Aufmacherbild

"In Österreicher spielen nicht immer die Besten"

Thomas Vanek hat es vorgemacht. Ihm sollten Andreas Nödl und Michael Grabner folgen.

Das Trio etablierte sich in der National Hockey League.

Jeder Crack verfolgt dieses Karriere-Ziel, also ebenfalls Kostantin Komarek.

Im zarten Alter von 15 Jahren brach der gebürtige Wiener nach Schweden auf, um sich den Traum der weltbesten Liga zu verwirklichen.

Drei Saisonen später blickt der Left Wing gespannt über den großen Teich. Dort steht nämlich der NHL-Draft 2011 (24. und 25. Juni) unmittelbar bevor.

Die Jungen haben mehr Biss“

Komarek hält in Minnesota die rot-weiß-roten Fahnen hoch. Als einziger Österreicher darf sich der 18-Jährige durchaus berechtigte Chancen ausrechnen. In der Scouting-Rangliste der Europa-Skater findet er sich an 55. Stelle wieder.

„Wenn du wirklich gut genug bist, kommst du sowieso in die NHL. Egal, ob du gezogen wirst oder nicht“, so sein selbstbewusster Kommentar.

Im LAOLA1-Talk erklärt der Lulea-Legionär, warum der Draft keinen Einfluss auf die Karriere-Planung hat, wie die Reifeprüfung seinen Werdegang mitbestimmte und weshalb in Schweden nicht nur eine sportliche Entwicklung stattfand.

LAOLA1: In wenigen Tagen steigt der NHL Draft 2011. Im Europa-Ranking findet sich dein Name auf Rang 55 wieder. Beschäftigst du dich damit, dass möglicherweise eine Franchise zuschlägt?

Komarek: Sicher macht man sich Gedanken, doch die Saison ist vorbei. Ich habe meine Qualitäten gezeigt und jetzt kann ich nichts mehr beeinflussen. Wenn du gut genug bist, kommst du sowieso in die NHL. Egal, ob du im Draft gezogen wirst oder nicht.

LAOLA1: Im Laufe der Spielzeit konntest du dich in der Rangliste stetig verbessern. Wie stufst du selbst deine Chancen ein?

Komarek: Von den gezeigten Leistungen schätze ich sie nicht schlecht ein. Aber wenn man sich die Drafts vergangener Jahre ansieht, gibt es immer wieder Spieler, die in höchsten Ligen viele Punkte gescort haben, aber nicht gezogen wurden. Dann gab es wiederum Talente, die nur im Nachwuchs in der U18 oder U20 gespielt haben, und trotzdem gedraftet wurden. Ich kann das nicht wirklich einschätzen.

LAOLA1: Heuer durftest du erstmals Erfahrung in der schwedischen Elitserien sammeln. Für die Lulea-Profis bist du in der Regular Season 19 Mal aufgelaufen, in den Playoffs (zwölf Spiele) warst du fester Bestandteil. Deine Bilanz?

Komarek: Zu Beginn der Saison hatte ich ein kleines Tief, da spielte ich nicht gut. Eigentlich ist es dann kontinuierlich aufwärts gegangen. Ab November habe ich in der Ersten gespielt, und je länger die Saison dauerte, desto besser ist es gelaufen. In den Playoffs habe ich richtig gute Spiele gezeigt, das war ein sehr guter Abschluss der Saison.

LAOLA1: Welche Rolle musstest du im Team erfüllen?

Komarek: Ich wurde zumeist als Energy Player eingesetzt. Im letzten Halbfinale gegen Skelleftea zog mich das Trainer-Team sogar in die erste Linie, weil die beiden Angreifer aus Kanada in dieser Serie (Anm.: 2:4) nicht überzeugten. Die Aufgabe war, ihnen mit Schnelligkeit und körperbetontem Spiel etwas Raum zu verschaffen.

LAOLA1: Bereits mit 15 Jahren hast du den Schritt ins Ausland gewagt. Statt Nordamerika ging es für dich nach Schweden. Warum diese Entscheidung?

Komarek: Der Hauptgrund war die Schule. Im Gegensatz zu Amerika kann man in Schweden eine Matura absolvieren, die in Österreich zählt. Meine Eltern sagten, sie wollen den Abschluss, das war auch mein Ziel.

LAOLA1: Mittlerweile kannst du die Matura dein Eigen nennen. Wie ließen sich Schule und Training vereinbaren?

Komarek: Ich habe den Abschluss heuer bekommen. Es ist ein Eishockey-Gymnasium, das mit dem Verein kooperiert. Du hast am Abend Training und zwei Mal in der Woche Einheiten mit der Schule. Deine Aufgaben erledigst du entweder zwischen Unterricht und Training oder eben danach, du kannst dir die Zeit selbst einteilen. Mit dem Abschluss bin ich ganz zufrieden. Da es eine schwedische Schule ist, habe ich mir nicht mehr erwartet, als in jedem Fach zu bestehen.

Komarek startete heuer so richtig durch

LAOLA1: Als Teenager in einem fremden Land - keine leichte Situation, oder?

Komarek: Wenn man mit 15 Jahren ins Ausland wechselt, ist es anfangs klarerweise schwer. Nach zwei bis drei Monaten, als ich die Sprache konnte und Freunde gefunden habe, war alles super. Die Mannschaft hat mich gleich gut aufgenommen und in den schweren ersten Wochen unterstützt.

LAOLA1: Stehst du in Schweden auf eigenen Beinen oder lebst du in einem Vereins-Internat?

Komarek: Seit dem Umzug nach Lulea habe ich eine eigene Wohnung. Mittlerweile lebe ich mit meiner Freundin dort. Es war natürlich eine Umstellung, wenn du den ganzen Haushalt und das Kochen selbst erledigen musst (lacht). Für die menschliche Entwicklung und Selbstständigkeit war das jedoch förderlich.

LAOLA1: Neben der menschlichen steht die sportliche Entwicklung im Vordergrund. Wie fällt das Resümee nach drei Jahren in der Talenteschmiede Lulea aus?

Komarek: Ich denke, in Schweden bekommst du die beste taktische Ausbildung. Von dem Bereich her sollte man in keiner Liga der Welt ein Problem haben. Das Verhalten des Spielers in der Defensive ist unglaublich wichtig, da wurde ich top ausgebildet. Mit der weiteren Entwicklung bin ich ebenfalls recht zufrieden. Es war auf jeden Fall der richtige Schritt.

LAOLA1: Kannst du den Arbeitsalltag eines Nachwuchs-Spielers skizzieren? Was sind die größten Unterschiede zu Österreich?

Komarek: In erster Linie hast du eine viel größere Auswahl an Talenten. Zudem hast du täglich ein Trocken- und Eistraining. Zu meiner Zeit in Österreich hatte beispielsweise die U20 nur drei Mal in der Woche Übungseinheiten. Mit der selben Altersklasse bekommst du in Schweden nur einen freien Tag und absolvierst in sieben Tagen bis zu drei Partien. Ich würde sagen, dass die Jungen auch mehr Biss haben. In Österreich spielen nicht immer die Besten bei den Profis, die einzige Ausnahme ist vielleicht Salzburg. Es ist kaum der Fall, dass ein Spieler, der gute Leistungen für die U20 bringt, unter der Saison hoch genommen wird. Da sinkt natürlich die Motivation, richtig Gas zu geben.

LAOLA1: Warum ist das so?

Komarek: Vielleicht liegt es an zu vielen Ausländern, vielleicht sind die Talente in der U20 einfach nicht gut genug. Von Schweden aus kannst du diese Dinge nicht mitverfolgen, weil du keine Spiele siehst. Ich schaue die Erste Bank Eishockey Liga regelmäßig, da sind kaum Freunde aus dem 92er-Jahrgang dabei. Sie erhalten keine Chance, obwohl sie bestimmt das Zeug dazu hätten.

LAOLA1: Du zählst zu den größten Hoffnungen des heimischen Eishockeys, bist im Februar bereits zu Team-Ehren gekommen. Stellt diese Erwartungshaltung eine zusätzliche Belastung dar?

Komarek: Eigentlich nicht! Du spielst für dich, nicht für die Öffentlichkeit. Dass ich ein großes Talent in Österreich bin und Leistungen erwartet werden, daran verschwende ich keine Gedanken. Die Entwicklung steht im Vordergrund. Für mich ist mit dem Team-Debüt ein Traum in Erfüllung gegangen. Es war eine große Ehre für das A-Nationalteam zu spielen.

LAOLA1: Inwiefern hängt deine Planung für kommende Saison eigentlich vom NHL Draft ab?

Komarek: Ich habe bei den Profis von Lulea einen Einjahres-Vertrag unterschrieben, also spiele ich nächste Saison in Schweden. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich im Draft gezogen werde oder nicht. Es ist natürlich schön, wenn du gedraftet wirst, aber es spielt eigentlich keine Rolle. Ich werde dann wahrscheinlich mit der Mannschaft in Kontakt stehen und Tipps für die weitere Entwicklung bekommen. Für nächstes Jahr würde das allerdings überhaupt nichts verändern.

LAOLA1: Österreich ist mit Vanek, Grabner sowie Nödl in der weltbesten Liga vertreten. Dein Lieblingsspieler ist allerdings ein russischer Center?

Komarek: Klarerweise sind sie eine Art Vorbild, weil das Trio den Weg von Österreich in die NHL geschafft hat. Aber die größten Vorbilder sind Pavel Datsyuk (Anm.: Detroit Red Wings) und Linus Omark (Anm.: Edmonton Oilers). Von diesen Spielern versuche ich mir am meisten abzuschauen.

LAOLA1: Was beeindruckt dich besonders?

Komarek: Datsyuk ist ein Techniker, starker Eisläufer und hat ein großartiges Auge, dieser Spielstil gefällt mir total. Omark macht hinter dem Kasten eine gute Arbeit und deckt den Puck geschickt ab. Das sind auch meine Stärken, er taugt mir einfach. Als ich nach Lulea kam, hat er hier in der Ersten gespielt. Letztlich konnte er sich in der NHL etablieren.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»