NHL ist zurück, doch was steht im neuen Tarifvertrag?

Aufmacherbild
 

Es gibt sie also doch noch.

Nachdem sich Spielergewerkschaft und Liga am Sonntag auf einen neuen Rahmentarifvertrag einigen konnten, ist die NHL-Saison gerettet.

Enormer Imageschaden

Die Freude ist zwar überall groß, doch der entstandene Schaden ist freilich gewaltig. Neben der wirtschaftlichen Seite, also unzähligen abgesagten Spielen, sowie dem Verzicht auf das Winter-Classic in Detroit und das All-Star-Game in Ohio, hat die beste Eishockey-Liga der Welt vor allem einen enormen Imageschaden zu verkraften.

Es wird mehr als ein paar Entschuldigungsbotschaften in den ersten Spielen benötigen, um die Fans zurückzugewinnen. Und all das, weil sich beide Parteien monatelang kaum von ihren Positionen bewegten. Jetzt ist der neue Vertrag endlich da. Doch worauf einigten sich die Streithähne schlussendlich?

LAOLA1 fasst die wichtigsten Punkte des neuen „Collective Bargaining Agreements“ zusammen und blickt auf kommende Saison:

Die wichtigsten Eckpunkte des neuen Tarifvertrags

Der neue Vertrag gilt für zehn Jahre mit einer Ausstiegsklausel nach deren acht. Hier hat sich die Liga durchgesetzt. Sie strebte von Anfang an eine lange Laufzeit an, während die Spielergewerkschaft ursprünglich fünf Jahre anpeilte. Zusätzlich werden die jährlichen Gesamteinnahmen (letzte Saison: 3,3 Milliarden Dollar) künftig im Verhältnis von 50:50 aufgeteilt. Bisher hatten die Spieler 57 Prozent erhalten.

Der Hauptstreitpunkt war allerdings der Salary Cap. Während die Teameigentümer hier nicht weiter als 60 Millionen Dollar gehen wollten, lag die Forderung der Spieler mit 70 Millionen doch deutlich höher. Schlussendlich einigte man sich auf eine Gehaltsobergrenze von 64,3 Millionen Dollar ab nächster Saison, was genau dem Cap der letzten Spielzeit entspricht. Für dieses Jahr liegt das Limit bei 70,2 Millionen, die Untergrenze beträgt 44 Millionen.

Hier hat man sich also beinahe in der Mitte getroffen, wobei man von einem Punktsieg für die Spieler sprechen kann, da diese nicht unter die Grenze der abgelaufenen Saison gingen.

Die Fans mussten lange genug warten

Weniger Schlupflöcher, neue Draft-Lotterie

Spielerverträge sind in Zukunft auf sieben Jahre limitiert (acht Jahre, wenn der Spieler beim selben Team verlängert). Die Teameigentümer wollten hier unbedingt eine Obergrenze von fünf Jahren, gaben aber schließlich nach.

Ein wichtiger Punkt waren auch die Gehaltsschwankungen, mit welchen manche Mannschaften den Salary Cap „umgingen“. So verdienten viele Cracks in den ersten Vertragsjahren deutlich mehr als am Ende, um die Gehaltsobergrenze nicht auf Jahre hinaus zu belasten.

In Zukunft dürfen die Gehaltsschwankungen von Jahr zu Jahr nicht mehr als 35 Prozent betragen und keinesfalls darf ein Spieler in späteren Vertragsjahren  weniger als die Hälfte des höchsten Jahresgehalts verdienen.

Auch das Draft-System wird leicht abgeändert. Es kommen nicht mehr nur die schlechtesten fünf Teams in die Auslosung für den Nummer-Eins-Pick, sondern alle 14 Mannschaften, die die Playoffs nicht erreicht haben.

Wie geht es jetzt weiter?

Gleich nachdem sich die Parteien geeinigt hatten, wurden alle während des Lockouts in Europa tätigen Cracks von ihren Vereinen zurückbeordert.

Sobald der neue Vertrag unterschrieben und ratifiziert ist, womit am Mittwoch gerechnet werden darf, sind die Spieler nicht mehr ausgesperrt und die Trainingscamps können beginnen. Der Grunddurchgang wird in 48 oder 50 Spielen über die Bühne gehen, die genaue Anzahl steht noch nicht fest. Gestartet wird in den nächsten zwei Wochen.

Der Spielplan wird zwar erst erstellt, man kann jedoch davon ausgehen, dass es keine Matches zwischen den Conferences geben wird, der Fokus wird auf den sogenannten „rivalry games“, den „Derbys“ liegen.

Gionta sieht die "Europa-Cracks" im Vorteil

Vorteil für „Europa-Cracks“?

Interessant wird, ob die Spieler, die sich während des Lockouts einer europäischen Mannschaft angeschlossen haben, einen Vorteil gegenüber den zu Hause gebliebenen Akteuren haben werden. Hier divergieren die Meinungen unter den Cracks.

„Sie sind definitiv schon vorbereitet. Es wird ein paar Spiele dauern, bis das aufgeholt ist“, ist sich Montreal-Kapitän Brian Gionta, der während des Lockouts in Kanada blieb, sicher. Sein Teamkollege Travis Moen denkt andererseits nicht, dass es „allzu hart“ wird, da ja „auch die anderen Spieler trainiert haben“.

Ein größeres Problem – und darin sind sich alle einig - wird das erhöhte Verletzungsrisiko werden.

Große Belastungsprobe

Durch den engen Zeitplan kommen auf die Profis im Schnitt 3,5 Spiele pro Woche zu. Eine enorme Belastung für den Körper.

Die NBA sollte als warnendes Beispiel gelten. In der abgelaufenen Saison, die ebenfalls wegen eines Lockouts verkürzt war, stieg die Verletzungsrate der Dribbelkünstler um 14 Prozent.

Kein Zufall, wie Vancouver-Stürmer Manny Malhotra glaubt: „Man hat in der NBA gesehen, wie belastend es für die Jungs war, dass so viele Spiele in so kurzer Zeit gespielt wurden und Hockey ist dazu noch um einiges physischer als Basketball.“

Freude überwiegt

Trotz der zu erwartenden Anfangsschwierigkeiten und des gedrängten Terminplans sind natürlich aller Spieler froh, sich endlich wieder in der besten Liga der Welt messen zu können.

"It's a beautiful day for Hockey", twitterte etwa Flyers-Angreifer Claude Giroux und auch NHL-Superstar Sidney Crosby jubelte: „Ich bin begeistert, bald wieder Eishockey spielen zu können.“

Den meisten Fans wird es ähnlich gehen. Klar, man war und ist vielleicht immer noch verärgert, dass sich die Parteien nicht früher geeinigt haben, aber schlussendlich wird doch die Freude überwiegen, dass es eine Saison gibt!

 

Fabian Santner

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen