"Gled macht die Sache natürlich leichter"

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In der Qualifikationsrunde ist dieser Tage jedes Spiel ein Endspiel.

Die Mannschaften kämpfen um jeden Punkt, um sich die zwei zu vergebenden Playoff-Plätze zu sichern. Ebenfalls noch im Rennen sind die Graz99ers. Die Steirer treffen am Sonntag auf die Vienna Capitals und müssen nach drei Niederlagen en suite endlich anschreiben, um nicht vorzeitig den Urlaub antreten zu müssen.

>>>Alle Spiele am Sonntag ab 17:30 Uhr im LAOLA1-Live-Ticker<<<

LAOLA1 hat sich mit Trainer Mario Richer über das Spiel gegen die Wiener, den Druck im Trainergeschäft und Manny Viveiros unterhalten. Außerdem nimmt er zu einer möglichen Vertragsauflösung bei Verpassen der Playoffs und zum kleinen Budget der Grazer Stellung.

LAOLA1: Die 99ers haben die letzten drei Spiele verloren, zwei davon gegen Schlusslicht Jesenice. Wie ist die Stimmung nach diesen Niederlagen?

Mario Richer: Natürlich ist das nicht das, was wir erwartet haben, als wir in die Qualifikationsrunde  gestartet sind. Aber das ist die Situation und wir müssen uns auf die letzten beiden Spiele konzentrieren.

LAOLA1: Was war der Grund für die letzten Niederlagen, vor allem jene in Jesenice am vergangenen Sonntag?

Richer: Wir haben den Anfang eindeutig verschlafen, aber am Ende hatten wir 55 Schüsse aufs Tor abgefeuert und die Slowenen nur 17. Ich denke, wir hatten unsere Chancen, aber wir konnten einfach nicht mehr als drei Tore erzielen.

LAOLA1: Lässt sich an der mangelnden Effektivität etwas ändern? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit das abzustellen oder fehlt einfach das nötige Glück?

Richer: In erster Linie müssen wir zusehen von der ersten Minute an hellwach zu sein und den anfänglichen Ansturm des Gegners verhindern. Dann können wir trotz mangelnder Chancenauswertung das Spiel bis zum Ende ausgeglichen gestalten. Das ist sehr wichtig.

LAOLA1: Wie bereits erwähnt, wurden sie von Jesenice zu Beginn überrascht. Wie kann das in so einem wichtigen Spiel passieren?

Richer: Eigentlich haben wir uns perfekt darauf vorbereitet und alles dafür getan, um bereit zu sein. Aber Jesenice hat mit jeder Chance im ersten Drittel ein Tor gemacht, da ist es schwer dagegenzuhalten. (Jesenice erzielte im ersten Abschnitt drei Tore aus sechs Versuchen, Anm.)

LAOLA1: Was haben Sie über die Woche gemacht, um ihre Mannschaft aufzurichten und wieder Selbstvertrauen einzuimpfen?

Richer: Wir wissen, dass wir die nächsten zwei Spiele gewinnen müssen und der Fokus liegt ganz klar auf dem Spiel gegen die Vienna Capitals. Daran haben wir gearbeitet, damit auch jedem bewusst wird, um was es am Sonntag geht. Es ist ein Spiel, das gewonnen werden muss.

LAOLA1: Was erwarten Sie sich vom Heimspiel gegen die Capitals. Wie wird ihr Gameplan aussehen?

Richer: Die Wiener sind ein starkes Team und arbeiten gut im Eins-gegen-Eins. Wir müssen die Zweikämpfe gewinnen und diszipliniert auftreten. Es wird ein sehr hartes und intensives Spiel und beide Teams werden ans Limit gehen. Keiner darf am Sonntag verlieren. Wir werden nach vorne spielen, denn wir laufen auf, um zu gewinnen. Wir werden nicht abwarten, denn unsere Stärke liegt im Forecheck und wir werden sie 60 Minuten lang unter Druck setzen.

LAOLA1: Von wem erwarten Sie, dass er in einem solchen Spiel Verantwortung übernimmt? Wer sind ihre Leader im Team?

Richer: Natürlich der Kapitän Cole Jarrett und seine Assistenten sowie die Topscorer Zdenek Blatny und Brett Lysak müssen vorneweg gehen. Sie übernehmen auch in den Trainingseinheiten die Führung der Mannschaft und stellen sicher, dass alle auf sie hören und ihren Anweisungen folgen.

LAOLA1: Warum wird Graz die Qualifikation für die Playoffs schaffen?

Richer: Aufgrund der Intensität, mit welcher wir die Spiele bestreiten.

LAOLA1: Machen Sie sich Gedanken darüber, was passieren wird, wenn die 99ers die Postseason verpassen? Ziehen Sie dann eventuell die Konsequenz und schmeißen den Job hin?

Richer: Nein, diese Frage wurde mir während der Saison schon von vielen Journalisten gestellt und langsam reicht es mir. Ich werde den Job nicht aufgeben. Ich arbeite jeden Tag hart und gebe alles, um das Team auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten.

LAOLA1: Es ist ihre erste Saison in der EBEL als Head Coach. Ist es so, wie Sie es sich erwarten? Können Sie ein kurzes Resümee geben?

Richer: Es ist kein leichter Job, denn du musst 25 Spieler managen. Das ist eine anstrengende Arbeit und jeder einzelne ist ein schwieriger Tag. Jeder will gewinnen und der Druck ist sehr groß. Nehmen wir das Beispiel von Manny Viveiros. Der Mann hat im letzten Jahr mit dem KAC im siebten Spiel des Finales in der Overtime verloren und könnte nun seinen Job verlieren. Es mag schon sein, dass die Klagenfurter derzeit nicht dort stehen, wo sie sollten, aber sie sind immerhin in den Playoffs. Jeder weiß, dass in der Postseason alles passieren kann. Er ist Trainer der Nationalmannschaft und die Leute setzen ihn unnötig unter Druck, indem sie ihm androhen, ihn zu feuern.

LAOLA1: Ist der Druck sehr belastend für Sie?

Richer: Es ist ein Teil des Jobs und wenn du dem Druck nicht standhalten kannst oder ihn nicht willst, dann darfst du dieser Arbeit nicht nachgehen.

LAOLA1: Bereuen Sie vielleicht, nach zwei Jahren als Assistant Coach in Österreich bereits Cheftrainer geworden zu sein?

Richer: Nein, es geht in diesem Berufsfeld vor allem um Erfahrung und ich habe noch ein weiteres Jahr, in welchem ich solche als Head Coach sammeln kann. Ich mache den Job sehr gerne.

LAOAL1: Es ist bekannt, dass Graz nicht das höchste Budget hat. Erschwert das ihre Arbeit?

Richer: Es macht die Sache natürlich nicht leichter. Allerdings wusste ich im Vorfeld, dass ich als Graz-Trainer nicht die finanziellen Möglichkeiten habe, wie zum Beispiel in Wien, Klagenfurt, Villach oder Salzburg. 

LAOLA1: Sind Sie manchmal neidisch, wenn Sie hören, welche Spieler andere Teams verpflichten können?

Richer: Nein, ich bin nicht neidisch. Ich kenne die andere Seite natürlich auch, denn ich war zuvor in Salzburg und weiß, was die Spieler dort verdienen. Dennoch sind wir in derselben Liga und müssen gegen diese Mannschaften bestehen. Es ist wie mit Fernsehsendern. Wenn du einen kleinen Sender hast, musst du alles versuchen, um gegen die großen Sendeanstalten zu bestehen.

LAOLA1: Wie ist das Feedback in Graz ihre Arbeit betreffend?

Richer: Die Leute im Verein wollen natürlich, dass wir gewinnen und uns für die Playoffs qualifizieren. Aber so ein Klub ist ein Teamkonzept, bei dem alle an einem Strang ziehen müssen. Es wird oft über den Trainer gesprochen, aber auch die Assistant-Trainer, der General Manager und alle anderen um die Mannschaft sind von immenser Wichtigkeit. Wie es aussieht wird am Ende ein Punkt darüber entscheiden, ob wir ins Playoff kommen oder nicht. Wir sind noch im Rennen und es wird ganz eng.

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Das Interview führte Sebastian Rauch

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