Michael Grabner will es noch einmal wissen

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Es war eine schwere Saison für Michael Grabner.

Österreichs NHL-Export kam lediglich auf 34 Einsätze im Grunddurchgang, in den Playoffs stand er gar nur zweimal auf dem Eis. Insgesamt verbuchte er acht Tore und sechs Assists.

Leisten-OP bremste Grabner ein

Die Leiste machte dem 27-jährigen Flügelstürmer zu schaffen. Nachdem er sich im Oktober einer Operation unterziehen lassen musste, kam er nie richtig in Fahrt. Sein Comeback musste ständig verschoben werden, als er dann im Jänner endlich wieder für die New York Islanders auf dem Eis stand, merkte man ihm sowohl die Verletzung als auch die fehlende Spielpraxis an.

„Ich konnte vergangene Saison nicht viele Partien absolvieren und wenn ich gespielt habe, war ich nicht hundertprozentig fit“, fällt sein Saisonresümee gegenüber LAOLA1 deswegen auch recht nüchtern aus.

Das ist nur verständlich. Kein Profisportler ist gerne zum Zuschauen verdammt, lange Zwangspausen nagen zudem an der Psyche. Irgendwann beginnt man, die eigene Leistungsfähigkeit in Frage zu stellen und in der NHL kommt der immense Konkurrenzkampf erschwerend hinzu.

„Es ist wirklich hart, wenn man auf der Tribüne sitzen muss. Andere Spieler lauern ständig auf deinen Platz, auf deinen Job“, erklärt Grabner, wie schwierig die Situation für ihn war.

Keine normale Vorbereitung

Dass er sich nach der Saison erneut einem Eingriff an der Leiste - diesmal auf der anderen Seite - unterziehen lassen musste, verdeutlicht seinen unzureichenden Gesundheitszustand während der gesamten Spielzeit.

Daneben warf die notwendige Operation natürlich auch den Vorbereitungsplan des Stürmers durcheinander. „Normalerweise macht man nach der Saison zwischen zwei und fünf Wochen Pause. Das hängt davon ab, wie weit man in den Playoffs kommt. Wenn die Saison schon Anfang April zu Ende ist, hat man etwas länger frei“, erklärt Grabner bei LAOLA1.

Die Islanders bestritten ihr letztes Spiel am 27. April, als man sich den Washington Capitals in Spiel 7 der ersten Playoff-Runde mit 1:2 geschlagen geben musste. Grabner hatte dennoch länger als fünf Wochen frei und ist deshalb noch nicht so weit, wie er gerne sein würde.

„Eine normale Vorbereitung sieht anders aus, als die heurige. Ich musste nach der Operation eine Pause einlegen und alles richtig verheilen lassen“, gibt Grabner zu bedenken, zeigt sich mit seinen Fortschritten aber insgesamt zufrieden:

„Nach so einem Eingriff braucht es natürlich immer eine gewisse Zeit, bis man wieder zu alter Stärke findet. Aber es geht von Tag zu Tag besser. Ich komme so langsam wieder in Form. Zum Glück habe ich noch etwa zwei Monate, bevor die Saison wieder losgeht. Insgesamt läuft es schon ganz gut.“

„Jetzt holt man sich die Grundlagen für die Saison“

Die Leidenszeit soll nun also endgültig vorbei sein, Grabner steht mittlerweile wieder voll in der Vorbereitung für kommende Spielzeit. Schmerzen verspürt er keine mehr.

Momentan legt der zweifache Familienvater seinen Trainingsschwerpunkt auf den Kraftaufbau, daneben vergisst er aber nicht auf die Spritzigkeit, schließlich ist diese seine größte Waffe.

„Das darf ich keinesfalls vernachlässigen und Konditionstraining steht natürlich auch auf dem Programm. Allgemein kann man sagen, dass man im meinem Alter vor allem darauf schauen muss, in einer guten Gesamtverfassung zu sein. Jetzt schafft man sich die Grundlagen für die bevorstehende Saison.“

Wird Grabner getradet?

Diese kommt nämlich bestimmt. Am 8. Oktober geht es in der NHL wieder los und dieses Jahr will Grabner von Beginn an mitmischen. Für welche Mannschaft er allerdings auf dem Eis stehen wird, ist noch unklar.

Er hat zwar noch ein Jahr Vertrag bei den Islanders, das bedeutet aber auch, dass er kommenden Sommer Unrestricted Free Agent wäre. Auf Deutsch: Er könnte sich aussuchen, bei welchem Team er unterschreiben will, die Isles würden nichts für ihn bekommen.

Logischerweise ranken sich daher zahlreiche Trade-Gerüchte um den Angreifer, Grabner ist nach wie vor ein Stürmer, der für 20 Tore pro Saison gut ist und dank seiner Schnelligkeit eine Bereicherung für jedes NHL-Team sein kann.

„So etwas kann immer passieren, das gehört zu meinem Job dazu. Ich bin ja schon einmal getradet worden, von dem her wäre es kein völliges Neuland für mich“, nimmt Grabner die Situation ganz cool, auch wenn er zugibt, dass es ihm nicht ganz leicht fallen würde, New York hinter sich zu lassen: „Ich habe mir hier sehr viel aufgebaut und viele Freunde gewonnen, so gesehen wäre ein Trade natürlich schade.“

Grabners Speed ist nach wie vor seine größte Waffe

„Will dort sein, wo ich gebraucht werde“

Grabner ist aber Profi genug, um die Prioritäten richtig zu setzen. „Als ich 2009 von Vancouver weg getradet wurde, war das ein ziemlicher Schock für mich. Jetzt will ich einfach dort sein, wo ich gebraucht werde und auch zum Einsatz kommen. Da kann man leider keine Rücksicht auf Freunde oder ähnliches nehmen.“

Es müssen also nicht unbedingt die Islanders sein, wenn er es sich aber aussuchen könnte, würde er schon ein ambitioniertes Team bevorzugen. So ehrlich ist Grabner.

„Ich will in erster Linie Eishockey spielen, aber ich will auch irgendwann die Chance auf den Stanley Cup haben und zum Sieg beitragen, nicht auf der Tribüne sitzen – ob bei den Islanders oder woanders ist eigentlich egal.“

Die Verletzung ist überwunden, das mittelfristige Ziel ist definiert, doch wie sieht aufgrund der unklaren Ausgangssituation die kurzfristige Planung aus?

„Ich werde mich so gut wie möglich vorbereiten und versuchen, beim Trainingscamp Im September in Top-Form zu sein. Man wird dann sehen, was passiert“, sieht Grabner der Zukunft gelassen entgegen.

Warum auch nicht? Nach so einer Seuchensaison kann es schließlich nur bergauf gehen.

 

Fabian Santner/Gerfried Nagel

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