NHL-Playoffs: Frust statt Lust

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Vancouver & Pittsburgh: Playoff-Frust statt Lust

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„Thank you fans!“

Bedankt sich eine NHL-Franchise für die Unterstützung, ist der Traum vom Stanley Cup jäh geplatzt.

Zwei hoch gehandelte Titelanwärter zollten in der Nacht auf Sonntag ihrer Anhängerschaft diese Art von Anerkennung. Die Vancouver Canucks und Pittsburgh Penguins.

Dank President’s Trophy für die punktbeste Regular Season sahen Experten die Kanadier erneut im Endspiel, ebenso wie die „Pens“ aufgrund zuletzt beeindruckender Auftritte Sidney Crosbys. Doch bekanntlich schreibt der Sport eigene Geschichten. Und jene sahen eine Mega-Überraschung der L.A. Kings und eine kleinere der Philadelphia Flyers vor.

Übrigens: Das Favoritensterben könnte mit Eastern-Conference-Champ New York Rangers (2:3 gegen Ottawa) und Titelverteidiger Boston Bruins, sie erzwangen in Washington Spiel sieben, schon bald um zwei Kapitel reicher werden.

Indes üben sich Vancouver und Pittsburgh in Frustbewältigung. Warum, wieso, weshalb – LAOLA1 betrieb Ursachenforschung:

Serien-Endstand: 2:4

„Du kannst die besten Spieler im Lineup haben, wenn du nicht kämpfst, hart arbeitest und alles gibst, um den Puck vom Tor fern zu halten, kannst du auch nicht gewinnen. Wir spielten einfach nicht so, wie es nötig gewesen wäre. Das ist ein Schock!“

Die abschließende Bilanz Pascal Dupuis‘ fällt ernüchternd aus. Nach der „High Score“-Serie gegen den Erzrivalen aus Philadelphia sitzt der Frust tief. Besonders ob des verheerenden Kaltstarts. Drei Spiele, drei Niederlagen, zwei Mal eine Führung vergeben.

„Sie waren richtig stark und wir einfach nicht gut genug“, erklärt Brooks Orpik. „Den Ärger hinter sich zu lassen, ist immer schwer. Es gab einige Fehler, die sehr schwer zu akzeptieren sind.“ Insgesamt 56 Treffer brachte das „Battle of Pennsylvania“, nicht gerade ein Indiz glänzender Torhüter.

Desolate Performance Fleurys

Während Flyers-Schlussmann Ilya Bryzgalov (87,1 Save-Percentage) im entscheidenden Moment den nötigen Rückhalt bot, lief Gegenüber Marc-Andre Fleury bei der 1:5-Pleite sonntags erneut der Form hinterher.

 „Gegen die Flyers zu verlieren, ist wirklich bitter. Sie sind der großer Feind, umso ärgerlicher ist das“, sinniert der leidgeprüfte Goalie. Drei Mal machte der First-Overall-Pick des Drafts ‘03 keine glückliche Figur. Den Kanadier als alleinigen Sündenbock abzustempeln, wäre zu einfach - und bei 26 Gegentoren völlig unangebracht.

„Wir glaubten daran, dass der Stanley Cup möglich ist. Um am Ende ganz oben zu stehen, sollte man allerdings dafür arbeiten“, schlägt Superstar Sidney Crosby kritische Töne bezüglich der Einstellung an.

Kampfgeist entschied die Serie

Zu viele Powerplays wurden nicht gekillt – ganze zwölf an der Zahl – und die hochkarätige Offensive blieb weit unter den Erwartungen. Weder der 24-jährige Kapitän, noch Goalgetter Evgeni Malkin – sie beendeten die Postseason mit acht Scorerpunkten - vermochten die üblichen Glanzlichter zu setzen.

Es war Claude Giroux, Stürmerstar Philadelphias, der mit 14 Zählern alles überragte. Crosby weiß: „In den Playoffs muss man einen Weg finden, um kreativ zu werden. Das ist mir nicht ganz so gelungen. Nichtdestotrotz: Ein Team erarbeitet sich die Möglichkeit zu gewinnen.“

Und die Flyers erarbeiteten sich den Triumph mit aller Konsequenz. Danny Briere gibt, angesprochen auf die 40 (!) geblockten Schüsse, zu verstehen. „Ich bin richtig stolz auf meine Kollegen.“ Zurecht.

Serien-Endstand: 1:4

Ungläubig gingen die Blicke Richtung Scoreboard. Die Spieler taumelten auf schnellstem Wege in die Kabine. Einige verließen wortlos die Rogers Arena. Andere wiederum standen der wartenden Presse-Meute wie in Trance Rede und Antwort. Eine Erklärung hatten jedoch nur die wenigsten parat.

„Niemand malte sich dieses Szenario aus. Wir hatten von Tag eins an einen Plan und reichlich Arbeit vor uns. Wir wollten einen Schritt nach dem anderen machen. Leider sind wir nun bereits, am ersten gescheitert“, so ein mürrischer Alain Vigneault. Angesichts fataler Patzer wie dem von Dan Hamhuis ist es nachzuvollziehen, dass der Head Coach etwas verstimmt ist.

Nach 4:27 Minuten Overtime verlor der Defender an der blauen Linie im Aufbau den Puck und leitete so das 1:2 im letzten Kräftemessen ein. Für den Vorjahres-Finalisten die nächste herbe Enttäuschung innerhalb eines Jahres.

Sedins lassen aus und…

„Um ehrlich zu sein, macht es keinen Unterschied, ob man in Spiel sieben um den Stanley Cup gegen die Boston Bruins verliert oder nach fünf in Runde eins – es ist katastrophal“, resümiert Daniel Sedin.

Wie in der Vergangenheit korrelierte die Performance der Canucks unmittelbar mit der der „Twins“ aus Schweden. Henrik führte die teaminterne Scorerliste mit 81 Punkten vor seinem Bruder (67) an, dahinter kam lange Zeit nichts. Drittbester: Alexandre Burrows (52).

In den Playoffs war Henrik zwar erneut bester Canuck, mit zwei Toren und drei Vorlagen jedoch nicht der „Difference-Maker“. Trotz Daniels Rückkehr nach Gehirnerschütterung in Spiel vier blieb die erhoffte Trendwende aus.

…Quick ist einfach zu schnell

„Wir haben zu wenig produziert. Sie hatten einen großartigen Torhüter und trafen oft genug“, wusste Kapitän Henrik. Acht Treffer reichten zwar zu einem 3:1-Sieg in Spiel vier, für den Gewinn einer „Best of seven“-Serie allerdings keinesfalls.

Einerseits ist dies der fehlenden Breite an vorderster Front geschuldet. Anderseits Kings-Schlussmann Jonathan Quick, der mit 95,3 prozentiger Save-Quote förmlich übermächtig agierte.

Zudem nährte Vancouver gegen Los Angeles erneut die Kritik, wonach das Team „zu weich sei“. Denn aggressives Forechecking und Verteidigen gegen den Körper erzwang wie sooft zahlreiche Turnovers. Wie der verheerende von Hamhuis, welcher das Träumen beendete.

Da ist die Danksagung der Franchise für die Fans wohl nur ein schwacher Trost.

Christoph Köckeis

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