Die ernüchternde Bilanz der NHL-Exporte

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Für Österreichs NHL-Hoffnungen verschärft sich das Playoff-Gefecht zusehends. Und das obgleich die zweite Hälfte der Regular Season noch bevorsteht.

Thomas Vanek, Andreas Nödl sowie Michael Grabner halten an der US-amerikanischen Ost-Küste die rot-weiß-roten Fahnen hoch. Überdies verbindet das Trio eine Gemeinsamkeit – das große Bangen.

In der Conference herrscht ohnehin „verkehrte Welt“. Die im Vorjahr weitgehend belächelten Florida Panthers hatte niemand auf der Rechnung. Ebenso wie Ottawa oder New Jersey.

Allesamt weilten zuletzt schon im Urlaub, als die heiße Phase der Saison anlief. Ein Schicksal, welches nun prominenten Namen droht. Ob die Pittsburgh Penguins oder Tampa Bay Lightning, kaum jemand scheint davor gefeit. Einzig die NY Rangers, Stanley-Cup-Champ Boston Bruins und die Philadelphia Flyers trotzen diesem Trend.

Mittendrin: Die Teams der heimischen Kufensportler. LAOLA1 analysiert in der Halbzeit-Bilanz deren Performance und wagt einen Blick in die Glaskugel.

 

Thomas Vanek (11. Buffalo Sabres):

Vanek: So ausgeglichen wie nie

Team-Performance (19-20-5): Nach den beachtlichen Vertrags-Abschlüssen während der Free Agency galten die Sabres als brandheißer Aspirant auf „Lord Stanley“. Doch der aktuellen Verfassung nach zu schließen, wartet die Franchise selbst im 42.Jahr des Bestehens vergeblich auf eine Premiere. Ein Mix aus anhaltender Formkrise, die beiden Top-Center Derek Roy (25 Punkte) und allen voran Neuzugang Ville Leino (10) seien an dieser Stelle zu erwähnen, sowie wiederkehrendem Verletzungs-Pech ließen den Groß-Investor straucheln. Selbst im Aufeinandertreffen mit Grabners NY Islanders hatte „Van the Man“, welcher einen Penalty an die Stange setzte, das Nachsehen (2:4). Neun Spiele, sieben Pleiten - zu wenig für einen künftigen Cup-Halter.

Individual-Performance: Eine Lebensmittel-Vergiftung setzte Vanek zuletzt ordentlich zu, an Buffalos Schwächeperiode trifft ihn jedoch keine Schuld. Sein Name steht heuer für Ausgeglichenheit. Früher meist als Goalgetter im Slot zu sehen, entwickelte sich der Assistant Captain zum kompletten Spieler. Mittlerweile fühlt er sich auf allen Positionen des Eises wohl, 19 Treffer und 22 Assists stärken diesen Eindruck. In der internen Scorerwertung konnte einzig Jason Pominville (44) den Vater dreier Söhne überflügeln. Überdies ist der „Go-to-Guy“ mit vier Game-Winnern spitze, einer fehlt noch zur Zahl der Vorsaison. Seine Konstanz wurde von Experten honoriert, NHL.com nominierte Vanek sogar für das Team des Jahres. Heuer scheint das Career-High von 84 Punkten aus seiner zweiten Saison in Gefahr.

Prognose: Die Sabres sollten schleunigst zurück in die Erfolgsspur finden, denn langsam wird die Luft dünn. Als Tabellen-Elfter beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer bereits sieben Zähler. Und die Konkurrenz um die Postseason-Teilnahme - Pittsburgh, Montreal oder Toronto - schläft keineswegs. Schütteln die Schützlinge Lindy Ruffs endlich das Pech ab und finden zu ihrer gewohnten Verfassung, wird Buffalo mit Mühe und Not die Zäsur überstehen: Platz acht!


Saison

Spiele

Tore

Assists

Punkte

+/-

PP

SH

Game Winner

Schüsse%

Eiszeit

10/11

80

32

41

73

+2

11

0

5

238 (13,4)

17:21

11/12

44

19

22

41

+1

8

0

4

124 (15,3)

17:18

Andreas Nödl (13. Carolina Hurricanes):

Nödl: Offensiv-Power ist gefragt

Team-Performance (16-24-7): Rot-weiß-rote Eishockey-Fans verfolgen neuerdings die Formkurve des Stanley-Cup-Siegers ‘06 mit Argusaugen. Seit Anfang Dezember leistet nämlich Nödl in Raleigh seine Dienste. Just zum Zeitpunkt des Engagements zogen die Entscheidungsträger Konsequenzen aus der anhaltenden Talfahrt. Paul Maurice musste Kirk Muller weichen – erste Besserung ließ das 4:2 gegen die Boston Bruins erkennen. Carolina rangiert mit 39 Punkten unmittelbar vor den Islanders auf Rang 13. Grobe Mängel wurden speziell in der Rückwärtsbewegung (154 Gegentore) augenscheinlich. Zu allem Überdruss fehlen die Scorer. Tuomo Ruutu (Career-High: 57) als auch Jussi Jokinen (55) steuern zuverlässig ihren Teil bei, weisen jedoch nicht Eric Staals (100) Qualität auf. Jeff Skinner, Rookie 2011, stoppte eine Gehirnerschütterung, Timeline für eine Rückkehr gibt es - wie häufig bei solchen Verletzungen – nicht.

Individual-Performance: Nödl durchlebte ein Wellenbad der Gefühle. Zu Saisonbeginn versprühte der Konsolen-Freak noch Optimismus. Zwölf Begegnungen später fand sich der Viertlinien-Crack plötzlich auf der Waiver-List wieder - aus Salary-Cap-technischen Gründen. Weniger als 24 Stunden nach seiner Ausbootung war die Zukunft geklärt, in Carolina darf der Stürmer den NHL-Traum weiterleben. Unter Maurice verpflichtet, hat er bei Muller keinen leichten Stand. Trotz kurzzeitigem Aufwärtstrend, zwei Tore und eine Vorlage in drei aufeinanderfolgenden Begegnungen, erhielt Nödl anfangs kaum Eiszeit. Gegen Boston (15:20 Minuten) und Washington (15:48) wurde er regelmäßiger forciert. Damit dies anhält, sollte er Scoring-Punch beweisen. Positiv: Finanziell ist der Wiener dank One-Way-Kontrakt abgesichert. Selbst bei einer Abschiedung in die AHL muss er keine Einbußen hinnehmen.

Prognose: Zwei Pünktchen entschieden im Vorjahr zwischen Postseason und Urlaub – zu Ungunsten der „Canes“. Derzeit sind sie unter ferner liefen, nur ein mittelgroßes Wunder könnte die Franchise vor dem abermaligen Tiefschlag bewahren. Nachdem solche selten eintreten, ist tendenziell das Saison-Aus wahrscheinlicher: Platz 15!


Saison

Spiele

Tore

Assists

Punkte

+/-

PP

SH

Game Winner

Schüsse%

Eiszeit

10/11

67

11

11

22

+14

1

1

2

100 (11,0)

13:16

11/12

33

2

3

5

-1

0

0

0

22 (9,1)

10:07

Michael Grabner (14. New York Islanders):

Grabner: Chancen-Auswertung mangelhaft

Team-Performance (16-20-6): „Wir spielen 82 Spiele, um danach in den Playoffs zu stehen“, erklärte der frisch Verlobte während seines sommerlichen Heimat-Aufenthalts im LAOLA1-Talk. Die Franchise wolle auf der Vorsaison aufbauen – nun droht Grabs und Co. neuerdings nur die Zuschauer-Rolle. Um dies zu vermeiden, sollten die „Isles“ schleunigst die Form-Schwankung stoppen. Zu Selten schöpften Jack Capuanos Mannen ihr vorhandenes Potenzial, welches sie gegen die Detroit Red Wings (5:1) oder Buffalo siegen lässt, aus. Häufig agierte man ungeschickt, wirkte nicht gefestigt genug und zu abhängig von der Offensiv-Produktion John Tavares‘ (42 Punkte). Routiniers wie Steven Staios, Brian Rolston oder Mark Streit sind gefordert, dem talentierten Kern endlich Konstanz einzuhauchen.

Individual-Performance: Das Jahr nach dem Durchbruch ist bekanntlich das schwerste, dies bekommt Grabner zu spüren. Konnte der 24-Jährige damals noch völlig befreit aufgeigen, lastet dieser Tage der Druck eines Millionen-Kontrakts auf seinen Schultern. 52 Punkte, davon 34 Tore (!), verpflichten eben, die gewohnte Lockerheit kann im Fokus der Öffentlichkeit schon mal verloren gehen. Besonders der Blick auf die Plus-/Minus-Wertung (-13), 2010/11 war er noch Bester (13) im Islanders-Ranking, ist ernüchternd. Um die Offensiv-Maschinerie anzukurbeln, wurde der Villacher kurzzeitig gar in die Parade-Linie mit Topscorer Tavares versetzt. Ein Experiment ohne Nachhaltigkeit. Häufig mühte er sich vor dem Netz, vielleicht war der Doppelpack gegen Buffalo ein Befreiungsschlag. „Er arbeitet richtig hart und erhält seine Chancen“, lobt Capuano. Via Twitter scherzte „Grabs“ über sein Unvermögen: „Bei der gefühlt 5.755 Hochkarätigen habe ich einen nach Hause gebracht.“

Prognose: Die Postseason schien dank Erfahrungs-Zuwachs, den Roster-Planungen sei dank, nach vier Jahren Abstinenz möglich. Mittlerweile beläuft sich die Chance im einstelligen Prozent-Bereich. Zwölf Punkte sind aufzuholen, da wird der Zug wohl ohne den aktuell Vorletzten abfahren: Platz 13!

Christoph Köckeis

Saison

Spiele

Tore

Assists

Punkte

+/-

PP

SH

Game Winner

Schüsse%

Eiszeit

10/11

76

34

18

52

+13

2

6

3

228 (14,9)

15:04

11/12

41

13

7

20

-13

1

1

2

98 (13,3)

16:27

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