Ein Jahr Manny Viveiros

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Wir schreiben den 14. September 2011.

Der österreichische Eishockey-Verband ernennt den damaligen KAC-Trainer Manny Viveiros zum neuen Head Coach der Nationalmannschaft. Der Austro-Kanadier folgt Bill Gilligan nach, der nach den Turbulenzen und schlechten Auftritten bei der A-WM in der Slowakei seinen Hut nimmt.

Auf drei Jahre befristet der Verband den Kontrakt mit dem 46-Jährigen, unter dessen Regie Österreich endlich langfristig zur Eishockey-Nation aufsteigen soll.

Bereits beim KAC zeigt er in der täglichen Arbeit, dass er ein Auge und ein Händchen für junge Talente hat und diese Fähigkeiten soll er nun zum Wohle Österreichs einsetzen.

Step-by-Step

Ziel ist es, die Strukturen des Verbands unter Mithilfe Viveiros‘ zu revolutionieren und vor allem die Nachwuchsarbeit bzw. die Förderung junger Athleten auf neue Beine zu stellen.

Am Freitag jährt sich die Anstellung des nunmehrigen KAC-Sportdirektors erstmalig. Sportlich hat man den Wiederaufstieg in die A-Gruppe bei der B-WM in Ljubljana fixiert und somit das ausgegebene Ziel erreicht. Die Erfolge des Senioren-Teams sind zwar wichtig für den Sport und die Reputation der Verantwortlichen, aber auch nur die Spitze des Eisberges.

„Wir haben im letzten Jahr viele Kleinigkeiten angepasst und zum Guten gewendet. In einer Entwicklung geht es immer nur Step-by-Step. Es wird langfristig geplant und das ist genau der Weg, den der Verband mit mir von Anfang an gehen wollte. Hierbei geht es aber nicht nur um die Senioren-Mannschaft, sondern die Arbeit muss schon bei den ganz Kleinen beginnen. Die Sieben- und Acht-Jährigen müssen gefördert werden, damit sie sich in weiterer Folge gut entwickeln. Derzeit habe ich ca. 50 Spieler, die ich nominieren kann, in zehn Jahren sollten es deren hundert oder mehr sein. Diese Entwicklung braucht seine Zeit, aber sie ist essentiell für das österreichische Eishockey“, wiederholt Viveiros gegenüber LAOLA1 die Maxime seines Handelns.

Suhonen unterstützt Viveiros

Um die Nachwuchsarbeit zu perfektionieren, wird mit Alpo Suhonen ein neuer Sportdirektor eingesetzt, der nun seit Juli im Amt ist und bereits bei der WM in Slowenien einen Blick auf die Strukturen des heimischen werfen kann.

Der Finne gilt als großer Kenner der Szene und ist über die Grenzen hinaus als kompetenter Experte anerkannt. In seinen Aufgabenbereich fällt unter anderem die Umstrukturierung der Nachwuchsförderung.

„Er ist ein toller Mensch und bringt eine unglaubliche Erfahrung mit. Er hat einen Plan und dieser wird gerade installiert. Die ersten Ergebnisse sind sehr positiv und es ist toll mit ihm zu arbeiten“, ist der Teamchef von Suhonen begeistert.

Manny Viveiros ist seit einem Jahr beim ÖEHV im Amt

Noch zu viele Ausländer

Um junge Spieler in ihrer Entwicklung bestmöglich zu unterstützen, bedarf es aber auch einer guten Zusammenarbeit zwischen Verband und den Vereinen. Obwohl das leidige Thema der Flut an ausländischen Spielern seit Jahren wie ein Damoklesschwert über der Liga hängt, scheinen die Klubs der EBEL nicht einzulenken. Ein Blick auf die Transferlisten des Sommers verrät, dass die heimischen Organisationen weiterhin lieber auf fremdes, denn eigenes Personal setzen.

„Mit dieser Tendenz bin ich nicht zufrieden. Seit sechs, sieben Jahren betonen wir es immer wieder: Es spielen zu viele Ausländer bei den österreichischen Klubs. Anstatt einen Ausländer zu engagieren, sollte man lieber das Geld nehmen und zwei Österreichern die Chance geben. Es gibt einige gute heimische Spieler, die in unserer Liga keinen Job bekommen haben. Genauso könnte man das Geld, das man sich bei den Ausländern spart, in den Nachwuchs stecken. Verband und Liga müssen weiterhin an einem Strang ziehen und ich hoffe, in der Zukunft haben wir in den Kadern mehr Platz für heimische Spieler“, glaubt Viveiros an eine künftige Veränderung.

Jüngste Mannschaft der Geschichte

Ein kleiner Umbruch ist jedoch bereits vollzogen. Die Mannschaft, mit welcher der Teamchef bei der B-WM in Ljubljana antrat, ist die jüngste, die je die rot-weiß-roten Farben bei einem WM-Turnier getragen hat.

Aus diesem Grund nominiert der Head Coach für den Ländervergleich am Dienstag in der Albert-Schultz-Halle mit Deutschland fast genau dieselben Spieler, die in Slowenien dabei waren.

„Die Zukunft schaut mit diesen Spielern gut aus. Wenn wir uns im November wiedertreffen, ist aber alles wieder offen und die Türe für weitere junge Spieler ist nicht zu. Es wichtig, die Konkurrenzsituation zu schüren und daher hat kein Spieler bei mir einen Fixplatz“, will Viveiros nicht, dass sich die Spieler zu sicher werden.

Die Verbandsspitze: Viveiros, Dieter Kalt sen., Giuseppe Mion (v.l.)

Jubiläumsspiel gegen Deutschland

Das Spiel ist das Geschenk, welches sich der Verband selbst zum 100-jährigen Jubiläum macht. Das erste Länderspiel der Geschichte wurde 1912 gegen Deutschland bestritten, so liegt es auf der Hand, dass der nördliche Nachbar auch zur Geburtstagsfeier des ÖEHVs als Gegner auserkoren wird.

„Wir spielen jedes Spiel um zu gewinnen, aber rein sportlich gesehen, hat diese Partie gegen Deutschland nur eine untergeordnete Rolle. Für mich ist es eine weitere Möglichkeit die Spieler, die auch für die Olympia-Qualifikation und die A-WM in Frage kommen, zu sichten. Es bleibt ohnehin nicht viel Zeit, da es sich nicht um einen offiziellen Länderspieltermin handelt und die EBEL am Sonntag noch spielt. Aus diesem Grund treffen wir uns erst am Montagabend und am Dienstag ist bereits das Spiel.“

Da die Begegnung während des regulären Ligabetriebs stattfindet, ist im Vorfeld immer wieder die Rede davon, dass nicht alle Vereine ihre Leistungsträger abstellen werden. Dies ist für den Teamchef jedoch nicht akzeptabel.

„Wenn ich einen Spieler haben will, dann hat der zu kommen. Ein Entschuldigungsgrund wäre natürlich eine Verletzung bzw. eine Krankheit. Sollte dies nicht der Fall sein, haben die Spieler auch zu erscheinen“, lässt der Trainer keine Zweifel über seine Autorität aufkommen.

Standortbestimmung

Diese hat Viveiros in den 365 Tagen seiner Amtszeit etabliert. Weitere Schritte sind jedoch nicht so schnell und leicht umzusetzen, wie das Standing des Trainers. Derzeit wird daran gearbeitet, dass Eishockey bei jungen Leuten salonfähig wird.

„Alle Seiten müssen den Sport an sich attraktiver für junge Menschen machen. Jeder Klub sollte ein Marketingkonzept für junge Kinder haben, damit diese sich vielleicht für Eishockey und gegen Fußball oder Skifahren entscheiden.“

Kurzfristig wäre die beste Werbung sicherlich ein Sieg gegen Deutschland. Auch wenn Viveiros dies sportlich als zweitrangig ansieht, wäre es ein gutes Zeugnis seiner Arbeit und eine Standortbestimmung nach einem Jahr im Amt.

Sebastian Rauch

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