NHL: Ein Hass-Duell im Osten

Aufmacherbild
 

NHL-Vorschau: Das Finale der Eastern Conference

Aufmacherbild
 

Manch Beobachter schüttelt noch immer den Kopf. Vor Verwunderung ob der Conference Finals.

Die Stanley Cup Playoffs 2012 lieferten nämlich eine Erkenntnis: Das Favoriten-Dasein in der National Hockey League ist kein leichtes.

Zu den prominentesten Opfern dürfen sich Titelverteidiger Boston und President’s-Trophy-Gewinner Vancouver zählen. Lediglich die New York Rangers, Triumphator im Osten, trotzten diesem Trend.

Doch wer entthront die Bruins? Die hoch gehandelten Superstars aus dem „Big Apple“ oder einer der Riesentöter aus New Jersey, Phoenix sowie Los Angeles?

Zuerst gilt es die Anwärter auf den „Holy Grail“ zu selektieren. LAOLA1 analysiert im Vorfeld die zwei brisanten Konstellationen. Das Endspiel der Eastern Conference im Check:

  • Ausgangsposition:

„Uns verbindet eine große Rivalität, seit Jahren sind das harte Kämpfe“, erklärte Devils-Enforcer Cam Janssen nach dem jüngsten Gastspiel in New York. Schon vor dem Opening-Faceoff flogen die Fäuste, nicht zum ersten Mal. Nur der Hudson River trennt die Franchises, welche einander gar nicht riechen können. Ab Montag-Nacht herrscht neuerlich Explosionsgefahr. Aufgrund der Ausgangslage. Und der Vorgeschichte.

Rangers-Mastermind John Tortorella attackierte damals seinen Gegenüber, sprach von respektlosem Verhalten, eine solche Auseinandersetzung zu provozieren. Peter DeBoer entgegnete ihm: „Er ließ im Duell davor ebenso die harten Jungs starten. Entweder hat er einfach ein schlechtes Gedächtnis oder ist ein Heuchler.“ Reichlich böses Blut. Sportlich darf man einen Showdown der Extraklasse erwarten.

In beeindruckender Manier verabschiedete New Jersey nach mühevollem Auftakt gegen Florida (4:3) Philadelphia in den Urlaub. Dagegen mussten die Rangers sowohl gegen Ottawa als auch Washington über die volle Distanz. Der direkte Vergleich ist ausgeglichen.

  • Offense:

Die „Skyline-Metropole“ New York lechzt nach mehr. Vier Stanley Cups zieren die Hallen des Madison Square Garden. Nach 54-jähriger Durststrecke durfte der Kult-Klub letztmals 1994 jubeln, nun scheint Nummer fünf in greifbarer Nähe. Der Schuldige: Brad Richards. 60 Millionen Dollar für neun Saisonen waren Anreiz genug. Während den Playoffs lief der Regisseur heiß. Wenn es die Situation erforderte, war der Champion und MVP ‘04 (Tampa Bay) mit Geniestreichen zur Stelle.

„Er blüht dann richtiggehend auf“, so Marian Gaborik. Mit Richards harmoniert der Torjäger perfekt, hinzu kommt Rookie Carl Hagelin. Der Schwede – nur drei Assists – hält dem Parade-Duo den Rücken frei, erledigt die Drecksarbeit. Nicht zu vergessen: Ryan Callahan. Der Kapitän läuft an der Seite Derek Stepans (9 Punkte) auf. Er ist das Herz der Rangers.

Datum Heim Gast Ergebnis
20.12. Devils Rangers 1:4
31.01. Devils Rangers 4:3 SO
07.02. Rangers Devils 0:1
27.02. Rangers Devils 2:0
06.03. Devils Rangers 4:1
19.03. Rangers Devils 4:2

Ilya Kovalchuk atmete durch: „Erstmals seit neun Jahren fahre ich nicht zur WM.“ Schmunzelnd stand der Russe vor einstigen Zweiflern, beantwortete nach dem Aufstieg geduldig sämtliche Fragen. Seine Laufbahn hatte einen Makel – man achte auf die Vergangenheitsform. Endlich profilierte sich der 29-Jährige im entscheidenden Moment, führte die Devils mit zwölf Punkten in die Vorschlussrunde. „Es ist sein Durchbruch. Er war nie in erfolgreichen Teams, nun wird er entlohnt“, weiß Torhüter Martin Brodeur.

Kovalchuk kommt nicht zuletzt Travis Zajac‘ Comeback zugute. Der kongeniale Partner bestritt wegen Achillessehnenbeschwerden 15 Einsätze bis zur Postseason. Dort überzeugte er mit fünf Treffern und Assists. Mastermind Peter DeBoer betont: „Ohne ihn wären wir nicht hier.“ Ebenso wenig ohne Zach Parise oder David Clarkson (je 8). Dass Ersterer zu den Hoffnungsträgern zählt, ist bekannt. Dass Clarkson ein solcher ist, völlig unerwartet. Für die „Teufel“ jedenfalls ein Segen.

Name Spiele Tore Assists Punkte +/- PP SH Eiszeit
B. Richards 14 6 5 11 1 2 0 23:03
M. Gaborik 14 4 6 10 1 0 0 20:54
R. Callahan 14 3 3 6 1 2 0 24:20
C. Hagelin 11 0 3 3 1 0 0 17:39

  • Defense:

Michael Del Zotto, ein Defender mit Scoring-Punch. In Spiel sieben gegen die Capitals (2:1) zeichnete er sich für den Game-Winner verantwortlich. Trotz der erst 21 Jahre eine Stütze im Defensivverbund: „Er gehört zu den konstantesten Cracks, sowohl vorne als auch hinten. Im letzten Jahr durchlebte er einen unheimlichen Prozess“, findet Tortorella ausschließlich lobende Worte.

Einen Punkt weniger, nämlich sieben, steuerte Dauerbrenner Dan Girardi bei. Durchschnittlich 27:39 Minuten machen den 28-Jährigen unverzichtbar im System. Einzig Nebenmann Ryan McDonagh hält ebenfalls bei über 27 Minuten. Dahinter folgt Marc Staal (25:27). Nach Gehirnerschütterungs-Pause meldete er sich im Januar zurück, in Spiel fünf gegen Washington (3:2 OT) avancierte er zum Helden.

Name Spiele Tore Assists Punkte +/- PP SH Eiszeit
I. Kovalchuk 11 5 7 12 -3 3 0 24:13
T. Zajac 12 5 5 10 1 1 0 21:00
Z. Parise 12 4 4 8 1 1 0 21:44
D. Clarkson 12 2 6 8 6 0 0 16:01

„Wenn jeder Spieler in der Rückwärtsbewegung mithilft, benötigt man nicht Zdeno Chara. Der Kader diktiert die Taktik, das haben alle erkannt“, verdeutlicht Head Coach DeBoer. Ein Kaliber á la Boston-Hüne Chara sucht man vergeblich, im Kollektiv ist New Jersey jedoch blendend disponiert. Nur so ist es zu erklären, dass die Flyers einem offensiven Totalausfall glichen. Andy Greene betont: „Natürlich erhalten wir nicht immer die Anerkennung. Solange wir siegen, ist es völlig nebensächlich.“

Dennoch richtet sich der Fokus auf ein Trio: Marek Zidlicky – im Februar aus Minnesota gekommen – erhält mit 24:38 Minuten die meiste Eiszeit. Bryce Salvador führt mit 27 Hits die Devils an, Greene ist Blocking-Leader (18). Eine Team-Performance eben.

Name Spiele Tore Assists Punkte +/- PP SH Eiszeit
M. Del Zotto 14 2 6 8 2 1 0 22:50
D. Girardi 14 1 6 7 1 0 0 27:39
M. Staal 14 2 3 5 3 1 0 25:27

  • Goalies:
Der Altmeister begegnet seinem Thronfolger: Als Martin Brodeur in der Saison 94/95 erstmals „Lord Stanley“ stemmte, befand sich Henrik Lundqvists Laufbahn noch in den Kinderschuhen. Im wahrsten Sinne. Damals war der Schwede gerademal 13 Jahre jung. Bis er 05 in der NHL debütierte, verewigte sich Brodeur weitere zwei Mal auf dem Objekt der Begierde. Nun träumt Lundqvist davon.

Name Spiele Tore Assists Punkte +/- PP SH Eiszeit
B. Salvador 12 2 4 6 8 0 1 22:59
M. Zidlicky 12 1 5 6 3 0 0 24:38
A. Greene 12 0 1 1 1 0 0 23:42

„Es ist großartig für mich, großartig für Team und Fans“, betont der 30-Jährige. Erstmals erreichte er die dritte Runde, glänzte wie selten zuvor: „Ich bin richtig fokussiert.“ Der für Experten Konstanteste der Gegenwart steht einem der Besten aller Zeiten gegenüber. Und Brodeurs Playoffs konstatierten, dass er noch lange nicht zum alten Eisen zählt.

Ob der Kanadier – er verschrieb sich 1993 den Devils, hält ihnen seither die Treue – über eine weitere Serie sein Leistungsvermögen abrufen kann, darf bezweifelt werden. Die Wachablöse steht bevor.

Prognose:

Ginge es nach der LAOLA1-Halbfinal-Prognose, stünde Tormaschine Philadelphia im Endspiel. Doch sämtliche Einschätzungen wurden widerlegt. New Jersey ist fortan alles zuzutrauen. Kovalchuk lässt erstmals in der heißen Phase seine Muskeln spielen. Die aufopferungsvollen NYR-Cracks werden jedoch auch ihm mächtig zusetzen. Daher: Knapp aber doch - 4:3 Rangers!

Christoph Köckeis

Name Spiele Siege Pleiten Schüsse Gegentore S%
H. Lundqvist 14 8 6 396 25 93,7%
M. Brodeur 12 8 3 314 25 92,0%
Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen