"Der USA-Traum lebt noch"

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"Das Nationalteam ist das Premiumprodukt"

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Mathias Lange hat derzeit gut lachen.

Der ÖEHV-Torhüter steht in der DEL mit seinen Iserlohn Rooster nach 16 Spieltagen auf Rang fünf der Tabelle und ist in bestechender Form. Er weist mit 93,5 Prozent die beste Save-Percentage aller Goalies auf, sein Gegentorschnitt von 2,17 bringt ihn in dieser Statistik auf Rang drei.

Mit Leistung zufrieden

„Wenn man mir das vor der Saison gesagt hätte, hätte ich sofort unterschrieben“, zeigt sich der Klagenfurter mit der bisherigen Saison höchst zufrieden.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Klagenfurter auch unter Neo-Coach Daniel Ratushny ins Nationalteam, zu dessen Kreis er seit etwas mehr als einem Jahr zählt, einberufen wurde.

Seltsam mutet es allerdings an, dass der 29-Jährige zu den erfahrensten Cracks in der ÖEHV-Auswahl zählt.

„Die meisten zum ersten Mal gesehen“

Aufgrund zahlreicher verletzungsbedingter Absagen und weil die Spieler von RB Salzburg sowie der Vienna Capitals im CHL-Einsatz sind, tritt Österreich bei der Euro Ice Hockey Challenge in Ljubljana gegen Weirussland, Japan und Slowenien (ab Donnerstag LIVE bei LAOLA1.tvnämlich mit einer äußerst jungen Mannschaft an.

„Die meisten der Jungen hab ich ganz ehrlich gesagt zum ersten Mal gesehen“, gibt Lange auch unumwunden zu.

Warum das Turnier dennoch wichtig ist, was er von der Punkteregel hält, und wie seine Zukunftsplanung aussieht, verrät er im LAOLA1-Interview:

 

LAOLA1: In Iserlohn läuft es derzeit  ja ganz gut, widersprichst du mir, wenn ich behaupte, dass dies hauptsächlich dein Verdienst ist?

Mathias Lange: So würde ich das jetzt nicht sagen. Jeder Spieler trägt seinen Teil bei, ich natürlich auch. Das fängt beim Trainerteam an und geht über jeden einzelnen Spieler. Wir spielen bislang eine sehr solide Saison und hoffentlich geht es nach der Nationalteam-Pause so weiter.

LAOLA1: Du bist mit deinen bisherigen Leistungen aber schon zufrieden?

Lange: Wenn man mir vor der Saison gesagt hätte, dass ich nach 17 Spielen solche Stats habe und wir Fünfter in der Tabelle sind, hätte ich das sofort unterschrieben. Es kann allerdings immer besser laufen, man kann ständig Dinge verbessern. Daran arbeiten wir, aber im Großen und Ganzen war der erste Teil der Saison natürlich sehr zufriedenstellend.

LAOLA1: Kommen wir zum Nationalteam, wie sinnvoll ist ein Turnier, bei dem so viele Stammspieler nicht dabei sind?

Lange: Es stimmt schon, dass viele nicht dabei sind. Einerseits fehlen die Spieler der Capitals und Salzburg, andererseits haben wir ein paar Angeschlagene und Verletzte zu beklagen. Ich sehe das als Chance für die Jüngeren, im Nationalteam dabei sein zu können, sich das anzuschauen und Fuß zu fassen. Sie können sich hier in den Vordergrund spielen. Die Mannschaft ist dadurch natürlich sehr unerfahren, aber die Jungen werden sicherlich ihr Bestes geben. Es ist völlig in Ordnung, dass die Jungen eine Chance bekommen, schließlich ist das auch der Sinn eines Vorbereitungsturniers.

LAOLA1:  Beim ÖEHV war man in den letzten Jahren bemüht, alles noch mehr zu professionalisieren. Wie erlebst du das, hat sich etwas getan?

Lange: Ich glaube das können andere, die länger dabei sind als ich, besser beurteilen. Aber im Großen und Ganzen ist alles Okay.

LAOLA1: Du hast nur mehr dieses Jahr Vertrag, haben deine Leistungen schon größere Klubs auf den Plan gebracht?

Lange: Interesse ist vorhanden, mein Manager in Deutschland führt laufend Gespräche, momentan sind es noch lose Anfragen, sobald etwas Konkretes dabei ist, werde ich mir das an anhören. Was sich dann ergibt, wird die Zukunft zeigen.

LAOLA1: Du lebst in der Saisonpause in den USA, hoffst du weiter auf ein Engagement in den Staaten oder siehst du dich langfristig in Europa?

Lange: Der Traum, in den USA zu spielen, ist natürlich immer noch da. Ich würde auf keinen Fall nein zu den Minor-Leagues sagen, ich würde auf jeden Fall versuchen, die Chance zu nützen. Realistisch gesehen liegt die Zukunft aber in Europa. Ich bin zwar im besten Alter für einen Eishockey-Torwart, aber speziell in den Minors werden die 20 bis 22-Jährigen, die Draftpicks, bevorzugt.

LAOLA1: Stichwort USA: Du bist gut mit Thomas Vanek befreundet, verfolgst du seine Leistungen.

Lange: Ja klar, wir stehen regelmäßig im Kontakt, zu seinem Premieren-Treffer für die Minnesota Wild habe ich ihm natürlich schon gratuliert. Mich freut es für ihn, dass der Knoten geplatzt ist und ich hoffe, dass es so weiter läuft. Wobei man aber auch erwähnen sollte, dass Thomas jetzt erst sein erstes Tor erzielt hat, aber dennoch Zweiter in der teaminternen Scorerwertung ist.

LAOLA1: Mit David Madlener ist auch ein junger Goalie erstmals im Team dabei. Hast du dich mit ihm oder einem anderen der Jungen bereits ausgetauscht?

Lange: Ich bin erst am Montagabend angekommen, habe die Jungs aber natürlich schon begrüßt. Die meisten hab ich ganz ehrlich gesagt zum ersten Mal gesehen, ich bin ja schon länger aus Österreich weg und werde auch nicht jünger (lacht). Es ist für ihn natürlich super, dass er da dabei sein kann und vielleicht auch die Chance bekommt, zu spielen. Es ist wichtig für junge Spieler, solche Erfahrungen zu sammeln und ich hoffe, dass das etwas auf die EBEL überschlägt, auch wenn ich selbst mit der EBEL wenig zu tun habe. Aber es wäre wichtig, dass wieder mehr Österreicher spielen. Zum Teil ist das ja fast schon unglaubhaft, wenn es Vereine gibt, die nur mit vier, fünf Österreichern spielen. Ob sich das positiv oder negativ auf das Nationalteam auswirkt, wird sich in Zukunft zeigen.

LAOLA1: Ist die vieldiskutierte Punkteregel an diesem Problem Schuld?

Lange: Das ist eine schwierige Frage und ich setze mich damit ehrlich gesagt auch wenig auseinander, weil ich persönlich mit der österreichischen Liga in den letzten zehn Jahren sehr wenig zu tun hatte. Es fällt aber schon auf, dass sehr wenige Österreicher in der Liga sind, da brauchen wir nichts schönreden, das ist ein Fakt. Es wird wohl auch mit der Nachwuchsarbeit zu tun haben. Wenn wenig nachkommt, wirkt sich das auch auf die Liga aus und in weiterer Folge auf das Nationalteam. Ob jetzt die Nachwuchsarbeit oder die Punkteregelung schuld ist, kann ich nicht beurteilen. Aber dass es schon viele Situationen gegeben hat, in denen Österreicher abgemeldet wurden, weil die Mannschaft zu viele Punkte hatte, ist auch kein Geheimnis. Das Premiumprodukt von jedem Land ist nun einmal die Nationalmannschaft und am Ende des Tages werden die Resultate des Nationalteams zeigen, ob das Land mit der Nachwuchsarbeit oder eben der eigenen Liga auf dem richtigen Weg ist.

 

Das Gespräch führte Fabian Santner 

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