Kalt und Brandner sollen für Prag-Revival sorgen

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Dieter Kalt und Christoph Brandner sind nicht nur Eishockey-Experten ein Begriff.

Kalt kann auf fünf österreichische Meistertitel, zwei deutsche Meisterschaften, einen schwedischen Meisterteller, 198 Team-Einsätze, 12-A-WM-Teilnahmen (1993 bis 2008) und drei Olympia-Teilnahmen (1994, 1998, 2002) als Spieler zurückblicken.

Christoph Brandner hat stolze 116 Teameinsätze vorzuweisen, dazu kommen drei Meistertitel (zwei in Österreich, einer in Deutschland) und darüber hinaus war er 2003 der erste rot-weiß-rote Crack, der in der NHL ein Tor erzielte.

Gemeinsam bilden sie mit Tormanntrainer Reinhard Divis das Assistenz-Trio hinter ÖEHV-Headcoach Dan Ratushny. Mit ihrer Hilfe soll der erstmalige Verbleib in der A-Gruppe bei einer Weltmeisterschaft seit 2004 gestemmt werden.

LAOLA1 bat Dieter Kalt und Christoph Brandner vor der Abreise zur A-Weltmeisterschaft nach Prag zum Gespräch. 

LAOLA1: Das letzte Mal, als die österreichische Eishockey-Nationalmannschaft bei einer A-WM nicht abstieg, war 2004. Damals fand die A-Weltmeisterschaft mit den besten Nationen in Prag statt – wie in diesem Jahr. Ist der tschechische ein guter Boden für uns?

Dieter Kalt: Ich hoffe doch. Damals hat sehr viel zusammen gepasst. Wir hatten eine Menge Spieler, die sich in der Blüte ihrer Karriere befanden. Ich kann mich noch genau daran erinnern: Es war ein traumhaftes Wetter und eine frühsommerlichen Atmosphäre in Prag. Wir hatten einen guten Start ins Turnier, was sehr wichtig für unser Team war.

Christoph Brandner:  Natürlich hoffe ich auch, dass der Standort ein gutes Zeichen für uns ist. Trotzdem halte ich von solchen Statistiken und Geschichten eigentlich sehr wenig. Für die Medien ist es ein gefundenes Fressen, aber wir müssen uns auf uns konzentrieren und dürfen nicht an die gute alte Zeit zurückdenken und in schönen Erinnerungen schwelgen. Ich war ja nicht wie Dieter damals mit dabei.

2004 konnte das ÖEHV-Team sich das letzte Mal in der A-Gruppe halten

LAOLA1: Kann man von damals zu heute Parallelen ziehen?

Kalt: Es sind schon elf Jahre vergangen, das ist eine lange Zeit. Die Parallele wäre die Stimmung in der Kabine: Schon über das ganze Jahr genießen es die Spieler, wenn sie zum Nationalteam stoßen. Es herrscht eine vertraute Stimmung unter den Cracks. Alle kennen sich aus der Liga und wissen um die Bedeutung der kommenden Wochen Bescheid.

Brandner: Da muss ich Dieter zustimmen: Wir haben wirklich ein sehr gutes Klima beim Nationalteam. Die Trainingseinheiten sind fordernd, aber wir arbeiten alle für das gleiche Ziel und ziehen somit an einem Strang.

LAOLA1: Dass die Stimmung gut ist, hört man aber beinahe bei jeder Vorbereitung, oder?

Kalt: Das ist unterschiedlich. Es gibt WM-Vorbereitungen und Trainingslager, wo Spieler nach verkorksten oder sehr erfolgreichen Saison von ihren Vereinen zur Nationalmannschaft anreisen. Da muss man das Selbstvertrauen wieder in die Spieler injizieren oder manch andere auf den Boden der Realität zurückholen.

Brandner: Wir haben ja auch viel gewechselt. Alleine nach den Testspielen gegen Ungarn und Slowenien haben wir 14 neue Spieler in den Kader genommen. Diese Umstellungen bringen eine Frische und gute Laune in die Mannschaft.

LAOLA1: Wenn man den heutigen Kader mit dem der erfolgreichen WM 2004 vergleicht, fällt auf, dass damals dreimal so viele Legionäre damals mit an Bord waren. Ist die EBEL so stark oder schafft kein ÖEHV-Crack mehr den Sprung ins Ausland?

Kalt: Das kann man nicht vergleichen, weil sich in den Jahren viel verändert hat. Wir waren damals komplett andere Spielertypen. In den 2000er Jahren gab es eine ganze Generation an Spielern, die den Weg ins Ausland gewagt haben und sich dort auch etablieren konnten. Jetzt erleben wir eine Phase, in der es sehr wenige in die Fremde zieht. Trotzdem würde ich es begrüßen, wenn mehr Akteure den Weg in andere Ligen suchen, da man dies nur als Bereicherung für die Nationalmannschaft sehen kann.

LAOLA1: Ihr seid als Assistant-Coaches die ganze Zeit mit der Mannschaft unterwegs. Verändert sich eine Mannschaft im Laufe der Vorbereitung? Merkt man schon, dass die Jungs sich über die baldige WM freuen?

Kalt: Bei den Burschen macht sich aber schon ein gewisses Kribbeln breit. Ganz schlimm wird es aber erst in Prag: Sobald du den anderen Teams in der Halle beim Training über die Schulter blickst, fängst du langsam an nachzudenken. Diese Momente sind unglaublich spannend und entschädigen dich für die harte Arbeit in der Vorbereitung.

Brandner: Nicht nur bei den Spielern, auch beim Trainerteam merkt man die Vorfreude. Dan, Dieter, Reini und ich wissen, dass bei einem Turnier alles passieren kann. Wir können es kaum erwarten, das erste Spiel gegen die Schweizer in Angriff zu nehmen, auch wenn es nur von der Bank aus möglich ist.

Brandner und Kalt sind schon seit 2012 im ÖEHV als Coaches aktiv

LAOLA1: Für viele Spieler ist der Schalter vom Verein aufs Nationalteam vor allem am Ende einer Saison nur schwer umzulegen. Dieter, wie war das in deiner aktiven Karriere?

Kalt: Ganz unterschiedlich. Ich bin oft nach anstrengenden Finalserien zum Nationalteam gestoßen, in den meisten Fällen mit einem guten Ausgang für mich. Dadurch, dass ich die verschiedensten Rollen im Team innehatte, war es immer ein schönes Erlebnis und eine Umstellung zum Verein, was für mich persönlich sehr positiv war.

LAOLA1: Kommen wir zur WM: Wie hoch seht ihr die Chancen, nicht abzusteigen?

Kalt: Als Sportler machst du dir nicht so viele Gedanken, was in der nächsten Woche passiert. Das weite Vorausdenken gibt es gar nicht. Du startest in jedes Match mit 0:0 und du weißt, dass du gegen jeden Gegner deine Chancen bekommen wirst. Diese Einstellung musst du in jedem Wechsel auf dem Eis zeigen. Ich weiß, das sind alles typische Sprüche, die man im Sport tausendmal hört, aber an diesen ist etwas Wahres dran. Du musst im Kopf klar bleiben und dich nach einem Erfolg nicht verrückt machen lassen – das gleiche gilt auch bei einer Niederlage. Gerade bei einer WM hast du 18 Stunden später die Möglichkeit, eine Niederlage vergessen zu machen. Oder die noch wichtigere Partie steht am Programm und du brauchst den Sieg gegen den Abstieg.

Brandner: Wir beginnen mit einem wohl sehr schweren ersten Turniermatch gegen die Schweiz. Ich persönlich glaube schon, dass wir gegen die Schweizer unsere Chancen bekommen werden und rechne mir durchaus Möglichkeiten aus, als Sieger vom Eis zu gehen – auch wenn es ohne Frage schwierig wird. Dass wir heuer nicht aus der A-Gruppe absteigen, kann ich nicht garantieren und ich will auch keinen Prozentsatz nennen.

LAOLA1: Gibt es Schlüsselspiele, die das Team unbedingt gewinnen muss?

Brandner: Es gibt zwei bis drei Matches, die wir gewinnen können. Auf unserem Niveau sind sicherlich die Deutschen, die Franzosen, aber auch bei den Schweizern rechne ich mir durchaus Chancen aus. Das sind unsere großen Spiele, in denen wir punkten müssen.

LAOLA1: Ist das bei diesem noch jungen Team ohne die in letzter Zeit zurückgetretenen oder nicht berücksichtigten arrivierten Stützen (z.B. Unterluggauer, Pewal, Welser, Koch, Trattnig, Lakos, Lange, Vanek, Grabner) überhaupt möglich, in der A-WM zu bleiben?

Brandner: Wir haben uns in den Tests viele junge Spieler angesehen und gehen diesen Weg aus Überzeugung. Alle, die bei uns in den Team-Trainingslagern waren, haben uns überzeugt und wir glauben nun, die richtigen Spieler mit im Team für Prag zu haben. Die Jungs haben wirklich enormes Potential.

Kalt: Natürlich kommt es auf die Spielertypen in einer Mannschaft an. Wie geht Spieler X oder Spieler Y mit so einer Situation um? Wenn du nun Spieler hast, die bei einem solchen Turnier noch nicht waren…

LAOLA1: ...dann wird es schwer.

Kalt: Nein, das finde ich super. Man lernt ja nur, wenn man in solche Momente kommt. Und nur aus Erfahrung, Erfolg und Misserfolg entwickelst du dich weiter.

LAOLA1: Traut ihr beiden es dem jungen Team bei der WM zu?

Kalt: Auf alle Fälle. Wenn man Spielern nichts zutraut, kann nie etwas Gutes passieren. Der Glaube an deine Spieler überträgt sich zu hundert Prozent. Und die wissen genau, ob du es ernst meinst oder bloß mit einer Floskel um dich wirfst.

Brandner: Na klar. Wir gehen mit diesem Ziel nach Prag und werden alles daran setzen, nicht abzusteigen.

 

Das Gespräch führte Paul Preisig

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