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Detroit Red Wings ziehen AHL-Coach hoch

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Was mit Spielern funktioniert, sollte doch auch mit Trainern möglich sein.

So etwas in der Art muss sich Detroits General Manager Ken Holland gedacht haben, als er sich dazu entschieden hat, Jeff Blashill zum neuen Headcoach der Red Wings, dem insgesamt 27. der Franchise, zu ernennen.

„Er ist bereit für die NHL“

Der 41-jährige US-Amerikaner war in den letzten drei Jahren nämlich für Detroits AHL-Farmteam, die Grand Rapids Griffins zuständig.

Zahlreiche junge Spieler wie etwa Gustav Nyquist, Tomas Tatar, Riley Sheahan oder Luke Glendening reiften unter ihm zu NHL-Cracks und etablierten sich in der besten Liga der Welt. Nun geht Blashill denselben Weg, wie viele seiner Schützlinge vor ihm.

„Ich höre auf meinen Instinkt. Er ist ein großartiger, junger Coach, der bereit für die NHL ist“, so Holland, der schon vor einem Jahr entschieden hat, dass Blashill das Ruder übernehmen soll, falls Langzeit-Coach Mike Babcocks die Red Wings verlässt.

Blashill war heiß umworben

Warum auch nicht? Zwar mangelt es dem nach John Hynes (40) von den New Jersey Devils zweitjüngsten Coach an NHL-Erfahrung, allerdings stellte er in der AHL mehrfach unter Beweis, dass aus ihm ein ganz Großer werden kann.

Blashill gewann mit den Griffins 2013 den Calder Cup, wurde im Jahr darauf als Coach des Jahres ausgezeichnet und erreichte in dieser Saison das Finale der Western Conference.

„Du hast nicht so großen Erfolg auf AHL-Level, wenn du kein guter Coach bist, so einfach ist das“, so Holland. „Du brauchst auch dort ein System und eine ausgereifte Trainings-Philosophie.“

Das war natürlich auch den anderen Mannschaften nicht verborgen geblieben, letzten Sommer, als der Vertrag des dreifachen Familienvaters auslief, wollten gleich fünf NHL-Teams mit Blashill über eine mögliche Zusammenarbeit sprechen. Aufgrund Hollands Zusage, bei einem Verbleib der nächste Red-Wings-Coach zu werden, verlängerte er aber in Detroit.

Erster offizieller Auftritt: Besuch des Baseball-Teams Detroit Tigers

Vorbild Tampa Bay

Was ein junger Coach, der vom eigenen Farmteam in die NHL kommt, bewirken kann, sieht man derzeit bei Tampa Bay. Jon Cooper verbrachte ebenfalls erst drei Jahre in der AHL, ehe er hochgezogen wurde und nun mit den Lightning im Finale um den Stanley Cup steht.

Wie Blashill gewann er den Calder Cup, und wie der neue Headcoach der Red Wings arbeitete er zuvor erfolgreich in der United States Hockey League, wo beide den Clark Cup erringen konnten. Cooper 2010 mit den Green Bay Gamblers, Blashill mit den Indiana Ice ein Jahr zuvor.

Es der Franchise aus Florida nachzumachen und wieder um den Stanley Cup mitzuspielen, ist natürlich das vorrangige Ziel. Detroit schaffte diese Saison zwar zum 24. Mal in Folge den Einzug in die Playoffs, musste in den letzten vier Saisonen aber dreimal bereits in der ersten Runde die Segel streichen. Zu wenig, für die Traditions-Franchise.

Geduld zahlt sich aus

Daneben soll das Team aber weiter verjüngt werden, bereits jetzt sind neun Spieler 26 Jahre oder jünger, Blashill soll den eingeläuteten Umbruch weiter vorantreiben.

„Wir werden wie immer versuchen in die Playoffs zu kommen und den Stanley Cup zu gewinnen, wollen zugleich aber auch unsere Mannschaft entwickeln“, gibt Holland als Devise aus, will seinen neuen Coach zugleich aber nicht zu sehr unter Druck setzen: „Wenn man mit jungen Spielern arbeitet, muss man manchmal geduldig sein.“

Geduldige Aufbauarbeit ist also angesagt, eine Eigenschaft, die die Red Wings zuletzt erfolgreich mit Spielern und nun anscheinend auch mit Trainern verfolgen.

 

Fabian Santner

Detroit-Legenden stehen hinter Entscheidung

„Dieser Job war alles, was ich wollte“, so der im Detroiter Vorort Southfield geborene und im Norden Michigans in Sault Ste. Marie aufgewachsene Blashill. „Ich kann es gar nicht erwarten, mit der Mannschaft zu arbeiten und zu versuchen, den Stanley Cup zu gewinnen.“

Dabei wird es nicht das erste Mal sein, dass er in der Joe Louis Arena an der Bande steht. Vor seiner Zeit bei den Griffins war er in der Saison 2011-2012, der letzten von Detroit-Legende Nicklas Lidstrom, Babcocks Assistent.

„Das war sicher eine gute Erfahrung für ihn. Er konnte von Babcock einiges lernen, bevor er das Ruder in Grand Rapids übernahm“, ist sich der ehemalige Kapitän sicher.

Mit Chris Chelios ist auch ein zweiter ehemaliger Crack davon überzeugt, dass Blashill erfolgreich sein wird. „Was Struktur und Verantwortungsgefühl innerhalb einer Mannschaft betrifft, gibt es kaum bessere als ihn“, so der 53-Jährige, der angeblich einer von Blashills Assistenten werden soll. „Er weiß genau, wie er mit Spielern reden muss, wie er sie zu besseren Leistungen anstacheln kann.“

Frischer Wind in der Kabine

Mit vielen Spielern hat er das bereits gemacht. Ganze zehn Cracks, die in den diesjährigen Playoffs gegen die Tamap Bay Lightning im Kader der Red Wings standen, spielten unter Blashill bei den Griffins. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, wie Chelios meint. „Das hilft bei der Umstellung zu Beginn enorm.“

Lidstrom glaubt sogar, dass auch die erfahrenen Spieler wie Henrik Zetterberg oder Pavel Datsyuk vom frischen Wind in der Kabine profitieren können.

„Ein junger, hungriger Coach – damit will ich nicht sagen, dass Babcock nicht ebenfalls erfolgshungrig war – kann neuen Schwung bringen. Eine andere Stimme in der Kabine kann auch die älteren Spieler wieder zu Höchstleistungen anspornen.“

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