"Es ist leicht, von oben zu kritisieren"

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Nach der Niederlage ist vor der Niederlage.

Das österreichische Nationalteam hat bei der WM in der Slowakei auch das vierte Spiel verloren.

In der ersten Partie der Relegation ist die ÖEHV-Mannschaft gegen Weißrussland chancenlos und muss sich mit 2:7 geschlagen geben.

"Wir sind einfach keine A-Nation, sondern eine B-Nation. Sollten wir die letzten zwei Spiele überraschend gewinnen und doch oben bleiben, wäre das nicht fair den anderen Mannschaften gegenüber“, resümiert Oliver Setzinger, der nach 186 Minuten die Torsperre bei dieser WM gebrochen und den zweiten Treffer nach Marco Pewals Tor gegen die USA erzielt hat.

Einstellung stimmt nicht

Es wirkt als hätte der Schweiz-Legionär schon resigniert und sich mit dem Abstieg schon abgefunden. Das verneint er aber.

"Wir glauben schon daran, aber es hat sich seit dem ersten Spiel nichts geändert. Das macht das Ganze halt ein bisschen schwierig“ so Setzinger, der sich noch nicht sicher ist, „wie es mit mir im Nationalteam weiter geht.“

Sein Teamkollege Robert Lukas zeigt sich ebenso enttäuscht und bemängelt wie schon einige seiner Kameraden die fehlende Leistungsbereitschaft.

"Im Moment sind wir dem Druck nicht gewachsen und vielleicht stimmt die Einstellung in manchen Situationen nicht. Wir haben noch zwei Spiele, um uns in der A-Gruppe zu halten. Das wird aber denkbar schwer“, so der Verteidiger der Black Wings Linz.

Die Frage nach den Führungsspielern

Der 32-jährige Nationalspieler appelliert an die Ehre eines jeden Einzelnen.

"Jetzt muss sich jeder selber in die Pflicht nehmen und die beste Leistung bringen, die man über die gesamte Saison gebracht hat. Dann können wir es eventuell noch schaffen, oben zu bleiben.“

Vor dem Spiel gegen Weißrussland hatte Dieter Kalt sen. die fehlenden Führungspersönlichkeiten kritisiert.

"Uns fehlt ein Leader. Nach dem Ausscheiden verschiedener Leute wie Christoph Brandner ist nichts nachgekommen“, so der Präsident in einem Pressegespräch.

Für die derzeitigen Nationalspieler eine Kritik, die nicht nachvollziehbar ist.

"Ich bin mir nicht sicher, ob der Präsident soviel Einblick in die Mannschaft hat. Das Team ist so aufgestellt und das können wir jetzt nicht ändern. Das an irgendwelchen Leadern festzumachen oder zu kritisieren, ist nicht richtig“, sieht Robert Lukas die Aussagen seines Präsidenten zu diesem Zeitpunkt nicht angebracht.

Jammern bringt nichts

"Ich könnte jetzt auch anfangen zu lamentieren, aber das bringt uns nicht weiter. Sollten wir die zwei Spiele verlieren, was wir nicht hoffen, können wir anfangen zu kritisieren und Schuldige zu suchen. Aber im Moment gilt es die Konzentration auf die kommenden Partien zu richten“, will Lukas den Fokus auf die Spiele legen und nicht auf Ausreden innerhalb der Mannschaft.

Setzinger schießt zurück

Oliver Setzinger ist als Assitant-Captain einer dieser Führungsspieler, die laut Kalt zur Zeit nicht zu finden sind. Die Kritik ist somit auch an ihn und seine Person gerichtet. Kein Wunder, dass der Schweiz-Legionär somit ein wenig gereizt auf die Aussagen Kalts reagiert.

"Die Leader fehlen überhaupt nicht, wir sind einfach nicht gut genug und das hat nichts mit den Führungsspielern zu tun. Es ist immer leicht von oben zu zusehen, im VIP-Raum Odeuvre und Baguette zu essen und zu sagen, es fehlen die Leader. Da ist es klüger, man macht sich Gedanken, wie es um das österreichische Eishockey steht und nicht ob Leader in der Mannschaft sind“, schießt Setzinger in Richtung Kalt zurück.

Neustart als B-Nation

Der Teamchef sieht das Problem rationaler, macht aber die Leistung der Mannschaft ebenso wenig an den Ledern fest wie seine Spieler.

"Wir wissen, was wir für Spieler haben. In einer solchen Phase ist es immer schwer für ein, zwei Spieler etwas zu ändern. Wenn wir andere Spieler hätten, wären wir vielleicht auch stärker im Powerplay oder im Abschluss. Es ist nicht so, dass wir unglücklich verloren haben, sondern wir haben das selbst verursacht. Wir spielen zu kompliziert und dafür brauche ich keine Leader, sondern wir müssen einfach das umsetzen, was uns auf diesem Niveau erfolgreich macht“, nimmt Bill Gilligan seine Führungsspieler in Schutz.

Leader hin oder her, die Ergebnisse bei dieser WM schreien nach Neuanfang. Der Verband will die Strukturen ändern, aber auch in der Mannschaft muss sich etwas tun. Eventuell ist es kein Fehler im nächsten Jahr im B-Pool auch Personell einen Schnitt zu wagen.

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