Weber: "Er ist eine unglaubliche Persönlichkeit"

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Unpopuläre Beschlüsse scheut Christian Weber nicht. Er ordnet alles dem Erfolg unter. Und schreckt dabei nicht vor großen Namen zurück.

Christoph Brandner, seines Zeichens österreichisches Eishockey-Denkmal sowie langjähriger Kapitän des KAC, verbannte der Schweizer zum Playoff-Auftakt bei Meister RB Salzburg (3:5) aus „taktischen Überlegungen“ auf die Tribüne. Eine Majestätsbeleidigung, für welche er in der Öffentlichkeit einzig Kopfschütteln erntete.

In Viertelfinale zwei durfte der Leitwolf wieder mitwirken, er wusste beim 5:4-Overtime-Triumph die Berechtigung im Lineup zu unterstreichen.

Warum der 36-Jährige am Donnerstag (LIVE-Stream ab 19:10 Uhr bei LAOLA1.tv/ServusTV zeigt das Spiel Linz vs. Capitals) auflaufen wird und wie Manny Viveiros‘ Nachfolger Weber die Ausbootung rechtfertigt, verrät er im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Gratulation zur gelungenen Heim-Premieren als Chef-Betreuer, welchen Stellenwert besitzt dieser hart erkämpfte Ausgleich in der Serie?

Christian Weber: Der Sieg ist wichtig gewesen. Ein 0:2 kann passieren, wäre aber enorm schwierig wettzumachen. Jetzt ist wieder alles offen. In der Verlängerung mussten wir wegen der Strafe gegen Herburger in Unterzahl, sprich Drei-gegen-Vier, beginnen – eine kritische Situation. Wir analysierten das genau, die drei Spieler setzten die Vorgaben hervorragend um. Uns war klar, es ist die Schlüssel-Situation. Überstehen wir diese, gibt uns das mental Kraft. Wir wussten, wir brauchen nicht hundert Schüsse, sondern einen, der sitzt.

LAOLA1: Wie bereiten Sie nun ihre Schützlinge auf das Gastspiel in der Mozartstadt vor? Langwierige Analysen werden nach einem Erfolg nicht notwendig sein, oder doch?

Weber: Der Druck ist wieder auf Salzburger Seite. Wir dürfen gewinnen, sie müssen. Wir setzen alles daran, den ersten Auswärtssieg zu erzwingen. Je früher das gelingt, desto besser. Natürlich besinnen wir uns auf die eigene Stärke, das ist klar. Man muss den Gegner dennoch sehr gut analysieren, aber keinesfalls mit stundenlangen Videos. Wir zeigen den Spielern kurze Sequenzen. Ansonsten konzentrieren wir uns vor allem auf uns.

LAOLA1: Was ergab das Studium?

Weber: Sie sind läuferisch gut und attackieren häufig mit dem vierten oder fünften Mann. Gegen das Team braucht es viel Disziplin. Sie erzeugten am Dienstag unglaublichen Druck. Wir hatten zu Beginn große Probleme, aus unserer Zone zu kommen. Das erwarte ich auch auswärts. Wir müssen hellwach sein, die Scheibe schnell nach vorne bringen und so wenig wie möglich in der Defensive spielen. Wenn wir die Drangphase überstehen, sind wir einen bedeutenden Schritt weiter.

LAOLA1: Für Aufregung sorgte zuletzt die Nicht-Berücksichtigung Brandners in Spiel eins. Warum wollten Sie auf ihren Kapitän verzichten?

Weber: Ich informierte ihn frühzeitig, dass er nicht dabei sein wird. Eigentlich erwartete ich Salzburg aggressiver, noch laufintensiver. Ich hatte mich so entschieden und setzte das durch. Im Kopf war für mich klar, dass er zu Hause spielen wird. Man muss auf verschiedene Situationen reagieren. Wir haben gute Stürmer, ab und zu kann es jemanden treffen, der für Österreichs Eishockey viel geleistet hat.

LAOLA1: Ich schließe daraus, der Routinier ist nicht mehr schnell genug. Richtig?

Weber: So würde ich es nicht sagen. Er hat seinen Stil. Vor dem Tor ist er unglaublich stark, da bringt man ihn nicht aus der Gefahrenzone. Ich wollte ihm damit keinesfalls wehtun. Schlussendlich geht es um die Mannschaft. Hätten wir gewonnen, wäre die Diskussion nie entstanden. Er hat das akzeptiert, sich wie ein Profi verhalten und gut gearbeitet. Er ist eine unglaubliche Persönlichkeit. Und diese Geschichte, dass er nicht mit dem Bus fahren durfte, stimmt nicht. Das wurde frei erfunden.

LAOLA1: Experten hinterfragten ihren Entschluss durchwegs kritisch. Was halten Sie davon?

Weber: Mich interessiert nur die Mannschaft, nicht die Öffentlichkeit. Das ist auch ein Zeichen für die anderen Spieler. Niemand ist in diesem Team gesetzt. Man muss Leistung bringen. Wir haben einfach die Möglichkeiten verschiedene Varianten auszuprobieren. Meiner Meinung nach hat er das, was ich von ihm erwarte, am Dienstag umgesetzt und ich sehe keinen Grund, ihn rauszunehmen. Daher wird er am Donnerstag einlaufen.

LAOLA1: Sie saßen am Dienstag erst zum dritten Mal auf der Bank. Etwas überraschend musste KAC-Urgstein Viveiros in das zweite Glied rücken. Welche Erwartungen richtete der Vorstand nun an Sie?

Weber: Die Vorgaben wurde anfangs der Saison gemacht: Der Klub möchte in das Finale. Daran wird sich nichts ändern, ob jetzt Manny oder eben ich an der Bande stehen. Meine Aufgabe ist einfach, das Ziel zu erreichen. Ich werde alles in meiner Macht stehende versuchen, damit uns das gelingt.

Weber gibt in Klagenfurt die Richtung vor

LAOLA1: Mit welchen Visionen traten Sie einst ihr Engagement an?

Weber: Ich unterschrieb einen Drei-Jahres-Vertrag, um die Nachwuchs-Abteilung einen Schritt nach vorne zu bringen. In der Vergangenheit wurde sehr gute Arbeit geleistet. Die Idee war, einige Sachen zu optimieren. Ebenso für Österreichs Eishockey. Ich bin überzeugt, das Nationalteam gehört längerfristig dorthin, wo man einmal war. Vor ungefähr zehn bis 15 Jahren stand man auf der gleichen Ebene wie wir Schweizer. In meiner Heimat fand dann ein Umdenken statt. Es wurde in den Nachwuchs investiert, mehr Profi-Trainer engagiert und härter gearbeitet. Der Erfolg ist vorhanden, das kann in Österreich auch gelingen. Hier gibt es viele gute Spieler, nur fehlen die professionellen Bedingungen im Jugendbereich.

LAOLA1: Wie wollen sie dazu beitragen, den heimischen Kufensport voran zu bringen?

Weber: Im Moment liegt beim KAC der ganze Fokus auf der erste Mannschaft und die Playoffs. Dann werden wir sehen, wie es in Zukunft weiter geht. Im Nachwuchs soll man den eingeschlagenen Weg kontinuierlich fortsetzen. Vor allem hoffe ich, dass dieses Farmteam weiter Bestand hat. Hier gibt es dem Vernehmen nach verschiedene Varianten. Das ist eben dieses kurzfristige Denken in Österreich. Ein gestartetes Projekt darf nicht nach einem Jahr als gescheitert bezeichnet werden. Erst nach fünf Saisonen kann gesagt werden, es war gut oder nicht. Ich bin felsenfest überzeugt, dass die Jungen dadurch eine große Entwicklung machen. Früher oder später wird es viel mehr Spieler bei den Profis geben, das hilft wiederum der Nationalmannschaft.

LAOLA1: Der KAC ist eine bekannte Talenteschmiede – wo haben die Rohdiamanten noch Bedarf?

Weber: Wichtig ist beim Nachwuchs, dass alles technisch und eisläuferisch fließend abläuft. So wird in der Schweiz gearbeitet. Verlässt ein Spieler den KAC, möchte ich, dass man sofort sagt: Wow, das ist ein Spieler aus Klagenfurt. Der sollte läuferisch, technisch und taktisch derart gut ausgebildet sein, dass es zu einer Marke wird. Wir haben junge, gute Spieler aus den Jahrgängen ’94 bis ’97, das würde ich gerne durchziehen. Irgendwann werden diese Spieler anklopfen. Ziel ist, einen Konkurrenzkampf zu schaffen.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

LAOLA1: Im Sommer wurde ein Umbruch vollzogen. Glauben Sie, das Endspiel ist wirklich realistisch?

Weber: Ich war bei diesen Gesprächen nicht dabei. Trainer und Vorstand müssen die Vorstellungen abstimmen, sodass man nicht von unterschiedlichen spricht. Meine Aufgabe im Nachwuchs war es, die Talente auszubilden. Nun bin ich mit den Vorgaben der Profis konfrontiert, die stehen fest. Als Spieler gibt es in den Playoffs sowieso nur eines: Du willst Meister werden. Das Viertelfinale ist die schwierigste Runde. Wenn du das überstanden hast, kann es sein, dass du als Underdog einen Lauf startest und dich nichts mehr stoppen kann.

LAOLA1: An welchen Dingen arbeiteten Sie seit ihrer Übernahme?

Weber: In dieser kurzen Zeit war es nicht möglich, viel zu ändern. Überdies ist die Philosophie, welche Manny hatte, die gleiche. Darum holten sie mich einst nach Klagenfurt, um den Spielstil der Profis im Nachwuchs zu verankern. Wir arbeiteten stets in die selbe Richtung.

LAOLA1: Welche wäre das?

Weber: Das ist modernes Eishockey. Meine Mannschaften sollen schnell und offensiv spielen, nur die richtige Balance muss vorhanden sein. Fünf Spieler gehören im offensiven Bereich hinzu, ebenso wie in der Rückwärtsbewegung. Ich möchte nicht, dass man hinter das Tor geht, wartet und den Kontroll-Aufbau vollzieht. So spielte man zu meiner Zeit, in der Gegenwart allerdings nicht mehr. Ich möchte, wie Manny auch, ein internationales Eishockey sehen.

LAOLA1: Sie sind ein gestandener Betreuer, waren jahrelang im Schweizer Oberhaus beim Zürcher SC, Langnau und Rapperswil tätig. Weshalb zog es Sie im Sommer nach Österreich?

Weber: Ich wurde entlassen, das geschah vergangenen Februar. Ich wollte unbedingt weiterarbeiten, nur gab es zu diesem Zeitpunkt keine freien Stellen, die mich interessiert hätten. Ich hatte durch Manny gute Kontakte zum KAC. Der Verein suchte jemanden für das Farmteam. Und ich sah keinen Grund, das Engagement auszuschlagen.

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