„Ausländische Vereine machen heimische besser“

Aufmacherbild
 

Mit dem 1. September 2012 wurde die Erste Bank Young Star League (EBYSL) ins Leben gerufen. Die U20-Liga soll ein Spagat zwischen dem Nachwuchs und der EBEL sein. Der ehemalige KAC-Manager Oliver Pilloni wurde ausgewählt, dieses Projekt nicht nur zu etablieren, sondern er soll die EBYSL dahinbringen, dass sie ihren Teil zur Verbesserung des österreichischen Eishockeys beiträgt.

Im Zuge des Themenschwerpunkts "Österreichischer Eishockey-Nachwuchs", hat sich LAOLA1 mit dem ehemaligen Eishockey-Profi über das Projekt unterhalten, weiter erzählt der „Commisioner“ was seiner Meinung nach das größte Problem ist und wieso man EBEL-Vereine wegen Vernachlässigung der Nachwuchsausbildung bestrafen könnte.

LAOLA1: Was ist der Grundgedanke der Erste Bank Young Star League?

Oliver Pilloni: Der Grundgedanke ist den Abstand zwischen der Erste Bank Eishockey Liga und dem Nachwuchses zu verringern. Zudem soll durch die Teilnahme von internationalen Mannschaften das Niveau erhöht werden.

LAOLA1: Wird sich dieses Modell im Gegensatz zu den vergangenen durchsetzen?

Pilloni: Ich hoffe es. Noch können wir uns keine großen Wunder erwarten. Aber ich denke schon, sollten wir dieses Modell über ein paar Jahre durchziehen, dass es zu einer Verbesserung beitragen wird. Wobei die EBYSL nicht der entscheidende Punkt für eine Verbesserung des österreichischen Eishockeys ist, sondern es müsste im Nachwuchs bei den Vereinen schon besser gearbeitet werden. Ein Spieler mit 19 Jahren ist ein fertiger Spieler und wenn der nicht eislaufen kann, dann wird er es auch nicht mehr lernen.

Pilloni will die Breite vom Eishockey begeistern

LAOLA1: Nehmen die Vereine die Liga an, oder wird sie mehr als lästiges Anhängsel wahrgenommen?

Pilloni: Unsere erste Evaluierung hat ergeben, dass die Klubs sehr zufrieden mit der EBYSL sind. Auch die anfänglich kritischen Stimmen sind mittlerweile leiser geworden. Zudem ist meine Hoffnung, dass durch die Aufnahme von ausländischen Vereinen das Niveau steigt, auch eingetreten. Denn nur wenn man sich mit Besseren misst, kann man selber auch besser werden.

LAOLA1: Wo ist der Unterschied zwischen dem ausländischen Nachwuchs und dem österreichischen?

Pilloni: Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Einerseits ist es sicher ein Vorteil, dass zum Beispiel Fehervar die besten Ungarn nehmen kann, während der VSV seinen Nachwuchs hat und der KAC ebenso seinen. Wenn wir diese beiden zu einer Kärntner Mannschaft zusammenfügen würden, wäre die Mannschaft ebenso besser. Weiter ist der Enthusiasmus und die Begeisterung eine gewaltige. Die Infrastruktur lässt zwar zum Teil immer noch zum Wünschen übrig, doch den Nachwuchs kümmert dies wenig und zudem trainiert dieser äußerst professionell. In Laibach können die Kinder perfekt eislaufen. Was jetzt nicht heißen soll, dass in Österreich alles schlecht ist. Doch der Leistungsabfall innerhalb eines Teams ist nicht so gegeben, wie vergleichsweise bei uns.

LAOLA1: Die Leistungsvergleiche sowohl in der EBYSL als auch auf Nationalteamebene lassen erkennen, dass der österreichische Nachwuchs, zum Beispiel beim Eisläuferischen, gewaltig dem ausländischen hinterherhinkt. Was kann die U20-Liga machen, damit die Vereine das einfache Training wieder forcieren, bzw. kann die Liga überhaupt etwas machen?

Pilloni: Jein. Wir sind in der Vergangenheit stehen geblieben und das fällt uns jetzt auf den Kopf. Somit müssen wir nun wieder gemeinsam nach vorne arbeiten. Ein erster Schritt ist die Einführung der EBYSL. Durch die ausländischen Mannschaften werden die heimischen besser. Zusätzlich haben die Jungen nun über 40 Saisonspiele. Sie werden jetzt mehr gefordert und dies bringt den Nachwuchs weiter.

LAOLA1: Derzeit sind 14 Vereine in der Liga. Ist eine Erweiterung, unter anderem mit Dornbirn, für nächste Saison angedacht?

Alpo Suhonen arbeitet ein Konzept aus

LAOLA1: St. Pölten stellt mit den Lower Austria Stars zwei Mannschaften. Was sagen Sie zu dem österreichischen „Eishockey-Exoten“?

Pilloni: St. Pölten ist ein gutes Beispiel, wie schnell man sich verbessern kann. Diese Teams spielen vergleichsweise mit Spielern die 3-4 Jahre jünger als der Rest der EBYSL-Mannschaften sind. Zur Veranschaulichung: Vergangenes Jahr sind die Lower Austria Stars in den USA bei einem Turnier Letzter geworden, heuer wurden sie Dritter. Diese Verbesserung fand durch die U20-Liga statt. Mir persönlich gefällt dieses Projekt sehr gut.

LAOLA1: Was müsste sich in Österreich infrastrukturell ändern, damit das Eishockey besser wird?

Pilloni: Es wird immer gesagt, wir haben so wenige Eisflächen.

LAOLA1: Doch ist das wirklich das einzige Problem?

Pilloni: Nein. Es gehören zu aller erst die vorhandenen Eisflächen zur Gänze ausgenützt. Leider gibt es immer noch sehr viele, die Nachtmittags geschlossen haben und nur für die Profi-Mannschaften geöffnet sind. Dies ist sicher ein großes Problem.

LAOLA1: Was könnte der ÖEHV oder die EBYSL machen, um mehr Klubs für den Nachwuchs zu begeistern?

Pilloni: Womit wir bereits begonnen haben: Jeder EBEL-Verein muss einen lizenzierten Nachwuchstrainer haben, der ein Konzept ausarbeitet und die Jugend fördert. Der Gedanke dahinter ist, dass von oben nach unten gearbeitet wird. Es soll wieder mehr auf die Basics, unter anderem Eislaufen, geachtet werden. Und weiter sitzen wir gerade mit ÖEHV-Sportdirektor Alpo Suhonen zusammen um ein Konzept für die Zukunft auszuarbeiten. Doch das benötigt Zeit und geht nicht von heute auf morgen. Die EBYSL muss als Start gesehen werden. Für mich persönlich war es auch wichtig zuerkennen, wie steht das österreichische Eishockey im Vergleich mit dem Ausland da.  

LAOLA1: Kann die Liga einen EBEL-Klub sanktionieren, wenn dieser keinen Nachwuchs produzieren will?

Pilloni: Das würde schon gehen. Wir haben ein Budget von der Erste Bank, welches an gewisse Forderungen gekoppelt ist. Unter anderem ist die Nachwuchsarbeit mittlerweile verpflichtend. Somit haben wir schon ein Druckmittel auf die einzelnen Klubs.

Das Interview führte Alexander Planasch

TV-Tipp: LAOLA1 zeigt das Spiel Vienna Capitals gegen den KAC ab 19:10 Uhr im LIVE-Stream.

Pilloni: Da Dornbirn neu in der EBEL ist, haben sie heuer einen Sonderstatus erhalten und sind nicht verpflichtet, eine U20-Mannschaft zu stellen. Das eigentliche Problem welches die „Bulldogs“ haben, sie können für diese Altersgruppe keine Mannschaft stellen. Zwar gibt es mit Raphael Herburger, Manuel Ganahl, Patrick Obrist und vielen mehr einige Vorarlberger in der EBEL, die spielen aber alle schon bei diversen Klubs. Wieder andere Vorarlberger spielen derzeit in der Schweiz. Dornbirn könnte somit derzeit nur sieben Spieler für eine U20 nominieren.

LAOLA1: Könnte eine Legionärs-Beschränkung zur Verbesserung des heimischen Eishockeys beitragen?

Pilloni: Wir kamen bei der Liga-Zusammenstellung drauf, dass derzeit nur sieben österreichische Mannschaften eine U20 stellen können. Der Markt ist erschöpft! Und dann wird von manchen eine Legionärs-Beschränkung für die EBEL gefordert, nur frage ich mich da, welche Spieler sollen die vorhandenen Plätze auffüllen? Abgesehen von den Lower Austria Stars, deren Spieler weit unter 20 Jahre sind, wie sollen sieben EBYSL-Teams acht EBEL-Klubs versorgen? Daher muss es unsere Aufgabe sein, die Breite zu erweitern und mehr Vereine für den Nachwuchs zu begeistern. Denn wenn es genug Österreicher gibt, würden diese auch spielen. Nur es gibt eben nicht genug Österreicher.

LAOLA1: Wie bekommt man andere Vereine, wie zum Beispiel Kapfenberg, Zeltweg oder die VEU Feldkirch dazu, eine Nachwuchs-Ausbildung mitzutragen?

Pilloni: Die Frage sollte sein, was ist das Ziel der zweiten österreichischen Liga? Was wollen die Klubs dort erreichen? Ich verstehe es nicht, wieso jemand Meister werden, aber dann zugleich nicht aufsteigen will. Es wäre doch klüger, wenn solche Vereine vermehrt auf den Nachwuchs und die Ausbildung setzen würden. 

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen