"Das Wichtigste im Mannschaftssport ist das Kollektiv"

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Willi Lanz ist der Geduldsfaden gerissen.

Die 23-jährige Verteidiger-Hoffnung wechselte im Sommer aus der Nationalliga, genauer gesagt von der VEU Feldkirch, in die EBEL zu den Vienna Capitals.

Der gebürtige Salzburger, der vor seinem Engagement in Vorarlberg bereits eine Saison mit den Bullen in der höchsten Spielklasse absolviert hatte, erhoffte sich von seinem Wechsel in die Hauptstadt den nächsten Schritt in seiner Karriere.

Doch es kam anders. Lanz bekam in der ersten Mannschaft der Wiener kaum Einsatzzeiten und wurde meist zu den Silver Caps abgeschoben. Nach vier-monatigem Pendeln zwischen erster und zweiter Mannschaft zog er die Reißleine und bat die Führungsriege der Capitals um die Auflösung seines Vertrags. Diese kamen dem Wunsch nach und ließen den Abwehrrecken in Absprache mit Trainer Tommy Samuelsson ziehen.

Nun steht Lanz vor einer Rückkehr zur VEU Feldkirch, unterschrieben ist nach eigenen Angaben aber noch nichts.

LAOLA1 hat den 1,89-Meter-Mann kontaktiert, um mit ihm über den Grund seiner Vertragsauflösung, das Tief der Capitals und die Probleme der jungen Österreicher in der EBEL zu sprechen.

LAOLA1: Willi, warum hast du deinen Vertrag in Wien aufgelöst?

Wilhelm Lanz: Ich hatte einfach zu wenig Eiszeit und war mit dieser Situation nicht glücklich. Für die Zukunft hätte das keinen Sinn mehr gemacht.

LAOLA1: Hat Samuelsson im Vorfeld mit dir gesprochen und eventuell einen Wechsel nahegelegt?

Lanz: Ich habe natürlich mit dem Trainer Gespräche geführt und er sagte mir, er könne mir keine Eiszeit garantieren. Somit habe ich meine Schlüsse gezogen und entschieden, mein Glück woanders zu suchen.

LAOLA1: Woran hat es deiner Meinung nach gelegen, dass du dich nicht durchsetzen konntest?

Lanz: Es ist schwer zu sagen. Ich habe eigentlich nie die Chance erhalten, mich zu zeigen und zu beweisen, was ich zu leisten im Stande bin. Dass die Saison alles andere als nach Wunsch verläuft, hat es für den Trainer auch nicht leichter gemacht, auf junge Spieler zu setzen. Ich hätte gerne gezeigt, was ich kann, aber nachdem ich vier Monate auf meine Chance gewartet und nicht bekommen habe, muss ich leider sagen, dass mir am Ende der Geduldsfaden gerissen ist. Es hat immer geheißen, dass junge Spieler in Wien keine Chance haben und ich dachte, das würde sich ändern, aber da dürfte ich mich geirrt haben.

LAOLA1: Könnte es daran liegen, dass man so hohe Erwartungen hat, wodurch man auf unerfahrene Spieler nicht bauen will?

Lanz: Das Hauptproblem ist, dass man den jungen Spielern in Wien nicht vertraut. Ich könnte genügend Beispiele aufzählen, in welchen sich junge Cracks durchgesetzt haben, nachdem man ihnen auch die nötige Eiszeit zugestanden hat. In diesem Sport braucht man Selbstvertrauen und wenn man dieses nicht hat, kann man die geforderte Leistung nicht bringen. Wenn man die Möglichkeit nicht bekommt, kann man in drei, vier Wechseln nicht zeigen, was man drauf hat. Ich glaube, es gibt in der EBEL einige Ausländer, die leicht durch junge Österreicher ersetzt werden könnten.

LAOLA1: Bist du sauer auf die Capitals, dass man dich geholt und dir dann kaum Eiszeit gegeben hat?

Lanz: Sauer ist das falsche Wort. Natürlich bin ich enttäuscht, aber sie werden ihre Gründe haben und ich bin kein nachtragender Mensch. Es ist schade, dass ich mich nie beweisen konnte, denn ich bin mit höheren Ambitionen nach Wien gekommen. Natürlich bin ich traurig, dass ich gehen muss, aber ich bin nicht sauer auf die Caps.

LAOLA1: Bereust du den Wechsel nach Wien im Nachhinein?

Lanz: Nein, nicht wirklich. Ich habe super Charaktere kennengelernt und habe sehr viel Lebenserfahrung dazugewonnen. Dass es sportlich nicht funktioniert hat, ist schade, aber ich bereue den Schritt nicht.

LAOLA1: Bei den Capitals läuft es in dieser Saison einfach nicht. Wo glaubst du, liegt der Hund begraben?

Lanz: Diverse Spieler im Kader sind mehr auf ihr eigenes Wohl bedacht, als auf das der Mannschaft. Das Wichtigste im Mannschaftssport ist, dass man sich auf das Kollektiv besinnt und nicht auf den eigenen Vorteil aus ist. Es fehlt ein bisschen das kollegiale und wenn es dann nicht läuft wird’s schwierig. Aber die Geschichten, dass die Mannschaft gegen den Trainer spielt, sind alle Blödsinn. Das stimmt überhaupt nicht.

LAOLA1: Heißt das, der Trainer ist bei den Spielern akzeptiert und macht seine Arbeit richtig?

Lanz: Ich kann nur sagen, Tommy Samuelsson ist der beste Trainer, den ich jemals hatte, auch wenn er mich nicht spielen ließ.

LAOLA1: Sprichst du mit deiner Kritik vor allem die Legionäre an?

Lanz: Die Spieler, die schon länger beim Verein sind wie Francois Fortier, Bennoit Gratton oder Dan Björnlie sind sehr stark. Ich denke, dass man heuer mit der Transferpolitik ein etwas unglückliches Händchen hatte. Ich will keine Namen nennen, aber es ist nun mal so, dass gewisse Leute da sind und nur ihr Business runterreißen.

LAOLA1: Es gibt Gerüchte, du hättest wieder bei der VEU unterschrieben.

Lanz: Das stimmt nicht. Ich habe meinen Vertrag erst am Montag mit den Caps aufgelöst und ich unterschreibe bei keinem anderen Verein, bevor die Angelegenheit in Wien nicht bereinigt ist. Es deutet zwar einiges auf ein Engagement in Feldkirch hin, aber ich habe auch noch andere Optionen.

LAOLA1: Mit Rodi Short ist ein weiterer Verteidiger nach einem kurzen Gastspiel bei den Graz99ers auch zur VEU zurückgekehrt. Ist der Schritt von der Nationalliga in die EBEL tatsächlich so schwer zu bewältigen?

Lanz: Der Schritt ist riesig, aber ich habe in Salzburg schon eine Saison in der Bundesliga gespielt und ich weiß, dass ich auf diesem Niveau bestehen kann. Das ist das Bittere. Ich weiß, dass ich es kann, aber ich bekomme nicht die Chance, es zu beweisen. Bei Rodi ist das nochmal etwas anderes, da es als Ausländer schwer ist, in der EBEL zu bestehen. Du bist darauf angewiesen zu punkten und wenn dir das nicht gelingt, hast du von Beginn an einen schweren Stand. Er ist ein guter Spieler, auch noch jung, und er hat nicht die Powerplay-Eiszeit bekommen, um seine offensiven Stärken auszuspielen. Dann war er noch verletzt. Ich hatte mit ihm regelmäßig Kontakt und er wurde dann auch immer unsicherer. Er hat Angst bekommen, dass sie ihn rausschmeißen und so hat das eine zum anderen geführt.

Lanz machte erste Erfahrungen in der EBEL bei Salzburg

LAOLA1: Wie schwer ist es als junger Österreicher in der EBEL zu bestehen?

Lanz: Solang du null Punkte wert bist, bekommst du immer wieder Chancen und kurze Eiszeiten, aber du wirst nie Verantwortung übernehmen können. Du wirst nie Powerplay spielen und schon gar nicht Unterzahl. Wenn du diese Dinge nicht lernst, wirst du dich nie zu einem Leistungsträger entwickeln können. Wenn du immer nur ein Rollenspieler bist, ist der Schritt zu groß und das wird sich kurz oder lang auch auf das Nationalteam auswirken. Das merkt man auch jetzt schon, da wir nur noch in der B statt in der A-Gruppe sind und ich befürchte, dass sich dies in den nächsten zehn Jahren noch verschlechtern wird.

LAOLA1: Was wäre für dich als junger Österreicher ein Lösungsansatz? Was muss passieren, dass die Talente wieder mehr in den Fokus geraten?

Lanz: Es gehört ein radikaler Schnitt gemacht und ein Neuanfang eingeleitet, wie es schon einmal der Fall war. Es muss eine Legionärsbeschränkung her. Es ist viel besser wir haben fünf bis sieben super Legionäre als 13 bis 15 Quotenlegionäre. Für mich als junger ist es auch besser, wenn ich von einem Topspieler lernen kann, als wenn mir ein Quotenlegionär meinen Platz wegnimmt.

LAOLA1: Wie siehst du deine Zukunft nach dieser Saison. Würdest du gerne wieder in die EBEL zurückkehren?

Lanz: Das ist schwierig, denn ich habe jetzt schon zwei Jahre nicht mehr in der ersten Liga gespielt. Daher wird sich kein Verein mehr für mich interessieren, denn wenn ich nicht spiele, würde ich mich selbst auch nicht kaufen. Ich würde gern weiter Eishockey spielen, aber es wird keine leichte Zeit.

 

Das Interview führte Sebastian Rauch

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