"Mein Herz schlägt ab sofort für die Blau-Weißen!"

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Jahrelang huldigte das Publikum der Klagenfurter Stadthalle "ihren" Mike Craig. Sein unverkennbarer Spielstil und grenzenlos wirkende Leidenschaft ließen den Kanadier zum Liebling avancieren.

Vier Saisonen lang zählte der Right Wing mit einer geballten Erfahrung von 423 NHL-Einsätzen zu den Eckpfeilern im Erfolgskonstrukt des KAC. Ungeachtet dessen, flatterte im Sommer kein Vertrags-Angebot ein.

Trotz fortgeschrittenen Alters wollte sich der 40-Jährige neu orientieren, seine Unterschrift beim Villacher SV war ein Paukenschlag. Im Fußball wäre solch ein Transfer zum Erzrivalen Hochverrat.

Weniger dramatisch verhält sich dies in der Eishockey-Szene, das bestätigen KAC-Coach und Teamchef Manny Viveiros als auch VSV-Legende Gert Prohaska gegenüber LAOLA1. Beide haben selbst eine „dunkle“ Vergangenheit als Spieler beim großen Konkurrenten.

Vor dem Kärntner Derby am Dienstag (15. Runde, LIVE-Ticker ab 19:15 Uhr) sprach zudem Hauptdarsteller Craig über die Gefühlslage bei der bevorstehenden Rückkehr in das Reich der „Rotjacken“.

Craig: Ich bin zu 100 Prozent glücklich mit diesem Schritt. Manager Patrick Pilloni sowie Peter Kasper waren mit dem VSV bereits längere Zeit in Kontakt. Als ich den Anruf bekam, habe ich sofort zugesagt. Mein Try-Out-Kontrakt läuft jetzt über zwei Monate. Seit der Finalserie gegen Salzburg habe ich kein Spiel absolviert, es benötigt Zeit, um an meine gewohnten Leistungen anzuknüpfen. Die Abstimmung mit den Teamkollegen dauert ebenfalls, ich muss das System erst automatisieren. Gegen die Vienna Capitals (4:2) und HC Znojmo (3:2 n.V.) war es bereits ganz okay. Zuvor hat Villach acht Mal in Folge verloren. In dieser Phase müssen wir jeden möglichen Sieg mitnehmen, um wieder in Fahrt zu kommen.

Prohaska: Es wurden uns wirklich viele Spieler angeboten, darunter ebenso Mike Craig. Wir haben uns die Entscheidung eingehend überlegt, weil wir nicht wussten, wie die Fans auf ihn reagieren. Einen Ex-KAC-Spieler nach Villach zu holen ist eine heikle Sache. Dennoch wurde seine Verpflichtung bei den Fans extrem gut aufgenommen, das war beim ersten Auftritt gegen die Wiener bereits zu beobachten. Mike ist ein Kämpfer-Typ, der in den letzten neun Jahren in Österreich richtig stark aufgezeigt hat und zurecht einen super Ruf genießt.

Craig: Es war nicht meine Entscheidung. Ich habe immer alles gegeben. Der Klub traf letztlich diesen Beschluss. Ob sie den Roster verjüngen oder etwas anderes damit bezwecken wollten, ist völlig egal. Viele Leute verstehen nicht, dass Eishockey ein Business ist. Nicht nur in der EBEL, ebenso in der DEL oder NHL wechseln Spieler im Sommer. Transfers gehören dazu. Es ist einfach so, dass ich zum großen Rivalen gekommen bin. Mein Herz schlägt ab sofort für die Blau-Weißen. Ich möchte die Villach-Fans glücklich machen.

Viveiros: Wir wollten in eine andere Richtung gehen. Auf der Position versuchen wir nun mehr mit jungen Akteuren zu arbeiten. Wir sind davon überzeugt, dass es besser für unsere Zukunft ist. Das hat nichts mit Mike persönlich oder seinen Leistungen zu tun. Manchmal muss frisches Blut in den Kader gebracht werden. Es war an der Zeit. Wenn man sieht, wie er trainiert und auf dem Eis agiert, glaube ich dennoch nicht, dass er zu alt ist. Wir danken ihm für Arbeit und Einsatz. Trotzdem müssen wir auf unsere Mannschaft und die kommenden Jahre schauen.

Craig: Ich freue mich auf das Spiel, es wird aufregend. Nach vier Jahren beim KAC wieder als Gegner zurückzukehren, ist etwas Besonderes. Ich habe viele Erinnerungen sowie Freunde im Team. Wir sind in der Saison 2008/09 Meister geworden, solche Erlebnisse verbinden. Zu Hagi (Anm: Gregor Hager) habe ich noch Kontakt per E-Mail. Wir waren in dieser Zeit Nachbarn und sind gemeinsam zur Eishalle gefahren. Wegen dem Abschied aus Klagenfurt bin ich gar nicht enttäuscht. In der Vergangenheit kann man nicht leben, deshalb möchte ich Zeit sowie Energie nicht damit verschwenden. Ich richte meinen Fokus in die Zukunft.

Viveiros: Mike in einem blauen Trikot zu sehen, ist für mich nicht in Ordnung (lacht). Er war ein super Spieler für den Verein. Wir haben sehr viel Respekt davor, was er auf dem Eis als auch abseits geleistet hat. Er war ein Vorbild für unsere Talente. Es war sehr schwerig, ihn ziehen zu lassen. Das gehört jedoch zum Sport. Ich freue mich, dass er nun erneut die Chance bekommt, mit einem guten Team in der EBEL zu spielen. Ich habe mit Villach gesprochen und konnte nur positive Sachen berichten. Am Dienstag wird Mike einen tollen Empfang erhalten, denn unsere Fans haben viel Klasse und Respekt vor ihm. Während der Partie, wird es der normale Derby-Wahnsinn mit Playoff-Stimmung.

Craig: Ich bin mir nicht ganz sicher und habe gemischte Gefühle. Natürlich ist es nicht gut zum Erzrivalen aus Villach zu wechseln. Dennoch bin ich nicht der erste Spieler, der das getan hat, und werde wohl nicht der Letzte bleiben. Jetzt ist es spannend zu beobachten, wie sich der Umgang verändert hat. Ich kann mich an meine erste Partie beim VSV erinnern, damals flogen Becher in meine Richtung. Nach neun Jahren jubeln mir diese Fans zu und geben mir das volle Bier (lacht). Wir werden sehen, was in Klagenfurt auf mich zukommt.

Prohaska: Ihm wird es nicht so ergehen wie Andreas Ivanschitz, der bei seiner Rückkehr mit Salzburg in das Hanappi Stadion angefeindet wurde. Bei ihm war es eine Geld-Sache, weshalb er Rapid verließ. Hingegen wäre Mike gerne beim KAC geblieben, bekam aber keinen Vertrag mehr. Sie haben ihn praktisch ausgemustert, deswegen wird ihm das nicht so übel genommen. Möglicherweise ist es vergleichbar mit meinem Wechsel. Ich bin damals vom KAC nach Villach gegangen, da mir dort die Chance geboten wurde, Nummer eins zu werden. Die Fans zeigten Verständnis. Daher, glaube ich, es wird kein Pfeifkonzert für Mike geben. Die Klagenfurter wissen zu schätzen, was er geleistet hat und dank seiner Hilfe erreicht wurde.

Craig: Langfristig möchte ich mit Villach im Januar unter den Top-Sechs stehen, das wäre eine gute Ausgangsposition. Kurzfristig müssen wir die Teams vor uns beachten, Zagreb überholen und den letzten Platz abgeben. Dann können wir nach oben blicken. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. Wenn es nach meinen zwei Kindern geht, würde ich bis zum 45. Lebensjahr spielen (lacht). Doch ich glaube nicht, dass der Körper so lange durchhält. Es ist ein Wahnsinn, wie schnell die Karriere verläuft. Als ich mit 19 Jahren mit Minnesota in den Stanley-Cup-Finals stand, war es unfassbar spannend. Solche Erinnerungen sind unvergesslich. Ich rate jungen Spielern, jeden Tag zu genießen, denn es dauert nicht lange, bis diese Zeit vorbei ist.

Viveirso: Mike wird dem VSV nicht nur auf dem Eis helfen sondern vor allem in der Kabine. Er ist ein total professioneller Spieler, die Talente können von der Erfahrung nur profitieren. Wenn man als 40-Jähriger noch aktiv ist, kann das kein Zufall sein. In diesem Alter muss man in der Vorbereitung alles geben, um ein hohes Niveau über die gesamte Saison zu halten. Er wird die "Adler" definitiv verstärken.

Christoph Köckeis

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