EBEL oder ELH - wer ist besser?

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Ein Vergleich zwischen Tschechien und der EBEL

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Wie steht das tschechische Vereinshockey derzeit da und wie unterscheidet es sich von Österreichs höchster Spielklasse - der Erste Bank Eiskockey Liga EBEL

Dieser Frage ist LAOLA1-Scout Bernd Freimüller auf den Grund gegangen und hat einen Blick über die Grenze gewagt.

In fünf Tagen war der Wiener bei fünf verschiedenen Spielen der tschechischen Extraliga vor Ort, die einen Vergleich mit der österreichischen Meisterschaft liefern sollen.

Jarusek (r.) spielt mittlerweile bei Mlada Boleslav

Mlada Boleslav – Kometa Brünn (16.10., 4:0)

Etwa 60 Kilometer von Prag entfernt, ist Mlada Boleslav vor allem als Skoda-Produktionsstätte bekannt. Doch in den letzten Jahren hat sich die Mannschaft in der Extraliga etabliert, obwohl die Infrastruktur nicht mitgewachsen ist. Die 4.200 Zuseher fassende Halle ist die kleinste und schlechteste der Liga. Heuer spielt die Truppe aus der 40.000-Einwohner-Stadt vorne mit, ließ in diesem Spiel auch den sicher nicht schwachen Gästen keine Chance.

Goalie David Rittich durfte sich einen Shutout anschreiben lassen, der 23-jährige ist heuer erstmals die unumstrittene Nr. 1 und könnte mit seiner Größe von über 1,90 Meter auch ein Late Bloomer für die NHL werden. Ihre NHL-Zeit hinter sich haben dagegen David Vyborny (M. Boleslav) und Tomas Kaberle (Brünn). Der 40-jährige Vyborny ist kaum ein Faktor mehr, ähnliches gilt für den 37-jährigen Kaberle. Die letzten beiden Jahre in der zweiten tschechischen Liga bei seinem Stammklub Kladno haben Kaberle zusätzlich zu seinem Alter zugesetzt, vor allem in seiner Spezialdisziplin, dem Powerplay, enttäuscht er.

EBEL-Bezug: Der einstige Znojmo-Topscorer Richard Jarusek spielt in der Toplinie von Mlada Boleslav, verrät aber eisläuferische Schwächen. Am Slowenen Mitja Robar zeigte Linz im Frühjahr loses Interesse. Bei Brno könnte der erst kürzlich verpflichtete amerikanische Verteidiger Dan Spang bald ein EBEL-Thema werden. Die Extraliga ist für ihn bereits die vierte europäische Liga. 

Jagrs einzigartige Karriere startete bei Kladno

Kladno – Kadan (17.10., 3:5)

Michal Frolik, Jiri Tlusty, Jakub Voracek, Tomas Plekanec, Ondrej Pavelec, Jiri Sekac und der unverwüstliche Jaromir Jagr – die Liste der aktuellen NHLer, die aus Kladno hervorgegangen ist, imponiert. Doch ihr Stammklub durchlebt seit Jahren harte Zeiten. Die Talentquelle ist versiegt, für teure Zukäufe gibt es nicht genügend Geld. Das Resultat: Der Abstieg aus der Extraliga vor zwei Jahren und heuer ein weiterer Wiederaufstiegsversuch gegen andere prominente Klubs wie Budweis und Slavia Prag.

Die Halle wurde vor kurzem renoviert, aus an englische Fußballstadien erinnernde weitläufigen Terraces wurden Sitzplätze und das einstige Fassungsvermögen von über 7000 Zuseher damit reduziert. Doch für die knapp 2000 Fans hier reicht das immer noch, nach Leistungen wie an diesem Tag werden es eher weniger als mehr werden. Grundsätzlich unterscheiden sich die Spitzenteams der zweiten Liga wenig von den Nachzüglern der Extraliga, die Relegation ist daher auch immer offen. Kladno setzt auf einige junge Cracks, Kadan als Farmteam des Extraligisten Chomutov auf eher ältere Semester.

Für ausländische Fans ist so ein Spiel vielleicht eine schwere Kost, bei einem Eintrittspreis von knapp vier Euro allerdings zu verschmerzen. Auch in der Extraliga legt man übrigens für die besten Plätze nicht einmal zehn Euro ab.

EBEL-Bezug: Kladno-Goalie Lukas Cikanek gab einmal ein erfolgloses und kurzes Gastpiel in Znojmo. Mit Brandon Nash leistet sich Kladno einen großgewachsenen kanadischen Defender, der im Sommer auch in der EBEL angeboten wurde. 

>>>EBEL, KAC vs. Vienna Capitals, Freitag, 19:10 Uhr, LIVE bei LAOLA1.tv<<<

Sparta Prags Heimstätte: Die O2-Arena

Sparta Prag – Chomutov (18.10., 4:0)

Nach dem Abstieg von Lokalrivalen Slavia bekam Sparta ein verlockendes Angebot: Um Leerzeiten in der O2-Arena zu vermeiden, wurde ihnen ein Umzug zu guten Konditionen schmackhaft gemacht. Sparta übersiedelte daher wirklich in die WM-Halle, die altehrwürdige Sparta-Arena (1962 errichtet, fasst knapp 13.000 Fans) sieht seit dem Sommer nur mehr Junioren-Eishockey.

Der Zuschauerschnitt Spartas liegt auch in der einstigen Feindes-Arena bei knapp 6.000 und ist damit gleich hoch wie in der alten Heimhalle.

Sparta ist natürlich wie jedes Jahr ein Titelkandidat und ließ dem Aufsteiger aus Chomutov keine Chance. Selbst wenn man keinen einzigen Spieler kennen würde, stechen die wenigen herausragenden Cracks bald ins Auge: Bei Sparta-Oldie Jaroslav Hlinka (38) sowie Montreal-Draftpick Martin Reway (20), beides begnadete Playmaker, Hlinka allerdings immer noch mit einer wesentlich professionelleren Berufsauffassung.

Bei Chomutov befindet sich Center Roman Cervenka nach einigen hochbezahlten Jahren in Omsk und St. Petersburg in einer Warteschleife, sein KHL-Comeback ist nur eine Frage der Zeit.

Beide Teams sind bezeichnend für die Liga aufgestellt: Während es genügend brauchbare Stürmer gibt, sieht es an den tschechischen blauen Linien nicht gut aus. Vor allem Puckmover fehlen, im Powerplay sind Quarterbacks fast nicht zu finden. Die meisten Überzahlformationen kommen daher nur mit einem nominellen Defender aus.

Cracks wie Sebastien Piche, Jamie Fraser oder Dominique Heinrich wären auch hier sehr gute Überzahlspieler, defensiv und körperlich müssten sie allerdings zulegen. Troy Milam, in unserer Liga ein Spitzenmann, war bei Sparta vor Jahren ein guter, aber keineswegs herausragender Defender mit überschaubarer Produktion.

EBEL-Bezug: Die Slowenen Robert Sabolic (früher bei Jesenice, jetzt bei Sparta) und Alex Kranjc (früher bei den Capitals, bei Chomutov nicht im Aufgebot) kennen unsere Liga gut, Sabolic steht noch für eine weitere Saison unter Vertrag. 

Courchaine - von den 99ers nicht verpflichtet

Mountfield Hradec Kralove  - Karlovy Vary (19.10., 3:1)

In Königgrätz werden zwar keine Schlachten mehr geschlagen, dafür seit drei Saisonen (wieder) Extraliga-Hockey geboten. Sponsor Mountfield siedelte nach Streitigkeiten mit der Stadt Budweis sein Team kurzerhand nach Hradec Kralove um, dort spielt die Truppe in einer stets gutbesuchten, renovierten Halle mit einem Fassungsvermögen von fast 7.000 Zusehern.

Das Team, in dem noch einige Spieler aus Ceske Budejovice stehen, gehört zu den besseren der Liga, das Spiel gegen den ewigen Tabellennachzügler aus Karlsbad war eine durchschnittliche Montagabendunterhaltung.

Bezeichnend für das Timewarp-Feeling bei den meisten Teams hier: Karel Pilar (37), Jiri Simanek (37), Jaroslav Bednar und Jaroslav Kudrna (beide werden noch heuer 40) auf der einen, Radim Bicanek (40) und der Wutopa der Liga, Radek Duda (36), auf der anderen Seite – die Tschechen sind älteren, erfolgreicheren Generationen sehr verhaftet, diese Cracks können sich eigentlich nur selbst in Pension schicken. Für das Tempo im Spiel und im Training sind eine derartige Anzahl an Oldties sicher nicht förderlich.

EBEL-Bezug: Mit Goalie Ondrej Kacetl und Defender Martin Planek haben sich zwei ehemalige Znojmer Stammplätze gesichert. Adam Courchaine wurde einmal schon in der Preseason in Graz ausgesondert, avancierte ein Jahr danach aber zum DEL-Scorerkönig. Seine Off-Ice Issues vertrieben ihn jedoch aus Deutschland, gutes Geld ist auch bei einem Team wie Hradec Kralove zu machen.

Bei Karlovy Vary agiert ebenfalls einer von neun Nordamerikanern in der Liga: Der nachverpflichtete Bryan Rodney spielt so wie in der letzten Saison: Smart, routiniert, aber mit wenig Dynamik oder Feuer. 

Die Kometa-Fans sind berüchtigt für ihren Support

Kometa Brünn – Pardubice (20.10., 6:1)

Die Rondo-Halle in Brünn ist das heißeste Pflaster der Liga: Stets ausverkauft (Sitzplätze sind nur als Abo erhältlich) und die 7.200 Fans sorgen für einen echten Heimvorteil, vergleichbares findet sich weder in der Extraliga noch in der EBEL. Seit die Brünner Znojmo vor Jahren die Extraliga-Lizenz abgekauft haben, gehören sie zu den besseren Teams der Liga. Dagegen erlebte Gegner Pardubice in den letzten Saisonen einen Absturz, auch ein Trainer- und GM-Wechsel brachte keine Besserung.

Das Spiel war leider nach zwei schnellen Toren schon bald (vor)entschieden, überhaupt setzten sich in allen Extraligaspielen, die ich gesehen habe, die Heimteams klar durch. Nicht gerade eine Grundlage für gutes Scouting, wenn das letzte Drittel oft nur zum Auslaufen dient.

Ein Vorteil am Rondo: Die Halle liegt von Wien aus gesehen gleich am Ortsbeginn, die Rückfahrt nach Kagran dauert knapp 90 Minuten.

Pardubice leistet sich mit dem eingewechselten Goalie Brandon Maxwell und dem neuverpflichteten Center Tyler Redenbach zwei nordamerikanische Legionäre, beide wären auch in der EBEL keine großen Nummern.

EBEL-Bezug: Ex-KAC-Legionär Jakub Koreis gehört derzeit nicht zum Brünner Aufgebot, Ex-Coach Martin Stloukal war auch unter den Zusehern. Bei Pardubice verabschiedete sich Goalie Robert Kristan schon nach zwei Gegentreffern und sieben Minuten. Adam Havlik, in der EBEL zuletzt ein Point-a-game-guy, kommt über die vierte Linie nicht hinaus. Er sieht gegen die oft hünenhaften Gegner sehr klein aus.

Wie sind die Extraliga und die EBEL also zu vergleichen? Die Zeiten, als die Tschechen unsere Teams dominierten, sind schon lange vorbei, siehe etwa das knappe Aus der Capitals gegen Litvinov.

Wohlgemerkt: Es handelt sich um einen Vergleich der Ligen und Teams, die EBEL ist bekanntlich zum größten Teil auf ihren Legionären aufgebaut. Weder im Jugend- noch im Seniorenbereich können unsere Nationalteams mithalten, auch wenn die Tschechen erst langsam wieder aus einem jahrelangen Tief in der Nachwuchsproduktion erwachen.

Playoff-Serien zwischen vergleichbaren Teams würden die Tschechen wohl gewinnen, ihre Teams sind letztlich doch tiefer besetzt und mit mehr Größe ausgestattet. Sparta etwa ist fast nur mit Spielern über 1,85 Meter Größe aufgestellt.

Als Beispiel: Znojmo wäre in der Extraliga wohl im Mittelfeld angesiedelt. Das Hauptproblem der Extraliga: Die Top-Tschechen – da rechne ich alle Spieler in Nordamerika schon weg – agieren in der KHL, lediglich der an der polnischen Grenze angesiedelte Ligakrösus Trinec (von der Stahlindustrie gesponsort) und Sparta Prag können einige Spitzenkräfte in der Liga halten, der Rest leistet sich nur einige Gehaltsausreißer.

Letal für die Liga: Die besten jungen Cracks wandern zuhauf in die kanadischen Juniorenligen ab, was bleibt ist nur ein zweit- bis drittklassiger Nachwuchs, der gegen die Liga-Oldies nicht ankommt.

Budgetvergleich

Die Spielerbudgets (nur für das Seniorenteam, alles brutto) liegen zwischen vier (Trinec) und 1,3 Millionen (Plzen) Euro. Die Spitzenverdiener der Liga bekommen knapp unter 400.000 Euro, allerdings müssen die Spieler hier ihre Sozialabgaben und Steuern selbst bezahlen.

Für Cracks am anderen Ende der Gehaltsskala wäre die EBEL sicher interessant, doch ob diese ein Team wesentlich besser machen, ist sehr fraglich. Tschechische Agenten bieten ihre Klienten in Österreich auch nur sehr vereinzelt an, sie wissen um die nordamerikanische Dominanz in unserer Liga.

Wie die DEL ist die Extraliga um ein Stückchen oder mehr über unsere Liga zu stellen, die Teams sind doch noch etwas schneller und körperlich stärker. Teams wie Karlovy Vary oder Zlin sind zwar auch nicht das Gelbe vom Ei, ein ewiger Letzter wie Laibach könnte hier allerdings alleine schon aufgrund der Relegation nicht überleben.

Ein Besuch in Tschechien lohnt sich allemal als Abwechslung, doch Wunderdinge auf dem Eis bietet die Extraliga auch schon lange nicht mehr an. Von den europäischen Spitzenligen wie der KHL oder SHL ist sie weit entfernt.

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