"Wenn er sich in den Wrister reinlehnt, hilft nur beten"

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Spitzenduell in der EBELBlack Wings Linz gegen Red Bull Salzburg (19:10 Uhr, LIVE auf LAOLA1.tv).

Während die Roten Bullen seit einigen Wochen das Topteam der Liga sind, überflügelten die Linzer erst in den letzten Wochen die Vienna Capitals und sind nun der einzige ernstzunehmende Verfolger.

Mit einem Heimsieg (nach 60 Minuten) bestünde auch noch eine kleine Chance auf Platz eins.

LAOLA1 wirft einen Blick auf einige Schlüsselspieler der beiden Teams.

  • DIE TOP-REIHEN

Kozek-Hisey-Hofer vs. Sterling-Duncan-Hughes

Beides sind Reihen, die einem Coach auf dem Papier doch Bauchweh bereiten können, da es sich jeweils um eine Ansammlung von fast reinen Offensivspielern handelt. In Salzburg centerte lange Zeit Ben Walter diese Linie, gab trotz gewisser eisläuferischer Schwächen das defensive Gewissen zwischen Brett Sterling und John Hughes und lieferte ein ehrliches „200-Foot-Game“ ab. Allerdings ging dadurch Ryan Duncans Offensive im Lineup etwas verloren, seine Reihe mit (vornehmlich) David Meckler und Daniel Welser klickte nicht immer.

Nach dem Switch hat Salzburg nun eine zwar ziemlich zwergenhafte, aber meist dominierende Paradelinie nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“. Sie kontrollieren das Spiel mit dem Puck und müssen daher auch defensiv weniger Arbeit verrichten. Selbst John Hughes, dessen Defensivarbeit in Villach lange nicht existent war (allerdings dort im zweiten Jahr schon etwas besser), lässt seine Kollegen nicht hängen. Doch das Erfolgsrezept dieser Reihe (und, in abgeschwächter Form, auch das des ganzen Teams) besteht darin, dass das eigene Talent über jenes des Gegners zu stellen ist.

Zur Größenfrage: Weder Duncan noch Sterling brauchen Beschützer, vor allem Sterling kennt im Fight ums Tor herum keinerlei Angst und legt sich ohne Probleme mit jedem Spieler der Liga an.

Noch ein positiver Nebeneffekt des Center-Tausches: Ben Walter wertet die Linie mit Daniel Welser und einem wechselnden Flügel (derzeit Kyle Beach) auf, dazu kommt noch, dass Welser ohne seine üblichen Leistenproblemen heuer seine beste Saison seit längerer Zeit spielt.

Auf der Gegenseite spielt heuer die Reihe Kozek-Hisey-Hofer groß auf, eine Zusammensetzung, die vor der Saison niemand erwartet hätte. Fabio Hofer nützte aber seine Chance in dieser Linie, scorte von Beginn an verlässlich, Eislaufen und Kampfgeist gehörten immer schon zu seinen Stärken. In Salzburg rutschte er aber lange in und aus dem Lineup, allerdings teilweise auch bedingt durch Verletzungen.

Andrew Kozeks Schuss ist wohl der beste der Liga, er versteckt seinen Wrister lange sehr gut in seinem Körper und sein Schuss kommt dann ansatzlos und peitschenartig, oft noch dazu durch einen gegnerischen Körper hindurch. Auch er hat mit physischem Spiel keinerlei Probleme. Rob Hisey, immer ein begnadeter Techniker, hat in seinen Jahren unter Rob Daum auch die defensive Seite des Spiels kennengelernt. Ab und zu kommt aber noch der alte Hisey durch: Zugegeben, im Spiel am letzten Donnerstag in Wien waren beide Teams am Ende des Weihnachtsmarathons schon mental müde. Aber Hiseys Versuch, sich nach einer längeren Druckphase aus dem eigenen Drittel zu befreien, indem er die Scheibe mit einem Slapshot an die eigene Hintertorbande knallte, war skurril und sorgte für weitere 30 Sekunden im eigenen Drittel. Aber solche Eskapaden sind die Ausnahme, Hisey gehört zu den Top-Centern der Liga.

  • THOMAS RAFFL vs. BRIAN LEBLER

Sollten die beiden im Spiel aufeinandertreffen, könnte das das EBEL-Remake von „Godzilla gegen King Kong“ werden. Der Begriff „Power Forward“ wird im Eishockey sehr inflationär verwendet, doch wenn diese beiden keine sind, wer dann?

Parallelen gibt`s genug:

Beides sind (knapp) 100-kg-Bröckerln, dadurch ohnehin schon für die vielen kleinen Verteidiger in unserer Liga kaum auszuschalten.

Beide verfügen über genaue, harte Schüsse, Lebler hat hier aber doch Vorteile, wenn er sich in seinen Wrister reinlehnt, hilft nur Beten.

Beide haben ihr Eislaufen in den letzten Jahren verbessert. Raffl war zu seiner Zeit in Schweden ziemlich „stiff-legged“, das schränkte seine Effektivität dort doch ziemlich ein. Er agiert jetzt aber etwas dynamischer und „runder“, was ihm auch dabei hilft, zur rechten Zeit vor dem Tor aufzutauchen (wenn er sich dort ohnehin nicht schon im Infight befindet). Brian Leblers Beinarbeit – in den Scoutingreports aus seiner nordamerikanischen Zeit immer als große Schwäche herausgehoben – sah auch zu Beginn seiner EBEL-Zeit sehr schwerfällig aus. Doch über die Jahre verbesserte sich das so, dass man von seinen Beinen nicht abgelenkt wird, einzig bei NHL-Maßstäben würde man hier einhaken. Wohlgemerkt, beide Cracks werden nie Speedster werden, doch das können sie mit diesem Gewicht auch kaum sein.

Beide Spieler haben ihre „Hand-Eye-Coordination“ weiterentwickelt, ich würde auch hier aber Lebler noch einen kleinen Vorteil geben. Bestes Beispiel dafür auch das Spiel in Wien letzte Woche: Powerplay, Lebler skatet von links vors Tor und kommt dort im rechten Moment an, um den Schuss von Dorion aufwärts abzulenken. Gehört natürlich auch Glück dazu, doch Beine, Augen und Hände müssen hier im rechten Moment eine Einheit bilden. Raffl hat sich hier in letzter Zeit sehr verbessert, was seine Aufenthalte im Slot durch Torerfolge natürlich veredelt. In der Defensivarbeit (Lebler bringt hier seine Kraft, aber nicht immer seine Smarts ein) würde ich Raffl den Vorzug geben.

Beiden attestiere ich – was sie leider zur Ausnahme macht – absolutes A-Gruppen-Niveau und die Fähigkeit, sofort in besseren Ligen spielen zu können. Beides sind noch dazu Profis vom Scheitel bis zur Sohle. Ein Verbleib von Lebler über die Saison hinaus in Linz scheint ohnehin fast unmöglich.

  • WORAN HAPERT'S?

Eher Fragezeichen denn richtige Schwächen. Salzburgs Stärke - die Spielkontrolle durch Puckbeherrschung und ständigem Positionswechsel im Angriffsdrittel - sorgt zwar für lange Offensivphasen, können aber nach Turnovers auch zu Kontern führen. Es bleibt auch abzuwarten, wie die Salzburger im Playoff, wenn einige Schiris die Kontrolle über das Spiel verlieren, mit physischen Gegnern zurechtkommen. Dornbirn etwa piesackte sie im letzten Jahr bis aufs Blut. Das könnte dann auch die Daseinsberechtigung für Kyle Beach, einem eher selten siegreichen, dafür aber umso enthusiastischeren Fighter und „Shift Disturber“ (Provokateur), sein.

Auch ein Fragezeichen für den weiteren Saisonverlauf: Kann entweder Luka Gracnar oder Bernd Brückler Spiele für die Salzburger stehlen, falls das von Nöten ist? Gracnars Auftritt am letzten Freitag in Villach etwa war besorgniserregend, Schüsse aus allen Winkeln schlugen hinter ihm ein.

Die Kadertiefe in Linz ist natürlich nicht die gleiche wie die von Salzburg (Andi Kristler zuletzt ein „Healthy Scratch“!), wird aber auch zu oft kleingeredet. Immerhin errang das Team von Rob Daum die Siege der letzte Wochen ohne Schlüsselspieler wie die Lukas-Brüder, Franklin MacDonald oder Daniel Oberkofler. Bernhard Fechtig (jetzt seinerseits schulterverletzt) und Niklas Mayrhauser schlugen sich in der Defensive aber wacker, auch dadurch, dass etwa Sebastien Piché mit zunehmender Eiszeit eher besser als schwächer wird. Wo diese Ausfälle aber vor allem schmerzen, ist das Penalty Killing, Parick Spannring und Philipp Lukas übernehmen dort sonst die Eiszeit von Offensivkräften wie Lebler oder Brad Moran um diese frischzuhalten. Apropos Moran: Er und Mike Ouellette kommen in puncto Beinarbeit eher schwerfällig daher, der Teamspeed in der Mitte des Eises könnte für Linz sicher besser sein.

Für den Schlager in Linz kann man jedenfalls erwarten, dass auf beiden Seiten Auftritte der vierten Linien zumindest ab der 30-Minuten-Marke eher Ausnahmen sein werden.

Bei Salzburg fehlt Brian Fahey weiter wegen seiner Rückenverletzung, Andi Kristler dürfte nach einer Nachdenkpause wieder ins Lineup zurückkehren. Bei Linz sollte Franklin MacDonald sein Comeback geben, weiter out: Patrick Spannring, Philipp und Robert Lukas sowie Bernhard Fechtig.

 

Bernd Freimüller

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