Defense wins Championships

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Zaba gegen Swette - Duell der Keeper

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Offense wins games, defense wins championships.

Ein ungeschriebenes Gesetz, welches sich in den letzten Jahrzehnten im Eishockey des Öfteren bewahrheitet hatte.

Meist standen in den Final-Spielen der Erste Bank Eishockey Liga die Abwehrreihen und insbesondere die Torhüter im Mittelpunkt. Besonders die Schlussmänner avancierten nicht selten zu den Schlüsselfiguren für die später siegreiche Seite.

Aus diesem Grund hat sich LAOLA1 mit der österreichischen Goalie-Legende Claus Dalpiaz über die beiden Final-Keeper Matt Zaba (Vienna Capitals) und Rene Swette (KAC) unterhalten. Der ehemalige Nationaltorhüter und nunmehrige TV-Experte spricht im Interview über die Stärken und Schwächen der Schlussmänner, analysiert die Backups beider Teams und weiß, wer sich mehr auf seine Vorderleute verlassen kann.

LAOLA1: Die Torhüter stehen in den Playoffs immer im Mittelpunkt. Ist für dich Matt Zaba oder Rene Swette der bessere Torhüter?

Claus Dalpiaz: Zunächst muss mal gesagt werden, dass Swette ein sehr starker Torhüter ist, sehr konstant auftritt und kaum Fehler macht. Zaba jedoch, ist die Nuance sicherer und hat in dieser Saison nur ganz wenige schlechte Spiele bzw. gravierende Fehler gemacht. Außerdem spielt er die Scheibe schneller ab, Swette hingegen nimmt mehr Bullys und geht auf Nummer sicher. Zaba kann das machen, weil er die Abpraller besser kontrolliert und auch die Vorderleute dazu hat.

LAOLA1: Deiner Meinung nach ist die Abstimmung zwischen Verteidigung und Torhüter bei den Wienern also besser?

Dalpiaz: Ja, in der Defensive sehe ich das große Manko der Klagenfurter. Im Endeffekt lässt dies den Torhüter schlechter wirken. Es hängt nämlich nicht immer alles nur am Goalie, sondern ein Schlussmann braucht eine Mannschaft, die die Rebounds wegnimmt und den Slot zumacht. Die wenigen Gegentore der Wiener in den bisherigen Playoff-Spielen zeigen, wie solide die Hintermannschaft ist.

TV-Tipp: LAOLA1 zeigt das Spiel Vienna Capitals gegen den KAC am Donnerstag ab 20:15 Uhr LIVE!

Zaba punktet vor allem durch seine Kompaktheit

LAOLA1: Wo siehst du den gravierenden Unterschied zwischen den beiden Keepern?

Dalpiaz: Swette bekommt die Abpraller nicht in der Regelmäßigkeit kontrolliert, wie sein Caps-Kontrahent. Zaba ist sehr ruhig und kontrolliert im Tor, das hat er dem Klagenfurter voraus. Swette ist auf einem sehr guten Weg und strahlt bereits sehr viel Ruhe aus, aber Zaba ist noch einen Schritt weiter. Das kann man trainieren, das hat mit Routine nichts zu tun. Da geht es um die Bewegung im Tor, das Eislaufen und wie du ein Spiel liest.

LAOLA1: Du sprichst die Routine an. Klarer Punkt für Zaba?

Dalpiaz: Er hat Bozen im Vorjahr im Alleingang zum Titel geführt und das mit fast 95 Prozent gehaltener Schüsse. Er weiß wie man Titel gewinnt. Für Swette ist es das erste Finale als Starting-Keeper, was aber auch ein Vorteil sein kann.

LAOLA1: Inwiefern?

Dalpiaz: Swette hat nichts zu verlieren und kann so cool aufspielen, wie schon im Viertel- und Halbfinale. Er ist befreiter als sein Gegenüber, dessen Mannschaft die Favoritenrolle inne hat. Zaba hat den Druck, dass die Caps seit 2005 erstmals wieder in einem Finale stehen und das war für die heurige Saison das Minimalziel. Die Caps müssen und der KAC will Meister werden. Mental sehe ich den Vorteil bei Swette.

LAOLA1: Du hast bereits angesprochen, dass Zaba die Finalserie in Italien im letzten Jahr im Alleingang entschieden hat. Traust du Swette ähnliches auch zu?

Dalpiaz: Ich habe schon vor den Playoffs gesagt, dass ich Swette beginnen lassen würde, aber Christer Olsson hatte sich für Andy Chiodo entschieden. Die Klagenfurter sind in der Abwehr nicht immer sattelfest und Swette begeistert immer wieder durch großartige Aktionen, mit welchen er die Mannschaft im Spiel hält. Es ist erstaunlich, wie cool er ist, obwohl er noch nie Playoff gespielt hat.  Er kann definitiv Spiele im Alleingang entscheiden.

LAOLA1: In der Statistik liegt Swette mit 93,3 Prozent gehaltener Schüsse knapp vor Zaba mit 93,1 Save-Percentage. Wieviel sagen solche Zahlen tatsächlich über die Stärke eines Keeper aus?

Dalpiaz: Nicht so viel, denn es kommt darauf an, wie du als Torhüter mental eine Niederlage oder einen Fehler in den Playoffs verkraftest. Jeder macht Fehler und dann ist es wichtig, wie du weiter agierst. Zaba lässt sich von Aktionen, die passiert sind, nicht beeinflussen, aber auch Swette ist da schon sehr weit für sein Alter. Du darfst in den Playoffs nie zurück, sondern immer nach vorne blicken.

LAOLA1: Sind die beiden Final-Goalies für dich auch die besten Keeper der Saison 2012/13?

Dalpiaz: Absolut. Die Beiden unterscheiden wirklich nur Nuancen. Außerdem würde ich VSV-Schlussmann Jean-Philippe Lamoureux auch noch in diese Wertung aufnehmen.

Swette gehört zu den besten Keepern der Liga

LAOLA1: Beide haben sich während dem Jahr mit ihren Konkurrenten Andy Chiodo bzw. Fabian Weinhandl um die Nummer eins gematcht. Welches Team hat den besseren Backup?

Dalpiaz: Die Capitals. Chiodo kann Spiele für die Mannschaft entscheiden, doch das hat er heuer nicht oft genug bewiesen. Bei Bauerntricks und in der kurzen Ecke bekommt er öfter leichte Tore. Weinhandl ist zuverlässiger. Da weiß der Trainer, er hält das, was er halten muss und darüber hinaus. Im Halbfinale kam er in Spiel drei überraschend zum Einsatz und hat beim 2:1 gegen Salzburg sensationelle Aktionen gezeigt.

LAOLA1: War diese Aktion von Tommy Samuelsson, plötzlich Weinhandl zu bringen, für dich nachvollziehbar?

Dalpiaz: Auf den ersten Blick war es vielleicht nicht so ganz zu verstehen. Wenn du sechs Spiele binnen zwei Wochen bestreiten musst, kann das schon etwas bringen. Da die Capitals unter dem Jahr immer wieder den Torhüter gewechselt haben, hatte Zaba nie eine solch hohe Intensität an Spielen. Die Belastung von so vielen Matches binnen kurzer Zeit, bist du als Torhüter dann vielleicht nicht unbedingt gewöhnt. Die mentale Belastung lässt dich verkrampfen und beim 2:3 in Wien wirkte Zaba überspielt. Im Nachhinein war Weinhandl zu bringen, kein Fehler. Ein ausgeruhter Zaba ist eine Klasse stärker. Mich würde es nicht überraschen, wenn es Samuelsson, natürlich abhängig vom Stand in der Serie, erneut so machen würde und eventuell bei 2:1 aus Sicht der Caps in Klagenfurt wieder Weinhandl auflaufen lässt.

LAOLA1: Weinhandl hat, im Gegensatz zu Swette in Klagenfurt, den Kampf um das Einser-Leiberl bei den Capitals verloren. Was fehlt Weinhandl noch, um seinen Kontrahenten aus dem Tor zu verdrängen?

Dalpiaz: Er muss noch kompakter im Tor stehen, wenn die Situation unübersichtlich wird. Nach dem ersten Schuss ist Zaba sofort wieder in Position. Aufgrund seiner sensationellen Beinarbeit steht er perfekt zum Schützen. Weinhandl muss daran arbeiten, dass er für den Nachschuss bereit ist und ruhiger wird. Dafür muss man sehr viel Eislaufen. Bei Schüssen aus der Distanz sind die beiden auf Augenhöhe, aber der Kanadier strahlt aufgrund seines Stils mehr Ruhe aus. Auf den ersten Schuss kannst du dich immer einstellen, da du das Spiel davor lesen kannst. Aber wenn du diesen dann kontrolliert abwehrst, weißt du, wo der Puck hingeht und kannst dich dorthin bewegen, damit du in der perfekten Grundposition bist. Deswegen schaut Zaba so ruhig aus und ist nie außer Position und muss keine großen Schritte und Bewegungen machen.

LAOLA1: Zusammenfassend, wer hat die Nase im direkten Torhüter-Duell vorne. Zaba oder Swette?

Dalpiaz: Swette hält sehr viel und gut, macht den Körper aber hin und wieder zu sehr auf. Zaba hat immer den Schläger vor den Beinen und wenn er im Butterfly runtergeht, dann ist da zu. Daher sehe ich leichte Vorteile für den Wiener.

Das Interview führte Sebastian Rauch

TV-Tipp: LAOLA1 zeigt das Spiel Vienna Capitals gegen den KAC am Donnerstag ab 20:15 Uhr LIVE!

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