"No hard feelings"

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"Ich wurde nicht zum Gehen gezwungen"

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Solche Geschichten schreibt nur der Sport. Diese Binsenweisheit hört man oft, passt in diesem Falle aber wieder wie der berühmte Deckel auf den Topf.

Justin Keller wurde während der Saison von Salzburg nach Wien transferiert und schießt im ersten Spiel der Halbfinal-Serie beim 6:2 Erfolg der Capitals über die „Bullen“ zwei Treffer gegen den Ex-Verein.

Nicht wenige interpretierten in seinen ausgelassenen Jubel eine Botschaft in Richtung seines ehemaligen Arbeitgebers. Zu undurchsichtig war der Abschied des 27-Jährigen aus der Mozartstadt im Dezember. Alles Unfug, erzählt der Kanadier nun aber im LAOLA1-Interview und klärt auf, wie der Abschied aus Salzburg tatsächlich von statten ging.

Weiter spricht er über die Favoriten-Rolle der Vienna Capitals und seine besondere Verbundenheit mit den Kollegen aus Linz.

LAOLA1: Gratulation zu deinen beiden Treffern gegen deinen Ex-Klub. Wie hat sich das angefühlt?

Justin Keller: Das war natürlich toll, aber wichtiger, als zu treffen, war es, den Sieg einzufahren.

LAOLA1: Ihr habt bereits nach 30 Minuten mit 5:0 geführt. War es so einfach, wie es von außen ausgesehen hat?

Keller: Siegen ist niemals einfach. Das Resultat wird dem Spiel nicht gerecht. Salzburg hat ein tolles Team mit starken Einzelkönnern, die es einem nie einfach machen. Obwohl wir 6:2 gewonnen haben, war der Unterschied auf dem Eis nicht so groß, wie man es aufgrund des Ergebnisses vielleicht vermuten würde.

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LAOLA1: Ihr habt losgelegt wie die Feuerwehr und Salzburg wirkte überrascht. Habt ihr großartige Änderungen vorgenommen, sodass sich der Gegner nicht auf euch einstellen konnte?

Keller: Unser Gameplan war nicht groß verändert. Immer wenn man sich im Playoff auf ein Spiel vorbereitet, sichtet man Videos, die besondere Tendenzen und Schwächen im Spiel des Gegners aufdecken. Unser Ziel war es, unsere Stärken zu forcieren und von Beginn an aufs Gas zu drücken. Als wir auf dem Eis waren, haben wir dann nicht mehr groß nachgedacht, sondern schlicht auf die Situationen, die sich durch das Spiel ergeben haben, reagiert. Das ist uns offensichtlich gut gelungen.

LAOLA1: Seit du aus der Mozartstadt nach Wien übersiedelt bist, hast du dreimal gegen Salzburg gespielt und drei Treffer erzielt. Bist du gegen deine ehemaligen Teamkollegen besonders motiviert?

Keller: Es bereitet mir immer Spaß, gegen einen Ex-Verein und frühere Mitspieler aufzulaufen. In diesen Duellen gibt es ein gewisses Extra, ich würde es nicht Druck nennen, aber du weißt einfach, dass die Leute in diesem Spiel besonders auf dich schauen werden. Ich genieße das und es gibt mir einen Schub zusätzliche Motivation.

LAOLA1: Warum hast du Salzburg überhaupt verlassen?

Keller: Es war damals eine Entscheidung in beiderseitigem Einvernehmen. Ich habe Salzburg zu guten Konditionen verlassen und es gab keinen besonderen Vorfall, der mich zum Gehen gezwungen hätte. Meine Zeit dort war gut. Aber Wien war auf der Suche nach einem Spieler und Salzburg offensichtlich darum bemüht, einen abzugeben. So hat es sich ergeben, dass ich eben dieser Spieler war. Ich habe in Salzburg tolle Erfahrungen gemacht, wurde immer gut behandelt und bin nicht im Streit gegangen.

LAOLA1: Im Fußball gibt es mittlerweile diesen, zugegebener Maßen fragwürdigen Trend, dass Spieler bei einem Tor gegen den Ex-Verein nicht mehr jubeln. Nachdem du gegen Salzburg doppelt getroffen hast, hast du deinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Man kann also davon ausgehen, dass es solche Tendenzen im Eishockey nicht gibt?

Keller: Ist das im Fußball wirklich so? Davon habe ich noch nie gehört. Ich finde das sogar ein wenig lustig und muss mir das gleich mal auf youtube ansehen. Im Eishockey gibt es so etwas nicht, denn der Sport lebt von der Spontanität und seiner Geschwindigkeit. Ich feiere meine Tore aber auch nicht ausgelassener, nur weil ich einmal für einen Verein gespielt habe. Beim Jubel verschwendet man keine Gedanken, ob man irgendjemanden auf den Schlips treten könnte, man lebt einfach den Moment. Außerdem musst du den Treffer schon rein aus dem Grund feiern, dass du ja schließlich nicht weißt, wie lang es dauern wird, bis du das nächste Mal triffst (lacht).

Justin Keller im Trikot der Salzburger

LAOLA1: Du kennst den Halbfinal-Gegner aus deiner Zeit dort sehr gut. Was sind die Stärken der Salzburger?

Keller: Sie sind eisläuferisch eine sehr starke Truppe und haben einige Spieler in ihren Reihen, die ein Spiel entscheiden können. Angefangen beim Goalie über die Verteidigung bis hin zu den Stürmern kann man eigentlich keine Schwachstellen finden. Wir müssen aber versuchen, die Dinge zu kontrollieren, die wir kontrollieren können, und uns nicht auf die Stärken des Gegners konzentrieren.

LAOLA1: Betrachtet man die bisherigen Saison-Leistungen, seid ihr nicht nur in dieser Serie sondern auch in einem möglichen Finale Favorit. Wie geht ihr mit dem Druck um?

Keller: In den Playoffs zählt der Grunddurchgang nicht mehr. Man bekommt keine zwei Punkte für einen Sieg, sondern du brauchst vier erfolgreiche Spiele, um eine Serie zu gewinnen. Egal ob du bereits 0:3 zurückliegst oder es zu Spiel sieben kommt, es gibt keine Favoriten mehr. Die letzten Vier haben es sich verdient und die anderen Mannschaften haben tolle Spieler. Da kannst du keinen hervorheben. Unser Vorteil ist es vielleicht, dass wir gegen jedes Team den Heimvorteil haben.

LAOLA1: Fragen dich die Kollegen, wie es sich anfühlt Meister zu werden oder ist das M-Wort bei euch tabu?

Keller: Natürlich fragen mich die Mitspieler nach meinen Erlebnissen im letzten Jahr, aber der wichtigste Teil der Playoffs ist, nicht über das nächste Spiel hinaus zu denken. Wenn du mit dem Kopf bereits bei den nächsten Matches bist, dann gehen die tollen Momente und Emotionen unbemerkt an dir vorbei. Wir beschäftigen uns nicht mit einem möglichen Finalsieg, sondern nur mit dem Spiel am Freitag.

LAOLA1: Hast du noch Kontakt mit Kollegen aus deiner Linzer Zeit?

Keller: Ja, mit den Leuten, mit denen du Titel gewinnst, bleibst du ein Leben lang befreundet. Das ist ein einschneidendes Erlebnis.

LAOLA1: Im letzten Jahr war der Zusammenhalt der Linzer Truppe ein großes Plus. Wie ist der Teamspirit bei den Capitals?

Keller: Das war eines der ersten Dinge, die mir bei meiner Ankunft in Wien aufgefallen sind. Es kommen alle miteinander aus, wir sind vor einem Spiel nie angespannt, sondern sehr relaxed und befreit. Wir lachen und haben eine gute Zeit. Es geht bei uns darum, die Momente zu genießen.

Das Interview führte Sebastian Rauch

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