"Meine Schuld, ich habe mein Team enttäuscht"

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Die Kappe weit ins Gesicht gezogen. Der Blick zu Boden gerichtet. Die Stimme leise und zittrig.

„Es fühlt sich nicht an, als wären wir gesweept worden. Natürlich ist Chicago ein gutes Team, manchmal entscheiden aber einfach ein oder zwei Abpraller“, flüstert Thomas Vanek nach der 3:4-Niederlage seiner Minnesota Wild in die Mikrophone.

Das Aus in den NHL-Playoffs geht dem Grazer sichtlich nahe. Mit Tränen in den Augen beantwortet er die Fragen der Journalisten.

Lob an Chicago

Der 31-Jährige zollt dem Gegner Respekt. „Chicago ist ein gutes Team und hat in den letzten Jahren zwei Stanley Cups gewonnen. Sie wissen, wie man gewinnt, wir waren nicht gut genug“, will er nichts von Ausreden wissen.

Auch sein Coach Mike Yeo streut den Blackhawks Rosen: „Das ist ein großartiges Team. Sie haben acht ihrer letzten neun Playoff-Serien gewonnen. Die letzte Niederlage haben sie in einer Serie über sieben Spiele kassiert. Es ist schwer, sie zu biegen. Wenn du es schaffen willst, musst du wirklich top sein.“

So sehr Vanek Chicago lobt, geht er gleichzeitig hart mit seiner eigenen Leistung ins Gericht.

„Ich habe mein Team enttäuscht“

In seiner sechsten Postseason blieb der Stürmer erstmals ohne Torerfolg, in den fünf Playoffs zuvor waren ihm mindestens jeweils zwei Treffer geglückt.

„Das waren alles enge Spiele, sie haben getroffen, wenn sie Tore gebraucht haben – ich nicht. Das ist der Unterschied“, spricht er seine Groß-Chance, als er im zweiten Drittel ein Breakaway vergab, an und nimmt die Schuld auf sich.

Bei der Begründung für seine mangelnde Tor-Ausbeute flüchtet er ebenfalls nicht in Ausreden: „Ich hätte ein Tor gebraucht, um in Fahrt zu kommen. Dieses eine Tor habe ich aber nicht gefunden. Es war meine Schuld, ich habe mein Team enttäuscht.“

Auch nach dem 0:3-Rückstand in der „best of seven“-Serie habe er „immer daran geglaubt“, die nächste Runde erreichen zu können.

„Wir haben hart gekämpft und nie aufgegeben, so ist unser Team. So ist unsere Einstellung, so haben wir es in den letzten drei Monaten gemacht. Wir haben unser Ziel nicht erreicht, das tut weh.“

Nun geht es für den gebürtigen Badener in den Sommer-Urlaub. Zur WM nach Prag kommt er nicht, da Teamchef Ratushny bereits vor dem Turnier ankündigte, auf nachkommende NHL-Spieler zu verzichten.

So bleibt Thomas Vanek nur die Gewissheit, dass die nächste Saison bestimmt kommt. Und somit auch eine neue Chance auf den Stanley Cup.

 

Matthias Nemetz

„Verlieren ist scheiße“

Auch Yeo ist nach dem Aus im Conference-Halbfinale sichtlich mitgenommen. „Es ist schwer zu beschreiben. Verlieren ist scheiße. Es ist sehr enttäuschend, mit 0:4 auszuscheiden.“

Der Coach nimmt seine Star-Spieler – und damit auch Vanek – jedoch in Schutz. Seiner Meinung nach seien sie nicht Schuld an den Niederlagen. „Vielleicht müssen wir aus dieser Niederlage lernen. Wir sind mit zu vielen Erwartungen hineingegangen. All das Gerede, dass es unser Jahr wird, hat uns etwas abgelenkt“, erklärt er.

„Wir sind ein gutes Team und müssen einen Weg finden, das beste Team zu sein“, kündigt er bereits in der dunklen Stunde der Pleite an, wieder angreifen zu wollen.

Vanek ringt nach Worten

Wieder angreifen will auch Vanek. Schließlich soll sich der Traum vom Stanley Cup in Zukunft doch noch verwirklichen.

„Ich dachte, wir haben hier etwas Spezielles und viele gute Typen mit Charakter. Wir hatten einen tollen Lauf, aber das ist nicht das Ende, wie wir es uns vorgestellt haben“, gibt er zu, in dieser Saison an den großen Coup geglaubt zu haben.

Saison

Team

Spiele

Tore

Assists

Punkte

+/-

Eiszeit/Spiel

2005/06

Buffalo Sabres

10

2

0

2

-1

10:44 Min.

2006/07

Buffalo Sabres

16

6

4

10

2

16:27 Min.

2009/10

Buffalo Sabres

3

2

1

3

1

13:37 Min.

2010/11

Buffalo Sabres

7

5

0

5

-7

17:10 Min.

2013/14

Montreal Canadiens

17

5

5

10

-4

14:52 Min.

2014/15

Minnesota Wild

10

0

4

4

-7

14:11 Min.

Gesamt

Sabres/Canadiens/Wild

62

20

14

34

-16

14:30 Min.

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