Emotionslos, aber nicht kalt

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"Spieler müssen sich sagen: mea culpa"

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Spieler, Schiedsrichter, Trainer, Funktionär.

ÖEHV-Präsident Dieter Kalt kennt praktisch alle Blickwinkel des heimischen Eishockey-Sports.

Da liegt es auf der Hand, dass der 72-Jährige dem möglicherweise entscheidenden vierten Finalspiel zwischen dem KAC und den Vienna Capitals am Freitag (20:30 Uhr live im LAOLA1-Stream) entgegenfiebert.

Allerdings nur innerlich. Denn äußerlich gehe er als Verbandschef „ganz emotionslos“ zu den Spielen, wie er im Interview betont. Darüber hinaus macht Kalt einen Rückblick auf die Saison und spricht über A-WM und Olympia.

LAOLA1: Herr Kalt, was ist ihr Eindruck von der Finalserie?

Dieter Kalt: Ich war zwar am Dienstag zu Sitzungen des Nationalen Olympischen Komitees in Wien, konnte mir das dritte Finalspiel aber nicht anschauen. Wie die ersten beiden Spiele war es aber wieder sehr eng. Trotz des doch relativ klaren Ergebnisses. Bislang konnte man nicht sagen, dass eine Mannschaft eine Favoriten-Stellung gehabt hätte. Deshalb war ich am Dienstag auch sehr überrascht über die Höhe des Sieges. Dennoch ist der Zug noch nicht abgefahren. Eine Mannschaft, die mit dem Rücken zur Wand steht, kann über sich hinauswachsen. Und auf der anderen Seite besteht bei einer 3:0-Führung oft die Gefahr, dass eine gewisse Zufriedenheit einkehrt.

LAOLA1: 0:3 hinten. Was braucht es da, damit die Caps das Ruder noch einmal herumreißen können?

Kalt: Sie müssen zuerst einmal diszipliniert spielen, denn die Ausschlüsse kommen schließlich nicht von alleine. Man kann nicht immer den Schiedsrichtern die Schuld geben. Das sind die Spieler, die ganz einfach über die Stränge schlagen. Die müssen in den Finalspielen zu sich selbst sagen: mea culpa, ich muss mich zurücknehmen, darf kein Revanche-Foul machen. Ich helfe meiner Mannschaft nur, wenn ich auf dem Eis bin und nicht auf der Strafbank sitze.

LAOLA1: Für Sie als Kärntner gibt es wohl Schlimmeres als eine 3:0-Finalführung des KAC?

Kalt: Ich bin seit vielen Jahren ein neutraler Präsident. Ich bin im Verband schon lange tätig, habe Höhen und Tiefen miterlebt, war selbst zehn Mal österreichischer Meister. Ich verstehe also dieses Metier, gehe aber emotionslos zu diesen Spielen.

LAOLA1: Wie fällt ihr Resümee über die ganze Saison aus?

Kalt: Es war eine Saison, die bis zum Schluss eigentlich von den Vienna Capitals geprägt war. Sie haben die Saison sehr dominant durchgespielt. Sie ist ja noch nicht zu Ende, möchte ich betonen. Es hat während der Saison Phasen gegeben, in denen jeder jeden schlagen konnte. Das war für das Publikum und das Fernsehen sowie LAOLA1 sehr interessant. Ich glaube, dass wir mit dieser Saison wieder sehr viele Eishockey-Freunde gewonnen haben. Leute, die Action sehen wollen. Vergessen sollte man aber auch nicht – das sage ich auch den Sportlern ganz gerne – das Motto: Fairplay and respect! Das heißt, dass ich nicht nur ein faires Spiel haben soll, sondern dass ich den Gegner – in welcher Form auch immer – respektiere. Dieser Slogan aus dem internationalen Eishockey ist nicht wegzudiskutieren und muss in den Köpfen der Spieler vorhanden sein. Dann wird man auch Finalspiele mit aller Härte des Eishockeys leichter über die Bühne bringen.

LAOLA1: Welche Baustellen haben sich aufgetan?

Kalt: Baustellen haben wir nach wie vor im Nachwuchsbereich. Da sind wir aber momentan auf einem ganz guten Weg. Auch wegen unseres Sportdirektors Alpo Suhonen, der ein Konzept vorgestellt hat, das momentan von den Präsidenten der EBEL-Vereine gutgeheißen wird. Hier müssen wir jetzt alle zusammenarbeiten, um auch die finanziellen Möglichkeiten zu bieten, dieses Konzept durchzuführen. Aber richtig ist, dass wir im Nachwuchs ganz korrekt arbeiten müssen und da sind die Klubs angehalten, weil der Verband im Prinzip nur die Auswahlmannschaften über hat. Wir sind jedoch gerne dazu bereit, unsere ganze Erfahrung einzubringen.

LAOLA1: Wann erwarten Sie von diesem Konzept die ersten Früchte?

Kalt: Das Konzept von Suhonen besagt, man muss zuerst jene Leute ausbilden, die dann mit dem Nachwuchs arbeiten. Das heißt, ich muss die Trainer ausbilden und das geht sicher nicht von einer Minute auf die andere. Das ist ein mittelfristiges Konzept, aber in zwei, drei Jahren kann man sich sicher sein, dass da und dort Trainer Jungen einen höheren Level vermitteln können. Wobei das Hauptaugenmerk zwischen dem zwölften und dem 15. Lebensjahr auf den Skills sind, die automatisiert werden müssen. Danach beginnt die körperlich harte Arbeit für die Burschen, die Gewichtstraining machen und sich für die Youngster-League vorbereiten.

LAOLA1: Das Nationalteam hat der geschundenen österreichischen Sport-Seele mit dem Sieg in der Olympia-Quali gegen Deutschland heuer einen wunderschönen Moment beschert.

Kalt: Wir haben am Dienstag im Nationalen Olympischen Komitee den einstimmigen Beschluss gefasst, dass Österreich vom NOK aus an den Spielen in Sotschi teilnehmen darf. Bis jetzt haben wir ja nur die internationale Qualifikation geschafft. Dazu war noch notwendig, dass auch das NOK zustimmt. Das war ein Formalakt, aber es ist ein sichtbares Zeichen, dass das Olympische Komitee hinter dem Nationalteam steht.

LAOLA1: Wie geht es im Team weiter?

Kalt: Nächste Woche steht bereits ein weiteres Trainingslager an. Es stehen Spiele gegen Slowenien und Italien auf dem Programm. Außerdem werden wir gegen Kasachstan in Innsbruck (Freitag, 5.4., 18 Uhr live bei LAOLA1.tv) und gegen Dänemark in Kopenhagen spielen, sodass wir meiner Meinung nach gut vorbereitet zur Weltmeisterschaft kommen. Sorge bereitet mir nur, dass auch alle Top-Spieler wirklich fit sind, denn wir haben für eine A-Weltmeisterschaft natürlich nicht so eine große Breite, einen Top-Spieler adäquat ersetzen zu können.

LAOLA1: Welche Signale kommen bezüglich der WM von unseren NHL-Stars?

Kalt: Die Spieler selbst haben mir gesagt, dass sie bereit sind, wenn wir sie brauchen. Ich hoffe nur, dass sie dann tatsächlich auch kommen und fit sind.

Das Interview führte Reinhold Pühringer

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