Unterluggauer - Der Lucky Luke von der Drau

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Wie die Drau, die Farbe Blau, der Fasching oder der Hausberg Dobratsch, ist auch Gerhard Unterluggauer nicht aus Villach wegzudenken.

Das VSV-Urgestein erlebt seinen x-ten Frühling in der Erste Bank Eishockey Liga und darf sich auf seine achten Playoffs in Österreichs höchster Spielklasse freuen.

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"Lugge" oder "Luigi" , wie der Familienvater von seinen Mitspielern liebevoll gerufen wird, besticht auch in dieser Saison durch harte Arbeit und seinen unermüdlichen Kampfgeist.

Ein Spieler, den wohl jede Mannschaft nicht nur am Eis, sondern auch in der Kabine gerne zur Verfügung hätte.

Bei LAOLA1 spricht der 38-jährige Verteidiger über den Saison-Verlauf, seine Geheimwaffe sowie Zukunftspläne und gibt Tipps für den Nachwuchs.

LAOLA1: Beim VSV läuft es zurzeit nicht rund. Was sind die Gründe?

Gerhard Unterluggauer: Wir haben zurzeit einen sehr kleinen Kader. Es sind einige Spieler krank oder verletzt. Außerdem haben viele Cracks angeschlagen gespielt – das macht sicherlich einen großen Unterschied. Doch schön langsam lichtet sich unser Lazarett und bis zum Wochenende werden wir hoffentlich wieder komplett sein. Das wird sich dann auch auf die Leistung auswirken.

"Lugges" Onetimer von der Blauen gilt als schärfster Schuss der Liga

LAOLA1: Der VSV hat sich im Vergleich zum Vorjahr verändert. Wie würdest du die letzten Saisonen miteinander vergleichen?

Unterluggauer: Derek Ryan war das Um und Auf der Mannschaft. Heuer ist es mehr das Kollektiv. Letztes Jahr haben wir vor allem mit einer Linie unsere Tore und Punkte geholt, in dieser Saison verteilen sich die Torschützen auf allen vier Reihen.

LAOLA1: Göhringer, Alagic und Platzer sind alles junge Spieler mit Talent und Potential. Irgendwie hat man aber das Gefühl, dass alle den Schwung aus dem Vorjahr nicht wirklich mitgenommen haben. Wie siehst du das?

Unterluggauer: Naja, das zweite Jahr ist immer schwierig. In der ersten Saison hast du noch einen Rookie-Polster. Du kannst dir viel leisten, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Im darauffolgenden Jahr erwarten sich alle mehr von dir – vor allem dann, wenn du vorher stark warst. Und das geht nicht so einfach. Es braucht Zeit bis der nächste größere Schritt kommt. Das zweite Jahr ist einfach ein "Development-Year", in dem die Jungen sehen, dass es harter Arbeit bedarf, um den nächsten Schritt zu gehen. Aber sie sind alle auf dem richtigen Weg und spielen ordentlich.

LAOLA1: Was fehlt den Jungen noch?

Unterluggauer: Spiele, Spiele, Spiele. Die sind noch nicht so lange dabei – das braucht alles Zeit. Erst dann kommt die Routine. Wenn du immer wieder auf dem Eis stehst, kommst du auch auf gewisse Sachen selber drauf, die dir keiner zeigen kann. Klar kannst du ihnen sagen, wie sie es machen sollen, aber die Jungen müssen aus ihren Fehlern lernen. Das dauert einfach.

LAOLA1: Du bist schon lange mit dabei. Wie hast du dich über die Jahre verändert?

Unterluggauer: Das Spiel ändert sich, das ist nicht einfach. In jenem Alter, in dem unsere Rookies zurzeit sind, hab ich schon im Ausland gespielt. Da war ich in einer ganz anderen Rolle. Mit der Zeit kommt die Routine. Die kannst du dir nur über eine längere Periode aneignen. Das ist der Hauptunterschied: Du bist in der Folge im Kopf viel entspannter, reagierst auf die meisten Situationen relaxter. Aber für diese Einstellung brauchst du Jahre. Viele Spieler sind überzeugt, dass sie in anderen Linien aufgelaufen wären, wenn sie das damals schon gewusst hätten. Das ist der Unterschied zu den Top-Stars. Die haben die Ruhe oft schon als junge Spieler.

LAOLA1: Auch in deinem persönlichen Spiel muss sich ja durch die Veränderung der Drittelgröße einiges geändert haben.

Unterluggauer: Keine Frage. Das Spiel ist taktischer als letzte Saison. Außerdem sehe ich das gesamte Niveau auf einem höheren Level. Es gibt kaum mehr Spieler, die in einer Saison über 100 oder gar 120 Punkte erzielen. Auch, dass jede Mannschaft an einem guten Abend jedes andere Team schlagen kann, spricht für das Niveau der EBEL. So richtig schlechte Truppen wie seinerzeit, als du gewusst hast, da gewinnen wir 6:0 oder 10:0, die gibt es nicht mehr.

LAOLA1: Du wirst als die Gallionsfigur von Villach gesehen. Was verbindest du mit dieser Stadt? Was ist das Besondere am VSV?

Unterluggauer: Ich bin in Villach groß geworden, hab den ganzen Nachwuchs über hier gespielt. Ich kenne den Verein seit 30 Jahren. Ich kenne alles in- und auswendig, meine Kinder spielen hier. Es ist schwierig, mehr zu sagen, weil ich hier aufgewachsen bin. Natürlich habe ich zwischenzeitlich den Verein verlassen, aber Villach ist einfach Villach. Gespielt, gelernt, gelebt – das ist Villach.

Unterluggauer war von 2004 bis 2009 ein Innsbrucker "Hai"

LAOLA1: Der KAC kämpft gerade mit sich und um die Playoffs. Wie erlebst du die Situation beim Erzrivalen?

Unterluggauer: Ehrlich gesagt, ich schau doch mehr auf Villach als auf Klagenfurt. Der KAC hat es selber in der Hand. Natürlich bekomme ich die Ergebnisse mit, aber grundsätzlich sind mir die Sorgen der Klagenfurter relativ egal.

LAOLA1: Wie lauten deine Ziele beim VSV?

Unterluggauer: Langsam wieder in Fahrt kommen und in den Playoffs voll da sein. In der "fünften Jahreszeit" schaust du dann eh nur von Spiel zu Spiel.

LAOLA1: Du hast einen Wahnsinns-Hammer von der blauen Linie. Kann man so etwas trainieren?

Unterluggauer: Gute Frage. Das weiß ich selber nicht. Einige Leute können richtig gut schießen und wissen nicht warum. Andere wollen und können es nicht. Es hat viel mit Technik zu tun. Grundsätzlich muss man sagen, dass die guten Schützen alle über eine feine Technik verfügen. An der Schusstechnik zu feilen, ist echt nicht einfach. Das ist harte Arbeit – vor allem die Volley-Schüsse. Man hat es, oder man hat eben nicht. Solche Dinge sind bereits im Nachwuchsbereich erkennbar. Einige können im jungen Alter richtig gut schießen, manche nicht.

LAOLA1: Legst du Extra-Trainingseinheiten für die Blueliner ein?

Unterluggauer: Ich schieße und übe sehr viel. Das war immer schon so und wird auch so bleiben. Ich habe die Scheibe schon, als ich noch ein kleiner Bub war, gut getroffen.

LAOLA1: Was hättest du gemacht, wenn du nicht Eishockey-Profi geworden wärst?

Unterluggauer: Ich wäre Rockstar geworden.

LAOLA1: Wirklich?

Unterluggauer: Ja sicher, was denn sonst? (lacht). Nein, Spaß beiseite. Keine Ahnung. Ich hab schon so früh in der Bundesliga gespielt, dass ich mir darüber keine Gedanken machen musste. Der Sport war bei mir sehr früh an erster Stelle. Ich hab mit 15 bereits in der Bundesliga gespielt und da konnte ich nicht lange darüber nachdenken. Heute überlegen einige im Alter von 18 oder 20 Jahre, was sie tun sollen. Da war ich bereits in Kanada.

 

Das Gespräch führte Paul Preisig

LAOLA1: Im Nationalteam warst du 20 Jahre lang dabei. Nach Olympia 2014 bist du zurückgetreten. Wie ist das Gefühl, nicht mehr im rot-weiß-roten Trikot aufzulaufen?

Unterluggauer: Bei den Breaks nicht mehr dabei zu sein, war nicht komisch, da fahren eh tendenziell nur jüngere Cracks mit. Aber ich muss trotzdem sagen, dass ich die Mannschaft sehr gut finde. Sie haben wirklich tolle Erfolge gefeiert. Ein Umschwung ist zu erkennen und ich bin schon auf die A-WM in Prag gespannt. Andererseits vermisse ich das Nationalteam irgendwie schon, da musste man in den Länderspiel-Pausen dann nicht so hart trainieren. (lacht)

LAOLA1: Juckt dich die A-WM nicht?

Unterluggauer: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich hab 20 Jahre für das Nationalteam gespielt, da ist die Saison mit anschließender WM sehr lang. Du hast einen Monat Pause, dann musst du dich auf die WM vorbereiten. Danach hast du wieder zwei Monate Pause und darfst dich erneut auf die Liga vorbereiten. Da ist es dann schon schön, im Sommer einmal komplett vom Eishockey abzuschalten, einmal weg vom ganzen Zirkus zu sein.

LAOLA1: Dreht sich bei dir privat alles nur um Eishockey?

Unterluggauer: Im Winter auf jeden Fall. Da die Kinder (Anm. Unterluggauer hat zwei Söhne - 12 bzw. 8 Jahre alt) auch Eishockey spielen, ist immer nur die Frage: Wer trainiert wann? Entweder die Kinder oder ich. Im Sommer aber ist Eishockey gar kein Thema. Da relaxe ich und gehe mountainbiken.

LAOLA1: Du wirst heuer 39 Jahre alt. Hast du schon ans Ende Karriere gedacht? Wie schaut es mit einer Vertragsverlängerung aus?

Unterluggauer: Nein, ein paar Jahre möchte ich schon noch weiterspielen. Fürs Aufhören ist es noch zu früh. Ein Jahr geht auf jeden Fall noch, dann muss man sehen, wie ich mich fühle, und ob ich noch meine Leistung bringe. So lange ich gut spiele, will ich weitermachen. Wenn die Leistung nicht mehr passt, ist es Zeit aufzuhören.

LAOLA1: Du kannst auf einige Stationen deiner Karriere zurückblicken. Wenn du jungen Spielern einen Tipp geben könntest, wie würde dieser lauten?

Unterluggauer: Die Schule geht vor. Eine Profi-Karriere, die 20 Jahre lang andauert, können nicht viele Spieler vorweisen. Das ist purer Luxus. Aber es gibt auch ein Leben nach dem Eishockey. Heutzutage gibt es Möglichkeiten in Akademien Sport und Schule zu verbinden, die gab es damals nicht. Die Schulausbildung muss Priorität haben. Das Eishockey ergibt sich eh von allein.

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