Die personifizierte Hoffnung

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Viveiros: "Es ist ein Kultur-Wechsel von Nöten!"

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Im Sommer 1991 engagierte der Villacher SV einen kanadischen Abwehr-Mann, sein Name Emanuel Viveiros.

Damals hatte der nunmehr 45-Jährige wohl keinen blassen Schimmer, welch bedeutende Funktion er 20 Jahre später im österreichischen Eishockey bekleiden wird. In der Gegenwart ist „Manny“ nämlich die personifizierte Hoffnung.

Der bisherige Assistent wurde für drei Jahre zum Teamchef befördert. In Doppelfunktion soll der KAC-Betreuer die zuletzt arg gebeutelte Nationalmannschaft zurück in die internationale Elite führen. Der Beginn einer neuen Zeitrechnung.

"Viveiros hat uns seine Vorstellungen über die Entwicklung, besonders im Nachwuchs, dargelegt“, begründet ÖEHV-Präsident Dieter Kalt die Wahl.

Als Co-Trainer wird in Zukunft Rob Daum, seines Zeichens Head Coach der Black Wings Linz, auf der Kommandobrücke Platz nehmen.

Im LAOLA1-Interview spricht Viveiros über Teamchef-Ehren, die neue Identität im Nationalteam, Schwierigkeiten in der heimischen Hockey-Szene und „seinen“ KAC.

LAOLA1: Herr Viveiros, herzlichen Glückwunsch zur Teamchef-Bestellung. Können sie bitte ihre Gefühle in Worte fassen?

Emanuel Viveiros: Ich nehme die Position mit viel Ehre und Stolz an. Meine Hauptaufgabe bleibt der KAC, aber ich will dem Projekt in Österreich helfen. Für mich ist der leider verstorbene Freund und Ex-Teamchef Ron Kennedy ein Vorbild. Es ist eine große Herausforderung, doch im Kollektiv können wir Erfolg haben. Nicht nur mit dem Senioren-Team, sondern im ganzen Programm.

LAOLA1: Eine Bedingung ihrerseits war das Engagement Rob Daums. Warum wollten sie den 53-Jährigen unbedingt ins Boot holen?

Viveiros: Ich kenne ihn seit vielen Jahren. Rob sammelte Erfahrung in Nordamerika und auf NHL-Niveau als Assistent bei den Edmonton Oilers. Für mich und unsere Spieler ist es eine Chance sich zu entwickeln. Ein Eishockey-Fachmann im Betreuer-Team war eine logische Sache für mich. Wir müssen die Top-Leute ausnützen, darum haben wir ihn genommen.

LAOLA1:
Welche Vorzüge hat ihr Landsmann zu bieten?

Viveiros:
Er kann viele Dinge aus seiner NHL-Zeit in der Senioren-Mannschaft und im Nachwuchs installieren. Er bringt eine andere Meinung auf hohem Niveau ein. Ich habe oft mit ihm gesprochen. Wir haben lange über die Aufgaben und Erwartungen diskutiert. Es wird keine typische Co-Trainer-Tätigkeit sein. Beide haben viel Einfluss, das ist für mich der Schlüssel zum Erfolg. Ich lasse viele Ansichten zu und bespreche auch beim KAC alles mit Gerald Ressmann.

LAOLA1: Seit 2009 waren sie als Assistent Bill Gilligans im Amt. Ab sofort liegt die Macht einzig und allein in ihren Händen. Was wird sich in der „Ära Viveiros“ ändern?

Viveiros: Wir müssen im Nationalmannschafts-Programm eine Identität schaffen. Nicht nur bei den Senioren sondern angefangen im Nachwuchs. Wenn ein anderes Land gegen Österreich spielt, muss es wissen, dass sie ein Gegner erwartet, der sehr gut eisläuft und bis zur 60. Minute hart arbeitet. Es ist ein Kultur-Wechsel von Nöten. Die Spieler müssen den Stolz ins Team zurückbringen.

Nach zwei Jahren als Assistent Gilligans gibt fortan Viveiros die Richtung vor

LAOLA1: Wie wollen sie diesen „Kultur-Wechsel“ bewerkstelligen?

Viveiros: Jeder Jugend-Trainer muss die gleichen Ansichten vertreten und das gleiche Sytem haben. Wenn ein junger Spieler auf das nächste Niveau kommt, darf es kein gravierender Unterschied sein. Er muss wissen, was die Erwartungen und Aufgaben am Eis sind. Das meine ich mit Identität. Wenn wir diese konstant verfolgen, werden wir Erfolg haben.

LAOLA1: Und wie gestaltet sich die sportliche Zielsetzung?

Viveiros: Österreich muss wieder zurück auf A-Gruppen-Niveau, doch das dauert seine Zeit. Für jedes verlorene Jahr warten wir weitere zwei Saisonen auf gute Talente. Im Prinzip müssen wir alles bei Null aufbauen.

LAOLA1: Im Kreuzfeuer der Kritik stand zuletzt die Punkteregelung (EBEL droht der Kollaps). Warum kommen heimische Hoffnungsträger im Liga-Alltag nicht zum Zug?

Viveiros: Für mich sind die Legionäre das Hauptproblem. Anstatt zwei Ausländer zu kaufen, sollte das Geld in den Nachwuchs investiert werden. Gemeinsam mit den richtigen Trainern würden die Kinder die Eishockey-Grundlagen lernen. Wir müssen mit der Jugend besser arbeiten, dann würden sich in drei oder vier Jahren mehr Qualitäts-Spieler und vielleicht eine breitere Masse entwickeln.

LAOLA1: Ein Blick in die Zukunft: Welche Beschlüsse würden das ÖEHV-Team in fünf Jahren zu einer Konstante im internationalen Vergleich machen?

Viveiros: Für mich gibt es viele österreichische Talente, doch sie bekommen keinen Job. Wir haben zu viele Ausländer, die zu reduzieren, ist nicht schwer. Die Klubs müssten zwei Legionäre streichen und dafür zwei Österreicher in den Kader bringen. Diese ganze Sache ist nicht so kompliziert, dass es derart lange Diskussionen erfordert. Wir müssen einen Plan über zwei bis drei Jahre haben, nicht einen für jede Saison. Die Klubs müssen in Österreich zusammenarbeiten.

LAOLA1: Ist dies nicht reine Wunsch-Vorstellung, dass alle Vereine für eine Umstrukturierung an einem Strang ziehen?

Viveiros: Das ist eine gute Frage! Ich hoffe nicht, denn ich war damals bereits in Österreich, als wir zur Jahrtausend-Wende einen Crash hatten. Die Budgets waren zu hoch, wir müssen aufpassen. In der Liga ist der KAC das einzige Team, welches mit sechs Ausländern spielt. Der Rest läuft mit acht bis zehn Legionäre auf, das geht nicht.

LAOLA1: Welche Meinung haben sie zur Vorgehensweise einiger Konkurrenten?

Viveiros: Für mich sind neun oder zehn Ausländer zu viel. Das ist nicht die Richtung, in welche wir gehen sollten. Wir müssen vermehrt mit heimischen Akteuren auflaufen, zusammen mit Qualitäts-Legionären. In Klagenfurt befinden wir uns auf dem richtigen Weg.

LAOLA1: Sie sprechen den KAC an. Als Spieler entschieden sie mit dem Rekordmeister zwei Mal die Liga für sich. Der Saison-Auftakt mit dem 6:2-Kantersieg gegen Meister RB Salzburg war sehr vielversprechend. Nehmen sie Anlauf auf den Premieren-Triumph als Trainer?

Viveiros: Wir hatten einen guten Tag, Salzburg vielleicht nicht. Es kann auch umgekehrt laufen, das haben wir im Vorjahr gesehen. Damals war es wirklich knapp. Die Final-Pleite gegen Salzburg hilft uns, sie ist eine Extra-Motivation. Wir wollten den Titel, aber so ist der Sport. Wenn wir heuer ohne Verletzungen bleiben, haben wir bestimmt eine Chance.

LAOLA1: Seit mittlerweile elf Jahren ist der Rekordmeister ihre sportliche Heimat. Was zeichnet den Verein aus?

Viveiros: Ich denke, die Richtung, in welche wir arbeiten. Zudem haben wir eine immense Sieger-Mentalität. Für den KAC ist eine solche Einstellung traditionell. Wir arbeiten jeden Tag daran. Die Meisterschaft ist der Grund, warum wir Eishockey spielen.

Das Gespräch führten Christoph Köckeis und Sebastian Rauch

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