"Mit 20 Jahren ist es zu spät"

Aufmacherbild
 

Am Donnerstag startet das österreichische Nationalteam in die Olympia-Qualifikation. Im deutschen Bietigheim-Bissingen treffen die ÖEHV-Cracks auf Italien, die Niederlande und Gastgeber Deutschland.

Teamchef Manny Viveiros hat 24 Spieler für das Turnier in seinen Kader berufen und in der Auswahl auch ein Auge auf die physischen Voraussetzungen seiner Spieler gelegt.

„Um international bestehen zu können, brauchen wir körperlich starke und bewegliche Spieler“, sagte der Teamchef bereits vor dem letzten Test am Sonntag gegen Kasachstan (1:4).

Die physischen Defizite der Österreicher gegenüber anderen Nationen, waren in den letzten Jahren vor und während Turnieren stets ein Thema. „Mir kommt es so vor, als ob die anderen immer größer und wir immer kleiner werden“, sagte Oliver Setzinger bei der A-WM in Kosice, wo Österreich nur zwei Spieler über 1,90 Meter im Kader hatte.

Doch nicht nur die Größe, auch in Sachen Training und Ausbildung hinken die Österreicher seit Jahren hinterher.

Um den Mängeln auf den Grund zu gehen, hat der ÖEHV mit Alpo Suhonen einen Sportdirektor initialisiert, der das heimische Eishockey und dessen Strukturen auf Mängel analysieren soll.

Im Gespräch mit LAOLA1 zieht der Finne ein erstes Fazit, erklärt was in der Ausbildung der Jugendlichen verabsäumt wird und welche Fehler in der Vergangenheit gemacht wurden.

LAOLA1: Herr Suhonen, Sie haben sich nun seit der Amtsübernahme ein Bild von der österreichischen Nationalmannschaft machen können. Wie sehen sie die Chancen für die Olympia-Qualifikation?

Alpo Suhonen: Allzu lange bin ich noch nicht im Amt, aber ich habe die Mannschaft gegen Deutschland gesehen und im November beim Vier-Nationen-Turnier in Ljubljana. Mit der Olympia-Qualifikation wird es nun erstmals ernst und es wird interessant zu sehen, wo wir stehen.

LAOLA1: Glauben Sie an eine realistische Chance gegen die Niederlande, Italien aber vor allem Deutschland bestehen zu können?

Suhonen: Deutschland ist mit Sicherheit Favorit, Italien hat eine bessere Mannschaft als noch beim letzten Aufeinandertreffen im November und über die Niederlande, haben wir nur wenig Informationen. Die Tatsache, dass sie bei diesem Qualifikationsturnier dabei sind, zeigt, dass sie über eine gute Mannschaft verfügen. Im Jahr 2002 hat Österreich das letzte Mal an den Olympischen Spielen teilgenommen, daher wäre es langsam wieder Zeit. Die erfolgreiche Qualifikation ist ein wichtiges Ziel des Verbandes.

LAOLA1: Wie wichtig wäre eine Teilnahme 2014 für das Standing des Eishockey-Sports in Österreich?

Suhonen: Das würde sehr helfen. Wie ich letztens gelesen habe, hat der österreichische Sport in vielen Sparten Probleme. Eine Qualifikation würde dem gesamten Land gut tun. Der Diskurs über Sport und die Entwicklung von Athleten hierzulande ist sehr wichtig.

LAOLA1: Wenn Sie die Entwicklung der Spieler der letzten Jahre ansehen. Woran mangelt es in Österreich?

Suhonen: Es gibt viele technisch gute und schnelle Spieler. Unser größtes Handicap ist der physische Aspekt des Spiels. Damit meine ich nicht nur die Körpergröße der einzelnen Cracks sondern auch den Aufbau des Trainings in den letzten zehn bis 15 Jahren.

LAOLA1: Was wurde konkret falsch gemacht?

Suhonen: In dieser Zeit fehlte es an der Quantität und der Qualität der Trainingseinheiten. Als Resultat mangelt es an der physischen Bereitschaft, die man braucht, um ein Turnier zu spielen. Im Gegensatz zur Meisterschaft hat man beim Nationalteam drei Spiele in vier Tagen. Es ist was anderes, wenn dir die Zeit der Regeneration fehlt. So eine Intensität muss man gewohnt sein. Außerdem fehlt uns die Tiefe im Kader. Sobald wir einige Verletzte haben, bekommen wir Probleme.

Suhonen soll den Finger in die Wunde legen

LAOLA1: Sie sprechen die Physis an. Wann sollte in der körperlichen Ausbildung der Kinder und Jugendlichen eine Professionalität einkehren, damit sie im späten Teenager-Alter bereits fertige Spieler sind?

Suhonen: Das ist eine gute Frage. Die technischen Feinheiten wie das Stickhandling, Koordination und Beweglichkeit müssen bereits im Alter von sechs oder acht Jahren geschult werden. Man muss die Kinder an das Spiel gewöhnen. Das richtige Training muss ungefähr mit der Pubertät beginnen und dauert dann bis circa zum 20. Lebensjahr. In dieser Phase baut man die Basics für die Physis, Kraft,  Skills und Spielverständnis auf. Außerdem entwickeln die Jugendlichen die Persönlichkeit, die es braucht, um ein fertiger Spieler zu sein. Die Entwicklung der Persönlichkeit dauert oft noch bis Mitte 20 an. In diesem Alter kann man sich aber körperlich und technisch nicht mehr wirklich steigern.

LAOLA1: Hat Österreich an sich eine mentale Schwäche, was den Leitungssport betrifft? Sind die jungen Sportler zu früh satt und zufrieden mit dem Erreichten, da es offensichtlich am Nachwuchs mangelt?

Suhonen: Nein, das denke ich nicht. Ich bin eher der Meinung, dass die gesamte Sache zu sehr „psychologisiert“ wurde. Sport zu betreiben hat in erster Linie immer noch mit dem Körper zu tun. Was in Österreich nicht verstanden wird, dass man bereits als Junger eine sportliche Lebensweise, auch was die Ernährung betrifft, beginnen muss. Die Qualität und Quantität des Trainings muss, wie gesagt, früh beginnen. In einer sportlichen Ausbildung kann man nicht zurückspulen. Was man in den Kindertagen versäumt hat, lernt man einem 20-Jährigen nicht mehr. Das hat nichts mit mentalen Defiziten zu tun, sondern es wurde verabsäumt, den Spieler richtig auszubilden. Stimmen die körperlichen und technischen Voraussetzungen ab einem bestimmten Alter nicht, dann ist es schlicht zu spät.

Das Interview führte Sebastian Rauch

TV-Tipp: LAOLA1 zeigt alle Spiele der Olympia-Qualifikation im LIVE-Stream. Den Anfang macht die Partie Österreich-Italien am Donnerstag ab 16:00 Uhr

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen