"Das ist mit Sicherheit auf der ganzen Welt einmalig!"

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Markus Peintner ist ein gestandener Nationalspieler. Die Dienste des 30-jährigen Kämpfers sollten demnach hoch im Kurs stehen.

Nach zwei Saisonen in Graz hatten die 99ers im Sommer für den Angreifer mit der markanten Gesichts-Behaarung keine Verwendung mehr. Die Suche nach einem Arbeitgeber entwickelt sich zur großen Herausforderung. Ein Einzel-Schicksal? Keineswegs!

Neben dem gebürtigen Vorarlberger stehen unter anderem Defender-Oldie Darcy Werenka, Sven Klimbacher, Florian Iberer (alle 99ers) oder Jeremy Rebek (Vienna Capitals) vor einer ungewissen Zukunft.

Auffällig ist eine Gemeinsamkeit: All jene haben die 24 Jahre deutlich überschritten und fallen somit dem umstrittenen Kaderpunkte-System (Erklärung durch EBEL-Manager Christian Feichtinger) zum Opfer.

„Ein Fußball-Nationalspieler, der keinen Job findet – das wäre nicht vorstellbar. Leistungen oder das bereits Erreichte zählen nichts mehr. Es stellt sich einzig die Frage, ob man in das Schema passt“, spart Peintner nicht mit Kritik.

Im LAOLA1-Talk klärt der Wahl-Villacher über die Problematik der "Existenz-bedrohenden" Punkte-Regelung auf.

LAOLA1: Markus, wie verläuft die Vorbereitung?

Markus Peintner: Mir geht es sehr gut. Ich genieße den Sommer in Villach und hoffe, dass ich in der nächsten Zeit einen Job bekomme.

LAOLA1: Kannst du bezüglich Vereins-Suche etwas Neues vermelden?

Peintner: In ganz Österreich gab es keine Optionen. Zudem bin ich in einer schwierigen Position, weil ich 3,5 Punkte habe. Mit diesem System ist es nicht einfach, einen Job zu finden. Natürlich hoffe ich, die Teams legen ein bisschen Wert auf Qualität und heimische Spieler. Aber eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass noch etwas passieren wird. Hoffentlich ergibt sich im Ausland etwas.

LAOLA1: Hatten die 99ers kein Interesse, die Zusammenarbeit fortzusetzen?

Peintner: Viele Gespräche gab es nicht. Ich glaube, die Grazer wollen mit einem jungen Team in die neue Saison starten. Diese Entscheidung des Vereins gilt es zu akzeptieren. Ich muss versuchen, das Beste daraus zu machen.

LAOLA1: Anfang Mai für das ÖEHV-Team bei der A-WM in der Slowakei, zwei Monate später kämpfst du um einen neuen Kontrakt. Klingt absurd, oder?

Peintner: Das ist mit Sicherheit auf der ganzen Welt einmalig. Ein Fußball-Nationalspieler, der keinen Job findet – das wäre nicht vorstellbar. Es geht nicht um finanzielle Sachen, sondern nur darum, wie viel Punkte ein Spieler wert ist. Leistungen oder das bereits Erreichte zählen nichts mehr. Es stellt sich einzig die Frage, ob man in das Schema passt.

LAOLA1: Viele Kollegen schlagen sich mit den gleichen Problemen herum. Bedroht diese Kaderpunkte-Regelung eure Karrieren?

Peintner: Es ist wichtig, mit 30 oder 31 Jahren noch einen Job zu haben und nicht als Nationalspieler aufhören zu müssen. Jeremy Rebek oder Darcy Werenka haben noch immer keinen Verein. In Graz betrifft es beispielsweise auch Stefan Herzog. Er schießt jedes Jahr zehn bis 15 Tore, ist ein verlässlicher und kompakter Akteur, aber erhält keinen neuen Vertrag. Es geht um die Existenz, darum sollte man für die Zukunft das System neu überdenken und Änderungen vornehmen.

LAOLA1: Die Betroffenen sind meist deutlich über 24 Jahre alt, hingegen zählen Cracks unter dieser Grenze zu den heißesten Transfer-Aktien, oder?

Peintner: Die U24-Spieler haben es fein, sie werden in Österreich gejagt. Früher mussten wir uns den Einsatz in der Ersten Liga wirklich hart erarbeiten. Wenn du derzeit null Punkte hast, bist du begehrt. Es ist auch richtig, wenn man Talenten eine Chance gibt. Dennoch glaube ich, sie sollten sich das erst verdienen. Für uns Über-24-Jährige ist es schwierig. Als Teamspieler hast du schnell 3,5 oder vier Punkte. Du spielst eine WM und danach hast du keinen Job mehr, das ist schon sehr witzig.

LAOLA1: Wo liegen für dich die Grundprobleme dieser Regelung?

Peintner: Für mich ist das ganze System nicht notwendig. Wir haben in Österreich einen guten Nachwuchs, ausreichend junge Spieler und ältere Österreicher. Wenn die Teams mit sieben bis acht Ausländern arbeiten und die Zahl langsam senken würden, wäre ein erster Schritt getan. Die Fans würden trotzdem in die Eishalle kommen, es wäre kein großer Qualitäts-Unterschied zu sehen.

LAOLA1: Interessantes Detail: Heimische Akteure über 24 Lenze erhalten die Punktzahl durch einen Mittelwert der Einschätzungen von den Klubs. Deine Meinung?

Peintner: Es gibt im Oktober oder November die Bewertungen. Ich kenne mich nicht so gut aus und darf auch nicht zu viel sagen. Dennoch gibt es Spieler, die zwar im Nationalteam sind, aber wenig Punkte machen. Ich bin ein solcher Typ (Anm.: 29 Scorerpunkte), trotzdem habe ich 3,5 bis vier Zähler. Daher bin ich ganz klar gegen diese Regelung. Hinter dem System steckt nicht wirklich ein System. Klubs tauschen hin und her: Der bekommt so viel Zähler, dafür gibst du dem so viel.

LAOLA1: Für Außenstehende sind diese Einstufungen nicht nachvollziehbar, das Verfahren ist nämlich völlig subjektiv.

Peintner: Ich kann wenig dazu sagen, was in Liga-Sitzungen passiert. Man erkennt allerdings, dass Spieler mit Klasse oft weniger Zähler haben, als andere, die jedoch nur Durchschnitt sind. Da hat man es Schwarz auf Weiß, dass am Punktesystem etwas nicht stimmt. Schlussendlich geht es darum, Österreichern mehr Einsätze zu geben und dass Vereine nicht mit neun oder zehn Ausländern spielen. Keiner verlangt, dass man von einer auf die nächste Saison lediglich fünf Legionäre hat. Das geht nicht, weil die Spieler nicht vorhanden sind. Alle Teams müssen sich zusammensetzen und auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Das Wichtigste ist, nicht immer für sich selbst zu arbeiten, sondern für Österreichs Eishockey. Wenn der Schritt gelingt, sind wir auf einem guten Weg.

LAOLA1: Wie könnte dein weiterer Weg aussehen? Welche Optionen hast du für kommende Spielzeit?

Peintner: (lacht) Wäre schön, wenn es Optionen geben würde. In Österreich werde ich mit den Punkten leider nichts finden. Darum sucht mein Berater im Ausland, dort ergibt sich hoffentlich etwas. Mir ist egal wo, ich bin ziemlich offen und in Villach nicht gebunden.

LAOLA1: Du weißt weiterhin nicht, wofür du kommende Saison schwitzt. Diese Ungewissheit in der Vorbereitung ist kein schönes Gefühl, oder?

Peintner: Natürlich ist es feiner, wenn man Gewissheit hat und sich auf das Team vorbereiten kann. Ich muss sehr geduldig sein und das Sommertraining durchziehen, wie ich es davor stets gemacht habe. Auch wenn es länger dauern sollte, muss ich durchbeißen.

LAOLA1: Fällt es dir schwer, dich für die Einheiten zu motivieren?

Peintner: Nein, das geht ganz gut. Ich betreibe gerne Sport und trainiere im Fitnessstudio mit mehreren Eishockey-Spielern, da ist es eine Gaudi. Ich bin ein positiver Typ und mir ziemlich sicher, dass ich noch einen Job bekomme.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

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