"Affront gegenüber Salzburg"

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"Österreich Cup" oder Red Bulls Salute?

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Nationalteam oder Red Bulls Salute?

Diese Fragen mussten sich zuletzt mit Thomas Raffl, Matthias Trattnig, Daniel Welser, Manuel Latusa und Dominique Heinrich fünf Spieler von Meister RB Salzburg stellen.

Wie es der „Zufall“ will, finden der „Österreich Cup“ und das von den Mozartstädtern ins Leben gerufene Finalturnier der European Trophy am selben Wochenende (16. Bis 18. Dezember) statt und diese fünf Herren wären sowohl für das eine als auch für das andere Turnier vorgesehen.

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Schriftliche Zusage

Für den Österreichischen Eishockey Verband (ÖEHV) war die Situation von Vornherein klar. Natürlich ist die Doppelbesetzung des International Breaks unglücklich, jedoch war laut ÖEHV mit den Bullen bereits in der Planungsphase abgesprochen worden, dass sie zu diesem Zeitpunkt nominierte Spieler abstellen müssen. Dies betont auch Verbandskapitän und VSV-Tausendsassa Giuseppe Mion gegenüber ServusTV nochmals explizit.

„Wir können uns bei der IIHF nicht aussuchen, wann wir eine Euro Challenge spielen. Wir versuchen natürlich, dass es zu keinen Kollisionen und so wenig wie möglich zu Euro Challenges kommt, weil die Meisterschaft bereits stressig genug ist. Die Vereine waren damit einverstanden, haben auch gewusst, wann das Turnier ist und haben uns auch schriftlich zugesagt, dass die Spieler abgestellt werden“, so Mion.

Teamchef Manny Viveiros betonte schon bei einer Pressekonferenz vor dem Vier-Nationen-Turnier in Ungarn, dass Spieler, die einberufen werden, auch zu kommen haben. Lediglich eine Verletzung oder besondere Umstände, würden das Fehlen eines Cracks entschuldigen. Ein Turnier mit den besten Mannschaften Europas scheint hierbei allerdings kein solcher Umstand zu sein.

„Hier geht es um alle Spieler und nicht nur um jene aus Salzburg. Der International Break wurde für die Nationalteams geschaffen und wenn man eine Einberufung bekommt, dann sollte das für jeden Spieler absolute Priorität haben. Für uns sind diese Spieler von immenser Bedeutung, um eine schlagkräftige Truppe zu formen. Wir können es uns nicht leisten, auf solch talentierte Cracks zu verzichten, nur weil die fünf Jungs beschlossen haben, lieber irgendwo anders zu sein. Wir brauchen sie, um ein Team aufzubauen“, nimmt Co-Trainer Rob Daum gegenüber LAOLA1 zu dem Problem Stellung.

Trattnig ist einer von fünf Salzburgern im ÖEHV-Team

Verständnis und Ehrgefühl

Außerdem appelliert der Trainer der Black Wings Linz an das Ehrgefühl eines jeden Einzelnen.

 „Das erste Nationenturnier wurde dafür verwendet, um Jungen die Chance zu geben sich zu zeigen. Der „Österreich Cup“ dient um die beste Mannschaft für die Qualifikation zu finden und dafür braucht man auch die besten Spieler. Ich hoffe, dass sie das verstehen und auch dankbar sind für die Chance im Nationalteam zu spielen.“

Gleichzeitigt bringt Daum aber auch Verständnis für die Lage der Mozartstädter auf.

„Ich bin mir bewusst, dass sie auch Salzburg gegenüber verpflichtet sind und ich bin ebenso dankbar, dass sie zum Nationalteam kommen. Hätte es eine Möglichkeit gegeben beides unter einen Hut zu bringen, wären wir mehr als glücklich gewesen, das in die Wege zu leiten. Ich hoffe sie kommen mit einer positiven Einstellung zum Team und sehen es als Ehre an für ihr Land zu spielen, egal zu welchem Zeitpunkt oder zu welchen Gegebenheiten“, führt Daum weiter aus.

Ehre hin oder her, es bleibt dennoch ein fahler Beigeschmack, ist das Salute doch auch Werbung für das österreichische Eishockey, wie Capitals-Sportdirektor Martin Platzer gegenüber ServusTV zu bedenken gibt.

„Das ist natürlich eine ambivalente Geschichte. Auf der einen Seite verstehe ich einen Teamtrainer, der die besten Spieler haben will, auf der anderen Seite empfinde ich es als Affront gegenüber den Salzburgern. Das österreichische Eishockey wird nicht nur durch die Nationalmannschaft präsentiert, sondern in Zukunft auch immer mehr durch das Klubhockey.“

Für Platzer ist der Ertrag, den beide Mannschaften in Bezug auf die Repuation des österreichischen Eishockeys einfahren, ein ähnlicher.

„Wenn Salzburg beim Salute gut abschneidet, vielleicht sogar ins Finale nach Wien kommt, dann ist das für das österreichische Eishockey zumindest genauso viel wert, wie wenn die Nationalmannschaft bei diesem Challenge Turnier gut abschneidet“, so der Vizepräsident der Wiener.

Für Page ist die Sache klar

Mion gibt zu bedenken, dass man auch gegenüber „den Sponsoren und den Eishockeyfans die Verpflichtung hat, eine gute österreichische Mannschaft vor Weihnachten in Klagenfurt zu präsentieren.“

Für Pierre Page ist die Sache hingegen klar. Aus seiner Warte, sprich aus der Sicht des Salzburger Head Coaches, zählt an diesem Wochenende nur das Salute.

„Raffl, Trattnig, Welser, Latusa und Heinrich kamen alle zu mir und sagten, sie würden gerne für Salzburg spielen. Sie haben auch mit Viveiros gesprochen und jeder in Österreich weiß, dass sie beim Salute spielen wollen. Das ist ein historischer Moment. Egal was die Leute sagen, es ist ein historisches Turnier. Es findet vielleicht zum letzten Mal in Österreich statt. Wir sollten diese Gelegenheit nutzen.“

 „Ich denke jeder weiß, wenn Viveiros noch Spieler wäre und man gäbe ihm die Gelegenheit, dass er gerne beim Salute spielen würde. Aber das ist im Grunde unwichtig. Ich denke, das Wichtigste ist, die Gelegenheit zu nutzen, etwas für das österreichische Eishockey zu tun und an das ganz Große zu denken“, so der Kanadier gegenüber ServusTV.

Zu wenig Kommunikation

Doch egal wie man es dreht und wendet, es bleibt ein zweischneidiges Schwert. Zum einen ist es für die Nationalmannschaft natürlich wichtig mit den besten Spielern zu trainieren, die das Land zur Verfügung hat. Zum anderen ist ein Turnier in der Größenordnung des Red Bull Salutes für die Spieler, aber auch für das österreichische Eishockey eine wichtige Veranstaltung.

Das große Dilemma der Geschichte ist die mangelnde Kommunikation. Hätten sich Verband und Salzburg im Sommer länger und ausgiebiger mit den Wünschen und Forderungen des anderen auseinandergesetzt, wäre man sicher zu einer Lösung gekommen. So ist es nun für beide nicht zufriedenstellend und weder für Verein noch für das Nationalteam positive Werbung.

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Sebastian Rauch

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