runde mit einem 4:0-„Sweep“ in den Sommerurlaub.

Nachdem 2010 die Playoffs erneut verpasst wurden, entschied man sich im Sommer 2011 dazu, die unerfahrene Mannschaft mit NHL-Veteranen zu ergänzen.

Oldies komplettieren das Team

Davidson und Armstrong machten auch hier keine halben Sachen und holten sich geballte Stanley-Cup-Power mit ins Boot. Kent Huskins (32) und Jason Arnott (37) stemmten den Cup bereits einmal in die Höhe, Jamie Langenbrunner (36) sogar schon zweimal. Und Scott Nichol (37) stand immerhin schon zweimal in einem Conference Finale.

Dieses Quartett sollte den Jungen zeigen, wie man in den Playoffs besteht. Doch dies ist nicht allein der Grund für den momentanen Höhenflug der Blues. Was also macht St. Louis diese Saison zum besten Team der Liga?

LAOLA1 hat folgende Punkte ausgemacht:

Brian Elliot ist kaum zu überwinden

  • Die Torhüter
    St. Louis verfügt gleich über zwei starke Torhüter. Brian Elliot und Jaroslav Halak gehören zu dem Besten was die NHL zu bieten hat. Das ist umso bemerkenswerter, da beide letzte Saison enttäuscht haben. Elliot hatte nach einem Katastrophenjahr (3,34 Gegentore pro Spiel) sogar Glück, überhaupt noch von einem NHL-Team unter Vertrag genommen zu werden.
    Er zahlte das Vertrauen des Blues-Managements jedoch gleich mit überragenden Leistungen zurück. Sowohl seine Save-Percentage mit 94,1% gehaltenen Schüssen, als auch die 1,52 Gegentore, die er im Schnitt pro Spiel kassiert sind absoluter Liga-Spitzenwert. Während Elliot schon die ganze Saison konstant gute Leistungen zeigt, ist Halak im Jahr 2012 regelrecht explodiert. 21 Siege stehen nur 4 Niederlagen und einem Unentschieden gegenüber. Insgesamt kassierte er 2012 nur 37 Tore und konnte fünf Shutouts verbuchen.

  • Der Trainer
    Zu Beginn der Saison konnten die Blues die hohen Erwartungen, die das Management in die Mannschaft setzte, nicht erfüllen. Sieben Niederlagen nach 13 Spielen gaben den Verantwortlichen Grund genug den jungen Trainer Davis Payne (41) zu entlassen, und durch den erfahrenen Ken Hitchcock, der mit den Dallas Stars 1999 den Stanley Cup gewinnen konnte, zu ersetzen. Somit war das letzte Puzzlestück für eine erfolgreiche Zukunft gefunden.
    Denn Hitchcock ist der perfekte Trainer für St. Louis. Der 60-jährige Kanadier lässt körperbetontes Eishockey spielen, bei dem die Defensive im Vordergrund steht. Dies kommt den Blues, die über viele physisch starke Spieler verfügen, entgegen. Aber Hitchcock versteht es auch die jungen Cracks gezielt einzusetzen und zu entwickeln.

  • Die Stärke bei gleichen Kräfteverhältnissen
Spricht man sonst immer von der Wichtigkeit eines funktionierenden Powerplays, ist St. Louis gerade bei gleichen Kräfteverhältnissen eine Klasse für sich. Die Blues haben bei gleicher Anzahl von Spielern auf dem Eis (fünf gegen fünf und vier gegen vier) 133 Tore erzielt. Dieser Wert alleine ist nicht der Rede wert, 19 NHL-Teams haben mehr Treffer erzielt. Die 92 Treffer, die sie allerdings bei Gleichzahl hinnehmen mussten, suchen ligaweit ihresgleichen. Zum Vergleich: Die Detroit Red Wings folgen mit 119 Gegentoren auf Platz zwei.

Kevin Shattenkirk übertrifft alle Erwartungen

  • Der Glücksgriff Shattenkirk
    Kevin Shattenkirk, der eigentlich nur als „Zusatz“ in einem Deal mit Colorado eingebunden war, bei dem der Nummer eins Draft Pick von 2006 Erik Johnson im Tausch mit Chris Stewart nach Colorado geschickt wurden, erweist sich als Glücksgriff. Der Verteidiger kann bereits 41 Scorerpunkte für sich verbuchen und ist auch in der Plus/Minus Wertung ganz vorne zu finden. Mit seinen +25 rangiert er auf Platz vier unter den Verteidigern.

  • Das Penalty Killing
    Die Blues konnten ihre Performance im Penalty Killing extrem steigern. Während sie sich zu Beginn der Saison noch auf ihre Stärke im fünf gegen fünf und vier gegen vier verlassen mussten, haben sie mittlerweile eine Erfolgsquote von 85,2 Prozent in numerischer Unterlegenheit. Das ist der siebtbeste Wert der Liga. Es gelang ihnen sogar das Kunststück 51 Unterzahlsituation in Folge unbeschadet zu überstehen. Zwei erfolgreiche Penalty Killings mehr und es wäre ein neuer NHL-Rekord gewesen.

  • Kontinuierliche Entwicklung, keine Verletzungen
    Die eingangs schon erwähnte junge Mannschaft schöpft ihr Potential bestens aus, und entwickelt sich unter Hitchcock von Spiel zu Spiel weiter. Das Defensiv-Duo Alex Pietrangelo (22)und Kevin Shattenkirk (23), sowie die Stürmer David Perron (23), Patrik Berglund (23), Vladimir Sobotka (24), Chris Stewart (24), T.J. Oshie (25) und David Backes (27) sind alle noch am Anfang ihrer Eishockey-Karriere. Außerdem sind die Blues bis jetzt  vom Verletzungspech verschont geblieben. Nur Alexander Steen fällt mit einer Gehirnerschütterung länger aus.

Ausblick
Ob St. Louis auch in den Playoffs ein Wörtchen mitzureden hat, bleibt abzuwarten, da das Team alles in allem doch recht unerfahren ist. Dies kann gerade in engen Spielen ein wichtiger Faktor werden. Angesichts des ungeheuren Potentials dieser Mannschaft, ist jedoch davon auszugehen, dass St. Louis in den nächsten Jahren wieder zum regelmäßigen Playoff-Teilnehmer wird, und vielleicht sogar an die erfolgreichen Zeiten vor dem Lockout anknüpfen kann.

 

Fabian Santner

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