Saisonvorschau 2015: Graz99ers

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„Wir sollten nicht mehr über die vergangene Saison sprechen.“

Diese Antwort von Trainer Todd Bjorkstrand bei der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz auf die Frage nach Vergleichen bzw. Unterschieden zwischen dem letztjährigen und dem aktuellen Kader sagt wohl alles über die Spielzeit 2014/15 der Graz99ers aus.

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Nach dem besten Saisonstart seit Jahren fiel man ab Mitte November mit 13 Niederlagen aus 14 Spielen in ein Loch, aus dem man bis zum Ende der Saison nicht mehr herauskam.

Am eigenen Unvermögen gescheitert

Zunächst wurde der schon sicher geglaubte Platz unter den Top 6 noch verschenkt, in der Qualifikationsrunde verlor man schließlich drei Runden vor Schluss das Schlüsselspiel gegen den KAC nach einer 3:1-Führung noch mit 3:5 und musste sich schlussendlich mit Platz drei begnügen.

Damit verpassten die Murstädter zum zweiten Mal in Folge die Playoffs und somit blieb diesen Sommer erneut kein Stein auf dem anderen.

Vorstand hält an Bjorkstrand fest

Eine Personalie, die vom obligatorischen Kaderumbau diesmal nicht betroffen war, ist jene des Headcoaches. Bjorkstrand bekam von der Grazer Führungsetage erneut das Vertrauen geschenkt und darf sich ein zweites Jahr bei den 99ers beweisen.

„Zuallererst möchte ich mich bei Jochen (Pildner-Steinburg, Anm.) und Bernd (Vollmann, Anm.) bedanken, dass ich ein weiteres Jahr hier in Graz meine Arbeit verrichten kann“, zeigt sich der US-Amerikaner sichtlich dankbar.

Neu im Betreuerstab ist hingegen der Finne Teppo Kivelä, der neben Ivo Jan künftig das Amt des Assistant-Coaches bekleiden wird. Außerdem wurde auf die Verletzungs-Misere der letzten Saison reagiert, wie Präsident Jochen Pildner-Steinburg erklärt: „Wir haben heuer dafür vorgesorgt, insbesondere die physische Vorbereitung betreffend. Dazu haben wir mit Alex Dolina einen neuen Physiotherapeuten geholt, der bereits große Erfahrung im Eishockeybereich hat und auch off ice dafür sorgen wird, dass unsere Spieler bestens vorbereitet sind.“

Spieler eines Kaders, der so gut wie nichts mit jenem des letzten Jahres gemein hat: Inklusive der Tryout-Cracks mussten weit über 20 Akteure den Verein während und nach der Saison verlassen. Im Gegenzug fanden bisher insgesamt 16 Neuzugänge den Weg in die steirische Landeshauptstadt.

Dänischer Nationalteam-Goalie ersetzt Sabourin

Eine der gravierendsten Veränderungen betrifft die Position des Torhüters. Nach der überraschenden einvernehmlichen Vertragsauflösung mit Danny Sabourin Anfang April präsentierten die Grazer im Mai mit Sebastian Dahm ihren neuen starken Mann zwischen den Pfosten.

Der dänische Nationalteam-Torhüter spielte die letzten fünf Jahre in seiner Heimat bei den Rodovre Mighty Bulls und erregte vor allem mit seiner Performance bei der diesjährigen WM in Tschechien Aufmerksamkeit, bei der er in fünf Gruppenspielen mit einer Fangquote von 93,2 Prozent glänzte.

Ähnliches wird von ihm auch bei den 99ers erwartet, wie Dahm selber weiß: „Mein persönliches Ziel ist es, Graz zu einem Team zu machen, gegen das es schwer ist, Tore zu erzielen.“ Ihm dabei behilflich sein, soll sein neuer Backup Thomas Höneckl, der vom VSV nach Graz gelotst wurde. 

Alter Bekannter kehrt zurück

Auch die Verteidigung der 99ers ist nicht wiederzuerkennen. Gleich sieben Defensiv-Akteure mussten ihren Platz räumen, unter anderem Matt Kelly, der beim Ligakonkurrenten in Villach anheuerte.

Seine Geschicke im Powerplay soll nun ein alter Bekannter übernehmen. Der mittlerweile 35-jährige Kevin Mitchell, der bereits für die Vienna Capitals, Olimpija Ljubljana und den VSV in der EBEL aktiv war, stößt von Mora IK aus der Allsvenskan (2. Schwedische Liga) zu den Grazern und soll vor allem offensiv die nötigen Akzente setzen.

Für die physische Komponente in der Grazer Verteidigung wurde mit dem 1,92-Meter großen Victor Panelin-Borg vorgesorgt. Der 24-jährige Schwede bringt rund 100 Kilogramm auf die Waage und soll für den nötigen Freiraum vor Dahm sorgen.

Weitere Neuzugänge in der Verteidigung sind die beiden US-Amerikaner Daniel New und Mike Marcou, sowie Martin Oraze – bereits sein drittes Gastspiel in Graz – und der junge Corin Konradsheim.

Name Alter Position Nation voriger Verein
Patrick White 26 Stürmer USA Banska Bystrica/SVK/Tryout
Mike Marcou 26 Verteidiger USA Reading Royals/ECHL/Tryout
Morten H. Poulsen 26 Stürmer Dänemark Oskarshamn/SWE2
Philip DeSimone 28 Stürmer USA HC Bozen
Stepan Novotny 24 Stürmer Tschechien Zilina/SVK/Tryout
Daniel New 26 Verteidiger USA Binghamton Senators/AHL
Sebastian Dahm 28 Torhüter Dänemark Rodovere Mighty Bull
Thomas Höneckl 25 Torhüter Österreich VSV
Corin Konradsheim 21 Verteidiger Österreich RB Salzburg
Alexander Feichtner 26 Stürmer Österreich Dornbirner EC
Dominik Frank 21 Torhüter Österreich Zell am See
Victor Panelin Borg 24 Verteidiger Schweden Sarpsborg/NOR/Tryout
Peter MacArthur 30 Stürmer USA Vienna Capitals
Kevin Mitchell 35 Verteidiger USA Mora IK/SWE2
Martin Oraze 30 Verteidiger Österreich EHC Lustenau/Tryout

Schmerzhafte Abgänge in der Offensive

Ein ähnliches Bild wie in der Verteidigung zeigt sich auch im Angriff der 99ers. Nahezu die gesamte Offensiv-Abteilung wurde aus Graz verabschiedet bzw. suchte das Weite. Besonders schmerzhaft sind die Abgänge der beiden Topscorer Manuel Ganahl (KAC) und Olivier Latendresse (Linz), sowie jener von Fanliebling und Identifikationsfigur Kevin Moderer (ebenfalls Linz).

Um sie zu ersetzen, wurde unter anderem ordentlich im ligainternen Transferteich gefischt. So konnte man sowohl Philip DeSimone vom HC Bozen als auch Peter MacArthur von den Vienna Capitals und Alexander Feichtner vom Dornbirner EC davon überzeugen, in die Murstadt zu wechseln.

Ihre Visitenkarte in Österreich erst abzugeben, haben hingegen noch die Liganeulinge Matt Fornataro, Morten H. Poulsen, Stepan Novotny und Patrick White.

Name Alter Position Nation neuer Verein
Mitch Ganzak 31 Verteidiger USA Belfast Giants/EIHL
Marek Zagrapan 28 Stürmer Slowakei Dornbirner EC
Olivier Latendresse 29 Stürmer Kanada BW Linz
Kevin Moderer 25 Stürmer Österreich BW Linz
Dany Sabourin 35 Torhüter Kanada Rouen/FRA
Manuel Ganahl 25 Stürmer Österreich KAC
Anders Bastiansen 34 Stürmer Norwegen Frisk Asker/NOR
Stefan Lassen 29 Verteidiger Dänemrk Pelicans/FIN
Matt Kelly 30 Verteidiger Kanada VSV
Miha Verlic 24 Stürmer Slowenien VSV
David Rodman 31 Stürmer Slowenien Dresdner Eislöwen/DEL2
Sabahudin Kovacevic 29 Verteidiger Slowenien HC Bozen
Kristof Reinthaler 27 Verteidiger Österreich Olimpija Ljubljana
Tyler Cuma 25 Verteidiger Österreich unbekannt
Wolf Imrich 22 Torhüter Österreich unbekannt
Jake Marto 29 Verteidiger USA unbekannt

Über starkes Kollektiv zum Erfolg

Die Graz99ers präsentieren also auch in der Spielzeit 2015/16 ein von Grund auf völlig neu formiertes Team. Ein Team von Einzelspielern, aus dem Headcoach Todd Bjorkstrand möglichst schnell eine gut funktionierende Einheit formen muss.

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Denn die Grazer, denen die ganz großen Namen und Stars in ihren Reihen fehlen, werden nur über ein gutes Kollektiv und mannschaftliche Geschlossenheit zum Erfolg kommen können. Gelingt dem US-Amerikaner dieses Kunststück und erweisen sich die Neuzugänge als Glücksgriffe, könnten die 99ers ein Wörtchen um die Top-6 und die direkte Playoff-Qualifikation mitreden. Dabei behilflich sein könnte außerdem ein schnelles Tempoeishockey, das die Grazer aufgrund ihres jungen Teams in der Lage sind aufziehen – lediglich Stephen Werner (31) und Kevin Mitchell (35) sind älter als 30.

Dennoch wahrscheinlicher, ob der Stärke der Konkurrenz, ist hingegen, dass die Grazer erneut den Umweg über die Knochenmühle Qualifikationsrunde nehmen müssen, um sich so eines der letzten beiden verbleibenden Playoff-Tickets zu schnappen.

Marc Schwarz

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