New York Islanders: From zeros to heroes

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Wer hätte das gedacht?

Die New York Islanders sind kurz vor dem All-Star-Break das beste Team im NHL-Osten und auf dem besten Weg, sich für die Playoffs zu qualifizieren.

Die Mannschaft von Michael Grabner hält nach 46 Spielen bei 63 Punkten.  31 Siegen stehen nur 14 Niederlagen gegenüber, einmal musste man sich in der Verlängerung geschlagen geben.

Grabner kommt in Fahrt

Der Österreicher selbst konnte noch nicht allzu viel zum derzeitigen Erfolgslauf beitragen, war er doch lange verletzt.

Seit Grabner allerdings wieder auf dem Eis steht, hat er sich nahtlos eingefügt und hält bei vier Toren und zwei Assists in zwölf Spielen.

Zuletzt lieferte beim 7:4-Sieg gegen Michael Raffl und seine Philadelphia Flyers eine Kostprobe seines Könnens ab, als er per sehenswertem Schlenzer ins Kreuzeck das 1:0 erzielte und auch beim 2:0 durch Nikilay Kulemin seinen Schläger im Spiel hatte.

 

Turnaround innert eines Jahres

Kurz gesagt: Es läuft. Doch drehen wir die Uhr ein Jahr zurück. Am 20. Jänner 2014 hatten die Islanders gerade einmal  47 Punkte auf der Habenseite, und das obwohl  sie zu diesem Zeitpunkt sogar fünf Partien mehr absolviert hatten.

Nur zwölf Monate später ist die Franchise aus Long Island nicht nur auf Playoff-Kurs, sie gilt mittlerweile als ernsthafter Kandidat auf den Stanley Cup.

„Es ist eine komplett andere Mannschaft. Sie hat eine völlig konträre Einstellung im Vergleich zum Vorjahr“, so Headcoach Jack Capuano.

Doch woher kommt diese außerordentliche Steigerung im Vergleich zur Saison 2013/14?

Halak macht den Unterschied

Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Unterschied zur letztjährigen Mannschaft steht zwischen den Pfosten. Jaroslav Halak scheint bei den Islanders nach mehreren unsteten Jahren endlich eine Heimat gefunden zu haben, wo er seine Leistungen konstant abrufen kann.

Und auch die New Yorker haben nach zahlreichen Fehlgriffen a la Evgeni Nabokov endlich eine richtige Nummer Eins im Tor.

„Seit ich hier bin hatten wir viele verschiedene Torhüter. Die Position ist von der Wichtigkeit her vergleichbar mit der des Quarterbacks beim Football oder des First Pitchers im Baseball. Du bist die letzte Verteidigungslinie“, weiß Capuano, was er dem 29-jährige Slowaken zu verdanken hat.

 

Jaroslav Halak hält seinen Vorderleuten den Rücken frei

Franchise-Rekord und All-Star-Game

Halak hält bei einer Save-Percentage von 91 Prozent sowie vier Shutouts und liegt mit 25 Siegen auf Rang zwei der Ligawertung. Mit elf Siegen in Folge stellte er im November sogar einen Franchise-Rekord auf.

Der Lohn für diese Leistungen ist die erstmalige Einladung zum NHL-All-Star-Game. „Es ist natürlich eine große Ehre, dabei zu sein. Ich bin wirklich glücklich und werde es genießen“, so Halak, der aber auch weiß, was er an seinen Teamkameraden hat. „Wenn die fünf Jungs vor mir ihren Job nicht machen würden, wäre ich kein Kandidat fürs All-Star-Game.“

Logischerweise haben seine Vorderleute auch nichts als Lob für ihren Goalie übrig. „Es macht einen riesigen Unterschied, wenn man weiß, dass man einen Fehler begehen kann und deswegen nicht sofort ein Tor kassiert. Er ist für uns da und wir für ihn“, so Stürmer Anders Lee.

„Er gibt uns in jeder Partie die Chance, zu gewinnen. Er hat uns einige Male mit seinen Paraden im Spiel gehalten“, so Travis Hamonic.

Islanders verstärkten sich klug

Neben Halak landete General Manager Garth Snow aber noch weitere Coups in der Offseason. Mikhail Grabovsky und Nikolay Kulemin verliehen der Islanders-Offense die nötige Tiefe, als klügste Schachzüge erwiesen sich aber vor allem die Verpflichtungen der Stanley-Cup-erfahrenen Defender Johnny Boychuk und Nick Leddy.

Die beiden nahmen Hamonic und Lubomir Vishnovsky die Last von den Schultern, das Spiel machen zu müssen, und tragen einen erheblichen Teil zu Halaks Erfolgslauf bei.

„Diese Jungs haben den Stanley Cup gewonnen, diese Erfahrung können sie mit der Mannschaft teilen. Sie wissen, wie es ist, wenn man in einer „best-of-seven“-Serie 2:3 zurückliegt und können dieses Know-How weitergeben. So etwas ist unheimlich wertvoll“, erklärt Hall-of-Famer Denis Potvin, der mit den Isles in den 80ern vier Stanley Cups en suite gewinnen konnte,  die Wichtigkeit solcher Spieler für ein Team.

Tavares und Okposo scoren wie gewohnt

Variables Spiel als Erfolgsgeheimnis

Apropos entlasten: Auch in der Offensive hängt längst nicht mehr alles von der erste Linie um Kapitän John Tavares und Kyle Okposo ab.

Neben den beiden zuverlässigen Topscorern, die bei 45 bzw. 44 Punkten halten und damit im NHL-Spitzenfeld angesiedelt sind, erleben Ryan Strome und Brock Nelson eine „Breakout-Season“ und machen das Spiel der New Yorker äußerst unberechenbar.

Davon profitiert logischerweise auch Tavares, der die Islanders wie Halak beim All-Star-Game vertreten wird. „Es macht zur Zeit einfach unheimlich Spaß“, hat der 24-jährige Kanadier eine recht simple Erklärung für die starken Auftritte seiner Mannschaft.

Etwas differenzierter begründet ein NHL-Scout gegenüber „Sports Illustrated“ den Erfolgslauf der Isles. „Sie können auf unterschiedliche Arten  Druck ausüben. Sie variieren zwischen schnellem und physischem Spiel und können eine Partie auch aufgrund ihrer technischen Fähigkeiten entscheiden.“

Letzte Saison in Uniondale

Doch nicht nur auf dem Eis, auch abseits beziehungsweise in der Umkleidekabine hat sich bei den Islanders einiges geändert.

Glaubwürdigkeit, Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und Führungsqualitäten sind laut Capuano die Eckpfeiler einer erfolgreichen Hockey-Franchise. „Ich habe das vom ersten Tag an gepredigt. Zu Saisonbeginn hat uns niemand eine Chance gegeben, wir wollten es alles beweisen, darum spielen wir dieses Spiel.“

Das dürfte den „Isles“ wohl gelungen sein, das Nassau Coliseum ist jedenfalls stets ausverkauft. Die Fans genießen die letzten Auftritte ihrer Mannschaft in Uniondale, im Sommer folgt schließlich der Umzug nach Brooklyn. Für Hamonic ein perfektes Timing:

 „Es ist die letzte Saison hier, es wäre doch schön, wenn wir uns mit einem Knall verabschieden könnten.“

Auf dem besten Weg dahin sind sie jedenfalls.

 

Fabian Santner

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