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"Wie ein kleines Kolosseum"

„Zack-Bumm – in die Goschn“.

Was in den 90er Jahren zu einem regelrechten Kultsketch der Kabarett-Gruppe „Die Hektiker“ mutierte, wäre auch ein guter Slogan für den Auftakt der European Trophy in der Albert Schultz Halle gewesen.

„Wir verteidigen einander, jeder ist für den anderen da. Die anderen Teams sollen wissen, dass wir eine sehr hart spielende Mannschaft sind und ohne ein blaues Auge oder ein bisschen Blut werden wir keine Punkte hergeben“, bringt es Stürmer Rafael Rotter nach dem knappen 3:2-Sieg nach Penaltyschießen gegen Oulun Kärpät auf den Punkt.

Rotter regelt es selbst

Vor allem zu Beginn der Partie vor der Rekordkulisse von 4.700 Zuschauern in der modernisierten Heimstätte der Capitals ging es ordentlich zur Sache.

„Es gab viele Strafen auf beiden Seiten. Die spezielle Situation von Rotter habe ich nicht gesehen. Das ist ein Kampfsport und da kann so etwas passieren“, spielt Trainer Tommy Samuelsson auf ein Foul des Finnen Lehto an, der den Nationalspieler kurz vor der ersten Drittelpause von hinten ohne Puck niedergestoßen hatte.

„Es war ein Cross Check von hinten und ich bin gegen die Bande gefallen. Wenn ich anders falle, hätte ich mich schlimmer verletzen können“, kommentierte der Gefoulte die Szene, die der hitzköpfige, gerade mal 1,74 m große Angreifer aber nicht auf sich sitzen ließ.

„Daraufhin habe ich mich selbst verteidigt, was ganz normal ist in diesem Sport. Es hätte sich auch jeder aus der Mannschaft vor den Typen gestellt, aber da er noch hinter mir gestanden ist, hab ich das gleich selbst übernommen“, regelte Rotter die Angelegenheit selbst.

Hohe Belastung

Dennoch muss angemerkt werden, dass sich dieses Spiel und wohl auch die kommenden in der European Trophy in der Intensität deutlich von sonstigen Vorbereitungsspielen unterscheiden.

Ein Fakt, der auch Trainer Samuelsson nicht entgangen ist. Der Schwede weiß aufgrund seiner Erfahrung wie man mit dieser hohen Belastung in dieser noch jungen Saison umzugehen hat.

 „Das kostet natürlich viel Kraft und Energie. Es ist wichtig, dass wir dazwischen nicht so viel trainieren. Ein paar Tage raus aus der Halle und sich den ein oder anderen Tag frei nehmen ist auch wichtig, damit wir neue Energie bekommen für die Liga“, schraubt der Head Coach die Trainingsanforderungen in den nächsten Tagen herunter.

Den Spieler gefällt es, dass sie gleich zu Beginn der Vorbereitung - die Caps sind gerade mal eine Woche auf dem Eis - schon ordentlich Körperkontakt haben.

„Wir sind Eishockeyspieler und wir sind es gewohnt, dass es hart und intensiv zur Sache geht. Dafür trainieren wir. Wir sind Profis und mögen es, wenn es hart und rough wird. Sonst würden wir den Sport nicht ausüben. Das ist perfekt so und wir können es nicht mehr erwarten, bis das nächste Spiel ansteht“, so Rotter.

Neuer Trainer, neue Sitten

Es ist eine neue Philosophie, die die Caps in diesem Jahr unter dem neuen Trainer vertreten.

 Nicht nur, dass unter Samuelsson ein anderes System gespielt wird und mehr auf die eisläuferischen Fähigkeiten und das Tempospiel wertgelegt wird, sondern auch die physische Komponente spielt eine wichtige Rolle.

„Man hat gesehen, dass wir körperlich sehr präsent sind. Viele unserer neuen Spieler sind ziemlich groß, bringen ordentlich Kilos auf die Waage und können den Körper sehr gut einsetzen“, so Rotter, der zu den Kleinsten im Kader gehört.

Da ist es doch passend, dass für Rotter die neurenovierte Halle  „wie ein kleines Kolosseum aussieht.“

Neben dem neuen Spielsystem und der körperlich Präsenz der Wiener, gaben auch die Fans einen kleinen Vorgeschmack auf die kommende Saison.

Halle wie ein Kolosseum

Rund 4.700 fanden an diesem lauen Sommerabend den Weg in die neue Heimstätte der Caps. Da die bisherige Kapazität auf 4.500 Zuschauer beschränkt war, verbuchten die Wiener prompt einen neuen Zuschauerrekord.

„Es ist schön zu sehen, dass es den Fans auch gefällt und dementsprechend profitieren wir natürlich von der Stimmung. Es ist, als hätte man einen sechsten Mann auf dem Eis. Ich hätte nicht gedacht, dass zum ersten Spiel so viele Leute den Weg in die Halle finden“, so Rotter.

Ein zweiter Spieler zeigte sich von der Stimmung begeistert. Reinhard Divis, der bei den Fans eher als umstrittene Persönlichkeit gilt, feierte seinen Einstand im Trikot der Capitals.

„Wenn ich ehrlich bin, habe ich das Schlimmste erwartet und mit Pfiffen gerechnet. Ich muss mich bedanken, denn ich bin sehr gut aufgenommen worden. Ich hab keine Pfiffe gehört“, so der 36-jährige gebürtige Wiener, der zuletzt mit Salzburg die Wiener in der Halbfinalserie der EBEL eliminierte.

Euphorie bei Rotter

Die Fans hatten auch während des Spiels keinen Grund zu pfeifen, denn der neue Torhüter zeigte mit starken Reflexen sein Können und wurde im Anschluss sogar zum besten Spieler des Spiels gewählt.

„Die Mannschaft hat sehr gut verteidigt und dann sieht der Torhüter immer gut aus“, relativiert Divis seine eigene Leistung.

Teamkollege Rotter ist da schon euphorischer.

„Divis hat unglaublich gehalten und das hat ihm sicher geholfen, denn die Fans hatten ihm gegenüber ein wenig Vorurteile. Mich freut es, dass er mit so einer Partie den Einstand feiern konnte. Mit dieser Mannschaft und diesem Goalie kann man sowohl in der Meisterschaft, als auch in der European Trophy sehr weit kommen.“

Sebastian Rauch

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