Wer holt den Stanley Cup?

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Chicago oder Boston - Wer holt den Cup?

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Chicago gegen Boston - "The Windy City" gegen "Beantown".

Nach 48 absolvierten Spieltagen im Grunddurchgang und drei kräftezehrenden Playoff-Runden steht das Stanley Cup Finale fest.

Die Chicago Blackhawks und die Boston Bruins werden in einer „best-of-seven“-Serie ausspielen, wem nach einer aufgrund des Lockouts verkürzten, aber dennoch spektakulären Saison die Ehre gebührt, den rund 20 Kilogramm schweren und 90 Zentimeter hohen Pokal in die Höhe zu stemmen.

Damit treffen erstmals seit 1979 zwei „Original-Six-Teams“ im Finale aufeinander. Chicago und Boston, die sich den Titel zletzt 2010 bzw. 2011 sicherten, stehen sich überhaupt zum ersten Mal im Kampf um den Cup gegenüber.

LAOLA1 checkt das Stanley Cup Finale, wirft dabei einen Blick auf den bisherigen Weg der beiden Mannschaften und zeigt allfällige Brennpunkte auf.

CHICAGO BLACKHAWKS (36-7-5) - BOSTON BRUINS (28-14-6)

Ausgangslage:

Chicago und Boston kommen mit sehr ähnlichen Playoff-Erfahrungen ins Finale. Beide konnten zwei Runden deutlich für sich entscheiden, mussten in einer Serie aber schwer ums Weiterkommen zittern.

Die Blackhawks hatten zum Auftakt mit Minnesota keine Mühe und fertigten den an acht gesetzten mit 4:1 ab. Überraschenderweise war auch Titelverteidiger Los Angeles im Conference Finale keine Hürde, Chicago machte mit den Kaliforniern mit 4:1 kurzen Prozess. Dazwischen standen sie gegen die Detroit Red Wings aber vor dem Aus. Nach 1:3-Rückstand kämpften sich Jonathan Toews und Co. jedoch zurück und entschieden Spiel 7 in der Overtime für sich.

Boston hingegen machte es gleich in der ersten Runde spannend. Die Bruins lagen in Spiel 7 gegen die Toronto Maple Leafs 15 Minuten vor dem Ende mit 1:4 zurück und drehten die Partie noch in der Verlängerung. Noch nie zuvor war einem NHL-Team so eine Aufholjagd in den Playoffs gelungen. Darauf folgte eine starke Serie gegen die New York Rangers, die mit 4:1 bezwungen wurden. Am meisten überraschten die Bruins aber mit dem Sweep gegen die favorisierten Pittsburgh Penguins im Conference Finale.

Brennpunkte:

Speed vs. Strength

Chicago verfügt über sehr schnelle Spieler, während die Bruins eher über Kraft und Härte zum Erfolg kommen. Stellvertretend seien Patrick Kane und Zdeno Chara genannt. Ersterer kann ganze Abwehrreihen durch seinen Speed und seine Technik durcheinanderwirbeln, Bostons Top-Verteidiger wirft hingegen eine Körpergröße von 206 Zentimetern – damit überragt er Kane um 27 Zentimeter - und ein Gewicht von 117 Kilogramm in die Waagschale. Während Chicagos Stürmer in Spiel fünf gegen Los Angeles mit einem Hattrick aufzeigte und die Partie in der zweiten Overtime quasi im Alleingang entschied, glänzte Bostons Top-Verteidiger mit einem Save in den letzten Sekunden gegen die Penguins. Die beiden sind da, wenn ihre Mannschaft sie am dringendsten brauchen, im Finale kann aber nur einer gewinnen.

Bryan Bickell Superstar

Wer hätte gedacht, dass mit Bryan Bickell ein Spieler, der während des Lockouts in der EBEL sein Können zeigte, nicht nur im NHL-Finale steht, sondern auch einen wichtigen Beitrag für den Erfolg seiner Mannschaft liefert? Der 27-jährige Angreifer bringt die nötige Härte in die beiden Top-Linien der Blackhawks und verbuchte daneben 13 Scorerpunkte, was ihm ligaweit den neunten Platz in dieser Wertung einbringt. Sein Spiel erweitert die Offense von Chicago um eine Facette, was Coach Joel Quenneville geschickt nutzt.

Name Team Spiele Tore Assists Punkte +/-
David Krejci Boston 16 9 12 21 +14
Nathan Horton Boston 16 7 10 17 +21
Patrick Sharp Chicago 17 8 6 14 +4
Marian Hossa Chicago 17 7 7 14 +8
Patrick Kane Chicago 17 6 8 14 +4
Bryan Bickell Chicago 17 8 5 13 +6
Brad Marchand Boston 16 4 9 13 +7
Milan Lucic Boston 16 3 10 13 +13

Tim Thomas Who?

Tuukka Rask spielte schon gegen die Maple Leafs und die Rangers eine überzeugende Playoff-Serie. Was der Finne im Tor der Bruins aber gegen die Penguins leistete, war von einem anderen Stern. Der 26-Jährige hielt gegen die namentlich wohl bestbesetzte Offense der Liga sagenhafte 134 von 136 Schüssen, was einer Fangquote von 98,5 Prozent entspricht und macht damit sogar den Conn-Smythe-Gewinner von 2011, Tim Thomas vergessen. Die Blackhawks haben jedoch gegen Kings-Torwart Jonathan Quick schon bewiesen, dass sie Goalies in Überform in die Schranken weisen können.

The Old Man And The Cup

Ziemlich genau 21 Jahre ist es her, seit Jaromir Jagr den Stanley Cup in die Höhe stemmen durfte. Damals spielte er noch für die Pittsburgh Penguins, mit denen er 1991 und 1992 an der Seite von Mario Lemieux triumphierte, seither stand Jagr kein einziges Mal mehr im Finale. Nach Engagements bei den Washington Capitals, den New York Rangers, den Philadelphia Flyers und den Dallas Stars darf es der Flügelstürmer, der in 1.587 NHL-Spielen 1.884 Scorerpunkte verbuchen konnte, vermutlich ein letztes Mal versuchen. "In den vergangenen 20 Jahren habe ich mir vor jeder neuen Saison das Ziel gesetzt, wieder um den Stanley Cup zu spielen. Jetzt endlich die Chance dazu zu haben, ist großartig", so der 41-jährige Veteran.

Name Team Spiele Gegentore Gegentor-Schnitt Gehalten Fangquote
Corey Crawford Chicago 17 31 1,74 443 93,5 Prozent
Tuukka Rask Boston 16 30 1,75 497 94,3 Prozent

Wer gewinnt?

Chicago gewinnt, wenn…

…die Blackhawks einen Weg finden, den Puck schnell ins Angriffsdrittel zu bringen und die Verteidigung der Bruins und Rask dauerhaft zu beschäftigen. Boston wird mit allen Mitteln versuchen, die Kontrolle über die neutrale Zone zu erlangen und das Tempo zu verschleppen. Chicago wird darauf allerdings eingestellt sein, haben die Blackhawks doch mit Los Angeles bereits einen ähnlich spielenden Gegner deutlich besiegt. Quenneville weiß, was ihn erwartet und er ist lange genug in der NHL, um sein Team darauf vorzubereiten.

Boston gewinnt, wenn…

…die Mannschaft noch einmal das macht, was Pittsburgh zur Verzweiflung brachte: Mannschaftliche Geschlossenheit, überragendes Goaltending und eine Offense, die gnadenlos im richtigen Moment zuschlägt. Die Bruins sind auf einem ähnlichen Trip wie 2011. Damals starteten sie auch nicht als Favorit in die Playoffs, wurden aber von Runde zu Runde stärker und krönten sich am Ende mit dem Titel. Keiner verkörperte diese Steigerung in der Postseason so sehr wie David Krejci. Der Tscheche steht mit 21 Punkten an der Spitze der Scorerwertung, im Grunddurchgang reichte es lediglich zu 33 Punkten und Rang 59. Beim Titelgewinn 2011 verbuchte er im Grunddurchgang 62 Punkte, was ihm Platz 47 einbrachte, nur um in den Playoffs mit 23 Punkten die Wertung anzuführen. Wenn das kein gutes Omen ist…

 

Fabian Santner

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