"Ich coache noch kräftig mit"

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Viveiros: "Priorität hat stets der Erfolg!"

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Manch eingefleischter KAC-Anhänger reibt sich wohl die Augen beim Blick auf die Spielerbank. Noch immer.

Knapp fünf Jahre gehörte jene zum festen Revier Manny Viveiros‘. Sein unverwechselbares Auftreten und nicht zuletzt der Erfolg ließen ihn zum Sympathieträger avancieren. Doch am 13. Februar endete eine Ära.

Die Rückversetzung des Austro-Kanadiers in das zweite Glied – sofern man den Sportdirektor-Posten als solches bezeichnen kann - hinterließ einen fahlen Beigeschmack. Es glich einer Demontage.

Wer nun glaubt, das „Klagenfurter-Denkmal“ würde mit seinem Herzensklub brechen, der irrt. „Erste Priorität hat stets der Erfolg des Teams. Der Vorstand dachte in diesem Moment, ein Trainerwechsel sei besser. Ich respektiere das“, betont der 46-Jährige gegenüber LAOLA1. Ohne böses Blut.

Nachdem Meister Salzburg sensationell eliminiert wurde, wartet auf die „Rotjacken“ nun Medvescak Zagreb. Vor Start der Halbfinal-Serie (19:15 Uhr im LIVE-Ticker/ServusTV zeigt die Konferenz) meldet sich Viveiros im Interview zu Wort: Warum Nachfolger Christian Weber der Richtige ist, wie er weiter mitcoacht und was ihm ganz besonders fehlt.

LAOLA1: Der KAC ist unter den Top-Vier der EBEL: Wie schwer fällt es ihnen, sich mitzufreuen?

Manny Viveiros: Gar nicht! Ich bin froh über den Erfolg. Ein halbes Jahr verbrachte ich fast jeden Tag mit der Gruppe. Es ist noch meine Mannschaft, ich baute sie auf. Die Entwicklung der Jungen erlebte ich hautnah mit, wie jene der erfahrenen Spieler. Ich freue mich sehr, dass wir eine Chance haben, in das Finale zu kommen.

LAOLA1: Etwas überraschend revanchierte sich der KAC in sechs Spielen bei den „Bullen“ für die Endspiel-Pleite des Vorjahres. Warum klappte es diesmal?

Viveiros: Beide Teams hatten mit Verletzungen zu kämpfen, Sperren kamen noch hinzu. Wir haben in der Serie sehr konstant gespielt – und vor allem weniger Strafen genommen. Salzburg war einfach zu undiszipliniert. Es fehlte auch die Qualität der vergangenen Jahre. Unsere Mannschaft hat besonders nach den Ausfällen sehr diszipliniert agiert. Für uns gehört das mittlerweile zur Gewohnheit. Schon in der Regular Season hatten wir ein großes Lazarett, somit wussten wir, was zu tun war.

LAOLA1: Wie beurteilen Sie die Arbeit ihres Nachfolgers? Ist Webers Handschrift zu erkennen?

Viveiros: Christian, Assistant Coach Gerald Ressmann sowie Tormann-Trainer Pierre Beaulieu machen einen guten Job. Die Mannschaft spielt seit einigen Jahren zusammen, da verändert man den Spielstil nicht innerhalb weniger Wochen. Er hat den Job bekommen und macht ihn wirklich gut. Für mich war das okay. Ich sagte stets, es sind gute Leute am Werk und das Team kann Salzburg besiegen.

LAOLA1: Wie schwer fällt es ihnen, Begegnungen von der Tribüne aus zu verfolgen?

Viveiros: Natürlich ist das eine andere Situation. Lange Zeit stand ich hinter der Bande, jetzt sitze ich auf den Zuschauer-Rängen. Allerdings coache ich von oben kräftig mit (lacht). Ich will die Mannschaft weiterhin siegen sehen.

LAOLA1: Vermissen Sie das tägliche Business auf dem Eis?

Viveiros: Absolut! Viele Leute wissen nicht, was es heißt, Head Coach zu sein. Wir arbeiten jeden Tag im Betreuerstab zusammen. Vor dem Training, nach dem Training. Vor dem Spiel, nach dem Spiel. Ich vermisse das zu hundert Prozent. Dennoch bin ich voll dabei, versuche allen, soweit es möglich ist, zu helfen.

LAOLA1: Zwölf Jahre sind Sie bereits in der Klagenfurter Eishockey-Familie, genießen hohes Ansehen. Trotz vermeintlichem 7:3-Befreiungsschlag über Ljubljana kurz vor Ende der Platzierungsrunde zogen die Verantwortlichen Konsequenzen. Wie tief sitzt der Frust mit etwas Abstand?

Viveiros: Der Vorstand dachte in diesem Moment, es sei besser für die Mannschaft. Ich muss es auch respektieren. So viele Jahre arbeite ich beim KAC, als Spieler, Coach oder Sportdirektor, doch Priorität hat stets der Erfolg. Es war keine einfache Entscheidung für Vize-Präsident Hellmuth Reichel, doch es gehört zum Sport dazu. Nummer eins für mich wird immer das Wohl des Teams sein.

LAOLA1: Sie sprechen von Respekt: Hätten Sie sich aufgrund ihrer Verdienste einen anderen Umgang erhofft?

Viveiros: Von der Presse wurde viel über meinen Abschied spekuliert, doch es ist manchmal nicht die Wahrheit. Intern wurde über alles diskutiert. Doch was, bleibt intern. Ich möchte damit erst nicht an die Öffentlichkeit gehen, das bringt nichts. Wir konnten und können offen diskutieren. Mein Respekt gegenüber Herrn Reichel und der mir entgegengebrachte war in Ordnung. Wir verfolgen mit Integrität den eingeschlagenen Weg.

LAOLA1: Ist das Verhältnis zu Coach Weber getrübt?

Viveiros: Gar nicht! So etwas passiert in diesem Geschäft. Christian hat das vollste Vertrauen, von mir und dem Verein. Er arbeitet gut mit der Mannschaft, somit habe ich kein Problem damit.

LAOLA1: Wollten Sie dem KAC unbedingt als Sportdirektor erhalten bleiben oder hatten Sie wegen des laufenden Kontrakts gar keine andere Wahl?

Viveiros: Ich freue mich, diese Position inne zu haben. Beim KAC gibt es in Zukunft noch viele Sachen zu verbessern, auch im österreichischen Eishockey. Nun habe ich mehr Zeit, mich auf meine Aufgabe als Teamchef zu konzentrieren. In den Diskussionen, was beim Verein geschieht, bin ich immer dabei. Ich bin keinesfalls im Hintergrund, wahrscheinlich habe ich sogar etwas mehr zu sagen. Wir sind sehr gut aufgestellt, ziehen alle an einem Strang.

LAOLA1: Welche Aufgaben umfasst ihr neuer Tätigkeits-Bereich?

Viveiros: In der Vergangenheit erzielten wir bezüglich Nachwuchs eine richtige Verbesserung, das ist weiterhin unser Ziel. Nicht nur der KAC, sondern Eishockey-Österreich muss sich überlegen, wie mehr Masse an qualitativ besseren Spielern zu produzieren ist. Wir verlieren Talente, müssen diese zurück zum Eishockey bringen.

LAOLA1: Talent ist ein gutes Stichwort: Einige aufstrebende Jungspunde konnten zuletzt überzeugen.

Viveiros: Ich bin richtig zufrieden. Meine Erwartung ist immer, ihnen eine Chance zu geben, nur muss die Entwicklung dann fortschreiten. Wir hatten viele Verletzte im Saison-Verlauf, somit ergab sich für sie eine Einsatz-Möglichkeit. Mit Schwankungen ist natürlich zu rechnen, aber eigentlich verläuft das durchwegs positiv. Das Niveau während der Serie gegen Salzburg war sehr gut, die Emotion hoch und trotzdem durften viele Österreicher auflaufen. Für die Zuschauer ist das auch attraktiver.

LAOLA1: Thomas Hundertpfund vermochte zuletzt als Verteidiger zu glänzen. Dachten sie, er wäre dazu im Stande?

Viveiros: Für mich war das keine Überraschung! Wenn wir Sorgen in der Defense hatten, lief er schon als Verteidiger auf. Er ist ein junger Star der Liga, ein wirklich kompletter Spieler. „Hundi“ ist vielseitig einsetzbar, einzig im Tor stand er noch nicht. Für uns ist es ein Vorteil, denn er kann auf nahezu jeder Position effektiv sein. Gegen Salzburg war er fast dominant.

LAOLA1: Könnte dies, wie etwa bei Salzburg-Kapitän Matthias Trattnig, zur Dauerlösung werden?

Viveiros: Die Zukunft wird die Antwort bringen, das ist schwer zu sagen. Spielt er derart gut auf einer Position, wäre das natürlich eine Option. Auf der anderen Seite ist er vorne aktiv. Was er offensiv mit der Scheibe macht, ist ein Wahnsinn. Kleinigkeiten fehlen ihm noch. Doch dieser junge Mann hat das Potenzial, für viele Jahre ein Star zu sein.

LAOLA1: Im Halbfinale wartet Zagreb. Die „Bären“ werden dem KAC wohl erneut alles abverlangen.

Viveiros: In der Liga gibt es keinen leichten Gegner. Natürlich hatten wir intern einen Wunschgegner, jedoch wollen wir nicht für unnötige Brisanz sorgen. Kein Öl in das Feuer gießen. Wir müssen sowieso jede Mannschaft besiegen. Wir treten Zagreb mit Respekt gegenüber, haben allerdings sehr wohl das Vertrauen in unsere Qualitäten, um klar zu sagen: Wir können das gewinnen.

Das Gespräch führten Christoph Köckeis und Sebastian Rauch

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