NHL: Der Osten im Halbfinal-Check

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Auf dem Stanley Cup lastet ein Fluch - diese leidvolle Erkenntnis mussten die Boston Bruins gewinnen.

Schon in Runde eins der NHL-Playoffs wurde der amtierende Champion von den Washington Capitals ausgeknockt. Einem Team, welches nur mühevoll die Regular Season überstand.

Der „Holy Grail“ bleibt somit weiterhin verhext. Letztmals gelang den Detroit Red Wings 1997/98 das Kunststück eines „Back to back“-Triumphes.

Dennoch: Die Bruins sind bloß der Gipfel des „Favoritensterbens“. Auch Final-Konkurrent Vancouver, punktbestes Team des Grunddurchgangs, oder die hochfavorisierten Pittsburgh Penguins teilen jenes Schicksal.

Das Postseason-Spektakel bot Überraschungen zuhauf. So ergeben sich wiederum hoch interessante Konstellationen im Conference-Halbfinale. LAOLA1 checkt die Eastern Conference (Westen-Vorschau):

Ausgangsposition:

Wer hätte das gedacht: Im Vorfeld der „Best of seven“-Serie gegen Ottawa waren Experten und auch Journalisten – mit einem Sweep lagen wir, gelinde gesagt, komplett falsch - gewillt, der Franchise aus dem Big Apple einen Durchmarsch zu prophezeien. Doch weit gefehlt! Die Senators verlangten einem aussichtsreichen Anwärter auf „Lord Stanley“ alles ab. Erst Spiel sieben und die Besinnung auf eigene Vorzüge bescherten ein Happy End. „Kleinigkeiten wie geblockte Schüsse oder dergleichen sind häufig entscheidend. Darauf müssen wir aufbauen“, glaubt Head Coach John Tortorella.

Wer hätte das gedacht: Den Capitals wurde gegen den Titelverteidiger aus Boston, wenn überhaupt, eine Außenseiter-Chance eingeräumt. In einem an Spannung kaum zu überbietenden Kräftemessen –alle Begegnungen endeten mit dem Minimal-Abstand, das ist NHL-Rekord (!) – eliminierten die bisher titellosen Hauptstädter Boston. Mastermind Dale Hunter weiß: „Sie rauszuwerfen, ist überwältigend. Sie haben ein super Team. Wir zeigten aber, welch großartiger Charakter in uns steckt.“

Zum dritten Mal in den letzten vier Saisonen warten nun die Rangers. Im Vorjahr ließ Washington als bestes Team der Regular Season keine Zweifel aufkommen, siegte in fünf Spielen. 2008/2009 ging es über die volle Distanz, aber ebenfalls an die Caps. Der direkte Vergleich 11/12 ist ausgeglichen.

Schlüsselspieler:

Die Rangers taumelten gewaltig, fielen jedoch nicht. Ebenso ihre Parade-Formation. Marian Gaborik, der Goalgetter vom Dienst, läuft zum ungünstigsten aller Zeitpunkte seiner gewohnten Treffsicherheit (1 Tor) hinterher. Selbst sein kongenialer Partner Brad Richards konnte nicht die erwarteten Impulse setzen, führt mit fünf Punkten dennoch die interne Scorerliste an. Überzeugungsarbeit leistete indes Brian Boyle mit drei Treffern, ehe ihn eine Gehirnerschütterung (Eishockey, eine Kopfsache) stoppte. Ist diese Verletzung ausgestanden, wäre er ein potentieller „Difference-Maker“.

Ein solcher ist eigentlich Washingtons Alex Ovechkin, obwohl die persönliche Situation derzeit wenig zufriedenstellend erscheint. Sogar bei Spiel sieben gegen Boston musste sich der russische Superstar in wichtigen Situationen mit der Zuschauerrolle begnügen. Chef Hunter schreckt vor dem Gesicht der Organisation nicht zurück, dennoch wird er wissen: „Ovi“ wächst, wenn es erforderlich ist, über sich hinaus. Schlüsselfiguren waren auch die Top-Vier-Defender Mike Green, Karl Alzner, Roman Hamrlik und John Carlson, welche im Schnitt über 22 Minuten Eiszeit erhielten.

Interessante Schlüsse wird das Generationen-Duell auf der Torhüter-Position liefern. Rangers‘ Henrik Lundquvist – heißer Anwärter auf die Vezina Trophy – gegen den acht Jahre jüngeren Braden Holtby. Letzterer konnte Bruins-Hexer Tim Thomas ausstechen, nun wartet eine weitere Bewährungsprobe auf den Jungspund.

Prognose:

Es ist der Vergleich zweier Penalty-Killing-Mächte: New York killte 22 von 26 Powerplay, die Capitals beeindruckende 21 von 23. Dennoch nimmt das topgesetzte Team Revanche für das Ausscheiden der vergangenen Jahre - 4:3 für die Rangers!

Datum Heim Gast Ergebnis
25.11. Capitals Rangers 3:6
28.12. Capitals Rangers 4:1
12.02. Rangers Capitals 3:2
07.04. Rangers Capitals 1:4

Ausgangsposition:

Um Missverständnissen vorzubeugen: Seit Jahren zählen die Flyers zur erweiterten Spitze in der NHL, nichtsdestotrotz kam der Erfolg über Pittsburgh überraschend. Einerseits, weil der Konkurrent zu den heißesten Aktien im Kampf um den Stanley Cup zählte. Und andererseits, da Philadelphia im Sommer mit Mike Richards und Jeff Carter prominente Namen ziehen ließ. GM Paul Holgren ging volles Risiko, vertraute der Jugend und bekam die erfreuliche Rechnung serviert. Auf dem Weg zum dritten Titel der Franchise-Historie wartet eine bekannte Hürde.

Etwas mehr als 150 Kilometer trennt Philadelphia und New Jersey, während der Saison begegneten die Division-Konkurrenten einander sechs Mal – Geheimnisse sind da auszuschließen. In der Postseason kreuzte man nach dem Abzug der Devils aus Colorado in 30 Jahren vier Mal die Klingen, einen Vorteil konnte sich kein Team erarbeiten. Das fünfte Aufeinandertreffen ermöglichte erst der heroische Sieg über Florida. Adam Henrique erlöste den dreifachen Cup-Halter in der zweiten Overtime.

Ein Spiel sieben nach dem Geschmack der Flyers, denn so leicht ist ein derartig langer Kampf nicht zu verdauen. Ausgeruht empfängt man in der Nacht auf Montag die Devils, ein ausgeglichenes Duell ist nach dem Saison-Verlauf (Bilanz: 3:3) zu erwarten.

Schlüsselspiele:

56 Tore (!) – die Serie zwischen Philadelphia und Pittsburgh versetzte die Eishockey-Welt in Staunen. Man begegnete sich mit offenem Visier, bot den Zuschauern ein Spektakel sondergleichen. Gestärkt durch die Routiniers Danny Briere (8 Punkte) und Jaromir Jagr (7) lief ein Hoffnungsträger regelrecht heiß: Claude Giroux. Der 24-Jährige machte seinen hochkarätigen Opponenten, Sidney Crosby sowie Evgeni Malkin, mit 14 Punkten die Schlagzeilen streitig. Scort Giroux in dieser Tonart, dürfen sich die Flyers berechtigte Hoffnungen auf Titel Nummer drei machen. Handlungsbedarf besteht indes in der Rückwärtsbewegung – 30 Gegentreffer sind kein Ruhmesblatt.

In Anbetracht der geballten Flyers‘ Offensiv-Power ist allen voran der Abwehr-Verbund New Jerseys gefordert. Wie kann man Topscorer Giroux aus dem Spiel nehmen? Oder: Lässt sich seine Produktion überhaupt minimieren? Quälende Fragen, doch bekanntlich liegt die Wahrheit auf dem Eis. Und dort sollten die Defender Marek Zidlicky, Andy Greene sowie Bryce Salvador tunlichst hellwach sein. Was das Toreschießen betrifft, sind die Rollen klar verteilt. Denn in den Playoffs jubelten lediglich Stürmer. Am häufigsten Aushängeschild Ilya Kovalchuk (3 Tore/5 Punkte) und Travis Zajac (3/5).

In der Pflicht stehen überdies die Torhüter. Flyers-Akteur Ilya Bryzgalov schwächelte zwar zu Beginn gegen Pittsburgh, konnte sich allerdings auf seine Vorderleute verlassen. Jene werden Devils-Goalie Martin Brodeur das Leben zur Hölle machen. Die in die Jahre gekommene Legende (39) muss an die früheren Glanztage anschließen, um dem Underdog eine reelle Aufstiegs-Chance zu verschaffen.

Prognose:

Die Special Teams Philadelphias agierten zuletzt auf allerhöchstem Niveau. Zwölf von 23 Powerplays brachten gegen Pittsburgh die gewünschte Wirkung. Dem haben die Devils nichts entgegenzusetzen – 4:2 für die Flyers!

Christoph Köckeis

Datum Heim Gast Ergebnis
08.10. Devils Flyers 0:3
03.11. Flyers Devils 3:4 SO
21.01. Devils Flyers 1:4
04.02. Flyers Devils 4:6
11.03. Devils Flyers 4:1
13.03. Flyers Devils 3:0
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