Der KAC kann den Sekt einkühlen

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Alles spricht gegen die Capitals

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3:0 oder 0:3 – unterschiedlicher könnte die Ausgangslage vor dem vierten Final-Spiel in der Erste Bank Eishockeyliga zwischen dem KAC und den Vienna Capitals nicht sein.

Die Situation ist entweder komfortabel oder aussichtslos. Es liegt rein im Auge des Betrachters.

Alles spricht gegen die Caps

Während man in Klagenfurt eigentlich schon den Sekt kaltstellen kann, glauben in Wien wohl nur mehr die standhaftesten Optimisten daran, die „best-of-seven“-Serie noch drehen zu können.

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Das kommt nicht von ungefähr. Sowohl die Statistik, als auch die Erfahrung lehren uns, dass ein Vorsprung von drei Siegen in einer Playoff-Serie nur äußerst selten noch gedreht werden kann.

Davon will man in Klagenfurt natürlich nichts wissen. „Wir haben noch gar nichts gewonnen", gibt Kapitän Thomas Koch zu Protokoll. "Auch dieses Spiel beginnt bei 0:0. Die Wiener werden noch einmal alles in die Waagschale werfen, wir müssen also wieder von Beginn an voll dagegenhalten."

Auch wenn man die Wahrscheinlichkeitsrechnung bemüht, zeigt sich eine eindeutige Tendenz. Geht man etwa davon aus, dass die Chance, ein einziges Spiel zu gewinnen für beide Mannschaften gleich hoch ist, also bei 50 Prozent liegt, so ist die Wahrscheinlichkeit für das in Rückstand liegende Team vier Spiele in Folge für sich zu entscheiden bei 1/2 x 1/2 x 1/2 x 1/2, also 1/16 oder 6,25 Prozent. Nicht gerade ein hoher Wert.

Erst drei Comebacks in der NHL

Wirft man einen Blick in die Statistiken, wird es sogar noch eindeutiger. In der NHL konnten bislang in 167 Versuchen nur drei Mannschaften einen 0:3-Rückstand noch in einen Sieg umwandeln. Das entspricht mickrigen 1,8 Prozent, deutlich weniger, als die Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Theorie verspricht.

1942 schafften es die Toronto Maple Leafs gegen die Detroit Red Wings im Stanley-Cup-Finale, 1975 drehten die New York Islanders gegen die Pittsburgh Penguins den Spieß um und 2010 vollbrachten die Philadelphia Flyers das Kunststück gegen die Boston Bruins.

Im Abstand von etwas mehr als 30 Jahren macht also eine Mannschaft in der NHL das Unmögliche möglich. Eine schier endlos lange Zeit im Sport.

Kleine Trendwende erkennbar

Doch es kommt noch düsterer für die Mannschaft, die zurückliegt. In 107 der angesprochenen 167 Fälle, also beinahe in zwei Dritteln der Begegnungen, war nach Spiel vier Schluss und von den 60 Teams, die einen sogenannten Sweep vermeiden konnten, retteten sich nur acht ins siebte Spiel.

So weit in die Zukunft blickt bei den Caps natürlich noch keiner. „Es sieht jetzt nicht besonders toll für uns aus. Aber wird denken jetzt nicht nach, wie oft wir noch gewinnen müssen, denn dann wird es noch schwerer“, weiß Coach Tommy Samuelsson.

Immerhin scheint sich in den letzten Jahren zumindest eine kleine Trendwende anzudeuten. Seit 1995 kam es in der NHL nach 44 3:0-Führungen „nur“ mehr in 55 Prozent der Paarungen zu einem Sweep.

Darüber hinaus retteten sich in den letzten beiden Saisonen zwei von zehn Mannschaften ins entscheidende siebte Spiel, wo sie allerdings das Nachsehen hatten.

Linz drehte 2010 die Serie gegen die Caps

EBEL-Geschichte als Hoffnungsgrund?

Alles in Allem sieht es also nicht gerade rosig aus für die Hauptstädter, denn selbst wenn sie am Freitag in Klagenfurt bestehen, wartet weiter eine Mammutaufgabe auf sie.

Grund zur Hoffnung könnte den Caps die jüngere österreichische Eishockey-Geschichte geben. Einerseits gab es seit der Einführung der best-of-seven“-Finalserie in der Saison 1996/1997 keinen Final-Sweep. Der letzte datiert aus dem Jahr 1993, als sich der VSV im „best-of-five“ ohne Niederlage gegen Graz durchsetzte.

Andererseits gelang es seit Bestehen der EBEL (2003/2004) in acht Versuchen immerhin einer Mannschaft noch aufzusteigen, obwohl sie bereits 0:3 in Rückstand lag, was eine deutlich bessere Quote als die der NHL bedeutet.

„Nur von Shift zu Shift denken“

Die Black Wings Linz erreichten trotz dieser unvorteilhaften Ausgangslage im Halbfinale der Saison 2009/2010 noch das Endspiel der Erste Bank Eishockey Liga.

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Caps-Stürmer Markus Schlacher, der damals für die Linzer auf dem Eis stand, erinnert sich: „Alle hatten uns schon abgeschrieben, aber wir haben uns gesagt, wir probieren noch einmal alles, um zumindest einen Sieg zu schaffen. Wir haben nur von Shift zu Shift gedacht, haben um jede Scheibe gekämpft und den Gegner verunsichert.“

Gegner der Stahlstädter waren damals übrigens ausgerechnet die Vienna Capitals. Ob dies nun ein gutes oder ein schlechtes Omen ist, liegt wie so oft im Auge des Betrachters.

 

Fabian Santner

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