Außenseiter Los Angeles trifft Underdog Phoenix

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Manch Beobachter schüttelt noch immer den Kopf. Vor Verwunderung ob der Conference Finals.

Die Stanley Cup Playoffs 2012 lieferten nämlich eine Erkenntnis: Das Favoriten-Dasein in der National Hockey League ist kein leichtes.

Zu den prominentesten Opfern dürfen sich Titelverteidiger Boston Bruins und „Presidents-Trophy“-Gewinner Vancouver Canucks zählen. Lediglich die New York Rangers, Triumphator im Osten, trotzten diesem Trend.

Doch wer entthront nun den amtierenden Champion? Die hoch gehandelten Superstars aus dem „Big Apple“ oder einer der Riesentöter aus New Jersey, Phoenix und Los Angeles?

Zuerst gilt es die Anwärter auf den „Holy Grail“ zu selektieren. LAOLA1 analysiert im Vorfeld die zwei brisanten Konstellationen. Das Endspiel der Western Conference im Check:


Ausgangsposition:

Phoenix Coyotes gegen Los Angeles Kings - zwei Mannschaften, denen kaum jemand das Überstehen der ersten Playoff-Runde zugetraut hätte.

Vor allem die Kings, die als Nummer acht Seed in die Postseason gegangen sind, hatte wohl niemand auf der Rechnung. Was nicht verwunderlich ist, denn mit Vancouver und St. Louis schaltete man die punktbesten Teams im Westen aus.

Und wie: Die Canucks fegten sie mit 4:1 vom Eis, St. Louis wurde sogar aus den Playoffs gesweept. Es war das erste Mal, dass die letztgesetzte Mannschaft die beiden Topgesetzten eliminieren konnte.

Aber auch die Coyotes sind überraschend im Conference-Finale. Die Franchise aus Arizona kam in sieben Anläufen nie über die erste Playoff-Runde hinaus.

Diese Saison konnte Phoenix jedoch die Pacific Division gewinnen, und hatte daher als Nummer drei im Westen immer das Heimrecht. Das nutzte das Team eiskalt aus und behielt in der ersten Runde gegen die leicht favorisierten Chicago Blackhawks mit 4:2 die Oberhand. In Runde zwei warfen sie sogar den Geheimfavoriten Nashville Predators mit 4:1 aus dem Bewerb.

Beide Mannschaften mussten nie über sieben Spiele gehen und können ausgeruht ins Conference Finale starten.In der Regular Season trafen sie sechs Mal aufeinander. Die Bilanz ist ausgeglichen, und alle drei Begegnungen endeten denkbar knapp. Es ist alles angerichtet, für einen Showdown.

Schlüsselspieler:

Angriff:

Kings-Kapitän Dustin Brown scheint Playoff-Hockey mehr im Blut zu haben. Nicht dass er mit 54 Punkten in 82 Spielen im Grunddurchgang enttäuscht hätte, aber elf Punkte in neun Postseason-Begegnungen, davon sechs Tore und zwei Game-Winner, sind schon ein mehr als ordentlicher Wert. Was den Right-Wing aber momentan am wertvollsten macht ist seine Torgefährlichkeit im Penalty-Killing. Viermal waren die Kings in Unterzahl erfolgreich, an allen Treffern war Brown beteiligt. Zwei erzielte der 27-Jährige selbst, zwei bereitete er vor.

Über Anze Kopitars Qualitäten muss man eigentlich gar nicht diskutieren. Dennoch sei erwähnt, dass der Slowene bereits zehn Punkte verbuchen konnte und mit durchschnittlich 21:20 Minuten der LA- Angreifer mit der meisten Playoff-Eiszeit ist.

Mike Richards spielt seine Qualitäten vor allem im Powerplay aus. Von den vier Überzahl-Treffern, die die Kings in den Playoffs erzielen konnten, gehen zwei auf sein Konto. Mit einer Erfolgsquote von 53,6% gewinnt er auch mehr Faceoffs als jeder Mitspieler.

Ebenfalls erwähnt sei Jarret Stoll, der wie sein Kapitän auch schon auf zwei Game-Winner kommt. Vor allem sein 2:1-Siegtreffer in der Overtime in Spiel fünf gegen die Canucks war Gold wert, bescherte er Los Angeles doch den Aufstieg in die nächste Runde.

Datum Heim Gast Ergebnis
20.10. Phoenix LOS ANGELES 0:2
29.10. PHOENIX Los Angeles 3:2 OT
26.12. LOS ANGELES Phoenix 4:3
05.01. LOS ANGELES Phoenix 1:0 OT
16.02. Los Angeles PHOENIX 0:1
21.02. PHOENIX Los Angeles 5:4 SO

Spricht man über die Angreifer der Phoenix Coyotes, so muss man zuallererst Kapitän Shane Doan erwähnen. Der 35-jährige Routinier spielt seit 1996 bei den Coyotes und ist das Gesicht der Mannschaft. Der Kanadier verbuchte bis jetzt sechs Punkte und erzielte einen Siegtreffer, außerdem ist er der Phoenix-Angreifer mit der meisten Eiszeit. Er ist ein typischer Leader, kann in entscheidenden Momenten den Unterschied ausmachen.

Topscorer der Mannschaft aus Arizona ist Antoine Vermette mit neun Punkten. Drei seiner fünf Treffer erzielte der Kanadier in Überzahl. Der Center kam erst im Februar von den Columbus Blue Jackets und blüht in Arizona nach einer kurzen Eingewöhnungsphase richtig auf.

Die größte Leistungssteigerung dürfte jedoch Mikkel Boedker in den Playoffs hingelegt haben. Sieben Punkte in elf Spielen, davon zwei Game-Winner, stehen mickrigen 24 Punkten in 82 Regular-Season-Spielen gegenüber.

Ray Whitney führte die Coyotes im Grunddurchgang mit 77 Punkten aus 82 Spielen an, in den Playoffs kommt der Left-Wing noch nicht auf Touren. Lediglich zwei Tore und vier Assists gehen auf das Konto des Kanadiers, eines davon war jedoch der 4:3-Siegtreffer in der Overtime im Auftaktspiel gegen die Predators. Auch er scheint genau rechtzeitig Fahrt aufzunehmen.

Name Spiele Tore Assists Punkte PPG SHG GWG
Dustin Brown 9 6 5 11 0 2 2
Anze Kopitar 9 3 7 10 0 1 0
Mike Richards 9 3 5 8 2 0 1
Jarret Stoll 9 2 0 2 1 0 2

Verteidigung :

Drew Doughty ist das Um und Auf in der Defense der Kings. Die meisten Scorerpunkte, das beste Plus/Minus-Rating und die meiste Eiszeit sprechen eine deutliche Sprache. Der 22-jährige kann aber vor allem so viel für die Offensive seiner Mannschaft machen, weil er mit Rob Scuderi einen alten Haudegen neben sich hat, der ihm den Rücken freihält. Der US-Amerikaner verfügt über reichlich Playoff-Erfahrung und durfte mit den Pittsburgh Penguins schon den Stanley Cup in die Höhe stemmen.

Ein weiterer „unsung Hero“, der in der Verteidigung der Kings den Unterschied ausmachen kann, ist Willie Mitchell. Der 35-Jährige absolvierte bereits 60 Playoff-Spiele und steht wie Doughty in jedem Spiel über 25 Minuten seinen Mann.

Name Spiele Tore Assists Punkte PPG SHG GWG
Shane Doan 11 3 3 6 0 0 1
Antoine Vermette 11 5 4 9 3 0 0
Mikkel Boedker 11 3 4 7 0 0 2
Ray Whitney 11 2 4 6 0 0 1

Keith Yandle und Rotislav Klesla verkörpern den Spielstil von Phoenix am besten. Die beiden Defender gehen bei fast jedem Konter mit den Stürmern mit und kreieren so eine Überzahl im gegnerischen Drittel. Die überfallsartigen Gegenangriffe der Coyotes werden dadurch noch gefährlicher. Das lässt sich auch an den Zahlen ablesen. Klesla und Yandle kommen jeweils auf sieben Punkte – der Topwert unter den Verteidigern.

Oliver Ekman-Larrson sorgt dafür, dass die Coyotes so spielen können. Der 23-Jährige räumt alles aus dem Weg, was Richtung Mike Smith kommt, und ist der Dauerbrenner unter den Phoenix-Verteidigern. 26:04 Minuten steht der Schwede im Schnitt auf dem Eis und beschert seinen Kollegen so auch notwendige Verschnaufpausen.

Name Spiele Tore Assists Punkte +/- TOI
Drew Doughty 9 1 5 6 +7 25:45
Rob Scuderi 9 0 1 1 +5 20:50
Willie Mitchell 9 1 1 2 +6 25:04

Tor:

Man muss kein Genie sein, um vorauszusagen, dass das Duell vor allem über die Torhüter entschieden wird.

Jonathan Quick, der schon in der Regular Season zeigte, dass er momentan einer der Besten seines Fachs ist, konnte seine Leistungen in den Playoffs noch einmal steigern. Ein Gegentorschnitt von 1,55 pro Spiel und eine Save-Percentage von 94,9 Prozent suchen ihresgleichen.

Aber auch Mike Smith spielt eine starke Saison, vor allem im Frühling blühte der 30-Jährige so richtig auf. Und seine Post-Season-Stats sind noch besser. Er musste zwar mit 1,77 Gegentoren pro Spiel etwas öfter hinter sich greifen als sein Gegenüber. Mit 400 Schüssen musste er aber auch mehr Scheiben abwehren als Quick, auf den nur 274 Schüsse abgefeuert wurden. So ergibt sich eine beinahe gleich hohe Save-Percentage von 94,8 Prozent.

Prognose:

Los Angeles macht die Sensation perfekt und zieht ins Finale ein. Die Kings spielen in den Playoffs einfach unnachahmlich. Die lange Zeit kritisierte Offense hat sich scheinbar genau zur rechten Zeit gefunden und produziert die nötigen Tore, während Quick in gewohnter Manier seinen Kasten hütet.

Phoenix zeigte in den bisherigen Spielen, dass sie nicht unverdient im Conference Finale stehen, wer Chicago und Nashville rauswirft, der hat auch das Zeug ins Stanley-Cup Finale einzuziehen. Allerdings hatten die Coyotes mit vier Overtime-Siegen auch das nötige Glück auf ihrer Seite, die Kings mussten nur einmal in die Verlängerung. Auf den Heimvorteil kann sich Phoenix diesmal nicht verlassen, hat doch Los Angeles alle fünf Begegnungen in der Fremde gewonnen. - 4-2 Los Angeles Kings

 

Fabian Santner

Name Spiele Tore Assists Punkte +/- TOI
Keith Yandle 11 0 7 7 +6 20:48
Rotislav Klesla 10 2 5 7 +1 18:30
Oliver Ekman-Larrson 11 1 3 4 +1 26:04
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