Ovechkin, der "Trainer-Killer"

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Trainer-Wechsel: Ovechkin gewinnt Machtkampf!

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Dieser Machtkampf war zum Scheitern verurteilt: Head Coach Bruce Boudreau zog sich den Unmut seines Kapitäns zu. Des nicht Streitbaren. Des Rädelsführers.

Alexander Ovechkin ist eine Werbe-Ikone in Washington, gehandelt als größter Widersacher zu Pittsburghs Sidney Crosby. Gewissermaßen besitzt der Russe bei den Capitals erheblichen Einfluss, gehört jedoch nicht zu den einfachsten Charakteren.

Der 26-Jährige strebt keinesfalls danach, Everybody’s Darling zu sein. Selbst Boudreau bekam dies zu spüren. Nach teils ernüchtender Performance im bisherigen Saison-Verlauf wurde das sportliche Mastermind vor die Tür gesetzt, ausgeknockt von „Alex the Gr8“.

Warum solch ein Ausgang zu erwarten war und welche Herausforderung nun auf Neo-Betreuer Dale Hunter zukommt, weiß LAOLA1.

  • Veränderte Spielweise:

Die Ära Boudreau wird als eine der erfolgreichsten in die Franchise-Historie eingehen. In vier Jahren Amtszeit formte er die Mittelständler zur wahren Elite-Truppe. Offensiv-Kaliber á la Ovechkin, Nicklas Backstrom oder Alexander Semin lehrten der Konkurrenz das Fürchten. Besonders Ersterer wusste zu profitieren, Career-Highs verhalfen dem Superstar 2007/08 (112 Punkte) und 2008/09 (110) zur Hart Trophy. Der zweimalige MVP war stets ein Befürworter Boudreaus.

Vier Southeast-Division-Titel sowie die Presidents‘ Trophy 2010, für das punktbeste Team der Regular Season, wurden dank dieser Spielweise erobert. Die Krönung blieb den Caps allerdings verwehrt. Aus diesem Grund erfolgte bereits im Vorjahr eine Philosophie-Kehrtwende. Die Ausbeute von 318 Toren erlitt einen drastischen Abfall auf 224. Nichtsdestoweniger thronten die Hauptstädter von der Spitze der Eastern Conference. Das Motto: „Offense wins games, defense wins“, im Falle Washingtons, aber keine „Championships“.

Trainer Bruce Boudreau erreicht seine Schützlinge nicht mehr

Auch im vierten Anlauf kam der 56-Jährige nicht über die zweite Playoff-Runde hinaus. Seine Mannen wurden mit einem „Sweep“ von den Tampa Bay Lightning gedemütigt. Trotz Ernüchterung ob der neuerlich geplatzten Stanley-Cup-Träume hatte Boudreau die Franchise-Führung hinter sich, anders gestaltete sich dies bei seinen launischen Leistungsträgern.

  • Ovechkins Krise:

… ist statistisch belegbar. Vergangene Spielzeit verbuchte der Left Wing lediglich 85 Scorerpunkte, für  die exzessiven Ansprüche an seine Person zu wenig. Überdies enttäuschte der „Scharfschütze“ mit 32 Volltreffern, ein eklatanter Rückfall (50). Trotz des Tiefpunkts versicherte „Ovi“: „Eine russische Maschine geht nie zu Bruch.“ Kaltschnäuzigkeit ließ er auch heuer vermissen, dies belegen acht Tore und neun Vorlagen.

Wie gewöhnlich stand Ovechkin in der medialen Schusslinie. Und wie so oft erhielt er Rückendeckung des Trainers, zumindest in der Öffentlichkeit. „Alles ist in Ordnung mit Alex. Jeder erwartet stets eine Flut an Produktion, doch der Team-Erfolg steht im Vordergrund. Läuft es bei ihm nicht, macht er sich viele Gedanken und zieht sich zurück“, betonte Boudreau. Im gleichen Atemzug schloss der Kanadier etwaige zwischenmenschliche Differenzen aus: „Ich glaube nicht, dass es ein Problem gibt. Aber fragt Ovi.“ Bei eben jenem dürfte er spätestens seit dem 1. November seinen Kredit verspielt haben.

Damals stand Washington zu Hause gegen die Anaheim Ducks am Rande einer Pleite, in den Schluss-Minuten musste der Ausgleich folgen. Alles war angerichtet für die Ovechkin-Show der Sonderklasse, eigentlich. Denn der Goalgetter fand einfach nicht zu üblicher Stärke. Boudreau ließ ihn auf der Bank schmoren. Ein gelungener Schachzug - letztlich bejubelte man in der Overtime den achten Erfolg im zehnten Spiel - mit verheerender Wirkung.

  • Fehlende Rückendeckung:

„Natürlich möchte ich in solchen Situationen auf dem Eis stehen. Es ist frustrierend, da ich ein Leader bin. So etwas passierte mir zuletzt als Kind. Ich fühle mich zurückversetzt. Danke, Bruce“, konnte sich das „Gesicht“ der Franchise einen Seitenhieb nicht verkneifen. Im Januar ‘08 unterzeichnete Ovechkin einen Kontrakt bis Sommer 2021, welcher ihm 124 Millionen Dollar einbringt. Und urplötzlich ist er in Alles-oder-Nichts-Phasen zum Zuschauen verdammt, schlichtweg Majestätsbeleidigung.

Alex Ovechkin und Neo-Coach Dale Hunter

Glenn Healy – langjähriger NHL-Crack - gab unlängst zu verstehen: „Er verdient 51.000 pro Tag, daher würde ich ihn so lange auf dem Eis lassen, bis ihm die Beine abfallen. Man sollte keinen Fight mit ihm aufnehmen, den verliert man. Er wird in zehn Jahren noch hier sein, alle anderen nicht.“ Drei Tage später bekam Boudreau die Quittung für sein autoritäres Verhalten präsentiert. Er hatte die Spieler nicht mehr auf seiner Seite. Dies unterstreicht, wie viel Gewicht Ovechkins Meinung teamintern hat.

Ab sofort ist der „Trainer-Killer“ gefordert, seine Qualität auszuschöpfen und den aufgestauten Frust abzulegen. Ausreden besitzt er keine mehr. „Als Alex mit Crosby darum kämpfte, wer der beste Spieler ist, gab er alles. Ich glaube, er war zuletzt nicht der härteste Arbeiter“, sieht Barry Melrose, einst Head Coach der Tampa Bay Lightning, bei „ESPN“ den First-Overall-Pick 2004 in der Pflicht.

„Die ganze Stadt kennt ihn“

Auf Hunter, der über ein Jahrzehnt für die Capitals stürmte, wartet nun die Herausforderung, wieder eine verschworene Einheit zu formen. Er fühlt sich jedenfalls zu Hause: „Das ist mein Team. Ich habe lange hier gespielt und tolle Erinnerungen.“ Seine Sporen im Trainer-Business verdiente sich der 51-Jährige in der OHL, mit zehn Jahren Erfahrung sieht er sich für die NHL-Bühne gewappnet.

„Ich habe gelernt, dass Coaching ein tougher Job ist. Im Roster stehen 23 Mann mit unterschiedlichen Interessen und Persönlichkeiten. Man muss herausfinden, wie man die zu einem funktionierden Team macht.“ Das sollte möglichst schnell gelingen, da die Erwartungshaltung unwesentlich geringer als zu Saisonstart ist.

Indes zeigt sich Oldie Mike Knuble vom Ex-Kapitän überzeugt: „Die ganze Stadt kennt ihn. Jeder weiß, was er geleistet hat. Die Spieler haben großen Respekt und werden für ihn kämpfen.“

Einen Machtkampf mit „Alex the Gr8“ sollte er dennoch tunlichst vermeiden. 

Christoph Köckeis

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