Patrick Mössmer im LAOLA1-Interview

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Der „Tiroler Weg“ ist hart und steinig.

Nach dem Wiederaufstieg in die Erste Bank Eishockey Liga wurde in Innsbruck nicht groß eingekauft, man vertraute - natürlich auch aus finanziellen Gründen – größtenteils dem Nationalliga-Kader.

Erwartungsgemäß steht man vier Spieltage vor dem Ende der Zwischenrunde am Tabellenende und hat nach der 3:5-Niederlage am Mittwoch gegen Ljubljana wohl die letzte Chance auf einen Playoff-Platz verspielt.

TV-Tipp: LAOLA1 zeigt das Spiel HC Innsbruck gegen RB Salzburg am Freitag ab 19:10 Uhr im LIVE-Stream.

Patrick Mössmer ist einer der wenigen Innsbrucker Cracks, die bereits vor dem Wiederaufstieg Erfahrung in Österreichs oberster Spielklasse sammeln konnten. Der Kapitän der „Haie“ absolvierte von 2000 bis 2009 neun Saisonen im Oberhaus, ehe er mit den Tirolern den Gang in die Zweitklassigkeit antrat.

Mit Ausnahme der Spielzeit 2007/2008, als er bei den Graz99ers unter Vertrag stand, hielt der gebürtige Innsbrucker seinem Verein stets die Treue. Bei LAOLA1 zieht der 30-jährige Flügelstürmer Bilanz über die Entwicklung der „Haie“ und spricht über die Ausländerflut in der EBEL.

LAOLA1: Wie groß ist die Enttäuschung nach der Niederlage gegen Ljubljana?

Patrick Mössmer: Sie ist schon ziemlich groß. Wir haben uns für das Spiel eigentlich viel vorgenommen. Wir hatten eine gute Bilanz gegen die „Drachen“. Im Startdrittel waren wir nach der Länderspielpause aber einfach zu eingerostet und nach den zwei Gegentoren war es dann sehr schwer.

LAOLA1: Glaubt ihr noch an die Minimalchance aufs Playoff oder hat man die Saison bereits abgehakt?

Mössmer: Wenn man realistisch ist, muss man sagen, dass die Saison gelaufen ist. Aber wir haben noch vier Spiele zu bestreiten und da ist voller Einsatz gefordert. Vor allem die Leute, die nächste Saison einen neuen Vertrag haben wollen, müssen sich besonders reinhängen. Jetzt wird man sehen, wer Charakter hat und wer nicht.

LAOLA1: Ihr hattet einen schweren Start in die Liga, man hatte aber das Gefühl, dass es ab Dezember immer besser lief. Wie siehst du eure Entwicklung?

Mössmer: Es war natürlich vor allem zu Beginn der Saison sehr schwer, positiv zu bleiben. Aber wenn man mit einem klaren Kopf analysiert, war die Spielzeit eigentlich ein Erfolg für uns, weil man uns doch sehr wenig zugetraut hat. Ich glaube, darauf können wir aufbauen. Wir hatten sicher das geringste Budget und somit auch die wenigsten Legionäre zur Verfügung. Mit unserer Mannschaft ist das Erreichte eigentlich positiv zu bewerten.

Immer mit vollem Einsatz dabei: Patrick Mössmer

Mössmer: Ich denke da jetzt nicht an einen speziellen Tiroler Weg, es muss vielmehr ein österreichischer Weg sein. Wir müssen an die Zukunft denken. Es gibt in Zeiten der Wirtschaftskrise einfach nicht mehr genug finanzkräftige Sponsoren, die viel Geld in einen Klub pulvern, damit dieser sich teure Ausländer leisten kann. Deswegen muss man da umdenken, so wie es unser Verein macht. Man muss vermehrt auf Einheimische setzen und diese ausbilden, damit man besser wird und Erfolg hat. Ich glaube, wir werden in Innsbruck nicht mehr Legionäre sehen, als dieses Jahr, aber vielleicht andere.

LAOLA1: Findest du allgemein, dass in der EBEL zu viele Legionäre spielen?

Mössmer: Meines Erachtens nach sind viel zu viele Ausländer in der EBEL. Es ist eine absolute Farce, ich weiß nicht, wo das hinführen soll. Wenn ich an meine Anfangszeit zurückdenke - mein erstes Bundesliga-Spiel habe ich im Jahr 2000 absolviert - da waren vier oder fünf Ausländer pro Team erlaubt und der Zuschauer-Schnitt war genau gleich hoch. Es wird ja immer als Argument gebracht, dass mehr Legionäre auch mehr Fans bedeuten, aber für den Zuschauer-Schnitt spielen auch die ausländischen Vereine wie beispielsweise Zagreb eine große Rolle. In Klagenfurt und Villach war früher immer ausverkauft, in Wien war der Zuschauer-Andrang auch immer hoch. Das hat sicher nicht mit einem qualitativ besseren Eishockey, sprich mit mehr Ausländern, zu tun.

TV-Tipp: LAOLA1 zeigt das Spiel HC Innsbruck gegen RB Salzburg am Freitag ab 19:10 Uhr im LIVE-Stream.

LAOLA1: Von Verband und Ligaseite hört man, dass rigorose Legionärsbeschränkungen nicht gut wären, da es anscheinend zu wenige gute Österreicher gibt und das Liga-Niveau sinken würde. Teilst du diese Ansicht?

Mössmer: Das sind hausgemachte Probleme. Es ist ja klar, dass nicht genug gute Österreicher gibt, weil die Ausländer immer bevorzugt wurden. Das war in den vergangenen Jahren bei uns in Innsbruck nicht anders. Man muss einfach einen Schritt zurück machen. Die Qualität der Liga wird dann zwar etwas abnehmen, aber in ein paar Jahren wird sie dann automatisch wieder erhöht, weil genug Junge nachkommen und sich verbessern können.

LAOLA1: Denkst du, junge Spieler haben es heute in der EBEL schwerer, als du es am Anfang deiner Karriere hattest?

Mössmer: Als ich angefangen habe, habe ich es leichter gehabt, weil nicht so viele Ausländer da waren. Ich hatte Zeit, mich zu entwickeln. Jetzt hat es ein junger Spieler zwar leicht, in die Kampfmannschaft zu kommen, weil er keine Punkte zählt. Sobald er dann aber ein paar Punkte wert ist, ist er weg und muss hoffen, noch irgendwo einen Vertrag zu bekommen.

LAOLA1: Hältst du also die Punkteregel für die falsche Lösung?

Mössmer: Sowohl die Punkteregel, als auch die Ausländerflut tun dem österreichischen Eishockey nicht gut. Und es wundert mich, dass nichts passiert, denn man liest und hört ja immer wieder von allen Seiten Kritik.

 

Das Interview führte Fabian Santner

LAOLA1: Der Verein hat den Vertrag mit eurem Coach zwei Jahre verlängert. Wie wichtig ist er für die Entwicklung der Mannschaft?

Mössmer: In einer Situation wie der unseren, ist es sehr wichtig, dass man einen Trainer wie Daniel Naud hat, der das ganze Umfeld, die Tiroler Mentalität und die Spieler kennt. Er ist jetzt schon das zweite Jahr hier und es war sicherlich ein wichtiger Schritt, dass man ihn weiter verpflichtet hat.

LAOLA1: Es ist sicher nicht einfach, die Stimmung im Team zu halten, wenn man unten drin steht. Was machst du da als Kapitän? Motivierst du deine Mitspieler speziell?

Mössmer: Nicht wirklich. Ich habe zwar das „C“ auf der Brust, aber es gibt immer mehrere Leader in einem Team, die auch in der Kabine das Sagen haben. Ich bin nicht der Typ, der große Motivationsreden schwingt. Ich glaube, wenn man in der EBEL spielt, dann muss man einen Spieler nicht speziell motivieren, oder ihm seine Aufgaben klar machen, schließlich ist das sein Job. Ich persönlich gebe auf dem Eis immer vollen Einsatz - das ist meine Leaderqualität.

LAOLA1: Du hattest schon vor dem Wiederaufstieg EBEL-Erfahrung. Hat sich das Niveau der Liga verändert?

Mössmer: Seit meiner letzten Saison mit Innsbruck in der Bundesliga vor vier Jahren hat sich das Niveau nicht wirklich verändert. Was sich leider auch nicht verändert hat, ist die irre und teils auch dumme Einkaufspolitik vieler Vereine, die nur auf Ausländer setzen. Man muss sich ja nur einmal die Punkte- und Torschützenlisten anschauen. Wenn man sieht, wo da die Österreicher herumschwirren, frage ich mich schon, wo das hinführen soll.

LAOLA1: In Innsbruck geht ihr den oft propagierten „Tiroler Weg“. Bist du ein Befürworter dieses Weges oder denkst du, dass ihr euch in der kommenden Saison mit mehr Legionären verstärken solltet?

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