Daum: "Es ist ein Mysterium des Lebens"

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Die Eishockey-Saison 2011/12 ist um einen handfesten Skandal reicher. Zum Schauplatz wird Wien Kagran. Genauer gesagt die Albert-Schultz-Halle.

11:38 Minuten sind in Viertelfinale sechs gespielt. Jonathan Ferland kommt plötzlich ungedeckt im Slot zum Abschluss, die vermeintliche Führung der Vienna Capitals. Der Video-Beweis wird bemüht.

Nach mehrmaliger Wiederholung legen sich Zuseher, Kommentatoren und Experten fest: Kein Tor sondern Latte! Einzig das Schiedsrichter-Duo, Roland Kellner sowie Viktor Trilar, ist konträrer Meinung - trotz Studium der TV-Bilder. Zur Freude des Hexenkessels.

Im Lager der Black Wings sorgt dieser Entschluss für blankes Entsetzen. Während der Pause stürmt Linz-Manager Christian Perthaler die Kabine der „Zebras. Seine Interventionen bleiben erfolglos.

„Es ist ein Skandal!“

Nach dem zwischenzeitliche Ausgleich Gregor Baumgartners steht am Ende eine 2:4-Pleite. Die Entscheidung wird auf Sonntag (17:30 Uhr im LIVE-Ticker und auf ServusTV) vertagt. In Spiel sieben möchte der EBEL-Dominator die Antwort geben und den für sie überfälligen Halbfinal-Aufstieg fixieren.

Bis dorthin gilt es den „Schock“ zu verdauen, jener sitzt nämlich noch tief. „Das ist ein Skandal, damit müssen wir leben“, gibt Head Coach Rob Daum zu verstehen. Selbst mit etwas Abstand ist der sonst so besonnene 54-jährige Kanadier fassungslos, wie er im LAOLA1-Talk erklärt.

LAOLA1: Herr Daum, wie groß ist die Ernüchterung, nachdem der vierte Sieg erneut verpasst wurde?

Rob Daum: Nach jeder Niederlage in den Playoffs ist die Enttäuschung groß. Die Umstände sind aber wirklich nicht zu fassen. Ich stelle mir die Frage: Wie können einige Dinge so geschehen, wie sie eben geschehen sind. Jedoch müssen wir das schnellstmöglich abhaken und vergessen. Wir sollten uns auf das Bevorstehende konzentrieren und nicht damit beschäftigen, was in der Vergangenheit war.

LAOLA1: Sie spielen auf das Phantom-Tor an.

Daum: Es war kein Tor, daran besteht absolut kein Zweifel. Ich versuche mir noch immer zu erklären, wie eine solche Entscheidung gefällt werden kann. Für mich ist es einfach unmöglich zu begreifen. Es ist ein Mysterium des Lebens, welches nicht zu begründen ist. Wobei, vielleicht gibt es eine Erklärung, aber wir werden sie niemals erfahren.

LAOLA1: Wie haben Sie die Szene wahrgenommen?

Daum: Ich sah es nicht auf Anhieb. Doch nach dem Video-Beweis war die Situation offensichtlich - für jeden Menschen auf dieser Welt. Außer für die beiden Referees. Natürlich konnte ich nachvollziehen, warum sie die Aktion nochmals begutachten wollten. Es war klar erkennbar, dass der Puck nur an die Latte prallte. Es ist mir ein Rätsel, wie der Beschluss zustande kam.

LAOLA1: Heftige Diskussionen resultierten daraus. Wie begründeten die Schiris ihre Entscheidung?

Daum: Ich sprach sie nicht darauf an, somit kenne ich ihre Erklärung nicht. Ich glaube, keinem Spieler wurde dafür Rede und Antwort gestanden. Sie entschieden auf Tor - ganz einfach. Ab dem Zeitpunkt kann man nichts daran ändern. Ich warte weiterhin vergeblich darauf, dass mir jemand verdeutlicht, wie es dazu kommen konnte. Eine Begründung der Zuständigen würde mich freuen.

LAOLA1: Wenig später gelang Linz der Ausgleich, inwiefern war dieser Treffer mitentscheidend?

Daum: Jeder sollte wissen, das erste Tor ist sehr bedeutend. Selbst wenn noch lange zu spielen war, kann ich über viele Kommentare nur den Kopf schütteln. Wer sagt, all das beeinflusste dieses Spiel nicht, hat keine Ahnung von Eishockey. Gegentreffer sind dramatische Erscheinungen, haben große Auswirkungen auf die Begegnung. Passiert so etwas, macht es einen beträchtlichen Unterschied, wie der weitere Verlauf ist. Zu denken, es hätte keinen Einfluss, weil es nicht das Game-Winning-Goal in der Overtime war, ist einfach idiotisch. Ob es nun der entscheidende Faktor war, ist schwer zu sagen. Sie spielten besser als wir, deshalb holten sie sich den Sieg.

LAOLA1: Die Capitals hatten auch Fortune auf ihrer Seite, wie beispielsweise beim 3:1 durch Ferland. Defender Franklin MacDonald wollte den Puck fangen, fälschte dabei den „Blue Line“-Schuss jedoch unhaltbar für Alex Westlund ab. War Glück der einzige Unterschied?

Daum: Sie durften sich über glückliche Tore freue, gleich zwei Mal. Manchmal läuft es eben nicht so. Natürlich war es ein wichtiger Teil des Spiels. Aber zu sagen, sie gewannen lediglich dank mehr Glück, wäre unfair. Das gehört zum Sport dazu. Sie wussten daraus zu profitieren. Überdies hatten sie zahlreiche Powerplays, das war ebenfalls ein nicht zu verachtender Aspekt.

LAOLA1: Die Black Wings wirkten in ihren Angriffs-Bemühungen etwas ideenlos, woran lag das?

Daum: In der Defensive leisteten die Capitals gute Arbeit. Wir ließen uns nach außen drängen, kamen zu selten gefährlich in den Slot. Dadurch konnten wir keinen Verkehr erzeugen. Und wenn ihr Goalie Sebastian Stefaniszin die Schüsse kommen sieht, ist er meist mit starken Saves zur Stelle. Wir müssen einen Weg finden, wieder mehr Pucks auf das Tor zu bringen. Um ehrlich zu sein, konnten wir bereits die ganze Serie diesbezüglich nicht das Optimum ausschöpfen. In Spiel drei konnten wir unsere beste Performance abrufen, am Ende stand letztlich der 3:0-Erfolg. Am Sonntag müssen wir gegen ein sehr stark agierendes Team bestehen.

LAOLA1: Welche Veränderungen sind dafür erforderlich?

Daum: Wir haben die Konstellation erkannt, wissen, um was es geht. Eine „Do-or-Die“-Situation steht bevor, das ist nun jedem bewusst. Wir müssen richtig heiß aus der Kabine kommen und unser bestes Spiel zeigen. Eine Steigerung ist notwendig, aber mit Sicherheit möglich, daran besteht kein Zweifel.

LAOLA1: Sie haben stets betont, der letzte Sieg einer Serie sei der schwierigste. Warum bewahrheitet sich diese Weisheit erneut?

Daum: Für die Caps gab es keinen Ausweg, sie konnten befreit aufspielen. Solche Gegner sind immer besonders gefährlich. Wenn man die Führung in einer Serie hat, ist die „Verzweiflung“ nicht auf dem Level, wo sie vielleicht sein sollte. Diese Kombination könnte tödlich sein. Man muss den Fokus einzig auf diesen vierten Sieg legen. Die Vergangenheit spielt da keine Rolle. Der Gegner will natürlich nicht, dass die Saison zu Ende ist. Somit warfen die Capitals zuletzt alles in die Waagschale.

LAOLA1: Ist das viel zitierte Momentum nun auf Seiten der Wiener?

Daum: Ich glaube nicht! Blickt man zurück, dachten wohl viele, dass wir es nach drei Erfolgen in Serie innehatten. Wie man sieht, machte es keinen Unterschied. So wird es erneut in Spiel sieben sein. Das Momentum wird am Sonntag um 17:30 Uhr neu aufgebaut.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

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