Harand: "Bin nicht arbeitslos!"

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Harand: "Mir fehlt einfach die Challenge"

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Profi-Eishockey ist ein knallhartes Business - Chris Harand bekam dies in den vergangenen Monaten intensiv zu spüren.

Im Sommer kehrte der 30-Jährige von den Graz99ers zurück in die Bundeshauptstadt, sein Engagement bei den Vienna Capitals steht bislang aber unter keinem guten Stern.

Nach einem Wadenbeinbruch während der Vorbereitung folgte der nächste Tiefschlag – die Auflösung des Vertrags, oder doch nicht? Gegenüber LAOLA1 brachte der ÖEHV-Stürmer seine Frustration zum Ausdruck.

„Ich bin nicht arbeitslos, habe einen rechtlich gültigen Kontrakt bis zum Saisonende. De facto wurde ich damals abgemeldet, obwohl das nicht hätte sein dürfen“, verdeutlicht der Wiener.

Im LAOLA1-Interview spricht Harand über schwer nachvollziehbare Transfer-Beschlüsse und fehlende Unterstützung, überdies schließt er ein überraschendes Karriereende a lá Harald Ofner aus.

LAOLA1: Chris, wie fühlst du dich nach deiner Verletzung?

Chris Harand: Seit knapp drei Wochen stehe ich auf dem Eis – aber mit den Silver Capitals. Vize-Präsident Martin Platzer hat diese Entscheidung nach einem persönlichen Gespräch getroffen. Zuvor durfte ich nicht mittrainieren, es gab immer wieder Schwierigkeiten. Einmal hieß es ja, dann wieder nein. Diese Dinge habe ich mit ihm geklärt, jetzt geht es in Ordnung. Allerdings bin ich nicht angemeldet, weder für die zweite Mannschaft noch bei den Profis. Ich bin sozusagen nirgendwo einsatzfähig.

LAOLA1: In einer Stellungnahme der Wiener wurde die Auflösung des leistungsbezogenen Arbeitsverhältnisses verkündet. Kannst du etwas Licht ins Dunkle bringen?

Harand: Zu diesem Thema sollte ich nicht viel sagen. Das Ganze ist etwas komplizierter. An sich habe ich, korrekt betrachtet, bei den Capitals einen gültigen Vertrag. Ohne diverse Try-Outs oder Sonstiges. Ich habe von 1. August bis zum Saisonende unterschrieben und werde für meine Arbeit im Training ganz normal entschädigt. De facto wurde ich damals abgemeldet, obwohl es nicht hätte sein dürfen. Ich habe mir eine Frist gesetzt: Wenn sich bis Mitte Dezember nichts tut, muss ich irgendwas unternehmen. Aber ich möchte nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen.

LAOLA1: Die sportliche Leitung sicherte dir damals vollste Unterstützung zu. Warum kam es letztlich doch anders?

Harand: Warum? Das kann ich eigentlich nicht beantworten. Anfangs war immer die Rede davon, dass ich die beste Betreuung bekomme, mich schnellstmöglich regenerieren soll und in die erste Mannschaft zurückkehren werde. So hätte es eigentlich ablaufen sollen. Als mich der Verein abgemeldet hat, war das eine niederschmetternde Nachricht, weil ich davon nichts wusste. Eines Tages informierte mich die Krankenkasse, dass ich nicht mehr versichert bin.

LAOLA1: Inwiefern standen dir die Capitals auf deinem Weg zurück zur Seite?

Harand: Die Reha habe ich ganz alleine durchgezogen. Ohne Unterstützung. Ich bekam weder einen Physiotherapeuten noch andere Dinge. Daher musste ich selbst Hilfe für das Aufbautraining suchen. Ich bin bereits seit Wochen im Ausdauer- und Kraft-Bereich tätig, zudem arbeite ich jeden Abend mit den Silver Capitals.

LAOLA1: Weshalb musstest du dich plötzlich selbst um die bestmögliche Behandlung kümmern?

Chris Harand feierte mit dem KAC 2008/09 einen Meistertitel

Harand: Wie gesagt, eigentlich wollte mich der Verein nicht mehr haben. Es sickert so durch, als wäre ich nie ein Thema gewesen. Von Seiten des Trainers ist das völliger Schwachsinn. Tommy Samuelsson wollte mich immer haben. Er war mit meinen Leistungen zufrieden, lobte auch stets die Vorbereitung bis zur Verletzung. Mir wurde von ihm versichert, dass es nichts Negatives gibt. Er hat nie gesagt, ich wäre für das Team nicht geeignet oder gut genug.

LAOLA1: Woran liegt es, dass die Capitals trotz Vertrauen des Chef-Betreuers keinen Wert auf deine Dienste legen?

Harand: Ich habe absolut keine Ahnung, warum es der Fall ist. Derzeit läuft in Wien vieles nicht rund. Ich glaube, dass man vielleicht zu voreilig oder unruhig arbeitet. Pat Kavanagh zeigt, was da ins Rollen gebracht wurde. Nach wenigen Spielen wurde er wegen Lustlosigkeit und seiner Leistungen gefeuert, ein Monat später wird er zurückgeholt. Ganz nachvollziehen, kann man solche Entscheidungen nicht. Ich werde häufig mit der Frage konfrontiert, warum ich nicht angemeldet werde, sondern eben ein Ausländer. Da kann ich nur sagen, fragt die Vereinsführung.

LAOLA1: Greifen wir dieses Thema dennoch auf: Du befindest dich in der Warteschleife, dennoch wird ein Angreifer verpflichtet, welcher zuvor nicht den Erwartungen entsprach. Wie argumentierten es die Capitals dir gegenüber?

Harand: Die Begründung der sportlichen Leitung war, dass ich kein Center bin, sie aber diese Position besetzen wollen. Ich habe in meinem Leben schon Verteidiger gespielt, sowohl im Nationalteam wie auch in der Liga, und ebenfalls schon einige Partien als Mittelstürmer. Ich bin ein Allrounder, der von heute auf morgen überall eingesetzt werden kann. In der European Trophy hat mich der Head Coach reingeworfen. Ich musste Center spielen und fertig. Daher wäre es kein Malheur gewesen.

LAOLA1: Die Führungsriege blieb bisher ein Statement zur Causa Harand schuldig. Woran liegt das?

Harand: Ich habe das Gefühl, als möchte man alles unter den Teppich kehren. Hoffentlich spricht uns keiner darauf an, vielleicht gerät das Ganze in Vergessenheit. Und am 31. Jänner, Transfer-Schluss für Europa, kann sowieso nichts mehr geschehen.

LAOLA1: Nach dem Karriereende Harald Ofners (Hier geht’s zum Interview) wäre neuerlich ein Platz im Aufgebot offen. Die Punkteregel verhindert allerdings deine Nominierung, warum?

Harand: Jetzt beendet ein Spieler seine Karriere, der Verein steckt mitten in der Saison. Und mit mir hätten die Capitals jemanden, der aber wegen seiner drei Punkte nicht einzusetzen ist. Die Regelung macht mir einen Strich durch die Rechnung, weil Ofner nur zweieinhalb wert ist. Daher geht sich das um einen halben Zähler nicht aus. Ich habe Verständnis für den Klub, denn die 60 Punkte sind ausgeschöpft und es wurde zwei von drei Mal getauscht. Sie haben Ofner abgemeldet und Kavanagh an, zuvor noch Nathan Robinson statt Kavanagh. Damit bleibt nur ein Tausch übrig. Wenn ich jetzt in den Kader geholt werde, wäre es der dritte. Somit könnten sie nicht mehr auf Verletzung reagieren und keine neuen Spieler verpflichten. Da gehört das Regelment hinterfragt. Damit schneidet sich die EBEL selbst in den Finger, das ist für die Vereine wirklich schlecht.

LAOLA1: Inwiefern belastet dich diese Ungewissheit bezüglich Zukunft?

Harand: Für einen Profi-Sportler ist es eine schwierige Situation. Ich liebe Eishockey, möchte auf dem Eis stehen. In elf Jahren meiner Karriere ist mir so etwas noch nie wiederfahren. Wenn alles gut läuft und ich keine Verletzungen habe, könnte ich noch zehn Jahre spielen. Siehe Mike Craig in Villach, der mit 41 Lenzen Leistung bringt. Die Situation ist schwer. Ich kann mich zwar sportlich betätigen, jedoch fehlt mir einfach die Challenge. Ich bin Spieler, da braucht man den Kick. Tägliches Training ist keine Herausforderung. Während einer Partie geht es um Instinkte. Über meine Qualität braucht man nicht zu reden. Die Leute wissen, wo ich war und was ich erreichte habe. Ich bin sicher gut genug für diese Liga.

LAOLA1: Denkst du über einen solch folgenschweren Entschluss, wie ihn Ofner unlängst verkündete, nach?

Harand: Sicherlich nicht! Es gibt andere Optionen. Wenn ich in Österreich nicht spielen kann, also es in Wien nichts wird, habe ich wohl keine Möglichkeit, als im Ausland das Beste aus dieser Situation zu machen. Oder ich finde in der EBEL einen Verein, der Punkte frei hat. Konkretes gibt es bislang nicht. Mein Agent hört sich um, in Schweden und Russland in der zweiten Liga, eventuell ergibt sich auch in Finnland etwas. Man muss vorbauen, denn ein Arbeitgeber ist nicht von heute auf morgen zu finden. Ich bin in der Blüte meines Lebens, möchte mich beruflich nicht anderweitig umsehen. Die Caps sind mein erster Ansprechpartner. Ich bin nicht arbeitslos, sondern habe einen rechtlich gültigen Vertrag.

Das Gespräch führte Christoph Köckeis

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