NHL: Vier Helden, vier Geschichten

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Sie verteidigen ihr Hoheitsgebiet mit erstaunlicher Leichtigkeit. Stehen für den Erfolg ihrer Franchise. Und sind die einzige Konstante in einer von Sensationen geprägten Postseason. Die Torhüter.

Henrik Lundqvist, Martin Brodeur, Mike Smith, Jonathan Quick - vier Namen, eine Gemeinsamkeit. Alle sind Erfolgsgaranten der Conference-Finalisten.

Das Quartett strebt die Nachfolge von Tim Thomas an. Bostons „Hexer“ verzauberte noch im Vorjahr die National Hockey League, bescherte den Bruins nach 39 Jahren wieder einen Stanley Cup.

Zusätzlich wurde er mit der „Conn Smythe Trophy“ für den Playoff-MVP ausgezeichnet. Eine Ehre, die zum 16. Mal in der Historie einem Schlussmann zukommen könnte.

LAOLA1 nahm die Flut an Glanzparaden zum Anlass, die vier Schuldigen und deren Background etwas zu beleuchten.

Henrik Lundqvist, der Fehlerlose:

Team: New York Rangers

Geburtsdatum: 2. März 1982

NHL-Draft: 205. Stelle – 2000

Wer ist dein Vorbild? Henrik Lundqvist! Aufstrebende Talente sehen im 30-jährigen Schweden häufig die Perfektion vereint – zurecht! Handlungsschnelligkeit, Athletik und Instinkt suchen seinesgleichen, machen ihn zum gegenwärtig wohl Besten seiner Zunft. „Es ist beinahe unmöglich, ihn bei freier Sicht zu bezwingen“, unterstreicht Kollege Derek Stepan.

Wenige trauten dem Frauenschwarm zur Jahrtausendwende zu, in der Elite zu bestehen. Fünf Jahre später glückte die Bewährungsprobe über dem großen Teich. Nicht lange dauerte es, bis die Rangers sein unheimliches Potenzial erkannten. Er wurde neue Nummer eins. Ein Hoffnungsschimmer trister und Hauptdarsteller erfolgreicher Tage. Im laufenden Bewerb eher letzteres.

Lundqvist spielt die Saison seines Lebens: Das belegen Bestwerte hinsichtlich Save-Percentage sowie Erfolge. Chef-Betreuer John Tortorella stärkt den Eindruck: „Er ist die Wirbelsäule dieses Teams, nicht erst heuer. Hank ist der beste Wettkämpfer, den ich jemals erlebt habe.“ Abermals erbrachte er in Spiel sieben gegen die Washington Capitals (2:1) den Beweis. Angesichts seiner Rettungstaten greift der Kult-Klub erstmals seit 1993/94 nach dem Conference-Titel.

Damals verewigte man sich überdies auf dem „Holy Grail“. Im schlagzeilenlüsternen „Big Apple“ wird die Wiederholung herbeigesehnt. Trotz hoher Erwartungshaltung bleibt der Gitarren-Freak gelassen: „Du darfst nicht 24 Stunden an den Sport denken.“ Sonst käme die Fehlerlosigkeit abhanden.

Saison Reg. Season (S/N/OT) SO S% Playoff (S/N) SO S%
11/12 62 Spiele (39/18/5) 8 93,0% 15 Spiele (9/6) 2 94,0%
Karriere 468 Spiele (252/155/54) 43 92,0% 50 Spiele (24/26) 5 91,8%

Martin Brodeur, die Legende:

Team: New Jersey Devils

Geburtsdatum: 6. Mai 1972

NHL-Draft: 20. Stelle - 1990

Ein Auszug aus den Rekordbüchern gefällig? Regular Season: 1.191 Spiele, 656 Erfolge, 119 Shutouts -  24 Mal hielt er in den Playoffs seinen Kasten sauber. Drei Stanley Cups, vier Vezina Trophies und zwei Olympische Gold-Medaillen – einsame Klasse! Meilensteine zuhauf schmücken seine Laufbahn, doch der 40-Jährige feilt weiterhin eifrig an seinem Mythos.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass ihn persönliche Statistiken motivieren. Er wird so etwas nach seinem Rücktritt genießen. Der Typ liebt die Hitze des Gefechtes, dafür ist er Profi geworden“, charakterisiert Taktiker Peter DeBoer. Längst sind die kritischen Töne verstummt. Brodeur sei zu langsam, habe den Zenit überschritten.

Zweifelsohne agierte der Kanadier während der Regular Season nicht unbedingt auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Das Unmögliche machte er selten möglich. Aber: Brodeur ist eben Brodeur. Niemand weiß besser, was es bedarf, um den großen Wurf zu landen. „Für mich ist er mit Patrick Roy der Beste aller Zeiten. Was er geleistet hat, ist beeindruckend“, so Flyers-Kapitän Danny Briere.

Eine Aura umgibt den künftigen „Hall of Famer“. Die Konkurrenz hat Respekt. „Er hat die Qualität, die Spiele zu stehlen“, drückte es Matt Carle im Vorfeld der Halbfinal-Serie aus. Philadelphias Verteidiger bekam es am eigenen Leib zu spüren. Der Gelobte „genießt es einfach“. Meist kein gutes Zeichen für die Gegner.

Saison Reg. Season (S/N/OT) SO S% Playoff (S/N) SO S%
11/12 59 Spiele (31/21/4) 3 90,8% 13 Spiele (8/4) 1 92,1%
Karriere 1.191 Spiele (656/371/58) 119 91,3% 194 Spiele (107/86) 24 91,9%

Mike Smith, der Spätzünder

Team: Phoenix Coyotes

Geburtsdatum: 22. März 1982

NHL-Draft: 161. Stelle – 2001

„Mike arbeitete in seiner Karriere so hart, um diesen Level zu erreichen. Das ist kein Zufall“, vergönnt Mastermind Dave Tippett seinem „Fels in der Brandung“ diesen Durchbruch. Es dauerte lange genug. Fünf Jahre nachdem sich die Dallas Stars erbarmten, debütierte er in der NHL. Weitere fünf benötigte Smith, um sich den unangefochtenen Nummer-eins-Status zu verdienen.

Bei den Texanern gab es kein Vorbeikommen an Marty Turco, damals in seiner Blütezeit. Sein Ausweg: 2007/08 Wechsel zu den Tampa Bay Lightning. Im „Sunshine State“ ließ er schlichtweg jene Konstanz vermissen, die unentbehrlich ist, um am Ende den Traum aller Eishockey-Cracks zu erleben. Doch die vergangenen Monate glichen einer „Cinderella Story“. Plötzlich darf er sich zu den Anwärtern auf die Vezina Trophy für DEN Goalie 2012 zählen.

Sein Glück kann Smith kaum in Worte fassen. „Ich bin stolz, die Chance zu haben. Du erreichst nicht jedes Jahr ein Conference-Endspiel.“ Bis dorthin hatte er alle Hände voll zu tun. 447 Schüsse auf sein Gehäuse hinderten den 30-Jährigen nicht, die Percentage auf imposante 94,6 zu schrauben. „Endlich habe ich die Chance, die ich zuvor nie bekam. Ich habe meinen Stil etwas verändert“, so „Smitty“, der seine Bewegungen aus dem Torraum minimierte.

Lediglich einer konnte ihn überflügeln. Richtig, sein Gegenüber im Conference Finale: Jonathan Quick. Dennoch glaubt Kapitän Shane Doan: „Jedes Team hat einen starken Rückhalt, wir mit Sicherheit den Besten.“

Saison Reg. Season (S/N/OT) SO S% Playoff (S/N) SO S%
11/12 67 Spiele (38/18/10) 8 93,0% 12 Spiele (8/4) 2 94,6%
Karriere 229 Spiele (105/84/29) 19 91,4% 15 Spiele (9/5) 2 94,8%

Jonathan Quick, der Unorthodoxe

Team: Los Angeles Kings

Geburtsdatum: 21. Januar 1986

NHL-Draft: 72. Stelle – 2005

Los Angeles, eine Stadt voller Glamour. In das Schema der Film-Metropole möchte der 26-Jährige gar nicht passen. Von Extravaganz hält der passionierte Kappenträger wenig. Abseits der Eisfläche fällt er kaum auf. Wenn er allerdings Kopfschmuck gegen Helm tauscht, wird er sehr wohl zum Blickfang. Der Technik sei dank.

„Ungewöhnlicher Style, aber unglaublicher Fokus auf den Puck. Er hakt einen Schuss niemals ab, hält wie ein Old-School-Goalie“, merkt Ken Hitchcock, der als Coach der St. Louis Blues ausschließlich Negatives – Stichwort Sweep – mit ihm verbindet. Während ein Gros der neuen Generation versucht, mit aufrechter Haltung den Überblick zu bewahren, macht sich Quick klein. Begünstigt durch Athletik und Flexibilität.

Kings-Forward Justin Williams verdeutlicht die Vorzüge: „Ganz speziell ist seine Begierde nach Erfolg, seine Kämpfer-Mentalität. Selbst im Training ist diese spürbar. Es gibt bei ihm kein Empty-Net. Eine großartige Einstellung.“ Sie bescherte dem Hip-Hop-Fan bereits ein Career-High von 92,9 % Saves im Grunddurchgang. Die Postseason wurde letztlich zur „One-Man-Show“ (94,7%).

Mit dem zweitbesten Abwehrverbund im Westen (179 Gegentore) sorgte er sowohl bei „Top-Seed“ Vancouver als auch St. Louis für Verzweiflung. Das Endresultat ist hinlänglich bekannt. Nimmt Quick, bei dem Medien Parallelen zu Größen á la Brodeur und Dominik Hasek suchen, aber den Helm ab, ist er wieder einer von vielen.

Christoph Köckeis

Saison Reg. Season (S/N/OT) SO S% Playoff (S/N) SO S%
11/12 69 Spiele (35/21/13) 10 92,9% 10 Spiele (9/1) 1 94,7%
Karriere 249 Spiele (131/87/25) 24 91,6% 22 Spiele (13/9) 2 92,0%
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