"Fortier trifft nicht einmal ein Haus"

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Die Vienna Capitals kämpfen derzeit in der Qualifikationsrunde der EBEL um einen Platz im Playoff.

Zu Beginn der Saison als einer der Kandidaten auf den Titel gehandelt, müssen die Wiener nach dem Grunddurchgang um die Teilnahme an der Postseason bangen.

Doch warum ist beim Hauptstadtklub so viel Sand im Getriebe?

Im Gespräch mit LAOLA1 findet Vize-Präsident Martin Platzer klare Worte für die Krise. Zusätzlich äußert er sich zu „Fehleinkäufen“ und der Kritik von Rafael Rotter gegenüber der „Heute“, man würde Legionäre nur nach Statistiken aussuchen.

LAOLA1: Der Grunddurchgang ist für die Capitals nicht nach Plan verlaufen. Woran hat es ihrer Meinung nach gehapert?

>>>Freitag, 19:10 Uhr -  VSV gegen Capitals im LAOLA1-Live-Stream<<<

Martin Platzer: Das ist eine schwierige Frage, denn es spielen sehr viele Faktoren ein Rolle. Erstens hatten wir gleich zu Beginn viele Verletzte und Spieler wie Rafael Rotter (Hier geht’s zum Interview mit Rotter) oder Harald Ofner (Hier geht’s zum Interview mit Ofner), die mit Sicherheit zu den Top-Österreichern gehören, fallen die gesamte Saison aus. Zweitens haben Leistungsträger wie Francois Fortier, der im letzten Jahr noch 54 Tore geschossen hat und in dieser Saison nur 13 Mal getroffen hat, nicht zu ihrer Form gefunden. Abschließend haben wir noch Imports, die nicht das gebracht, was wir uns von ihnen erwartet haben. Das Ergebnis ist ein Zusammenlaufen aus all diesen Faktoren.

LAOLA1: Sie sagen, die Neuzugänge haben nicht eingeschlagen. Wie hat man sich das vorzustellen, wenn die Capitals einen Spieler verpflichten?

Platzer: Wir bekommen von Agenten eine große Anzahl an Spielern angeboten. Wir suchen uns positionsbedingt, diese heraus, die wir brauchen können. Der erste Schritt geht über die Statistiken und man trifft pro Position eine Vorauswahl von sechs bis zehn Spielern. Folgend erkundigt man sich über die Cracks bei Trainern, die mit ihnen gearbeitet haben, bei den Managern der Teams und auch bei ehemaligen Mitspielern. Daraufhin sortiert man Weitere aus und am Ende kommen ein bis zwei Spieler in Frage, mit deren Agenten wir dann über die Verträge verhandeln.

LAOLA1: Wo ist der Fehler zu suchen, wenn Neuzugänge nicht funktionieren?  Trifft Manager Franz Kalla und sie da nicht auch eine Mitschuld?

Platzer: Wir sprechen hier von Menschen und da gibt es keine Fehler in diesem Sinne. Nehmen wir als Beispiel Pat Kavanagh, den wir als Center für die zweite Linie geholt haben. Er hat in der DEL im Durchschnitt mehr Punkte gemacht als seinerzeit Benoit Gratton. Diese Statistiken sprechen für sich. Daraufhin telefoniert man herum und findet heraus, dass er ein ruhiger Spieler und in der Kabine von allen akzeptiert ist. Er ist zwar nicht der große Antreiber, aber ein solider Center. Dann erfährt man, dass er menschlich sehr in Ordnung und ein netter Typ ist. Man trifft eine Entscheidung und gleicht das mit den finanziellen Ressourcen ab. Wenn der Spieler kommt und nicht an die Leistungen der letzten Jahre anknüpfen kann, dann ist kein Fehler bei Herrn Kalla, Tommy Samuelsson oder mir zu suchen. Es geht hier um Menschen und wenn der sich nicht wohl fühlt, weil ihn seine Freundin verlässt oder die Mutter krank wird, sind das natürlich Umstände, die die Leistung beeinflussen.

Lupaschuk war bereits als schwieriger Charakter bekannt

LAOLA1: Von Ross Lupaschuk hat man sich trotz guter Statistiken getrennt, was war bei ihm das Problem?

Platzer: Ihn haben wir schon im Frühjahr beobachtet und erfahren, dass er ein komplizierter Charakter ist und aus diesen Gründen nicht so gut bei uns reinpasst. Björnlie konnte dann aufgrund seiner Gehirnerschütterung nicht an das Niveau anschließen, welches wir von ihm gewohnt waren. Daraufhin haben wir reagiert und Lupaschuk verpflichtet, obwohl wir wussten, wenn es hart auf hart geht, ist er keiner der mitzieht. Jedoch ist er in einer funktionierenden Mannschaft, der beste Offensiv-Verteidiger, den wir bekommen konnten. Er war auch im Angriff top und hinter dem Linzer Curtis Murphy bester Scorer unter den Defendern. Wir wussten auch, dass er in der Defensive seine Probleme haben wird, aber das ist ja im Grunde kein Problem, wenn die Mannschaft das auffangen kann. Wenn aber diese nicht funktioniert, weil eben so Faktoren einsetzen, wie dass Fortier nicht einmal ein Haus trifft, wenn er davor steht oder Rotter ausfällt, sind solche Dinge schwerwiegender. Spätestens da erkennt man, dass es ein Fehler war, diese Verpflichtung zu tätigen. Aber im Vorhinein kann ich das nicht wissen, denn dafür müsste ich ein Hellseher sein.

LAOLA1: Aber man kann diese Spieler doch als Fehleinkauf titulieren?

Platzer: Wenn der Spieler, trotz reichlicher Recherche im Vorfeld, nicht dementsprechend performt, hast du am Ende des Jahres unter Anführungszeichen einen Fehlkauf. Aber zum Verständnis: Nehmen wir Thomas Koch und Mike Siklenka (beide KAC Anm.) her. Jeder österreichische Manager hätte sich alle zehn Finger abgeschleckt, wenn man diese Spieler verpflichten hätte können. Fakt ist aber, dass beide heuer ein Totalausfall sind. Koch hat gerade mal fünf Tore geschossen und Siklenka ist vorwiegend eine Katastrophe. Deswegen sind sie aber noch keine Fehleinkäufe, sondern man wundert sich mehr darüber, warum sie nicht an die Jahre davor anknüpfen können. Man spricht so über die Imports, weil man sie vorher nie gesehen hat. Es wäre nie aufgefallen, dass Kavanagh schlecht performt, wenn er schon in der Vorsaison für uns gespielt hätte. Wäre dem so gewesen, wäre man eher verblüfft, dass er so nachlässt. Ähnlich wie das bei Fortier der Fall ist. Über den sagt niemand Fehleinkauf, aber in Wirklichkeit ist Fortier heuer als solcher zu bezeichnen. Daher muss man die Kirche im Dorf lassen, denn man kann mit Menschen nicht umgehen, wie mit Maschinen.

LAOLA1: Rafael Rotter sagte im Interview mit der Gratiszeitung "Heute", dass es eben nicht ausreiche vor einem Transfer nur die Statistiken zu checken. Was sagen sie dazu?

Platzer: Das ist eine idiotische Unterstellung, denn die Statistik ist nur das erste Auswahlkriterium. Wir haben keinen einzigen Spieler in den letzten Jahren eingekauft, über den wir nicht reichlich recherchiert hätten. Das ärgert mich persönlich, denn damit hat er mich angesprochen.

LAOLA1: Über ihren Neuzugang Andre Lakos musste man nicht viel recherchieren, denn man weiß um seine Stärke. Dennoch haben sie im Sommer noch gesagt (Hier geht es zum Bericht) er wäre zwar sportlich eine Option, aber würde charakterlich nicht zu den Capitals passen. Was hat sich binnen eines halben Jahres geändert?

Platzer: Es hat sich nicht viel geändert, aber die Situation ist nun eine andere. Wir haben schon im Dezember nach einem Verteidiger gesucht und haben keine passende Personalie gefunden. Dann hieß es Andre Lakos wäre zu haben. Aus sportlicher Sicht war es ohnehin nie die Frage. Der Präsident und ich haben uns entschieden über die Vergangenheit hinwegzusehen. Denn der sportliche Erfolg ist wichtiger, als diese alten Geschichten. Natürlich sind wir da über unseren Schatten gesprungen, weil wir eine relative klare Linie haben

LAOLA1: Ein Mann, der laut seinen Aussagen noch ein Spieler der Caps ist, aber ihrer Ansicht nach nicht mehr dem Verein angehört, ist Chris Harand (Hier geht’s zum Interview). Er droht nun mit einer juristischen Klage.

Platzer: Zu diesem Thema Stellung zu nehmen, fällt mir schwer, da ich die Verträge nicht mache. Chris Harand hat mit Herrn Kalla einen Vertrag gemacht und darin gab es eine Ausstiegsklausel bis Ende September. Er wurde von Samuelsson informiert, dass wir den Vertrag auflösen und es gab auch ein Mail an seinen Manager. Wir waren der Meinung, der Vertrag wäre somit aufgelöst und er glaubte, dass er nur abgemeldet wurde. Das ist der Stand der Dinge und was wirklich ist, wird das Gericht klären müssen. Wenn Herr Kalla zu mir sagt, er habe den Vertrag aufgelöst, gehe ich davon aus, dass es stimmt.

LAOLA1: Zu Saisonbeginn haben sie den Meistertitel als Ziel ausgegeben. Hat sich das aufgrund ihrer bisherigen Performances geändert?

Platzer: Nein überhaupt nicht. Wenn wir ins Viertelfinale kommen, sind wir mittlerweile zwar Außenseiter, aber wir haben gezeigt, dass wir alle schlagen können. Allerdings können wir auch von jedem geschlagen werden. Wir sind die einzige Mannschaft die gegen Jesenice fünf Punkte liegen hat lassen. Vor allem gegen starke Gegner haben wir gut gespielt und gegen die Schlechten ausgelassen. Wenn wir ins Viertelfinale kommen, muss man uns auf der Rechnung haben.

>>>Freitag, 19:10 Uhr -  VSV gegen Capitals im LAOLA1-Live-Stream<<<

Das Interview führte Sebastian Rauch

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