Michael Grabner, ein Star ohne jegliche Allüren

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Da sitzt er auf der Couch, Michael Grabner. In Sportkleidern und mit umgedrehter Islanders-Kappe.

Rund um den NHL-Star scharren sich ehemalige Kollegen sowie Freunde aus Jugendzeiten. Darunter die ÖEHV-Cracks Michael Raffl, Markus Peintner, Mario Altmann ebenso wie Talente des VSV.

Plötzlich wird es laut im Villacher „Athletix“. Die Auslosung des bevorstehenden Ricochet-Turniers im Fitness-Studio des Vertrauens sorgt für Diskussionsstoff. Erste Kampfansagen fallen, die Vorfreude ist den Kufensportlern deutlich anzumerken.

Wie alljährlich weilt Grabner im Sommers in seiner Heimatstadt, beim Lokalaugenschein erklärt er LAOLA1 die Trendsportart: „Das ist vergleichbar mit Squash, ein gutes Konditions-Training.“

Aus dem Stand auf den Kasten

Doch bevor sich der 23-Jährige erstmals auf den geschlossenen Court begibt, zeigt er uns die Übungen der nahezu täglichen Vorbereitung. Und das, obwohl Mittwochs im Normalfall zum Beine hochlagern und Ausspannen mit der Familie gedacht wäre.

„Gar nichts tun, geht nicht. Du machst eigentlich immer etwas. Das Turnier mit Freunden macht Spaß, es ist eine andere Art des Trainings. Wir pushen uns gegenseitig hart, es ist wirklich gut, jemanden zu haben“, betont „Grabs“. Unter der Anleitung von Studio-Besitzer Franz Ruckli stellt er gleich seine unglaubliche Sprungkraft unter Beweis.

Problemlos hievt er seine etwa 85 Kilogramm auf den vom Turnunterricht gefürchteten Kasten. Das Beeindruckende daran ist, alles geschieht aus dem Stand.

Schwerpunkte im Drei-Wochen-Takt

Übungen mit der Langhantel für die Kräftigung des Oberkörpers folgen. Jene bereiten zwar deutlich weniger Freude, sind allerdings für das substanzraubende Jahr unentbehrlich.

„Du musst auf einem gewissen Fitnesslevel sein, um Verletzungen vorzubeugen. Während der Saison wird das vernachlässigt. Wenn du wieder einige Tage in der Kraftkammer absolvierst, ist das schnell zurück.“

Klarerweise liegt der Fokus bei 82 Begegnungen der Regular Season meist auf regenerativen Einheiten: „Es kommt auf den Kalender an. Wenn du jeden dritten Tag spielst, bist du häufiger auf dem Eis, dem Fahrrad oder dehnst lediglich.“

Für die NHL-freie Sommer-Zeit händigten die New York Islanders ihrem Shootingstar einen durchstrukturierten Plan aus. Im Drei-Wochen-Takt verschieben sich die Schwerpunkte, damit sollen unterschiedlichste Komponenten gleichmäßig bedient werden.

Mit Absicherung und Vertrauen in Vorbereitung

„Das Programm hat mir auf den ersten Blick ziemlich gut gefallen. Ich habe noch etwas mehr als zwei Monate. Zu Beginn standen Krafttraining und härtere Sachen für den Muskelaufbau an. Jetzt wird mehr auf Ausdauer und Spritzigkeit Wert gelegt.“

Vergangenes Jahr musste Grabner nach dem Wechsel von Vancouver zu Florida noch um die NHL-Chance zittern, nun befindet er sich in der wesentlich komfortableren Ausgangsposition. Denn nach 52 Scorerpunkten zählt er zu den Stützen einer hochtalentierten Truppe.

„Ich habe mich gut gefühlt, aber es wollte bei den Panthers nicht klappen. Du kannst dir nicht sicher sein, wie viele Chancen du erhältst. Ich dachte mir, jetzt muss ich eine packen. Ich wollte nicht mehr zurückblicken, bei den Islanders hat es endlich geklappt“, resümiert der Villacher.

Das Engagement im „Big Apple“ wurde noch vor dem Heimat-Urlaub um weitere fünf Saisonen verlängert. Neben der finanziellen Absicherung, welche 15 Millionen Dollar ohne Frage darstellt, darf er sich vor allem des Vertrauens der Franchise erfreuen.

„Programm als Vorgabe und Hilfe“

Die Rahmenbedingungen haben sich um 180 Grad gewendet. Nicht zuletzt deshalb werden die Sommer-Monate trotz durchschlagendem Erfolg nicht zwangsläufig ident verlaufen.

 „Ich mache noch immer Sachen, die ich letztes Jahr gemacht habe. Allerdings hat jeder Head Coach eigene Vorstellungen für die Vorbereitung“, so Grabner, der im selben Atemzug betont: „Die Klubs geben dir das Programm als Vorgabe und Hilfe. Ich konzentriere mich heuer darauf, aber es ist kein Muss. Wenn du seit Jahren einen Personal-Coach hast, wirst du es weiterhin so machen, wie er es vorgibt.“

Die Arbeit an den Geräten skizzierte bislang den Tages-Ablauf, selbst am Wochenende: „Da mache ich lockere Sachen, wie Rumpf und Bauch-Training, aber ohne große Anstrengung.“

Eishockey hat andere Bewegungsabläufe“

Langsam beginnt der Right Wing allerdings parallel zu schuften. „Am 12. Juli war ich erstmals auf dem Eis. Ich war in Bled, Slowenien, mit einigen Hobby-Spielern, das war eine Gaudi. Nach drei bis vier Monaten Pause, war es gut zum Einfahren.“ Für die gewohnte Sicherheit auf den Schlittschuhen benötigt es indes noch eine gewisse Akklimatisationsphase.

Grabs-Trikot darf im Studio nicht fehlen

Eishockey hat einen ganz anderen Bewegungsablauf, da kannst du im Sommer machen, was du willst. Die ersten zehn Mal fühlst du dich nicht besonders wohl. Je öfter du das Eis betrittst, desto besser kommst du in Fahrt.“

Künftig wird die Woche wieder um eine entscheidende Facette reicher, denn: „Das Eistraining löst die Kraftkammer langsam ab und wird, je näher der Auftakt rückt, härter. Im Fitness-Studio absolvierst du dann weniger Wiederholungen.“

Im Stile eines Skispringers

Wenn Grabner am 11. August wieder in den Flieger über den großen Teich steigt, „werde ich zwei bis drei Mal wöchentlich“ in voller Montur auflaufen. Zuvor bekommt er bei Heimatverein VSV etwas Praxis, die „Adler“ betraten nämlich am 25. Juli die Eisfläche.

Vorerst muss der bodenständige Familien-Mensch noch mit Hürden vorlieb nehmen. Für die LAOLA1-Kamera überspringt er beidbeinig im Stile eines ÖSV-Skifliegers unfassbare 1,23 Meter. Auf die Frage nach der persönlichen Bestmarke hat der Österreicher mit deutschen Wurzeln, dessen Verwandten mütterlicher Seite er im Nachbarland einen Besuch abstattete, keine Antwort parat.

„Ich habe es zuvor noch nicht gemessen. Beim Springen und Sprinten bin ich ziemlich gut, das macht großen Spaß. Bei den längeren Sachen bin ich weiter hinten“, so der schnaufende Kommentar.

„Verlieren können die Wenigsten“

Während der Übung fordert der rot-weiß-rote Eishockey-Export plötzlich Namensvetter Michael Raffl auf, sein Können zu zeigen. Im Sommer glückte dem 22-Jährigen von Jugendverein VSV der Sprung nach Schweden zu Zweitliga-Verein Leksands. Diese Hürde konnte er nun jedoch nicht meistern.

Eine Niederlage, welche der Angreifer im Ricochet wettmachen wollte. Die beiden langjährigen Weggefährten lieferten sich einen packenden Schlagabtausch, durch die Luft fliegende Schläger inklusive.

Währenddessen erklärt Markus Peintner, der weiterhin nach einem neuen Arbeitgeber sucht (Punkte-Regel bedroht Existenz), mit einem Lächeln: „Es ist zwar Spaß, aber des Öfteren werden die Spieler grantig. Verlieren können die Wenigsten.“

Schnelligkeit in die Wiege gelegt

Letztlich sollte erneut Grabner, dessen Trikots im Fitness-Studio sichtbar für Jedermann hängen, im entscheidenden dritten Satz das bessere Ende für sich haben. Eine Analyse liefert Verlierer Raffl: „Durch die Schnelligkeit konnte er die Partie entschieden. Er hat fast jeden Ball erlaufen.“ Diese Qualität brachte schon die Verteidiger der weltbesten Liga reihenweise zur Verzweiflung.

Eine gottgegebene Gabe wie der im Rahmen des Allstar-Weekends gekrönte "Fastest Skater" beteuert: „Ich habe mich nie darauf konzentriert. Kasten-Sprünge mit wenigen Wiederholungen sind etwa für die Spritzigkeit. So werden die schnellen Muskelfasern beansprucht.“

Auch aufgrund des Gezeigten war im Halbfinale des Ricochet-Turniers Endstation. Die flinken Beine wurden schwerer, das Marathon-Match gegen Raffl trug seinen Teil dazu bei. Letztlich fehlte der Kampfgeist sowie „die Kraft. Aber die Gaudi steht im Vordergrund.“

Diese hatten die Beteiligten trotz gefühlten 40 Grad Raum-Temperatur - ganz so wie früher.

Rummel veränderte Grabner nicht

Im Vergleich zu seinem prominenten Landsmann und NHL-Kollegen Thomas Vanek verbringt Grabner den Sommer größtenteils in Villach. Für den heimatverbundenen Goalgetter eine Selbstverständlichkeit: „Er ist schon mit 14 hinüber gegangen. Ich habe viele Freunde, komme gerne nach Hause, nach Österreich und Kärnten.“

Obwohl ihn sein Werdegang nach sieben harten Lehrjahren mit einigen Rückschlägen, wie etwa die Ausbootung durch die Florida Panthers vergangenen Oktober, in die Welt-Elite führte, blieb der Jung-Vater auf dem Boden.

„Er ist ganz normal, es hat sich gar nichts verändert. Für ihn ist der Rummel überhaupt nicht wichtig. Er hat noch immer die gleichen Freunde, wie in der Vergangenheit“, hebt Peintner die menschliche Komponente hervor.

„Im Winter tauschen wir uns laufend aus“

Michael Raffl kann sich dem Gesagten nur anschließen, eine "Fast-Nachbarschaft" verbindet das Duo: „Wir kennen uns von klein auf, haben nahezu nebeneinander gewohnt und lange zusammen Eishockey gespielt. Er hat noch immer Blödsinn im Kopf, wie jeder von uns.“ Dank Facebook, Skype, Mail-Verkehr oder Twitter hält man den Kontakt das Jahr hinweg aufrecht.

Das betont auch Philipp Lonin, der zu den engsten Vertrauten des Islanders-Crack zählt. „Im Winter tauschen wir uns laufend aus, jetzt im Sommer machen wir viel gemeinsam. Wir gehen trainieren, an den See, Spazieren oder verbringen Zeit mit seiner Lebensgefährtin Heather und Sohn Aidan Johann.“

Gemeinsam mit der Klein-Familie Grabner tritt „Lippe“, der ebenfalls im Nachwuchs des VSV spielte, die Reise nach Nordamerika an.

Ehrliche Anerkennung und Wertschätzung

Rund zwei Monate wird er in den Staaten verbringen und das Leben eines Superstars, der auf den New Yorker Straßen um Autogramme gebeten wird, kennenlernen. Für ihn bleibt „Gremlin“ stets der Michael früherer Tage. „Er ist nicht überheblich geworden, sondern immer noch der Gleiche.“

Eine Down-to-Earth-Mentalität, welche Grabner nicht nur für die Eishockey-Kollegenschaft sondern vor allem für seine Anhänger greifbar macht. Großer Respekt, ehrliche Anerkennung und Wertschätzung sind der Lohn dafür.

„Wir sind stolz auf ihn und freuen uns, dass er es geschafft hat. In Nordamerika musste er genügend schlimme Zeiten durchmachen, wo es eben nicht so gut geklappt hat“, gibt Raffl zu verstehen.

Und Villachs berühmtester Sohn weiß dies zu schätzen: „Ich habe meinen Eltern, Trainern und Freunden alles zu verdanken, sie haben mir am Weg zur NHL-Karriere geholfen.“

Michael Grabner, ein Star ohne jegliche Allüren.

Christoph Köckeis

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