Das große LAOLA1-Matchup zum Stanley-Cup-Finale

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Endlich ist es soweit.

Nach 49 Tagen nervenaufreibendem Playoff-Hockey steht das Finale um die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt, den Stanley Cup, an.

Mit den Tampa Bay Lightning und den Chicago Blackhawks treffen zwei Teams aufeinander, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten.

Auf der einen Seite steht mit Chicago ein "Original Six Team", das insgesamt fünf Mal NHL-Champion wurde und den Stanley Cup zuletzt 2010 und 2013 in die Höhe stemmen durfte. Auf der anderen Seite Tampa Bay, das erst seit der Saison 1992/93 am Ligabetrieb teilnimmt und 2004 den bisher einzigen Titel einfuhr.

Die erste Partie der „best-of-seven“-Serie geht in der Nacht auf Donnerstag über die Bühne, die Lightning haben als besseres Team nach dem Grunddurchgang zunächst Heimrecht.

LAOLA1 analysiert das Duell um den Stanley Cup anhand der bisherigen Playoffs, zeigt Brennpunkte und Schlüsselspieler auf und wagt eine Prognose:


Der Weg ins Finale

Tampa Bay: Bereits in der ersten Runde wäre für die Bolts um ein Haar Endstation gewesen. Die Detroit Red Wings lagen in der Serie bereits mit 3:2 voran, ehe die Lightning die letzten beiden Spiele für sich entscheiden konnten. In Spiel 7 feierte Goalie ben Bishop ein Shutout und wurde so zum umjubelten Held.

Die zweite Runde wurde überraschenderweise zur klaren Angelegenheit. Tampa Bay gewann die ersten drei Spiele gegen die Montreal Canadiens, gegen die man sich vor einem Jahr in der ersten Runde noch mit 0:4 geschlagen geben musste und stand vor dem "Sweep". Die Habs zogen den Kopf zweimal aus der Schlinge, am Ende setzten sich die Bolts aber mit 4:2 durch.

Das Conference-Finale gegen die NY Rangers wurde zum Nervenkrimi. Nach der 3:2-Führung vergaben die Lightning in Spiel 6 einen Matchpuck und das Momentum lag bei den "Blueshirts". Wie schon gegen die Red Wings feierte Bishop in Spiel 7 ein Shutout und die Bolts zogen mit einem 2:0-Erfolg ins Stanley-Cup-Finale ein.

Chicago: Die Blackhawks lieferten sich in der ersten Runde ein verrücktes Duell mit den Predators. Spiel 1 wurde erst in der zweiten Overtime entschieden, Spiel 4 ging sogar in die dritte Verlängerung. Beide Male hatte Chicago das bessere Ende für sich und setzte sich am Ende 4:2 durch.

Überraschend deutlich wurde es dann in Runde zwei, die Minnesota Wild und Thomas Vanek wurden aus den Playoffs gesweept. Vor allem Patrick Kane überzeugte, der Stürmer erzielte fünf Treffer und bereitete einen weiteren vor, Corey Crawford kam auf eine Save-Percentage von 94,7 Prozent.

Im Confernce-Finale kam es zum Showdown gegen die bärenstarken Ducks. Nachdem Anaheim mit 3:2 in Führung gegangen war, stellte Chicagos Headcoach Joel Quenneville Jonathan Toews und Patrick Kane in eine Linie, worauf die Ducks keine Antwort fanden. Spiel 6 ging mit 5:2 an Chicago, das entscheidende siebte Spiel endete 5:3.

Die Coaches

Tampa Bay: Jon Coopers Geschichte könnte aus einem Hollywoodfilm stammen. Er wuchs in British Columbia auf und spielte an der Universität Eishockey und Lacrosse. Zum Profi hat er es nie geschafft, und so arbeitete er nach seinem Abschluss als Strafverteidiger. Doch die Leidenschaft zum Eishockey wurde er nie los, also startete er als Nachwuchs- und Amateurcoach. Bald stellten sich die ersten Erfolge ein und der heute 47-Jährige schaffte es in die USHL. Dort führte er die Green Bay Gamblers zum "Clark Cup". 2010 wurde er von Tampa Bay engagiert, um das AHL-Farmteam, die Norfolk Admirals zu coachen. Bereits damals erkannte der Kanadier das große Potenzial von den heutigen Teamstützen Tyler Johnson und Ondrej Palat, die neben späteren NHL-Spielern wie Cory Conacher und Richard Panik 2011/12 unter ihm den "Calder Cup", also den AHL-Titel, gewannen.

Chicago: Joel Quenneville ist ohne zu übertreiben einer der besten Coaches der NHL-Geschichte. Der 56-jährige Kanadier, der auch schon die St. Louis Blues und die Colorado Avalanche trainierte, könnte den Stanley Cup zum dritten Mal gewinnen, was seit die Liga aus mehr als sechs Mannschaften besteht erst drei andere Trainer (Scotty Bowman, Al Arbour und Glen Slater) geschafft haben. Er steht seit 2008 an der Bande der Blackhawks und formte rund um die beiden Superstars Jonathan Toews und Patrick Kane eines der besten Teams der NHL.

Datum

Heim

Gast

Ergebnis

  1. November 2014

Chicago

Tampa Bay

3:2 SO

  1. Februar 2015

Tampa Bay

Chicago

4:0

Schlüsselspieler

Tampa Bay

Steven Stamkos? Nein! Tyler Johnson ist derzeit der Topscorer der Lightning und auch der Schlüsselspieler im Duell mit den Blackhawks. Der Center blüht in den Playoffs so richtig auf und führt die Postseason-Scorerwertung mit 21 Punkten an. Chicago ist bekannt dafür, über mehrere starke Offensiv-Linien zu verfügen. Hier kommt Johnson und seine "Triplets"-Linie ins Spiel. Steven Stamkos wird gegen die Top-Linie der Blackhawks (Jonathan Toews und Co.)  antreten müssen, in der zweiten Linie dürfte sich Johnsons Kombination mit Nikita Kucherov und Ondrej Palat gegen Patrick Kanes Linie duellieren, sofern Chicago diesen wieder von Toews trennt. Gemeinsam halten Johnson, Kucherov und Palat in den 20 Playoff-Spielen übrigens bei unfassbaren 55 Scorerpunkten! Für seinen Coach Jon Cooper ist der ungedraftete Johnson ein Hauptgrund des Team-Erfolgs. "Wenn du in sein Haus kommst, siehst du überall Trophäen, die er gewonnen hat. Memorial Cup, Calder Cup, Nachwuchs-WM - Siege verfolgen diesen Jungen. Es ist speziell, wenn dir soetwas als Spieler passiert. Es geht nicht besser. Er ist einer von 20 Spielern, die aufs Eis kommen, aber er denkt immer ans Team. Das ist toll zu sehen, er enttäuscht uns nie", so seine Lobeshymne auf den 1,75-Meter-Mann.

Chicago

Duncan Keith sei hier stellvertretend für die Top-4-Verteidiger genannt. Neben dem 31-jährigen Kanadier, der bei 18 Punkten (zwei Tore, 16 Assists) hält, werden nämlich auch die Leistungen von Brent Seabrook, Niklas Hjalmarsson und Johnny Odyua entscheidend für die Blackhawks sein. Seit sich Michal Roszival in Spiel 4 gegen Minnesota verletzte, setzt Quenneville hauptsächlich auf diese vier Defender, Kimmo Timonen, Kyle Cuminsky und David Rundblad erhalten nur selten Eiszeit. Die physisch starken Ducks bissen sich an den Top-Defendern der Blackhawks die Zähne aus, spurlos ist dieses Duell an Keith und Co. aber sicherlich nicht vorbei gegangen. Es ist davon auszugehen, dass die Lightning dank ihrer Schnelligkeit veruschen werden, daraus einen Vorteil zu ziehen. Allerdings dachten auch schon die Ducks, dass sie gegen eine Vier-Mann-Verteidigung leichtes Spiel haben werden.

Youth vs. experience

Gegensätzlicher könnten die Teams kaum aufgebaut sein. Auf der einen Seite Chicago mit vielen Routiniers und gestandenen Spielern, auf der anderen Seite die Lightning, gespickt mit Youngsters die in ihren ersten NHL-Jahren stehen. Bei den Blackhawks stehen sechs Spieler mit Geburtsjahr 1990 oder darunter im Kader, bei den Bolts sind es 13! Auch bei den Oldies zeigt sich eine klare Tendenz: Während Tampa Bay nur fünf Spieler mit Jahrgang 1984 oder älter in den eigenen Reihen hat, sind es bei den Hawks acht. Im Schnitt sind die Blackhawks (28 Jahre) um zwei Jahre älter als die Lightning (25,8).

Hit 'em hard

Vor zwei Jahren trug Bryan Bickell noch vor allem durch seine Scorerqualitäten zum Stanley-Cup-Triumph der Blackhawks bei. Ganze 17 Punkte steuerte der 29-jährige Stürmer, der während des Lockouts in der EBEL beim HC Znojmo spielte, bei. Seither ist seine Produktivität zurückgegangen, was auch auf eine andere Rolle innerhalb der Mannschaft zurückzuführen ist. Spielte er 2013 noch in der Top-Linie, hat er mittlerweile hauptsächlich defensive Aufgaben zu bewältigen. Der bullige Angreifer macht erledigt auch diesen Job eindrucksvoll. Unglaubliche 99 Bodychecks hat Bickell in den Playoffs bereits ausgeteilt. 21 mehr als Chris Kreider, die Nummer zwei dieser Statistik, und 49 mehr als der nächste Teamkollege Brent Seabrook. Gut möglich, dass die flinken Stürmer der Lighting auch das eine oder andere Mal an Bickell zerschellen.

Wer gewinnt?

Nemetz: Bei meinen Tipps habe ich die Lightning im Finale gesehen, allerdings gegen Minnesota. Deshalb bleibe ich jetzt bei Tampa Bay. Chicago ist leichter Favorit, die Lightning haben aber schon oft genug bewiesen, auch als Außenseiter bestehen zu können. Ich bin zwar kein Fan von Tampa Bay im Allgemeinen - von dieser Truppe aber schon. Wahnsinns Offensiv-Künstler wie Steven Stamkos, Tyler Johnson, Nikita Kucherov und Ondrej Palat, ein Hammer-Defender wie Victor Hedman und mit Ben Bishop ein Hexer im Tor begeistern mich. Und sie alle haben eines gemeinsam: Sie snd jung, hungrig und wollen den Stanley Cup.

Santner: Es wird eine knappe Serie, am Ende wird aber Chicago den Stanley Cup in die Höhe stemmen - und das sage ich als Red-Wings-Fan. Voraussetzung dafür ist aber, dass ihre Defense der langen Saison nicht Tribut zollen muss und Corey Crawford nicht wie vergangenes Jahr gegen die Kings in einen „mini-slump“ verfällt. Hält die Verteidigung den dauerwirbelnden Bolts stand, müssten sich die Blackhawks aufgrund ihrer etwas besser einzuschätzenden Offense und der deutlich höheren Erfahrung durchsetzen.

 

Matthias Nemetz/Fabian Santner

Spiel

Datum

Uhrzeit (MEZ)

Heim

Gast

1

Donnerstag, 4. Juni

02:00 Uhr

Tampa Bay

Chicago

2

Sonntag, 7. Juni

01:15 Uhr

Tampa Bay

Chicago

3

Dienstag, 9. Juni

02:00 Uhr

Chicago

Tampa Bay

4

Donnerstag, 11. Juni

02:00 Uhr

Chicago

Tampa Bay

*5

Sonntag, 14. Juni

02:00 Uhr

Tampa Bay

Chicago

*6

Dienstag, 16. Juni

02:00 Uhr

Chicago

Tampa Bay

*7

Donnerstag, 18. Juni

02:00 Uhr

Tampa Bay

Chicago

*falls nötig

Brennpunkte

Brad is back

Den bisher einzigen Stanley-Cup-Sieg in der Franchise-Geschichte verdankt Tampa Bay zu einem großen Teil Brad Richards. Der mittlerweile 35-jährige Center wurde 2004 für seine herausragenden Playoff-Leistungen (unter anderem sieben Game-Winner) mit der Conn-Smythe-Trophy ausgezeichnet. 2008 verließ der Kanadier seine Lightning und heuerte nach Stationen in Dallas und bei den New York Rangers Anfang Saison bei den Blackhawks an. An seine Leistungen bei Tampa konnte er zwar nie mehr ganz anschließen, elf Punkte können sich aber durchaus sehen lassen, und wer weiß, vielleicht ist gerade er im entscheidenden Moment gegen sein altes Team zur Stelle.

A new dynasty?

Sollten die Blackhawks den Stanley Cup gewinnen, wäre es der dritte Titel in sechs Saisonen. In den letzten drei Postseasons verlor Chicago bislang nur eine einzige Playoff-Serie - letztes Jahr scheiterte man in Spiel 7 der Conference-Finals gegen den späteren Champ Los Angeles. In Zeiten des Salary Caps sind solche Dynastien eher selten, zuletzt konnten die Red Wings zwischen 1997 und 2002 drei Titel in sechs Jahren erringen. Final-Sieg hin oder her, die Blackhawks sind bereits so etwas wie eine Dynastie - mit einem weiteren Titel könnte dies aber nicht einmal der schärfste Kritiker abstreiten.

Four in a row?

Mit den Detroit Red Wings, Montreal Canadiens und New York Rangers schalteten die Lightning drei Original-Six-Teams in Folge aus, was zuvor noch keiner Mannschaft gelungen ist. Mit den Blackhawks wartet nun die vierte Traditions-Franchise, sollte Tampa triumphieren, wäre dies wohl ein Rekord, der lange Zeit hält.

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