"Das ist Eishockey!"

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Mario Richer coacht das Team der Stunde

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Die Graz99ers schwimmen derzeit auf einer Erfolgswelle.

Von den letzten zwölf Spielen konnten die Murstädter nicht weniger als zehn für sich entscheiden und befinden sich derzeit mit 40 Punkten auf Rang drei der Tabelle der Erste Bank Eishockey Liga.

Kämpfen bis zum Umfallen

Vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft von Coach Mario Richer ihre Spiele bestreitet, ist bemerkenswert.

Es wird um jeden Zentimeter auf dem Eis gekämpft, was natürlich auch die eine oder andere Strafe nach sich zieht. Ein Blick auf die Liste der „Bad Boys“ der Liga kann das bestätigen. Sechs der Top Sieben in dieser Kategorie kommen von den 99ers.

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„Wenn man im Leben hart arbeitet, bekommt man dafür auch etwas zurück.“ Dieses Motto ihres Coachs scheinen die Cracks verinnerlicht zu haben. Der Kanadier ist überzeugt davon, dass man belohnt wird, wenn man „bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen“.

Im Interview mit LAOLA1 spricht der 47-Jährige über den bisherigen Saisonverlauf, den Schlüssel zum Grazer Erfolg und seine komplizierte „Beziehung“ zu den Schiedsrichtern.

LAOLA1: Wie erklären Sie sich den momentanen Höhenflug ihrer Mannschaft?

Richer: Wir hatten eine super Vorbereitung. Wir haben viel abseits des Eises trainiert, ich denke die Spieler sind körperlich topfit, achten auf sich selbst und zeigen viel Engagement. Verglichen mit letztem Jahr hat die Mannschaft einfach einen besseren Charakter. Außerdem verfügen wir über mehr Cracks, die Tore schießen können, als vergangene Saison

Richer hat nicht gerade das beste Verhältnis zu den Referees

LAOLA1: Reden wir also wieder über Graz. Martin Oraze wurde abgemeldet. Wird er den Verein verlassen?

Richer: Noch ist nichts beschlossen, wir werden nichts überstürzen, vielleicht gibt es in den nächsten Tagen was Neues. Momentan steht er nur nicht im Lineup.

LAOLA1: Besteht die Möglichkeit, dass er in Graz bleibt?

Richer: Die Chance ist nicht groß, aber sie besteht.

LAOLA1: Es gibt Gerüchte, dass Graz sich nach einem Verteidiger umsieht.

Richer: Das ist ein nettes Gerücht. (lacht) Wir sehen uns natürlich um und halten uns alle Optionen offen, um für jede Situation gewappnet zu sein. Falls Martin Oraze den Verein verlässt, werden wir auf jeden Fall noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden.

LAOLA1: Graz gilt als harte Mannschaft. Ist es ihr Stil, hart spielen zu lassen?

Richer: Nun ja, das hängt mit unserem System zusammen. Wir spielen sehr intensives Forechecking. Da muss man hart auftreten. So ist nun mal das Spiel. Das ist Eishockey. Dieses Jahr sind wir dafür mit vielen Strafminuten bedacht worden, aber darüber kann ich nicht mehr sagen. (lacht)

LAOLA1: Kann es damit zusammenhängen, dass die Schiedsrichter bei Graz ganz genau hinschauen, weil sie wissen, dass die 99ers hart spielen.

Richer: Kein Kommentar. Ich darf nichts über die Schiedsrichter sagen, sonst werde ich wieder gesperrt.

LAOLA1: Graz tritt sehr effizient auf, trifft oft genau im richtigen Moment das Tor. Kann man so etwas trainieren, oder ist das pures Glück?

Richer: Wenn man im Leben hart arbeitet, bekommt man dafür auch etwas zurück. Ich denke, meine Mannschaft arbeitet sehr hart und bereit ist, den Preis für den Erfolg zu bezahlen. Dann kreiert man auch etwas. Das ist es, was wir in jedem Spiel machen. Wir erspielen uns Chancen und nützen sie dann auch. Wenn man nichts versucht, dann erreicht man auch nichts.

LAOLA1: Ist es nur Zufall, dass das Team ausgerechnet nach dem Abgang von Thomas Vanek so stark spielt?

Richer: Ja. Unsere starke Phase hat nichts damit zu tun, dass Thomas Vanek nicht mehr bei uns ist.

LAOLA1: Graz hatte viele Zu- und Abgänge im Sommer, warum hat sich die Mannschaft so schnell gefunden?

Richer: Wie schon gesagt, verlief unsere Preseason ausgezeichnet. Wir hatten wie jede Mannschaft ein sechswöchiges Trainings-Camp, da hat man Zeit, die Spieler kennenzulernen und das System zu etablieren. Natürlich setzt es voraus, dass die Cracks schnell lernen und dass man als Coach schon bei der Mannschaftszusammenstellung die richtigen Spieler auswählt.

LAOLA1: Auch andere Mannschaften hatten diese Anlaufzeit, scheinen aber nicht so gut zu funktionieren wie Graz. Sie müssen also etwas richtig gemacht haben.

Richer: Ja das habe ich, und das weiß ich auch. (lacht). Es ist so, jede Mannschaft außer Linz musste neue Spieler integrieren, bei manchen funktioniert das schneller als bei anderen, aber eigentlich möchte ich nicht über andere Teams sprechen.

Wenn Richer redet, hören die Cracks zu

LAOLA1: Sie sind selbst sehr emotional, wurden diese Saison auch einmal gesperrt. Versuche Sie diese Emotionen an die Spieler weiterzugeben?

Richer: Nein. Ich schreie meine Spieler nicht um des Schreiens Willen an. Motivation muss von den Cracks selber kommen, sie müssen motiviert sein, zu spielen. Der Job des Coachs ist es lediglich, sie aufzuwecken. Ich muss sichergehen, dass meine Spieler bereit sind.

LAOLA1: Am Freitag geht es gegen Linz, das zur Zeit nicht in Hochform agiert. Was erwarten sie sich?

Richer: Linz ist immer noch der regierende Meister. Sie verfügen über einen starken Angriff, vernachlässigen dabei die Defensive aber nicht. Sie sind insgesamt ein gutes Team. Dass sie jetzt ein paar Spiele verloren haben, sagt gar nichts aus. Jede Mannschaft hat gute und schlechte Phasen, wir müssen auf jeden Fall bereit sein. Das letzte Spiel gegen die Black Wings haben wir 2:5 verloren. Dazu haben sie Heimvorteil, es ist für jede Mannschaft schwer, in Linz zu bestehen. Andererseits ist es für beide Teams immer interessanter, in einer ausverkauften Halle zu spielen. Vielleicht waren wir darum in dieser Saison auswärts besser als zu Hause.

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LAOLA1: Es sind 31 Runden absolviert. Was sagen Sie zur Liga bislang?

Richer: Die Liga ist sehr ausgeglichen. Jede Mannschaft will ins Playoff kommen. Man sieht es auch daran, dass so viele NHL-Spieler geholt wurden. Alle Teams versuchen jeden Vorteil, der sich bietet, auszunutzen. Aber es sind immer noch 13 Spiele zu absolvieren, da kann sich sehr viel ändern.

LAOLA1: Überrascht es Sie, dass es so knapp zugeht?

Richer: Nein. Der Stärkeunterschied zwischen den Mannschaften ist nicht groß. Es ist jedes Mal von neuem wieder schwer, als Sieger vom Eis zu gehen. Man sieht das in jedem einzelnen Spiel. Es geht oft sehr knapp her, viele Spiele werden nur mit einem oder zwei Toren Unterschied entschieden. Die EBEL ist eine gute Liga.

LAOLA1: Was ist diese Saison möglich? Spielt Graz um den Titel mit?

Richer: Wir denken nicht an den Titel. Wir wollen in die Playoffs kommen. Danach ist alles möglich. Aber bevor wir nicht sicher unter den Top Sechs sind, mache ich mir darüber keine Gedanken.

Das Gespräch führte Fabian Santner

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