Kärntner Hochburg in Wien-Kagran

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"KAC wird es einen Schauer über den Rücken jagen"

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Eine Kärntner Community sorgt im 22. Wiener Gemeindebezirk für Begeisterung. Österreichs südlichstes Bundesland verfügt bei den Vienna Capitals über eine Drei-Mann-Hochburg.

Daniel Nageler, Harald Ofner, Philipp Pinter – eine Formation, welche in der laufenden EBEL-Spielzeit für Scorerpunkte steht. Trotz schwankender Team-Performance ist die zweite Angriffsreihe nämlich eine Konstante im hochkarätig besetzten Offensiv-Verbund.

Zuverlässig, körperbetont und brandgefährlich präsentierte sich das eingespielte Trio bislang. Dabei stach Nageler heraus. Acht Tore und sechs Assists verbuchte der 25-Jährige, am Freitag soll das Konto gegen den KAC (LIVE-Stream ab 19:10 Uhr) erneut aufgebessert werden.

Im Vorfeld des Schlagers erklärt der einstige VSV-Crack im LAOLA1-Interview seinen Run.

LAOLA1: Daniel, ihr konntet zuletzt zwei Siege in Folge einfahren. Wie stehen die Chancen, dass zum ersten Mal heuer ein dritter hinzukommt?

Daniel Nageler: Wenn wir so spielen wie gegen Ljubljana (4:1) und Fehervar (3:1) gut. Jeder muss seine Arbeit machen. Wenn die Verteidiger mit den Stürmern harmonieren und sich vor dem eigenen Kasten die Rebounds schnappen, wird der KAC zu wenigen Chancen kommen.

LAOLA1: Der Saison-Verlauf glich einer stetigen Berg- und Talfahrt. Dem Erfolgserlebnis folgte meist ein Rückschlag, was waren die Gründe dafür?

Nageler: Wir haben im Sommer einige neue Spieler bekommen und mussten zueinander finden. Ich glaube, dass anfangs nicht jeder für jeden gekämpft und die Schüsse geblockt hat. Danach sind wir in ein Loch gefallen. Wegen mehrerer Niederlagen fehlte uns das Selbstvertrauen und wir sind in einen Negativ-Strudel gekommen.

LAOLA1: Wie brachte Betreuer Tommy Samuelsson den Teamgeist zurück?

Nageler: Es gab eine interne Aussprache. Jeder Spieler hat danach die erwähnten Dinge für sich aufgenommen, deswegen klappt es nun wieder so, wie es sein sollte.

LAOLA1: Weshalb fehlte der Zusammenhalt anfangs?

Nageler: Wir waren von der European Trophy etwas verwöhnt. Trotz sieben Pleiten hat es dort wirklich gut funktioniert. Wir haben uns gedacht, dass es in der österreichischen Liga einfacher und lässiger zu spielen ist. Da haben wir uns jedoch getäuscht.

LAOLA1: Woran liegt es, dass die Capitals mit 64 Gegentreffern gar die Schießbude der EBEL sind? Fehlende Abstimmung?

Nageler: Das ist schwer zu sagen. Wir Stürmer haben Verteidiger hinter uns, diese haben den Goalie hinter sich und der Tormann ist dann auf sich allein gestellt. Wenn dieses System nicht harmoniert, kann es nicht klappen.

LAOLA1: Inwiefern unterscheidet sich die Philosophie von jener Kevin Gaudets? Benötigte die Umstellung etwas mehr Zeit als erwartet?

Nageler: Wir fahren viel mehr Forechecks, also sofort auf den ersten Mann. Dadurch soll der Gegner überhaupt keine Chance bekommen, den Aufbau hinter dem Tor zu eröffnen. Der Zweite übt ebenso Druck aus und der Dritte versucht das Spiel zu lesen. Wir wollen die eigene blaue Linie halten, damit sie gar nicht in unser Drittel eindringen können. Ansonsten sind wir einfach viel körperbetonter. Zu Beginn fuhren wir den Forecheck, die Verteidiger passten nicht auf und der dritte Angreifer war nicht hoch genug.

LAOLA1: Häufig habt ihr euch durch unnötige Strafen selbst geschwächt, oder?

Nageler: Unnötige Strafe, das ist so eine Sache. Wenn wir ein Auswärtsspiel bestreiten, erhalten wir immer das doppelte Ausmaß als der Gegner. Die Schiedsrichter sehen bei uns häufig Fouls, wo es gar keines gab. Teilweise nehmen wir auch dumme Strafen.

LAOLA1: Weshalb ist dem so? Fühlst du dich benachteiligt?

Nageler: Vielleicht regen wir uns über Entscheidungen mehr auf. Wenn beispielsweise Philippe Lakos auf einen Check fährt, der fast zwei Meter groß ist, geht der Gegenspieler oftmals zu Boden. Es sieht dann gleich wilder aus, als wenn ein Anderer checken würde. Die Schiris glauben: Okay er ist gefallen, geben wir Lakos eine Strafe. Manchmal wissen sie gar nicht, wer das Foul begangen hat. Es ist schon passiert, dass irgendein Crack in die Kühlbox musste, der gar nicht am Eis war. Teilweise haben sie ein chaotisches System. Schiedsrichter sind ein eigenes Kapitel. Allerdings gibt es auch Partien, wo die Entscheidungen passen. Ich bin ein relativ fairer Spieler, deshalb habe ich damit meist kein Problem.

Nageler zeigt sich heuer sehr treffsicher

LAOLA1: Am Freitag wird erstmals eine Rekord-Kulisse von 7.000 Zuschauern hinter euch stehen. Die Eishalle ist ausverkauft, was erwartet die „Rotjacken“?

Nageler: Die Fans werden eine Bomben-Stimmung machen und die Mannschaft tragen, das wird uns sicherlich helfen. Wenn so eine Atmosphäre herrscht, ist es klasse zu spielen. Den KAC-Spielern wird es einen Schauer über den Rücken jagen (lacht).

LAOLA1: Vielleicht schockt auch deine Offensiv-Linie die Klagenfurter. Bist du als Ex-VSVler zusätzlich motiviert gegen den Erzrivalen? Und warum läuft das Zusammenspiel mit Ofner sowie Pinter so perfekt?

Nageler: Nein, jedes Match ist gleich zu bewerten. Ich bin bereit für dieses Spiel, es läuft heuer super. In unserer Linie denkt jeder einen Schritt voraus und gibt alles. Wenn ich in der Ecke bin, weiß ich wo meine Mitspieler positioniert sind. Einer wartet hinter und einer vor dem Tor. Wir kennen uns schon relativ lang. Meistens läuft es durch blindes Verständnis ab. Das Radl läuft, so soll es sein.

LAOLA1: Wie versteht ihr euch abseits der Eisfläche?

Nageler: Mit Ofi (Anm.: Harald Ofner) sowie Fipo (Anm.: Philipp Pinter) unternehme ich des Öfteren etwas. Wir machen eigentlich auch mit der Mannschaft viel, so ist es nicht. Aber natürlich bin ich mit den Kärntnern mehr unterwegs als mit den anderen Kollegen.

LAOLA1: Was zeichnet deine Sturm-Kollegen aus?

Nageler: Die Kärntner Schule hat gute Arbeit geleistet. Eisläuferische Qualitäten und ein etwas raues Spiel sind typisch dafür. Stocktechnisch ist Philipp sehr stark, auch Ofi ist an der Scheibe brutal gut. Er kann den Puck beschützen, halten und ist ein schneller Spieler.

LAOLA1: Für dich verläuft dein drittes Jahr in der Bundeshauptstadt äußerst erfreulich. Was ist heuer dein Erfolgsgeheimnis?

Nageler: Die Nudeln von der Freundin (lacht). Nein, der wichtigste Punkte ist, dass der Trainer so viel Vertrauen in mich hat. Zudem besitze ich vor dem Kasten derzeit viel Selbstvertrauen, dass ich ohne Nachzudenken die Chancen verwerte. Vorige Saison habe ich nicht gleich getroffen, deshalb bekam ich wenig Eiszeit. Ich war etwas niedergeschlagen, machte mir viele Gedanken: Was ist los? Was kann ich verbessern? Jetzt ist der Glaube an die eigene Qualität vorhanden, es macht wieder viel Spaß.

LAOLA1: Warum war deine Zeit unter Head Coach Gaudet eher negativ behaftet?

Nageler: Viele Dinge spielten eine Rolle. Du weißt nicht, was Schuld ist. Der Trainer-Wechsel kam mir hundertprozentig zugute. Samuelsson sagt schon am Eis, was man gut macht und was besser werden könnte. Was vorher nicht der Fall war. Er redet mit jedem Spieler gleich und bevorzugt keinen.

LAOLA1: Kommen wir zum Nationalteam: Neo-Teamchef Manny Viveiros hat dich in seinen ersten Kader einberufen. Wie groß ist die Freude? Was bedeutet diese Berücksichtigung?

Nageler: Natürlich sehr groß, dass ich wieder dabei sein darf. Vergangenes Jahr war ich das nicht, zuvor hatte ich einmal die Ehre. Es ist mit Sicherheit ein Zeichen, für meine gute Arbeit. Sonst hat das erste Aufgebot, glaube ich, nicht viel zu sagen. Er möchte sich ein Bild von den jungen Spielern machen. Ich werde meine Chance sicherlich nutzen.

LAOLA1: Unter Viveiros soll im Nationalteam eine neue Ära anbrechen. Vermehrt werden Talente die Chance bekommen. Ein positiver Trend, oder?

Nageler: Auch im Vorjahr waren relativ junge Spieler dabei, es kann nur so gehen. Die Jungen sind stark und gehören mehr forciert, so sollte der Weg sein. Ich hatte mit Manny Viveiros noch nicht so viel zu tun. Er war damals Co-Trainer von Bill Gilligan, da hat er gute Arbeit gemacht. Das zeigt er auch beim KAC. Ich kann nichts Negatives sagen.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

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