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Abschied in die "Ungewissheit" mit Kritik

Michael Raffl möchte seine Grenzen austesten. Aus diesem Grund wagte er den Sprung ins Ausland.

Nach ausgezeichneter Saison als Topscorer des VSV reifte im 22-Jährigen die Entscheidung, eine neue Herausforderung in Angriff zu nehmen. Künftig stellt Leksands IF die sportliche Heimat dar.

Der Schritt in Schwedens zweite Leistungsstufe birgt jedoch eine große Portion Ungewissheit in sich, wie der Flügelspieler im Gespräch mit LAOLA1 zugibt.

„Im Ausland als Legionär muss man sich beweisen können. Viele Spieler haben bestätigt, wie schwer es ist.“

„Schweden ist ein Top-Land“

Bereits im Nachwuchs lief der gebürtige Villacher für seine „Adler“ auf und entwickelte sich zu einem der hoffnungsvollsten Talente des Landes. Im Vorjahr wusste Raffl mit 64 Punkten in der Erste Bank Eishockey Liga zu überzeugen. Die Zeit, seine junge Karriere auf die nächsthöhere Ebene zu heben, war gekommen.

„Ich wollte unbedingt ins Ausland, blieb lediglich die Frage wohin. Ich möchte mich einfach als Spieler verbessern, da ist Schweden ein Top-Land.“ Erstmals verlässt der Neo-Legionär sein gewohntes Umfeld, welches ihm dazu geraten habe.

„Die Leute um mich kennen sich mit dem Sport aus. Ich ließ mich beraten, und wir haben natürlich die Optionen diskutiert.“

Aufstieg als großes Saisonziel

Letztlich gab die Expertise seiner Vertrauten in der Entscheidungsfindung den Ausschlag, ist der neue Arbeitgeber aus dem 6.000-Seelen-Ort Leksands doch ein unbeschriebenes Blatt für Raffl.

„Ich habe noch kein Spiel gesehen, weder aus der ersten noch zweiten schwedischen Liga. Der Verein will heuer unbedingt wieder den Aufstieg schaffen.“ Zuletzt gelang dies 2004/05, allerdings folgte der sofortige Rückfall in die Zweitklassigkeit.

Die Vergangenheit der 1938 gegründeten „Stars“ gestaltete sich deutlich ruhmreicher. Zwischen den Jahren 1969 und 1975 wurde gleich vier Mal der Meistertitel im Oberhaus eingefahren. Sogar ein rot-weiß-roter Bezug besteht.

Urlaub, um Gedanken zu ordnen

Rund um die Jahrtausend-Wende spielte Reinhard Divis zwei Saisonen für Leksands damals noch in der Elitserien, ehe der mittlerweile 36-jährige Schlussmann im Sommer 2001 zu den St. Louis Blues in die NHL wechselte. Also ein gutes Omen, oder?

Daran möchte Raffl noch keinen Gedanken verschwenden, vorerst zählt nur die Gegenwart. Und die besteht derzeit aus Arbeit in der Kraftkammer. Mit Freund Michael Grabner (LAOLA1 zu Gast) sowie weiteren Kollegen absolviert er in Villach häufig gemeinsame Einheiten.

 „Nach der WM habe ich eine Woche nichts gemacht und war in Ägypten. Dann habe ich mit leichtem Radfahren sowie Ausdauer-Training angefangen, das gehörte nicht zur richtigen Vorbereitung.“

Im Urlaub konnte der Jungstar nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der A-Weltmeisterschaft in der Slowakei abschalten.

Michael Raffl verlässt gewohntes Umfeld

„Kritik nützen oder darüber jammern“

„Keiner mag es zu verlieren, der Abstieg war hart. Aber wir müssen den Kopf hochhalten und selbst wieder aus der Schlinge ziehen.“ Zur entbrannten Debatte über das heimische Eishockey sowie den Rauswurf Oliver Setzingers aus dem ÖEHV-Team äußert sich der Villacher diplomatisch.

„Kritik ist verständlich, wenn man verliert. Man muss nur wissen, wie man damit umgeht, ob man es nützt oder darüber jammert. Diese Diskussionen muss man wegstecken und daraus lernen“, fordert Raffl sowohl Verantwortliche als auch Spieler, die richtigen Schlüsse aus dem WM-Debakel zu ziehen.

Für Österreichs Rückkehr in die Welt-Elite sollten Liga-Granden, Klub-Bosse und Verband endlich an einem Strang ziehen. Erste Konsequenz wäre die Abschaffung der Kaderpunkte-Regelung (Erklärung durch EBEL-Manager Feichtinger).

Das Punkte-System muss fallen

„Österreich ist ein kleines Eishockey-Land mit zu vielen Ausländern. Für die Jungen ist es schwer, den Sprung zu schaffen und Einsatzzeit zu bekommen. Ältere Spieler, die gute Leistungen zeigen, bekommen keinen Vertrag. Das ist eine Frechheit“, findet der Angreifer deutliche Worte.

Raffl forciert damit die Kritik am umstrittenen System, welchem gestandene Teamspieler wie Markus Peintner („Geht um unsere Existenz“), Darcy Werenka oder Jeremy Rebek zum Opfer fallen. „Ich bin grundsätzlich gegen diese Punkteregel.  Wir müssen anfangen, die Legionäre zu reduzieren.“

Bald wird der 22-Jährige diese Debatte nur mehr aus der Ferne verfolgen. „In wenigen Tagen geht es mit dem Trainingslager in Schweden los.“

Eishockey-Spieler bleibt Eishockey-Spieler

Ein Bild der neuen Kollegen konnte er sich bereits Anfang Juli machen. „ Es gab ein Team-Building, da habe ich meine Mitspieler kennengelernt und zwei Wochen mittrainiert. In Leksands gibt es nicht viel zu machen, aber es ist eine Eishockey-verrückte Stadt. Ich werde mich wohlfühlen“, schildert er seine ersten Eindrücke.

Akklimatisations-Probleme hält Raffl zumindest innerhalb der Mannschaft für eher unwahrscheinlich: „Die Cracks sind auf der ganzen Welt gleich. Es ist eine junge Truppe mit zwei bis drei Routiniers. Die meisten Akteure sind in meinem Alter, da hatten wir bereits einen Riesen-Spaß.“

Riesen-Spaß bereiteten ihm die Jahre bei seinem Heimatverein, mit einem kleinen Wermutstropfen.

Rückkehr nach Villach wahrscheinlich

„Villach war super, ich hatte eine wunderschöne Zeit. Leider konnten wir nicht die Erfolge feiern, die ich gerne gehabt hätte. Man wird mich bestimmt wieder beim VSV sehen“, verspricht der Meister von 2006, damals zählte er jedoch noch nicht zum Stammpersonal.

Welche Erwartungen er an das bevorstehende Schweden-Abenteuer hat, möchte der Nationalspieler nicht preisgeben. „Jeder hat Hoffnungen und setzt sich Ziele, die behalte ich für mich.“ Eines ist ihm allerdings bewusst: „Der Weg führt nur über harte Arbeit.“

Doch von Bedeutung scheint für Raffl vor allem die Erkenntnis, „wo meine Grenzen liegen und mein Weg noch hinführen kann.“

Christoph Köckeis

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