"An diesem Spiel beteilige ich mich nicht!"

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Reinhard Divis erlebte nicht das glücklichste Jahr seiner Karriere.

Der Inbegriff eines Titelhamsters – er darf sich neunfacher österreichischer Meister und gar schwedischer Champion nennen – wurde zuletzt arg gebeutelt.

Zu körperlichen Unwägbarkeiten gesellte sich die unsägliche Krise der Vienna Capitals. Ein Krankenhaus-Aufenthalt erzwang schließlich das verfrühte Saisonende - bezeichnend.

Kurzum: Die Erinnerungen an das Gastspiel in der Heimatstadt sollte er verdrängen. Wo und ob das sportlich geschehen wird, weiß der 37-Jährige allerdings nicht.

Noch wartet Divis auf die richtige Offerte. Warum er dabei nicht zum prominenten Repressor für Gehaltsverhandlungen werden will und er kein „arrogantes Arschloch“ ist, beantwortet der einstige NHL-Torhüter im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Reinhard, wie gestaltet sich die Suche nach einem neuen Arbeitgeber?

Reinhard Divis: Ich habe noch nirgends unterschrieben. Es gab zwar konkrete Angebote, allerdings war nicht das richtige dabei. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Mich ärgert es maßlos, wenn mein Name mit irgendwelchen Vereinen in Verbindung gebracht wird. Wie zum Beispiel in Villach.

LAOLA1: „Radio Kärnten“ präsentierte dich Mitte April bereits als VSV-Neuzugang. Woran scheiterte der Deal?

Divis: Es wurde in allen Medien bekanntgegeben, dass ich künftig dort spiele. Der Klub hat es später dementiert, trotzdem kann das Gerücht nur von Villach kommen. Mit mir hat keiner geredet. Sie benutzten meinen Namen, um einen anderen Torhüter bei den Forderungen zu drücken. Dafür habe ich kein Verständnis. So etwas gibt es in Österreich leider immer wieder. Darum wird man von mir nie hören, mit wem ich in Kontakt stehe. An diesem Spiel beteilige ich mich nicht.

LAOLA1: Was sieht deine Zukunftsplanung nun vor? Eine weitere Saison oder doch das Karriereende?

Divis: Das Richtige muss kommen. Wenn nicht, werde ich nicht weitermachen. Derzeit bin ich voll im Training und topfit. Tut sich eine Möglichkeit auf, für die ich mich begeistern, wo ich etwas bewegen kann, würde ich das sehr gerne annehmen.

LAOLA1: Gibt es diesbezüglich konkrete Vorstellungen?

Divis: Ich kann mir sowohl Ausland als auch Österreich vorstellen. Wenn du in diesem Beruf tätig bist, solltest du auf alle Seiten offen sein. Das Gesamtkonzept muss einfach passen. Ob es eine Mannschaft ist, mit der man gewinnen kann, ein Klub, bei dem man etwas für die Zukunft aufbauen kann, oder wie es damals in Färjestad (Anm.: 2008/09 – Meister) war. Dort wollten sie einen jungen Torwart bei seiner Weiterentwicklung unterstützen. Diese Aufgabe hat mich ebenfalls gereizt. Sooft hörte ich, Divis ist zu teuer. Jene, die das behaupten, haben keine Angebote gemacht. Außerdem stelle ich nie Gehaltsforderungen. Ich lasse mir eine Offerte unterbreiten. Und wenn ich der Meinung bin, das ist ein faires Angebot, werde ich es annehmen. Ich spielte nie dort, wo ich am meisten verdiene. Es muss für mich interessant sein, eine Herausforderung darstellen.

LAOLA1: Du bist ein Titel-Garant. Ist für dich die Erfolgsaussicht wichtig, oder sekundär?

Divis: Das war es in der Vergangenheit. Ich konnte nie verstehen, wenn wir im Nationalteam mit einer knappen Niederlage gegen die Guten zufrieden waren. Natürlich muss man auch realistisch sein. Aber sollte ich jemals in ein Spiel gehen und nicht gewinnen wollen, höre ich auf. Wenn etwas entsteht, bin ich sehr wohl bereit, mitzuhelfen.

"Bei Ex-Vereinen bin ich noch gern gesehen"

Divis: Rückblickend war er der mit Abstand beste Trainer, den ich bisher hatte. Eine sehr lehrreiche Zeit. Ihn zeichnete die Ehrlichkeit aus. Er ist korrekt, behandelt jeden Spieler gleich. Und doch nicht. Damit meine ich, dass ein 40-Jähriger im Gegensatz zum aufstrebenden Talent natürlich deutlich mehr Pausen benötigt. Er fand da stets die feine Linie. Nur im Umgang waren wirklich alle gleichgestellt. Superstars wurden ebenso zusammen geschissen. Heutzutage haben Trainer oftmals zu viel Respekt, bekannte Akteure nehmen sich zu viel heraus. Leider verhalten sich viele den Jungen gegenüber ungerecht, da sie zu schwach sind, ihren Stil konsequent durchzuziehen.

LAOLA1: Heimischen Talenten wird häufig der Sprung in das Ausland nahegelegt. Nur so sei eine positive Entwicklung garantiert. Was sagst du zu diesem Pauschalurteil?

Divis: Das muss jeder Spieler mit sich selbst ausmachen. Ich wählte meine Schritte stets so, um etwas für das Leben zu lernen. Diese Erfahrung – mit anderer Sprache, anderer Kultur und anderem Stil – kann dir niemand nehmen. Nur sind nicht alle dafür geschaffen. Warum sollte man es dann wagen? Die ewigen Diskussionen, dass Österreicher zu satt sind, lieber den einfachen Weg bevorzugen und trotzdem viel Kohle verdienen, ist ein kompletter Schwachsinn. Wer sich im Eishockey auskennt, weiß, dass wir nicht die Gehälter verdienen, mit welchen die breite Öffentlichkeit spekuliert. Gerade für die jungen Spieler ist es schwierig.

LAOLA1: Ein Haudegen wie du kennt die Mechanismen bestens. Wie lange kannst oder willst du mit deiner Entscheidung zuwarten?

Divis: Es gibt keine Deadline! Ich trainiere normal, bin topfit. Ob ich nochmal durchstarte, steht in den Sternen. Wenn sich etwas ergibt, ist es super. Wenn nicht, auch. Dann kann ich eben meinem Sohn (Anm.: Vater zweier Kinder, Dominic und Nicole) beim Eishockey zuschauen.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

LAOLA1: Du bist mit 37 Jahren im fortgeschrittenen Eishockey-Alter. Siehst du dich nun dazu berufen, deine Erfahrungen weiterzugeben?

Divis: Schon zuvor habe ich stets versucht, meine Kollegen zu unterstützen. Ich gelte nur nach außen hin als arrogantes Arschloch. Da haben Fans und Medien oft ein anderes Bild von mir (lacht). Das einzige, worauf ich in meiner Karriere wirklich stolz bin, ist, dass ich bei all meinen Ex-Arbeitgebern gern gesehen bin. Ich habe meinen Torhüter-Kollegen nie als Konkurrenten gesehen, sondern als Partner. Es hat immer gepasst, ich bin mit ihnen gut ausgekommen, mit vielen noch sehr gut befreundet. Meine Routine weiterzugeben, lag mir schon damals am Herzen. In Österreich wird die Thematik sowieso falsch gesehen. Man braucht zwei gute Goalies, um zu bestehen. Auch in der EBEL, dafür ist das Eishockey mittlerweile zu gut. Manager, die sich wirklich im Geschäft auskennen, wissen das zu schätzen. Sie schauen im Endeffekt darauf, ob du ein Gewinner-Typ bist oder nicht. Und ich werde lieber als Nummer zwei Meister, als zu spielen, aber gar nichts zu holen.

LAOLA1: Fühlst du dich in Österreich missverstanden?

Divis: Überhaupt nicht! Ich bin kein Typ, welcher die Aufmerksamkeit sucht. In Österreich wird einem das oft als Arroganz ausgelegt. Was dazu kommt, ist Neid. Mein Vater sagte immer zu mir: Neid muss man sich verdienen, Mitleid bekommt man geschenkt. Dass ich in Klagenfurt nicht sehr beliebt bin, ist klar. Mir war es eben vergönnt, in den wichtigen Spielen zu siegen. Als ich in Feldkirch war, mochte uns niemand, weil wir Titel um Titel bejubelten. Bei Salzburg war es genauso. Färjestad wird in Schweden auch nicht überall geliebt. Nur die schlechten Vereine sind sympathisch, mit denen haben die Fans Mitleid. Bei den Spielern ist das nicht anders. Daher fühle ich mich nicht missverstanden. Ich verfolge so etwas nicht. Es ist mir einfach wurscht, was Andere über mich denken. Diejenigen, die mich kennen, wissen, wie ich wirklich bin. Das ist für mich wichtig.

LAOLA1: Inwiefern konnte dir dein erster Profi-Betreuer bei der VEU, Ralph Krueger, dieses Sieger-Gen einimpfen? Zusammen wurdet ihr fünf Mal Meister, mittlerweile ist er zum Head Coach bei den Edmonton Oilers in der NHL aufgestiegen.

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