Zu Hause ist es doch am schönsten

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"Als ich mich vor einem Jahr entschieden habe, die Free Agency zu testen, hatte ich genau dieses Team im Kopf."

Die Minnesota Wild erfüllten Thomas Vanek seinen Wunsch und nahmen ihn am Dienstag für drei Jahre und 19,5 Millionen Dollar unter Vertrag.

So weit keine Überraschung, wenngleich nicht jeder Deal, der medial über ein Jahr lang herbeigeschrieben wird, dann auch tatsächlich aufgeht.

Eine Entscheidung für die Heimat und gegen das Geld. Seit seiner Zeit an der University of Minnesota bei den Golden Gophers ist der 30-Jährige fest in den Twin Cities Minneapolis und St. Paul verwurzelt. Von seinem Haus in Stillwater sind es nur wenige Meilen bis ins in St. Paul angesiedelte Excel Energy Center, die Fahrtzeit beträgt rund 20 Minuten.

Erfolg macht einen Bogen um Minnesota

Mag Minnesota in anderen Sportarten ob des im Winter schwierigen Klimas im Werben um Superstars einen Wettbewerbsnachteil haben, fällt dieser im Eishockey weg. Die "Zwillings-Metropole" im hohen Norden der USA gilt als absolute Hockey-Town.

Umso härter traf es die Fanbase, dass die North Stars 1993 in Richtung Dallas abwanderten und man bis 2000 von der NHL-Landkarte verschwand.

Die als Nachfolge-Franchise etablierten Wild lassen zwar wieder die besten Spieler der Welt in St. Paul gastieren, der Erfolg machte in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten jedoch einen Bogen um Minnesota. Mehr als ein Divisions-Titel steht bislang nicht zu Buche.

An den Bemühungen, diese Bilanz aufzubessern, scheitert es nicht. Vanek ist nicht der erste Star, der in der jüngeren Vergangenheit den Weg zu den Wild fand - möglicherweise ist der Grazer für ein aufstrebendes Team ein fehlendes Puzzle-Teil.

Die Playoffs als Makel

In der abgelaufenen Saison scheiterte Minnesota in der zweiten Playoff-Runde an Chicago. Während die Wild defensiv traditionell gut stehen, ist die Treffsicherheit beinahe schon notorisch die große Schwäche. Genau in diesem Punkt soll Vanek Abhilfe schaffen.

Auch in den Playoffs. Der Zwischenstopp bei den Montreal Canadiens war dem Ruf des Steirers, in der Postseason nur bedingt aufzutrumpfen, nicht gerade zuträglich.

Ein Umstand, mit dem er auch nach seiner Unterschrift bei den Wild konfrontiert wurde: "Es waren sicher nicht meine besten Playoffs, das muss man zugeben. Aber ich übernehme die Verantwortung dafür. Es ist nicht einfach, immer wieder umzusiedeln und von der Familie getrennt zu sein. Das soll aber keine Entschuldigung sein, es sind nur Faktoren, die mich beeinflusst haben. Familie ist mir sehr wichtig, und am Ende war es bereits sehr schwierig."


Heimkehr als Stabilitätsfaktor

Dieses Problem ist nun "in der Heimat" komplett vom Tisch. Mit dieser Stabilität als Basis will sich Vanek seinen Lebenstraum vom Stanley Cup erfüllen. Sollte dies ausgerechnet mit Minnesota gelingen, wäre es umso spezieller:

"Das Größte, was ich in meiner Karriere bislang erreicht habe, war der College-Titel mit den Gophers. Mit den Wild den größten Preis in Angriff zu nehmen und die Chance zu haben, das in Minnesota zu tun, übertrifft meine kühnsten Träume."

Dass der beste österreichische Eishockey-Spieler für diese Chance auf viel Geld verzichtete, sollte ihm den Neustart zusätzlich erleichtern.

In den Reaktionen, vor allem jenen der Presse, wurde darauf immer wieder hingewiesen. LAOLA1 fasst selbige zusammen und stellt auch die wichtigsten Neo-Mitspieler Vaneks vor:

 

REAKTIONEN:

CHUCK FLETCHER (General Manager Minnesota Wild): "Er kann Spiele im Alleingang drehen. Jene Dinge, die er gut kann, sind jene Dinge, die wir gebraucht haben. Ich kenne nicht alle Einzelheiten, aber es ist offensichtlich, dass Thomas besser dotierte Angebote mit längerer Vertragslaufzeit abgelehnt hat. Er ist vielleicht einer der wenigen Spieler, die auf Gehalt verzichten, um an einen bestimmten Ort zu kommen. Jeder andere versucht, sein Gehalt zu verdoppeln oder verdreifachen."

MIKE YEO (Head Coach Minnesota Wild): "Wenn du einen Spieler bekommen kannst, der über diese Fähigkeiten und diese Kreativität verfügt, wird das deine Treffsicherheit erhöhen. Da geht es nicht nur um diesen Spieler, sondern auch darum, was dieser Spieler für seine Mitspieler bewirken kann. Es gab Matches, wo die Spieler fünf oder sechs Chancen für ein Tor benötigten, und dann gibt es Spieler, die nur zwei oder drei Chancen brauchen. Thomas zählt zweifelsohne zu jenen, die ihre Chancen nutzen können."

JASON POMINVILLE (Minnesota-Angreifer, Mitspieler in Buffalo): "Wir wussten alle, dass es wahrscheinlich passieren wird. Jetzt, wo es soweit ist, bin ich wirklich froh, dass er ein Teil unseres Teams ist."

KEITH BALLARD (Minnesota-Defender, der schon am College mit Vanek zusammenspielte): "Er ist sehr kreativ mit dem Puck, er bewegt sich bevorzugt rund um das Tor. Das ist ein Bereich, in dem wir wahrscheinlich ein bisschen besser sein hätten können. Nun haben wir den vermutlich besten Spieler vor dem Tor in dieser Liga bekommen. Er bekommt seinen Schläger in so viele Schüsse. Das wird uns in Gleichzahl, aber auch im Powerplay helfen. 25 bis 30 Tore jedes Jahr - ich denke, solche Spieler sind schwer zu finden."

DIE STARS DER MINNESOTA WILD:

Man darf gespannt sein, wie Head Coach Yeo die beiden Top-Linien zusammenstellen wird. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Vanek in der 2. Linie spielen wird, da mit Parise ein weiterer Left Wing für die Top-Angriffsreihe zur Verfügung steht. Die Top-Sechs der Wild sollten mit Vanek, Parise, Mikael Granlund, Jason Pominville, Mikko Koivu und Charlie Coyle stehen. Eng wird es so gesehen für den Schweizer Jungstar Nino Niederreiter. Für Yeo wird durch den Vanek-Deal jedoch auch die 3. Linie stärker, da ein Spieler aus den beiden Top-Linien in selbige rutschen wird. Ein Überblick über die wichtigsten Neo-Kollegen von Vanek:

ZACH PARISE: War es diesmal der Vanek-Hype, der die Twin Cities in Atem hielt, war es vor zwei Jahren jener um Zach Parise und Ryan Suter. Nach sieben erfolgreichen Jahren in New Jersey kehrte der in Minneapolis aufgewachsene Flügel-Stürmer in seine Heimat zurück, wo er für sage und schreibe 13 Jahre und 98 Millionen Dollar unterschrieb. Ob er in seinen ersten beiden Wild-Saisonen sein Gehalt rechtfertigte, sei dahingestellt. In den Playoffs trumpfte er mit 14 Punkten in 13 Spielen jedoch auf.

RYAN SUTER: Ein über 13 Jahre laufender Verrag für 98 Millionen Dollar - auch Suter kann mit diesem Wahnsinns-Deal aufwarten. Heuerte 2012 gemeinsam mit Parise in St. Paul an und zählt zweifelsohne zu den besten Defendern der NHL, verfügt über ein gutes Auge für seine Mitspieler. Mit 43 Punkten in der Vorsaison Wild-intern auf Platz vier.

 

JASON POMINVILLE: Vanek-Kumpel, der schon in Buffalo jahrelang an der Seite des Grazers spielte. Wurde 2013 von den Sabres zu Minnesota getradet. In seiner ersten vollen Wild-Saison avancierte er mit je 30 Toren und 30 Assists zum Topscorer Minnesotas.

 

 

MIKAEL GRANLUND: Jungstar der Wild, der in der Vorsaison nach längerer Anlaufzeit endlich begann, sein Potenzial abzurufen. 41 Punkte (8 Tore, 33 Assists) standen am Ende zu Buche. Der 22-Jährige hat absolut das Talent, in der NHL als Center die erste Linie anzuführen. Das stellte er auch mit einem gelungenen Auftritt mit Finnland bei den Olympischen Spielen in Sotschi unter Beweis.

 

MIKKO KOIVU: Der nächste Finne, Bruder von Legende Saku Koivu und so etwas wie das Urgestein bei den Wild, für die er bereits seit 2005 in der NHL aufläuft. Nicht unbedingt ein Mann mit Torriecher, dafür ein Center, der seine Mitspieler gekonnt in Szene setzen kann. In 601 NHL-Spielen traf er nur 130 Mal, legte aber immerhin 322 Tore auf. Sollte Vanek in der 2. Linie an seiner Seite spielen, könnte er vom Auge des 31-Jährigen profitieren.

 

PRESSESTIMMEN:

Minnesota Star Tribune: Chuck Fletcher hat nicht locker gelassen. An einem Tag, an dem mit lukrativen Langzeit-Verträgen in der NHL in einem Rekordtempo nur so um sich geworfen wurde, riskierte der GM der Wild, dass die Verlockung einer Heimkehr nach Minnesota und die Chance, für einen Titelkandidaten zu spielen, ausreichen würde, um längere und besser dotierte Verträge andernorts abzulehnen. Am Ende war der in Österreich geborene frühere Gophers-Star nicht abgeneigt und die Wild - ein Team, das dringend mehr Tore braucht - bekam den besten Torschützen am offenen Markt.

St. Paul Pioneer Press: Vanek bringt eine Vergangenheit an Treffsicherheit zu einem Team, das in der vergangenen Saison in die zweite Playoff-Runde einzog, obwohl die im Schnitt 2,43 Tore pro Spiel in der Regular Season nur Rang 24 in der NHL bedeuteten. (...) Vanek hat dem Vernehmen nach in Buffalo eine Vertragsverlängerung für sieben Jahre und 50 Millionen Dollar ausgeschlagen, weil er den Free-Agents-Markt testen wollte. Deswegen tradeten ihn die Sabres zu den Islanders, wo er abermals den maximalen Kontrakt abgelehnt hat.

Yahoo Sports: Vaneks Unterschrift bei den Wild wurde lange erwartet, weil er dort lebt und in Minnesota am College gespielt hat. Dennoch ist es bemerkenswert, dass er einen Dreijahres-Vertrag für 19,5 Millionen Dollar unterschrieb, obwohl er woanders viel mehr verdienen hätte können. (...) Vanek hat in den Playoffs die Erwartungen der Montreal Canadiens nicht erfüllt. Man fragt sich, ob er konstant genug seinen Beitrag leisten kann, in einem Team, das für harte Arbeit bekannt ist. Aber die Wild waren verzweifelt auf der Suche nach einem Goalgetter, ohne sich in einem Langzeit-Vertrag binden zu müssen.

Stadt St. Paul, Minnesota
NHL-Einstieg 2000
Arena Xcel Energy Center (Fassungsvermögen: 17.954)
Stanley Cups 0
General Manager Chuck Fletcher
Head Coach Mike Yeo
Kapitän Mikko Koivu
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