Die "teuflisch" guten L.A. Kings

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"Teuflisch" gute Los Angeles Kings

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Los Angeles holt erstmals den Stanley Cup – das verspricht zumindest die Vergangenheit.

Neun von zwölf Teams, welche zwei Auswärtssiege zum Serien-Auftakt bejubelten, verewigten sich in weiterer Folge auf dem „Holy Grail“.

Daran wollen die Kings nicht denken. Justin Williams fordert, die Ruhe zu bewahren: „Wir dürfen das Ziel, den großen Preis, nicht aus den Augen verlieren. Noch haben wir nichts erreicht.“

Trotz 2:0-Führung und noch nie dagewesener Rekord-Auswärtsbilanz (10-0) in den Playoffs warnt der Right Wing vor überschwänglicher Euphorie: „Wir sind aufgeregt, vor unseren Fans aufzulaufen. Nur sollte man wissen, dass Vancouver auch die ersten zwei Heimspiele gewann. Und wer triumphierte?“

Richtig, Boston! Für New Jersey besteht durchaus Hoffnung, im Staples Center reüssieren zu können. Vor den Augen zahlreicher Promis aus Film und Musik wollen sich die Devils zurückmelden. Was sich ändern muss, fasst LAOLA1 in den fünf Erkenntnissen zusammen.

  • Alles Carter, oder was?

Es war ein wahrlich „königlicher“ Trade, welcher im Februar über die Bühne ging. Jeff Carter kam aus Columbus, im Gegenzug verließen Jack Johnson sowie ein Erstrunden-Draft-Pick die Film-Metropole. Der Center sollte eine lahme Offensive aus dem Winterschlaf erwecken, doch daran hatte er im Grunddurchgang letztlich wenig Anteil. Neun Scorerpunkte in 16 Begegnungen – für einen Mann seiner Klasse äußerst mager.

In der Postseason läuft der 27-Jährige langsam zur Hochform auf. „Er ist ein Goalgetter. Auf ihn kann man zählen, wenn es um wichtige Tore geht“, verlor Head Coach Darryl Sutter nie den Glauben. Carter schoss seinen Arbeitgeber in Spiel zwei gegen Phoenix per Hattrick zum Sieg. Und in der samstägigen Overtime (2:1) avancierte er wiederholt zum Matchwinner.

„Ein großartiger Schuss war nötig, um das Spiel zu gewinnen. Carts gelang es, tolle Aktion“, so Sturm-Kollege Jarrett Stoll. Seine Ausbeute von je fünf Treffern und Assists sind solide, doch der Kanadier ist keineswegs Durchschnitt. Er ist ein „Go-to-Guy“. Die Zahlen aus Philadelphia Zeiten (08/09: 84 Punkte) belegen dies. 

Devils treffen ausgerechnet im Finale zu selten

Auch in Finale zwei meisterten die Kings den Drahtseilakt wie ein würdiger Champion. Mit dem elften Schuss – die Devils kamen nur auf deren drei – besiegelte Carter den umjubelten zweiten Triumph im Prudential Center zu Newark. Interessantes Detail: Von sieben Final-Auftritten der Franchise-Historie schob man fünf Zusatz-Schichten. Drei Mal fiel die Entscheidung 1992/93 zu Gunsten Montreals.

L.A. darf sich mit „Overtime-Spezialisten“ zuhauf schmücken, hingegen ist ausgerechnet New Jerseys Schlüsselspieler kein solcher. Brodeur führt zwar beinahe jede Goalie-Statistik an, doch sein OT-Wert in den Playoffs lässt bei 24 Pleiten in 40 Versuchen zu wünschen übrig.

Den Devils treibt es den Angstschweiß auf die Stirn, wenn sie an die nächste „Kings-Time“ denken.

  • Wenn der Puck nicht rein will:

Ernüchternd fuhren New Jerseys Hauptdarsteller vom Eis, mit hängenden Köpfen verschwand man in der Kabine. Nachvollziehbar, zumal ein Leistungssprung nicht zu leugnen war. Über weite Phasen ließ man die Enttäuschung aus Finale eins, als mickrige 17 Schüsse abgegeben wurden, vergessen. Mit 30 zu 21 Versuchen tonangebend, verlor man in der Überspielzeit den Faden.

Urplötzlich bestimmten die Kings sowohl Tempo als auch Gegner, der Ausgang ist bekannt. Trotzdem war der einhellige Tenor: „Wir spielten deutlich verbessert, machten vieles richtig“, erläutert Coach DeBoer. Seine Forwards, allen voran Zach Parise, ergänzen: „Wir erleben ein harte Zeit, was das Tore schießen betrifft. Das stinkt, aber uns bleibt nichts anderes übrig, als es weiter zu versuchen.“

Kovalchuk verdeutlicht: „Der Puck springt derzeit einfach nicht für uns.“ Während die „Könige“ durch ihre Leichtigkeit beeindrucken, befinden sich die Devils auf der Suche nach dem Selbstvertrauen. Das Glück gilt es schleunigst zu erzwingen. „Ich glaube, ein Sieg würde vieles drehen. Sie fühlen sich wohl, wir müssen dieses positive Denken wieder finden“, weiß Brodeur und fordert zwei Siege.

Ob Los Angeles im heimischen Staples Center verwundbar ist? Auswärts zweifellos nichts.

Christoph Köckeis

  • Ein Superstar taucht ab

Ilya Kovalchuk spielt die Saison seines Lebens: Der 29-jährige Russe ließ während der Playoffs „ewige Nörgler“ verstummen. Erstmals kam er über Runde eins hinaus, führte die Devils dank 18 Zählern bis in die Stanley Cup Finals. Den Makel, wonach große Momente nicht so seine Sache seien, wusste „Kovy“ abzuschütteln. Und nun? Versagt er kurz vor der Krönung?

Zwei Spiele, drei Schüsse – ausgerechnet in der wichtigsten aller Serien war das Gesicht der Franchise bislang unsichtbar. Nicht zuletzt deshalb mixte Mastermind Peter DeBoer im Spielverlauf seine Linien durcheinander. Ohne Wirkung. Selbst das Trio Kovalchuk, Zach Parise und Travis Zajac ließ die nötige Durchschlagskraft vermissen.

„Wir haben stets eine Siegchance. Mir gefiel unsere Einstellung, wir haben stark gearbeitet“, übt sich Kovalchuk in Zweckoptimismus. Seine Gegenspieler sind jedoch gewarnt. Rob Scuderi: „Wir wissen, er kann uns richtig weh tun. Daher müssen wir uns weiterhin darauf fokussieren, ihn auszuschalten.“

Der Topscorer steht in der Pflicht. Taucht er weiter ab, hätte dies verheerende Konsequenzen für die Devils. Und auch seine Kritiker würden erneut aus ihren Löchern kriechen.

  • Dieses teuflische Powerplay

Die Special Teams machen den Unterschied – ein alter Hut, dennoch mit Wahrheitsgehalt. Wer seine Powerplays nicht nützt, hat es zumeist schwer, Spiele, geschweige denn Titel zu gewinnen. Besonders dann, wenn der schärfste Widersacher auf einer Welle schwimmt. Die Devils bekamen dies abermals zu spüren.

Vier Überzahl-Gelegenheiten ließen die gastgebenden Cracks in Finale zwei aus – und dafür bekamen sie die Quittung präsentiert. Nach nunmehr 20 Einsätzen der Postseason hält die PP-Formation bei einer Erfolgsquote von 16,7 Prozent, damit liegt man im Mittelfeld. Hingegen ist das Penalty-Killing (92,1) der Kings einsame Klasse, mit einem Mann mehr waren sie bislang mit 7,8% allerdings desolat.

„Es ist ernüchternd, wie wir das Powerplay spielen. Wir müssen härter und fokussierter arbeiten, uns gegenseitig besser unterstützen“, gibt Kovalchuk die Marschroute für den Auswärts-Doppelpack in Los Angeles vor. Altmeister Martin Bordeur ergänzt: „Wir finden nicht unser Setup, daran arbeiten wir hart.“ Vielleicht machen sich die Extra-Einheiten in der Nacht auf Dienstag bezahlt.

  • Overtime ist Kings-Time

Bitte keine Verlängerung - New Jersey schlottern bereits die Knie, falls sie nochmals über 60 Minuten gefordert wären. Wenn den Konkurrenten allmählich die Kraft ausgeht, wachsen die Mannen aus Los Angeles nämlich über sich hinaus. Vier Mal ging es während der Playoffs in die Overtime – ebenso oft bewies man Nervenstärke.

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